Montessori reloaded: Die Schule der Zukunft baut auf Digitalisierung des Unterrichts – und auf eine „Pädagogik 3.0“

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BERLIN. Die Digitalisierung der Schulen schreitet rasant voran. Die Frage ist allerdings: Wohin? Der Computereinsatz kann den Unterricht in den nächsten Jahren gravierend verändern – zum Positiven, wie der renommierte Bildungsforscher Olaf-Axel Burow meint. Er postuliert bereits eine „Pädagogik 3.0“. Das auf den ersten Blick so revolutionär anmutende Konzept baut tatsächlich auf über 100 Jahre alte Prinzipien: die von Maria Montessori. Deren Ansatz („Hilf mir, es selbst zu tun“) prägt den neuen Geist.

Maria Montessori, hier ein nachträglich koloriertes Foto von 1913, hat pädagogische Prinzipien formuliert, die noch heute gelten – gerade in Zeiten der Digitalisierung. Foto: Wikimedia Commons / Public Domain CC BY-SA 4.0

Worin bestehen die Chancen eines digital gestützten Unterrichts? „Ich sehe hier vor allem zwei zentrale Aspekte“, erklärt der Bildungsforscher Prof. em. Olaf-Axel Burow, der in diesem Jahr auf zwei pädagogischen Leitveranstaltungen – dem Deutschen Schulleiterkongress (DSLK) sowie dem Seminartag des Lehrerausbilder-Verbands bak Lehrerbildung – als Hauptreferent auftrat: Erstens, „digitale Medien, kompetent eingesetzt, eröffnen völlig neue Möglichkeiten passgenauen, binnendifferenzierenden Lehrens und Lernens“ und, zweitens, „sie können Lehrer/innen von der Vermittlung von Basiswissen entlasten und geben ihnen die Möglichkeit zu Lernumgebungsdesignern zu werden, die die gewonnene Zeit für die zielgenaue Lernberatung von Schüler/innen nutzen können“.

Nienhuis Montessori

Maria Montessori. Foto: Nienhuis Montessori

Kennen Sie Albert Nienhuis? Der niederländische Zimmermann stellte in enger Zusammenarbeit mit Maria Montessori Lernmittel her, die ihrer pädagogischen Vision entsprachen. 1929 gründete er Nienhuis Montessori, den weltweit führenden Anbieter von Montessori-Materialien.

Seit über 85 Jahren vereint das Unternehmen Handwerkskunst mit technischer Finesse. Die Produktwelt von Nienhuis Montessori ermöglicht es Kindern heute so gut wie zu Albert Nienhuis Zeiten, ihre Welt eigenständig zu erkunden. Wir nutzen nur beste Materialien, verarbeitet mit Sorgfalt, Hingabe, dem Blick fürs Detail – und einer tiefen Verbundenheit mit der Pädagogik Maria Montessoris. Seit Jahrzehnten bereits ist Nienhuis Montessori offiziell von der Association Montessori Internationale anerkannt.

Hier bekommen Sie weitere Informationen über Nienhuis Montessori.

Insbesondere der „Flipped Classroom“, der „umgedrehte Unterricht“, und Gamification, also „Spielifizierung“, böten Chancen für passgenaues, individualisiertes, aber auch kollaboratives Lernen und die Entlastung von LehrerInnen – jedenfalls, wenn sie qualifiziert entwickelt werden, meint Burow. Hintergrund: Flipped Classroom bedeutet, dass Schüler/innen sich zunächst selbstständig mit Hilfe von interaktiven Lernmedien wie Lernvideos und Lernplattformen Lernstoff aneignen, üben und mit ihren Peers austauschen, bevor der im Unterricht mit der Lehrkraft thematisiert wird.

Burow: „Schüler/innen können so passgenauer an ihren individuellen Lernständen lernen und Lehrer werden von der traditionellen Unterrichtstätigkeit entlastet. Sie wandeln sich schrittweise zu Lernumgebungsdesignern, die die geeigneten Lernmedien passgenau für den einzelnen Schüler oder die Projektgruppe zuschneiden und als Lernberater ihre Lerntätigkeit begleiten.“ In Zukunft würden sie dabei durch „Data Mining“ unterstützt, das heißt die Lernsoftware analysiert die Lerntätigkeit und liefert dem Lehrer differenzierte Lernprofile mit deren Hilfe sie die Fortschritte und Defizite der Schüler erkennen und Fördermaßnahmen einleiten können.

