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Nach dem Iglu-Schock: Montessori-Vorsitzender warnt vor noch mehr Leistungsdruck

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BERLIN. Jörg Boysen, Vorsitzender von Montessori Deutschland, hat angesichts der schlechten Iglu-Ergebnisse davor gewarnt, nun den Leistungsdruck in den Grundschulen zu erhöhen. Nötig sei vielmehr eine pädagogische Neuausrichtung – hin zu den Bedürfnissen der Kinder.

“Achtsam und respektvoll mit Kindern umgehen”: Jörg Boysen, Vorsitzender von Montessori Deutschland. Foto: privat

“Die Ergebnisse der Iglu-Studie sind erschreckend, können aber nicht wirklich überraschen. Es gab ja schon vorher Leistungsvergleiche, die den negativen Trend aufgezeigt haben. Wir sollten uns vor panischen Reaktionen hüten. Aus unserer Sicht grundfalsch wäre es zum Beispiel, im Regelschulsystem jetzt den Leistungs- und Notendruck auf die Kinder noch weiter zu erhöhen. Es gibt dort keinen Mangel an Ansprüchen”, betonte Boysen im Gespräch mit News4teachers.

Die Pandemie habe in vielen Familien Spuren hinterlassen. “Die Kinder haben oftmals am meisten unter den Beschränkungen gelitten. Viele benötigen nach wie vor Zeit, Ruhe und gute Beziehungen zum pädagogischen Personal, um psychisch und emotional wieder in die Spur zu kommen. Dafür müssen zeitliche Ressourcen ins System, nicht noch mehr Inhalte. Auch Sprachprobleme, die viele Kinder mit Migrationshintergrund betreffen, lassen sich nicht mit mehr Druck aus der Welt schaffen.”

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Der Vorsitzende des Montessori Bundesverbands, in dem Montessori-Schulen und -Kitas aus ganz Deutschland zusammengeschlossen sind, erklärte: “Was wir aber grundsätzlich benötigen, ist eine pädagogische Neuausrichtung: hin zu den Bedürfnissen der Kinder. Unsere Einrichtungen, die sich in Montessori Deutschland zusammengeschlossen haben, verbindet die Überzeugung, dass Lernen nur dann gut gelingen kann, wenn wir achtsam und respektvoll mit Kindern umgehen – ohne Noten, ohne Druck, dafür mit Anerkennung des Individuums in seinem Lern- und Entwicklungsprozess und echter Inklusion. Nun wäre es aus unserer Sicht an der Zeit, die Lehrerausbildung insgesamt anzuschauen, ebenso die Gestaltung des Regelunterrichts in der Grundschule, um Kinder wirksamer individuell fördern zu können. Um es mal positiv auszudrücken: Jede Krise birgt auch eine Chance.” News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers heiß diskutiert:

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