ERFURT. Alle Kultusminister in Deutschland haben es bislang vermieden, einen konkreten Grenzwert zu nennen, ab wann Schulöffnungen wieder möglich sind. Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) ist im aktuellen Lockdown der erste, der sich festlegt. «Das bedeutet: Bei einer Inzidenz unter 50 können wir den normalen Betrieb wieder aufnehmen», sagt Holter. Der Wert ist nicht zufällig gewählt: Er entspricht den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Das allerdings hat Konsequenzen für die Dauer des Lockdowns.
Das bedeutet nämlich laut Holter auch, man müsse damit rechnen, dass die Schulen noch monatelang wegen des Infektionsgeschehens geschlossen bleiben könnten. «Wir stellen uns darauf ein, dass das bis Ostern gehen kann. Wenn die Inzidenzen zurückgehen, werden auch die Schulen im eingeschränkten Betrieb oder auch im vollen Betrieb wieder arbeiten», sagte Holter. Zwischenschritte auf dem Weg zu einem Wert von unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen seien denkbar. «Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 200 können wir auch zusammen mit dem Gesundheitsministerium entscheiden, ob wir in den eingeschränkten Regelbetrieb wechseln», sagte der Minister. Dies müsse dann auch dauerhaft anhalten.
Allerdings gibt es nach wie vor Ausnahmen – für Schüler der Abschlussklassen sowie mit besonderem Förderbedarf
Das Robert-Koch-Institut empfiehlt für Schulen in Städten und Landkreisen mit einem höheren Inzidenzwert als 50 Wechselunterricht (um die Abstandsregel einführen zu können) sowie eine generelle Maskenpflicht im Unterricht. Im Thüringer Bildungsministerium überarbeite man derzeit das Stufenkonzept für den Schulbetrieb in Corona-Zeiten, hieß es. Das sieht drei Stufen vor: normaler Betrieb (Stufe grün), eingeschränkter Betrieb (Stufe gelb) oder Schließungen, weil zum Beispiel Corona-Infektionen an der Schule auftraten (Stufe rot).
Der “eingeschränkte Betrieb” bedeutet für Schulen, dass zumindest ab Klasse 7 nach den RKI-Empfehlungen verfahren wird, konkret: Die Klassenstufen 1 bis 6 verbleiben im Präsenzunterricht in festen Gruppen wo es möglich ist, soweit vor Ort nichts anderes festgelegt ist. Ab Klassenstufen 7 wird an den Schulen zusätzlich der Mindestabstand von 1,5 m auch im Unterricht angeordnet. Dadurch kommt es in der Regel zum Wechselbetrieb aus Präsenzunterricht und häuslichem Lernen.
Allerdings gibt es nach wie vor Ausnahmen: Die neue geplante Verordnung, die nach bisherigen Plänen am Montag veröffentlicht werden und am Dienstag in Kraft treten soll, sieht unter anderem vor, dass neben den Schülern der Abschlussklassen auch Kinder und Jugendliche mit besonderem Förder- oder Unterstützungsbedarf wieder in der Schule unterrichtet werden können. Dem Deutschlandfunk sagte Holter dazu: «Wir haben gar keine andere Chance, als diese Schülerinnen und Schüler, die nicht richtig mitkommen beziehungsweise abgehängt sind, in die Schulen zu holen.» Er wisse, dass die Schulen diese Schüler unterstützen würden. «Wir können nicht diese jungen Menschen abschreiben und sagen: Es ist uns egal.»
AfD lehnt alle Corona-Schutzmaßnahmen ab – der CDU ist die Perspektive für Schulen, erst nach Ostern zu öffnen, zu lang
Thüringen galt auch am Samstag als das Land mit dem bundesweit höchsten Inzidenzwert. Im Freistaat lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen bei 209,5, wie aus Zahlen der Thüringer Staatskanzlei hervorgeht. Die Thüringer CDU-Fraktion kritisierte Holter für seine Aussagen, dass die Schulen möglicherweise bis Ostern geschlossen bleiben müssen, scharf. «Erst zieht er die Winterferien nach vorne, um die Schulen zum 1. Februar wieder öffnen zu können. Jetzt überrascht er die Schüler am ersten Ferientag mit der Ankündigung, dass sie bis nach Ostern zu Hause bleiben sollen», erklärte CDU-Fraktionschef Mario Voigt.
Auch die AfD-Fraktion lehnt Holters Pläne ab. «Wir fordern ausdrücklich nach den Winterferien zum Präsenzunterricht für alle Schularten und Klassenstufen zurückzukehren», erklärte der bildungspolitische Sprecher der Thüringer AfD-Fraktion, Denny Jankowski. Die AfD hatte bereits am Freitag gefordert, die weiteren geplanten Anti-Corona-Maßnahmen nicht umzusetzen und die aktuell geltenden Regeln außer Kraft zu setzen. News4teachers / mit Material der dpa
