BERLIN. Berlins Lehrer fühlen sich betrogen. Durch die Hintertür soll ihre Arbeitszeit verlängert werden. Dabei sehen sich viele in den schwierigen Hauptstadtschulen schon jetzt an der Belastungsgrenze.
Etwa 400 Berliner Lehrer sind aus Protest gegen eine versteckte Erhöhung ihrer Arbeitszeit auf die Straße gegangen. An der Fassade der Senatsbildungsverwaltung entrollten sie am Donnerstag ein Transparent mit der Aufschrift «Wir lassen uns von Wowereit und Nußbaum nicht betrügen!». Auch vor der Finanzverwaltung gab es im Schneegestöber eine Kundgebung. Der rot-schwarze Senat wolle die Arbeitszeit der angestellten Lehrer erhöhen, indem er ohne angemessenen Ausgleich die Arbeitszeitkonten abschaffe, kritisierte die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Sigrid Baumgardt.
Die angesparten Tage seien ohnehin nur ein schwacher Ausgleich für die 2003 verordnete Arbeitszeitverlängerung gewesen, sagte Baumgardt. Seit diesem Jahr arbeiten die angestellten Lehrer in Berlin wöchentlich eine Stunde mehr als im Vertrag festgeschrieben. Die Mehrarbeitsstunden sparen sie auf dem Arbeitszeitkonto an, um früher in den Ruhestand zu gehen.
Die Arbeitskonten seien immerhin noch als Signal wahrgenommen worden, dass es einen Ausgleich für die Ungleichbehandlung der angestellten Lehrer zu Beamten geben müsse, sagte Baumgardt. Jetzt dagegen fühlten sich die Lehrer betrogen. Mehr als 4000 Unterstützer haben bereits eine Petition auf der Internetseite der GEW unterzeichnet. Die Gewerkschaft fordert den Erhalt der Konten zumindest für junge Kollegen und eine Wochenstunde weniger für Lehrer ab 55 Jahren.
Zum Bericht: “GEW: Wowereit will Arbeitszeit der Lehrer durch die Hintertür erhöhen”
