Website-Icon News4teachers

Verhaltensstörungen und schlechte Motorik bei immer mehr Erstklässlern

Anzeige

ERFURT. Balancieren oder Bälle fangen – das fällt offenbar immer mehr Schulanfängern schwer. Viele kommen auch mit Sprachdefiziten und Verhaltensstörungen zur Schule, wie aktuelle Untersuchungen in Thüringen zeigen.

Zu viel Fernsehen? Immer mehr Kinder fallen bei den Schuleingangsuntersuchungen auf. Foto: horrigans / Flickr (CC BY-NC 2.0)

In Thüringen – und wohl auch bundesweit – hat der Anteil von Schulanfängern mit Verhaltensstörungen weiter zugenommen. Bei fast 17 Prozent der Abc-Schützen stellten die Thüringer Gesundheitsämter Verhaltensauffälligkeiten und psychische Probleme fest, wie das Landesverwaltungsamt auf Anfrage mitteilte. Auch der Anteil der Kinder mit Sprachstörungen oder Bewegungsdefiziten ist nach den Ergebnissen der Einschulungsuntersuchungen 2011/12 auf einen neuen Höchstwert gestiegen. So kann fast ein Viertel der Mädchen und Jungen bei ihrer Einschulung nicht richtig sprechen. Sprachstörungen sind die häufigste gesundheitliche Beeinträchtigung von Schulanfängern.

In Thüringen beginnt am kommenden Montag das neue Schuljahr, am Wochenende erhalten die Erstklässler ihre Zuckertüten. Defizite in der Motorik haben laut Landesverwaltungsamt mehr als 13 Prozent der Schulanfänger – wofür Fachleute den Bewegungsmangel bei Kindern verantwortlich machen. «Kinder werden heutzutage mit dem Auto in die Kita gebracht und abgeholt. Das Spiel im Freien hält sich bei vielen Kindern sehr in Grenzen», sagte die Weimarer Kinder- und Jugendärztin Monika Niehaus. Auch der hohe Fernsehkonsum spiele eine Rolle. Die häufigen Sprachdefizite hingen damit zusammen, dass in vielen Familien zu wenig gesprochen und erzählt werde.

Anzeige

Übergewichtig sind rund 12 Prozent der Erstklässler, der Anteil der Abc-Schützen mit Adipositas (Fettsucht) liegt seit einigen Jahren bei rund fünf Prozent. Nicht ganz drei Prozent der Schulanfänger kämpfen mit allergischem Schnupfen, knapp sieben Prozent leiden unter der chronischen Hauterkrankung Neurodermitis. Untersucht wurden rund 17 400 angehende Schulkinder. Daten für den aktuellen Einschulungsjahrgang liegen noch nicht vor.

Verhaltensauffälligkeiten nehmen auch bei anderen Altersgruppen zu. Bei mehr als 18 Prozent der untersuchten Kindergarten- und Vorschulkindern fielen den Ärzten zum Beispiel Konzentrationsschwächen oder große Unruhe auf, wie der MDR berichtete. Vor zehn Jahren waren es rund zehn Prozent. Bei den Viertklässlern stieg der Anteil der auffälligen Kinder im gleichen Zeitraum von fünf auf fast neun Prozent. Bei den Achtklässlern hat sich der Anteil sogar fast vervierfacht: Von rund zwei Prozent im Schuljahr 2001/2002 auf jetzt mehr als acht Prozent. Marion Peterka vom Gesundheitsamt Suhl verwies im MDR darauf, dass die Entwicklung in Thüringen dem allgemeinen Trend in Deutschland entspricht.

Zum Bericht: “Immer mehr Kinder bekommen Ritalin – Hamburg ist Spitzenreiter”

 

 

Anzeige
Die mobile Version verlassen