Eine weitere vielversprechende Perspektive für die Schule der Zukunft und eine veränderte Lehrerrolle böte die Gamifizierung des Lernstoffes, erklärt Burow – und beruft sich dabei ausdrücklich auch auf Maria Montessori. „Von Friedrich Schiller und Maria Montessori über Celestin Freinet bis hin zur modernen Hirnforschung zieht sich eine beeindruckende Kette von Argumentationen, die die Bedeutung des Spiels für die menschliche Entwicklung hervorheben“, erklärt der Bildungsforscher.

Er fragt: „Warum verdammen so viele Eltern und Pädagogen dann Computerspiele und was ist für Schüler/innen an ihnen so interessant? Computerspiele sind verstehbar, bedeutsam und handhabbar und erzeugen beim Spieler ein Kohärenzgefühl. Sie bilden damit eine ideale, eine salutogene Lernsituation ab. Computerspieler erfahren ‚flow‘, weil sie so aufgebaut sind, dass sie die Spieler herausfordern, aber nicht überfordern. Die Spieler haben permanent Erfolgserlebnisse, weil sie ein sofortiges, zielgenaues Feedback über ihre Leistungen erhalten. (…) „Die Spieler handeln selbstbestimmt, erfahren Kompetenzzuwachs sowie Sinn- und Zugehörigkeitsgefühl. All dies erreicht der traditionelle Unterricht im Klassenverband, der noch all zu oft darauf abzielt, für alle zur gleichen Zeit das Gleiche zu vermitteln, nur unzureichend.“

„Digitale Medien eröffnen die Möglichkeit, das Lernen individueller, interaktiver, internationaler und kreativer zu gestalten“

Burow postuliert eine Pädagogik 3.0. „Während Pädagogik 1.0, das freie, unverschulte, informelle Lernen meint, das wir alle mindestens bis zum Eintritt in die Schule erfahren haben und das auch im Erwachsenenleben einen großen Teil unseres Lernens einnimmt, bezeichnet ‚Pädagogik 2.0‘ das industrialisierte, nach Fächern sortierte systematische und standardisierte Unterrichten des Zeitalters der Massenproduktion. Kennzeichen dieser Art des Unterrichts ist die Idee, dass alle zur gleichen Zeit das Gleiche lernen sollen, was sich auch in standardisierten Abschlussprüfungen zeigt. Diese Form des unpersönlichen Lehrens und Lernens führt sowohl bei Schülern und Studierenden immer häufiger zu einer inhaltsgleichgültigen Jagd nach Noten und credit points. Viele verfehlen so ihre innere Berufung, sind am Ende ihrer Ausbildungskarriere oberflächlich an die Vorgaben angepasst, letztlich aber orientierungslos und wissen zu wenig über ihr individuelles Potenzial.“

Und weiter: „Mit dem Anbrechen des digitalen Zeitalters, so meine These, entstehen neue Formen des Lehrens und Lernens, die ich als Pädagogik 3.0 bezeichne, in denen die Erfolgsprinzipien von Pädagogik 1.0 und Pädagogik 2.0 erweitert durch digitale Medien eine neue Verbindung eingehen und die Möglichkeit eröffnen, das Lernen individueller, interaktiver, internationaler und kreativer zu gestalten. Dabei geht es – auch im Sinne der Vorstellungen des Hirnforschers Gerald Hüther und der Initiative ‚Schule im Aufbruch‘ Margret Rasfelds, um eine Orientierung am Ziel umfassender Potenzialentfaltung. (…) Diese Entwicklungen haben auch massive Konsequenzen für eine veränderte Lehrerrolle, weil sie geeignet sind, die Lehrer/innen von Routinetätigkeiten zu entlasten und es ihnen ermöglichen, sich auf die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Schüler/innen zu konzentrieren. Dabei gilt, dass der digitalisierte Anteil des Lehrens und Lernens maximal 20 bis 30 Prozent des Unterrichts ausmachen wird. Insofern ist die Schule der Zukunft nur begrenzt digital.“ Je stärker die Digitalisierung um sich greife, desto wichtiger werde das Analoge: Tanz, Theater, Kunst…

Wie viel Burows Vision mit der Montessori-Pädagogik zu tun hat, zeigt sich am praktischen Beispiel der Berliner Deutsch Skandinavischen Gemeinschaftsschule, eine freie Schule unter Trägerschaft der Montessori Stiftung Berlin. Der zugrunde liegende Ansatz wird in einem von dem Bildungsforscher herausgegebenen Sammelband („Schule digital – wie geht das? Wie die digitale Revolution uns und die Schule verändert“) ausführlich beschrieben. „Die pädagogische Leitidee ist eine skandinavische Pädagogik, bei der das Kind im Mittelpunkt seiner Lernentwicklung steht“, erklärt der ehemalige Schulleiter Jacob Chammon, heute geschäftsführender Vorstand des Forum Bildung Digitalisierung.

