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Sozialer Status (auch der Klassengemeinschaft) beeinflusst Gymnasial-Empfehlung

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DORTMUND. Zum Ende der Grundschulzeit erhalten Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien deutlich seltener eine Empfehlung für den Wechsel auf ein Gymnasium als Kinder aus sozioökonomisch privilegierten Familien – auch bei gleichen Leistungen. Das geht aus einer Sonderauswertung der IGLU 2021 Studie des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) hervor. Studien- und IFS-Leiterin Nele McElvany fordert daher, Lehrkräfte für die systematischen Unterschiede bei den Übergangsempfehlungen zu sensibilisieren.

Kinder aus armen Familien haben deutlich geringere Bildungschancen. Symbolfoto: Shutterstock/Prostock-studio

Der Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule stellt die Weichen für die weiteren Bildungskarrieren. Um Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit zu gewährleisten, sollte der soziale Hintergrund für eine Gymnasialempfehlung keine Rolle spielen. Das Institut für Schulentwicklungsforschung, das im Mai 2023 die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU-Studie) vorgelegt hatte, ist daher auf Grundlage der Daten der Frage nachgegangen, ob das tatsächlich auch in der Praxis der Fall ist – mit einem ernüchternden Ergebnis. Demnach erhalten Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien nur etwa halb so häufig eine Gymnasialempfehlung wie Kinder aus sozioökonomisch privilegierten Familien. Auch bei gleichen Leistungen ist die Wahrscheinlichkeit noch deutlich niedriger. Und: Die Wahrscheinlichkeit einer Gymnasialempfehlung steigt überdies für Kinder beider Gruppen, wenn sie eine Klasse mit im Mittel höherem sozioökonomischen Status besuchen.

Benachteiligung unabhängig der Leistungen

Die IGLU-Daten zeigen, dass Kinder aus sozial besser gestellten Familien mit knapp 63 Prozent etwa doppelt so häufig eine Gymnasialempfehlung erhalten wie Kinder aus sozial schlechter gestellten Familien (27 Prozent). Selbst vergleichbare Leistungen sorgen nicht automatisch für dieselbe Übertrittsempfehlung. „Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien werden also unabhängig von der erbrachten Leistung benachteiligt“, sagt IGLU-Mitarbeiter Dr. Ruben Kleinkorres. „Unsere Analysen zeigen, dass auch bei vergleichbarer Leistung mit Blick auf Lesekompetenz, kognitive Fähigkeiten, Schulnoten sowie das Arbeits- und Sozialverhalten, Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien weit seltener eine Gymnasialempfehlung erhalten als Kinder aus sozioökonomisch privilegierten Familien.“ Somit lasse sich der Unterschied bei der Gymnasialempfehlung nicht darauf zurückführen, dass Kinder aus Familien mit einem höheren sozioökonomischen Status bessere Leistungen erbringen, weil sie von mehr Unterstützung und besserer Förderung profitieren, heißt es von Seiten des IFS.

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Doch nicht nur der individuelle sozioökonomischen Hintergrund hat Einfluss auf die Gymnasialempfehlung. Der IGLU-Sonderauswertung zufolge ist auch der durchschnittliche sozioökonomischen Status der Klasse entscheidend. „Wenn die Klasse einen insgesamt überdurchschnittlichen sozioökonomischen Status aufweist, erhalten Kinder häufiger eine Gymnasialempfehlung, als wenn die Klasse einen unterdurchschnittlichen sozioökonomischen Status aufweist“, so Kleinkorres. Im ersten Fall profitieren davon allerdings alle Kinder: Bei Kindern mit schwachem sozioökonomischen Hintergrund liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Gymnasialempfehlung dann rund sieben Prozent höher, bei Kinder aus bessergestellten Familien zwölf Prozent als in Klassen mit durchschnittlich niedrigem sozioökonomischen Status. Daraus ergibt sich allerdings auch, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien, die Klassen mit einem niedrigen durchschnittlichen sozioökonomischen Status besuchen, die geringsten Chancen haben, eine Gymnasialempfehlung zu erhalten.

Notwendig: Förderung der Kinder und Sensibilisierung der Lehrkräfte

„Für die Wahrung von Entwicklungs- und Teilhabechancen der Kinder selbst, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes ist es wichtig, dass wir allen Schülerinnen und Schülern Bildungswege entsprechend ihrer Potentiale ermöglichen“, kommentiert Professorin Nele McElvany, Studienleiterin und Geschäftsführende Direktorin des IFS, die Ergebnisse. Dafür sei es einerseits notwendig Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien frühzeitig durch Zugang zu wirksamen Bildungsangeboten zu fördern, damit sich Unterschiede nicht manifestieren. „Andererseits gilt es Lehrkräfte für die systematischen Unterschiede bei den Übergangsempfehlungen für ein Gymnasium – auch bei gleichen Leistungen der Kinder – zu sensibilisieren.“ News4teachers

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