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Ehemaligenstudie zu Montessori-Schulen in Deutschland: Selbstständigkeit, Gemeinschaft und Wertschätzung erfahren

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BERLIN. Werden Montessori-Schulen ihrem eigenen Anspruch gerecht, Kinder und Jugendliche besonders gut auf das Leben vorzubereiten? Offensichtlich schon: Montessori-Absolvent:innen stellen ihren Schulen ein differenziertes, aber durchweg positives Zeugnis aus. Als besondere Erfahrungen werden in der Rückschau Selbstständigkeit, Gemeinschaft und Wertschätzung genannt. Dies sind Ergebnisse einer Studie, die jetzt im Beltz-Verlag erschienen ist.

Selbstständigkeit, Gemeinschaft, Wertschätzung und Freude am Lernen – das sind Begriffe, die Ehemalige mit Montessori verbinden (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

„Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“ – so heißt es. Gerade Montessori-Schulen haben den Anspruch, Kinder auf ihrem Weg von der Kindheit über die Jugend bis ins junge Erwachsenenalter zu begleiten und ihnen die Möglichkeit anzubieten, selbstständige, mündige und unabhängige Bürger:innen unserer Gesellschaft zu werden. Doch gelingt das auch?

Nienhuis Montessori

Maria Montessori. Foto: Nienhuis Montessori

Kennen Sie Albert Nienhuis? Der niederländische Zimmermann stellte in enger Zusammenarbeit mit Maria Montessori Lernmittel her, die ihrer pädagogischen Vision entsprachen. 1929 gründete er Nienhuis Montessori, den weltweit führenden Anbieter von Montessori-Materialien.

Seit über 85 Jahren vereint das Unternehmen Handwerkskunst mit technischer Finesse. Die Produktwelt von Nienhuis Montessori ermöglicht es Kindern heute so gut wie zu Albert Nienhuis Zeiten, ihre Welt eigenständig zu erkunden. Wir nutzen nur beste Materialien, verarbeitet mit Sorgfalt, Hingabe, dem Blick fürs Detail – und einer tiefen Verbundenheit mit der Pädagogik Maria Montessoris. Seit Jahrzehnten bereits ist Nienhuis Montessori offiziell von der Association Montessori Internationale anerkannt.

Hier bekommen Sie weitere Informationen über Nienhuis Montessori.

Um das herauszubekommen, hat der Montessori Bundesverband Deutschland ehemalige Schülerinnen und Schüler per Online-Fragebogen zu ihren Erfahrungen und Einschätzungen der eigenen Schulzeit befragen lassen. 800 junge Menschen im Alter zwischen 17 und 39 Jahren haben an der qualitativen, nicht-repräsentativen Umfrage, die von der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn wissenschaftlich begleitet und ausgewertet und durch die Software AG Stiftung unterstützt wurde, teilgenommen. Sie besuchten 26 verschiedene Schulen in acht Bundesländern.

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„Die Ergebnisse der vorliegenden Studie haben unsere Erwartungen mehr als erfüllt“

Ergebnisse: Der weitaus größte Teil (88 %) der befragten Absolvent:innen gibt an, sie würden wieder auf eine Montessori-Schule gehen. Diese Aussage korreliert mit drei benannten Erfahrungen: 1. Von den Lehrern ernst genommen werden, 2. Lernfreude, 3. Entwicklung eines Selbstwertgefühls.

Als zentrale positive Erfahrungen ihrer Schulzeit nennen die ehemaligen Schüler:innen die Themen Selbstständigkeit (38,6%), Gemeinschaft (17,8%), Wertschätzung (14,5%) und Freude am Lernen (9,8%). Mehr als 90 Prozent von ihnen fühlten sich von den begleitenden Lehrkräften ernst genommen. In ihren späteren Ausbildungen und Berufen orientieren sich die Jugendlichen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung häufiger in den Berufsbereichen Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung, Sprach-, Literatur-, Geistes-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissen­schaften, Medien, Kunst, Kultur und Gestaltung. Hier stehen eher zwischenmenschliche Beziehungsaspekte und kreative (Neu-)Gestaltung im Vordergrund.

Schwierigkeiten gab es vor allem beim Wechsel der Lernkultur in Richtung staatlicher Schul­abschlüsse, beim Fachwissen in bestimmten Fächern sowie mit der Unwissenheit und Vorurteilen in der Öffentlichkeit gegenüber der Montessori-Pädagogik. Der Lehrkräftemangel und die organisatorischen Strukturen wurden an einigen Schulen als herausfordernd empfunden.

„Über die Antworten, die wir von den Ehemaligen erhalten haben, können sich alle beteiligten Schulen freuen“, sagt Nina Villwock, Mitherausgeberin der Studie und Vorstandsmitglied von Montessori Deutschland. „Seit vielen Jahren zeigen diese Schulen, wie eine kind- bzw. jugendgerechte Bildung im Sinne des Gemeinwohls gelingen kann. Längst sind die wissenschaftlichen Thesen, die die Anthropologin Dr. Maria Montessori aufgestellt hat, von Bildungsforscher:innen oder Neurowissenschaftler:innen bestätigt worden.“ Und das zeige sich an den ehemaligen Schülerinnen und Schülern. „Selbstbewusst berichten die Montessori-Schüler:innen vom Einfluss, den die Montessori-Schule auf ihre persönliche Entwicklung hatte, und welche Elemente der Montessori-Pädagogik sie heute – auch in Bezug auf ihre aktuelle Lebenssituation für wichtig halten.“

„Die Ergebnisse der vorliegenden Studie haben unsere Erwartungen mehr als erfüllt. Sie dienen in vielfacher Hinsicht als ‚Steilvorlage‘ für die Qualitätsentwicklung und auch für die Profilbildung/-schärfung der Montessori-Schulen“, sagt Dr. Jörg Boysen, Vorsitzender von Montessori Deutschland.

„Die Pädagogik von Maria Montessori ist vor dem Hintergrund der ökologischen, der sozialen und der Sinnkrisen hoch aktuell“

In ihrem Vorwort zur Studie würdigt Margret Rasfeld, ehemalige Lehrerin, Schulleiterin, Mitbegründerin und Geschäftsführerin der Initiative ‚Schule im Aufbruch‘, die Montessori-Pädagogik. „Die Pädagogik von Maria Montessori ist vor dem Hintergrund der ökologischen, der sozialen und der Sinnkrisen hoch aktuell“, schreibt sie. Um Zusammenhänge zu verstehen, um Verantwortung zunächst für das eigene Lernen und für das Mit-Lernen mit anderen zu übernehmen, um dann mit der Erfahrung von Kooperation für den Schutz unseres Planeten einstehen zu können, sei es wichtig, „dass junge Menschen an sich glauben, dass sie erfahren, dass sie richtig und wichtig sind in ihrer je eigenen Einzigartigkeit, dass sie sich angstfrei und gemäß ihren individuellen Möglichkeiten entwickeln können und in sozialen Gemeinschaften ganzheitlich-schöpferisch tätig sein dürfen, mit Lernfreude, Kreativität und Neugier.“

Dass sich die Montessori-Schulen mit der vorliegenden Studie einer Selbstüberprüfung gestellt haben, verdiene ausdrückliche Anerkennung. News4teachers

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