Heißt: „Nicht alle Schüler lernen im gleichen Tempo. Deswegen lernen die Schüler an der DSG von der 1. bis zur 9. Klasse in heterogenen Lerngruppen. Die Erst-, Zweit- und Drittklässler lernen zusammen, die Viert-, Fünft- und Sechstklässler lernen zusammen und so auch die Siebt-, Acht- und Neuntklässler. Nur die Zehntklässler lernen in einer altershomogenen Gruppe.“

„Es ist wichtig, dass der Schüler individuell gefördert und da abgeholt wird, wo er steht“

Im Alltag bedeute das, dass Frontalunterricht sehr begrenzt angewandt werde. „Die unterschiedlichen Altersstufen und Niveaustufen haben zur Folge, dass man didaktisch anders vorgehen muss. Es ist wichtig, dass der Schüler individuell gefördert und da abgeholt wird, wo er steht. Einige Schüler – z. B. diejenigen, die direkt aus Skandinavien nach Berlin kommen, oder unsere afghanischen Schüler – brauchen mehr Deutschunterricht als deutsche Muttersprachler. Andere Schüler haben großes Interesse an Mathematik und Naturwissenschaften und möchten da einen Schwerpunkt setzen. Wieder andere sind sehr oft in Englisch, belegen deshalb weniger Englisch-Kurse und fokussieren sich stattdessen auf Gesellschaftswissenschaften.“

Weiter berichtet Chammon: „Wenn man als Schule so arbeiten möchte, ist Individualisierung das A und O. An der DSG arbeiten wir deswegen mit den folgenden drei durchgehenden Lernformaten:

  • Freiarbeit/Studienzeit (die Begrifflichkeit ändert sich mit dem Alter der Schüler)
  • Impulse, Kurse, »normaler« Fachunterricht
  • Werkstätten/Projekte

In der Freiarbeit oder Studienzeit arbeiten die Schüler individuell oder in Gruppen mit Arbeitsaufträgen oder Projekten aus Kursen oder dem Fachunterricht. Hier werden Inhalte geübt bzw. vor- oder nachbereitet. Klassen- und Fachlehrer betreuen die Studienzeit, in der Grundschule mithilfe der als Erzieher ausgebildeten Lernbegleiter. In den Kursen werden Inhalte aus dem Rahmenlehrplan den Schülern – wenn möglich in fächerübergreifenden Projekten – vermittelt. Wir wissen, dass die Welt nicht aus Fächern besteht. Aber wir brauchen die Kompetenzen aus den Fächern, um die Welt und deren Phänomene zu verstehen. In den Werkstätten arbeiten die Schüler noch realitätsbezogener mit dem Stoff. »Non scholae sed vitae discimus!« Sie können zwischen fachlichen, sportlichen und kreativen Werkstätten wählen.“

Und welche Rolle spielt die Digitalisierung dabei? „Die Lehrer müssen bei der Arbeit mit neuen Medien im Unterricht noch bessere Didaktiker sein. Sie müssen die fachlichen, medialen und sozialen Ziele vor Augen haben und dazu offene Aufgabenstellungen formulieren, die die Schüler mit Medien lösen können.“

