STUTTGART/KÖLN. Die Inklusion macht den Schulträgern zunehmend zu schaffen. Immer mehr Förderschüler drängen in die Regelschulen. Doch die Kommunen kommen mit der Umsetzung kaum hinterher – Kritik wird laut. „Wir stehen hinter der Inklusion, aber wir stoßen an unsere Grenzen“, sagt etwa Stuttgarts Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) einem Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ zufolge. In Nordrhein-Westfalen will der Städte- und Gemeindebund offenbar nun das Land verklagen.
Vor vier Jahren gab es in Stuttgart gerade mal 87 Sonderschüler, die Regelschulen besuchen. Im kommenden Schuljahr rechnet die baden-württembergische Landeshauptstadt schon mit 1.000 Inklusionsschülern. Tendenz: stark steigend. Viele Eltern wollten eben, dass ihr behindertes Kind eine Regelschule besucht, erklärt Schulbürgermeisterin Eisenmann der „Stuttgarter Zeitung“ zufolge – und ab dem kommenden Schuljahr haben sie auch das Recht dazu; ihr Anspruch ist dann im Schulgesetz fixiert. Wenn die Stadt nicht rechtzeitig allen Inklusionskindern einen Zugang ermögliche, könne es sein, dass betroffene Familien ihr Recht einklagen, sagt Eisenmann. Denn tatsächlich stelle die Entwicklung die Kommunen vor große logistische Herausforderungen, die von der Organisation der Schülerbeförderung bis hin zur Schulentwicklungsplanung reichen, so heißt es.
Die Ressourcen schlicht umzutopfen von den Sonder- auf die Regelschulen funktioniert offenbar nicht: Die Zahl der Sonderschüler sinkt laut Bericht nämlich nicht im erwarteten Umfang, weil immer öfter ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wird. So fehle Personal für die Betreuung der behinderten Kinder, etwa in der verlässlichen Grundschule oder der verbindlichen Ganztagsschule. In welcher Größenordnung, das sei noch nicht klar, so Eisenmann gegenüber der Zeitung. „Das müssen wir erst noch bewerten. Aber da gibt es kommunalen Handlungsbedarf.“
Auch in Köln sorgen zunehmende Probleme mit der Inklusion für Schlagzeilen. In der Domstadt hat sich die Zahl der Schüler mit Behinderung, die eine Regelschule besuchen, in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt, so berichtet der WDR. Im kommenden Schuljahr, so die Prognose, werde sie sich noch einmal deutlich erhöhen.
Ob die Inklusion funktioniere, hänge vor allem davon ab, ob es an einer Schule ausreichend Sonderpädagogen gibt, sagt Eva-Maria Thoms laut Bericht vom Verein „Mittendrin”, der Eltern von Kindern mit Behinderung berät. Aber an dieser Unterstützung mangelt es offenbar recht häufig in Köln: An manchen Schulen seien die Sonderpädagogen nur ein paar Stunden pro Woche beschäftigt, oft seien sie für mehrere Schulen tätig – da sei die Zeit manchmal zu knapp, um den Unterricht gemeinsam mit dem jeweiligen Lehrer vorzubereiten und durchzuführen. „Der Sonderpädagoge bleibt dann ein Fremdkörper und es besteht die Gefahr, dass die Schule das Unterrichten der Förderkinder den Sonderpädagogen überlässt. Und das ist natürlich nichts, was zur Inklusion führt”, so zitiert der Sender Eva-Maria Thoms. Weiter stellt sie fest: Die Skepsis vieler Eltern gegenüber Inklusion habe sich auch auf viele Lehrer übertragen. Viele Lehrer seien verunsichert. Thoms: „Sie fühlen sich nicht gut vorbereitet, sie haben Angst, dass sie nicht unterstützt werden, sie haben Angst vor Überforderung.”
Der Städte- und Gemeindebund NRW will einem Bericht der „Rheinischen Post“ zufolge wegen der Kosten für die Inklusion sogar Verfassungsklage einreichen. „Es gibt unterschiedliche Auffassungen zwischen Land und Kommunen über die Auslegung der im vergangenen Jahr getroffenen Vereinbarung”, so zitiert das Blatt den Präsidenten des Städte- und Gemeindebundes, Eckhard Ruthemeyer. Heißt: Es geht – mal wieder – ums Geld. Land und Kommen in NRW hatten monatelang um die Finanzierung der Inklusion gerungen. Insbesondere die Frage, wer die Inklusionshelfer bezahlt war dabei ein Streitpunkt. News4teachers
Zum Bericht: Verwirrende Studien zur Inklusion – klar wird nur: Viele Eltern sind skeptisch