Konkret bedeutet das: „In der Freiarbeit werden Laptops und Tablets mit adaptiven Lernmitteln zum Training eingesetzt (u. a. CampMat und CampEnglish). Alle Schüler und Mitarbeiter haben Zugang zu Office 365, wo Materialien geteilt werden und Schüler kollaborativ arbeiten können. Digitale Wörterbücher werden in allen Sprachen eingesetzt. In Projekten machen die Schüler die Dokumentation. Sie drehen Filme, erstellen digitale Zeitungen und führen z. B. einen Hort-Blog im Intranet. Im Sprachunterricht führen die Schüler oder die Lehrer ein digitales Portfolio. Das ermöglicht die Evaluation von mündlichen Fähigkeiten. Das Thema »Coding« wird im Rahmen der Werkstatttage schon in der Grundschule angeboten. Hier bauen die Schüler Roboter und arbeiten mit Caliope Minirechnern und LEGO-WeDo. In der Sekundarstufe gibt es das Fach »Produktgestaltung«. Hier lernen die Schüler u. a., wie man digitale Produkte anhand einer »digitalen Federmappe« erstellt. Echte Apps werden mit Unterrichtsinhalten verknüpft und die Schüler lernen z. B., digitale Poster oder Comics mit Lerninhalten zu erstellen. Sie drehen Erklär-Videos vor einem »Green Screen« und können z. B. im Mittelalter einen Rundgang machen.“

Chammon: „Unsere größte und wichtigste Aufgabe als Lehrer ist es, die Schüler auf die Welt da draußen vorzubereiten. Und die Welt ist digitalisiert! Lasst uns gemeinsam die zwei Welten vereinen, damit wir keine Parallelgesellschaften aufbauen.“ Maria Montessori hätte ihre helle Freude daran. News4teachers

Ein Plädoyer aus der Praxis: Warum auch Grundschulen (und Montessorischulen) sich auf digitales Lernen einlassen sollten

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85 KOMMENTARE

  1. Gibt es irgendwo Statistiken, nach denen das Konzept dieser Modellschule zu signifikant besseren Ergebnissen, Abschlüssen, Durchschnittsnoten usw. führt? Die dort sicherlich deutlich bildungsnäher sozialisierte Schülerschaft muss man dabei natürlich herausrechnen.

  2. Alles toll gedacht, aber in der Realität schwer bis nicht machbar oder nur mit einer speziellen Schülerschaft.
    Flipped classroom usw. – alles ausprobiert. Einige wenige machen mit, die Masse hat sich nicht beschäftigt/ vorbereitet und schon kannst du das Konzept vergessen.
    Diese Methoden setzen voraus, dass die SuS neugierig sind und Lust haben, sich mit einem schulischen Thema selbstständig und mit einem gewissen Maß an Selbstdisziplin und Beharrlichkeit zu beschäftigen. Und da hakt es. Die Intro Dusch motivierte Schülerschaft suche ich immer noch (vergeblich).

    • Sehe ich genauso. Schüler brauchen Input durch lebendige Vermittlung, die von einer fachlich gebildeten Lehrerpersönlichkeit getragen wird, die den Stoff in den Mittelpunkt stellt und sich selbst nicht darüber. Dabei lernen alle gemeinsam zur gleichen Zeit dasselbe, und genau dies kann eine enorme mentale Kraft entwickeln und ist der Selbstständigkeit der Lernenden dabei entgegen allen Unkenrufen sehr zuträglich.
      Das scheint nur vordergründig paradox, ich kann z.B. von mir selbst sagen, dass die Wissensvermittlung durch wirklich gebildete Menschen mich immer am stärksten angeregt hat, nun auch meinerseits lernend aktiv zu werden.
      Digitale Instrumente sind die Werkzeuge der Gegenwart und es ist wichtig, damit souverän und kenntnisreich umzugehen, das ist doch gar keine Frage, aber es sind Werkzeuge und keine Lernziele.
      Individuelle Beschulung führt zu Zerfaserung der gemeinschaftlichen Lernprozesse, und es kommt ja nicht von ungefähr, dass Schüler dagegen eine Abneigung haben, sobald die Individualisierung zum Prinzip gemacht wird.
      Schüler hassen auch die Klassifizierung (und gefühlte Diskriminierung) durch als solche erkennbare Binnendifferenzierung, sie wollen gemeinsam irgendwo ankommen!
      Und nur die ganz Motivierten und Begabten brauchen das alles nicht, sondern kommen auf sich gestellt klar, die brauchen dann aber auch keinen Moderator oder ‚Designer‘.

      • Es lernen nicht alle zur gleichen Zeit dasselbe.
        Die Klassen sind besetzt mit guten und schwachen SchülerInnen, auch mit Kindern mit Dyskalkulie und Legasthenie, mit Kindern mit und ohne Deutschkenntnisse die in lateinischer oder anderer Schrift alphabetisiert sind oder auch nicht, mit Kindern, der Unterstützungsbedarf in einem Teilbereich (Lernen, Sprache, Hören, Sehen, Geistige Entwicklung, …) bereits festgestellt wurde oder wird, wenn die Landesregierung die Überprüfung erlaubt (ist nämlich in mehreren BL nun für bestimmte Jahrgänge untersagt worden) und auch mit Kindern mit besonderen Begabungen in Teilbereichen oder generell.

        Die Lehrkraft hat also die Aufgabe, mit diesen Kindern gemeinsam Unterricht zu haben und zu entwickeln, sodass die SchülerInnen die für sie gesetzten Ziele (man darf es auch Kompetenzen nennen) erreichen:
        – Ziele des Curriculums dieser Klasse und Schulform,
        – Ziele der Förderung bei Schwierigkeiten im Lernen, aber auch zur Kompensation einer Benachteiligung oder Behinderung, also Ziele anderer Curricula und anderer Schulformen,
        – Ziele der Herausforderung für SchülerInnen, die über das übliche Maß hinaus lernen können,

        … und letztlich eine Klassenführung, die den SchülerInnen die gegenseitige Anerkennung der Personen und des Erreichten vermittelt, auch wenn die SchülerInnen ganz unterschiedliche Inhalte erfassen und erlernen.

  3. Lehrende als Lernbegleitende? Ich bin dafür!

    Voraussetzungen wären allerdings:
    – bundesweit einheitliche Lehrpläne
    – umfassendes, für jede Unterrichtseinheit sofort einsatzbereites Lern- und Übungsmaterial
    – automatische Lernfortschritts- und Leistungsbewertung, zumindest zentral festgelegte Kriterien.

    Was dann gar nicht mehr geht:
    – der Dschungel aus Schulbuchverlagen
    – Abwälzen der Verantwortung für Lehrpläne und Materialbeschaffung auf einzelne Schulen und Lehrkräfte
    – dass Lehrer für Unterrichtsmaterial (jeglicher Art) selbst zahlen müssen.

    Was ich allerdings befürchte, ist die weitere Mehrbelastung der einzelnen Lehrkräfte durch
    – das altbekannte System: „Jeder kämpft für sich allein.“
    – lediglich Verweise auf ein Sammelsurium mehrheitlich unbrauchbarer Materialien und Videos, die jeweils extra gesichtet und erprobt werden müssen
    – massenhaftes (teilweise illegales) Scannen und Kopieren
    – Evaluation ohne Ende.

  4. Der Bildungsforscher Prof. em. Olaf-Axel Burow.
    Hab mal gerade die Vita studiert.
    War nach dem 2. Stattsexamen für 5-6 Jahre Lehrer. Dann an die Uni.
    Seit 84 (37 Jahre) keine Schule mehr von innen gesehen.
    Mitentwickler der „Zukunftswerkstatt“.
    An so einer Zukunftswerkstatt hab ich als Referendar gezwungener Weise teil genommen.
    Sagen wir mal so, auf einer Anwendbarkeits- und Nützlichkeits-Skala von 1-10 war es eine -5.
    Völlig ab jeglicher Realität!
    Also genau der Stil den man der KMK verkaufen kann.

    Frage! Wenn man die Bildung reformieren möchte, warum bezieht man die Praktiker (Lehrer) nicht mal mit ein.

    Der Herr Professor könnte ja ein paar Vorschläge machen. Als Denkanstoß für eine Gruppe aus Lehrern ALLER Schulformen, Schulleiter und Verwaltungsfachleuten.

    Nein, die KMK kauft lieber ein utopisches Konzept mit der Anwendbarkeit wie das Werk „Über den Nutzen der Schweine im Galopp-Rennsport“.

    Lässt sich der genau so ahnungslosen Presse prima verkaufen.
    Kommen ja auch tolle Wörter drin vor, Pädagogik 3.0 (ohne Zahl-Punkt-Zahl) geht heute eh nichts mehr.
    Montessori. Oh! Fragen sie mal einen der KMK der Maria Montessori war und was sie wirklich gemacht hat. Irgendwas mit Bildung. Wenn das kommt haben sie Glück.

    • Den Beitrag finde ich sehr erfrischend und bringt es auf den Punkt.
      Leider bleibt es unerhört bei unserer Politik, wobei wir die Einbindung in die Rahmenerstellung von Fachpersonal noch dringender als zuvor brauchen!

  5. Altes, Bewährtes (und dabei meine ich nicht den Mainstream) und Neues lassen sich durchaus sinnvoll kombinieren.
    Beides muss aber verstanden sein:
    Digital geht nicht ohne analog.
    Konkret:
    Ohne Lesen und Schreiben gelernt zu haben, kann KEIN Kind digitale Unterrichtsformen nutzen.
    Lesen und Schreiben lernt man aber – gerade wenn man Montessori ernst nimmt – durch ganzheitliches Lernen – mit Kopf, Herz und Hand. Kinder mit Montessori-Grundbildung sind durchaus besser in der Lage, digital und selbständig zu lernen, denn sie haben vorher und analog, mit einem leibhaftigen Lehrer als Mittler des Wissens und Könnens, das Lernen gelernt!

    Wer Bildung digital weiterdenken will, muss konsequent analoge Grundlagen schaffen – mit mehr Lehrern, mehr Orientierung am einzelnen Kind, weniger „Zentralismus“.

  6. „Die Lehrer müssen bei der Arbeit mit neuen Medien im Unterricht noch bessere Didaktiker sein. Sie müssen die fachlichen, medialen und sozialen Ziele vor Augen haben und dazu offene Aufgabenstellungen formulieren, die die Schüler mit Medien lösen können.“

    Nee, dazu braucht man Freiräume, also keine vollgekloppte Stundentafel für Schüler und Lehrer. Flipped Classrome und Gamifzierung sind keine Raketenwissenschaft. Allerdings nicht sinnvoll im klassischen Präsenzunterricht, aber im Distanzunterricht/Blended Learning, leider sind solche Unterrichtsformen ja bekanntlich „böse“ ….
    Corona wäre die Chance gewesen es anders zu machen.

    • Weil wir durchaus der Meinung sind, dass mit einem Schulsystem aus dem 20. Jahrhundert die Bildung im 21. Jahrhundert nicht gut funktionieren kann – und dass es deshalb Sinn macht, mal über die deutschen Grenzen hinaus zu gucken.

      Der im Beitrag zitierte Berliner Schulleiter Jacob Chammon ist ja Praktiker. Aber eben einer, der auch den skandinavischen Weg gut kennt.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

      • 20. Jahrhundert?
        Die Gebäude – vielleicht, bestenfalls.
        Vieles andere eher 19. Jahrhundert: Lehrer sind immer noch alles in einem – Lehrer, Sozialarbeiter, Gesundheitsfachkräfte, Sozialbehörden… aber nicht, weil ein umfassend gebildeter Lehrer Sinn machen würde in einem modernen System, sondern weil an allen Ecken und Ende gespart wird.
        Und wie im 19. Jahrhundert mutete im Moment jede Klasse an: Kinder in dicken Jacken, Mützen, trotzdem frierend, Lehrer ebenso, fehlt nur noch, dass jedes Kind ein Stück Holz mitbringen muss.

        Bereits im 20. Jahrhundert hätte man Schulen auf den Stand der Technik bringen können (Klimaanlagen, effiziente Lüftungssysteme, Schallschutz waren auch vor 50 Jahren schon bekannt), Erkenntnisse zum Lernen (aus der Psychologie, aber viel pragmatischer auch aus der Reformschulbewegung) berücksichtigen können, hätte Lehrer umfassend auf ihren Job vorbereiten können, hätte Netzwerke bilden müssen, um in einer immer komplexeren Welt Bildung in sinnvolle Richtungen lenken zu können.
        Statt dessen: Zentrale Prüfungen, immer noch mehr Akademikerkinder in den Unis als Kinder anderer Menschen, immer noch schlechtere Bezahlung der Lehrkräfte nach Schuhgröße der Kinder – und die Möglichkeiten der Lehrer wurden (teilweise natürlich zu Recht – s. Prügelstrafe) so weit beschnitten, dass wir heute überhaupt nicht mehr handlungsfähig sind, nicht auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen können und dürfen, weil dies dem Lehrplan, dem Erreichen eines zentralen Zieles, dem Anspruch der Eltern usf widerspricht.

        Wir alle – die Gesellschaft, die Politik – hätten jetzt wachwerden können.
        Statt Digitalisierung zu fordern (ja, wichtig, aber aus meiner Sicht zweitrangig), sollte man Lernen als Solches auf gesunde Füße stellen. Für alle Kinder; nicht von Inklusion und Integration reden und es auf irgendwelche Konzepte schreiben, sondern machen!
        Dazu braucht es Voraussetzungen, die die Gesellschaft zu schaffen offenbar aber nicht bereit ist.
        Was gerade passiert, ist nach meiner Einschätzung eine weitere Degradierung der Schule zu einer Aufbewahr- und Lehranstalt, die nichts mit wirklichem Lernen und Zukunftsorientierung zu tun hat.

        Die eigentlichen „Bildungsforscher“ – die Lehrer – sind in der Pandemie endgültig aufs Abstellgleis gestellt worden. Wir werden nicht angehört, unsere Expertise ist lästig, kommt den politischen Entscheidungen quer.
        Wir dienen nur noch dazu, ein totes System am Laufen zu halten, damit andere tote Systeme nicht merken, dass sie tot sind.
        Kinder unter welchen Umständen auch immer in die Schule, damit Eltern arbeiten.
        Weiterhin dreht sich alles um Geld, Konsum, Wachstum… und wir Lehrer unterstützen das durch unsere Arbeit, weit über die Grenzen des Zumutbaren hinaus, weil wir keine Alternativen haben.
        Das ist nichts anderes als das, was man in früheren Jahrhunderten vom Dorflehrer und kleinen Beamten verlangt und erwartet hat.

        • @kanndochnichtwahrsein

          Das ist mal wieder ein rundherum treffender Beitrag!

          Mich erinnert das ganze Trara auch immer mehr an eine Mischung aus Kasperle-Theater (Alle achten nur auf den lauten Kasper.) und den Beginn der Industrialisierung. (= Ganzheitliche Arbeitsprozesse werden immer weiter zerstückelt zu kleinsten Teilprozessen – entsprechend einer Anlerntätigkeit – und führt damit zu einer immer weiter erpressbaren menschlichen Verfügungsmasse von Ausführenden – zugunsten einer absoluten Entfremdung und dem Verlust aller Sinnhaftigkeit.)

          Ich finde, die Gesellschaft „hat sich da auf einen guten Weg begeben“ – um mal so ein bisschen Politik-Bla ins Spiel zu bringen, das hat mir über die Feiertage sooooo gefehlt … 😉

      • Da sind sie wohl den überzeugend wirkenden und viel versprechend wirkenden Ideen eines Theoretikers, der über 35 Jahre keinen Schulunterricht mehr praktiziert hat, auf den Leim gegangen.
        Montessori-Pädagogik ist in erster Linie eine Pädagogik des praktischen Begreifens und zum Beispiel arbeitet diese im Grundschulbereich in der Mathematik mit ganz anderen Mengenbildern als den sonst üblichen Mengenbildern der zweifachen 5er- Kette und ständig wechselnden Mengenbildern der einzelnen Zahlen.
        Digitale Schulbildung im Selbststudium erfordert aber auch zunächst, dass die Schüler automatisiert lesen können, und dies erlernen diese mit gut strukturierten Lehrwerken, so, wie diese auch beim Erlernen des Schreibens zur Anwendung kommen sollten.
        In der praktischen Berufswelt bedeuten digitale Techniken lediglich eine ergänzende Erleichterung der täglichen Arbeit im Schriftverkehr, dem Erfassen und dem Dokumentieren erbrachter Arbeit , und ohne die Anwendung automatisierter manueller Arbeitstechniken kommt man in den handwerklichen Berufen auch nicht sehr weit.

        • So isses!!!!
          Digital als Zusatzmöglichkeit, wenn alles andere gut beherrscht wird.
          Und „beherrschen“ heißt nicht „abzählen können“ oder „Zähler mal Nenner überkreuz“ oder „schreiben nach hören“, sondern ein Beherrschen der Regeln, ein Durchschauen der Schwierigkeiten, Lösungsstrategien, Bilder im Kopf, systematisches Denken, automatisiertes Schreiben und Lesen als allererste Basis und Voraussetzung für alles andere!
          So wenig wie der Taschenrechner das Rechnen und Verstehen der Regeln ersetzt , so wenig kann digitales Lernen das analoge Lernen ersetzen.
          Wir sind Menschen, wir müssen „begreifen“ im wahrsten Sinne des Wortes.

          Leider haben viele Entscheider der oberen Etagen keine Montessorischule von innen gesehen, vor allem nicht als Schüler!
          Sonst wüssten Sie um den Zusammenhang zwischen Detail und Ganzem, um die Notwendigkeit des Begreifens, um die Nutzung der Dinge ihrem Bestimmungszweck entsprechend, dann hätten sie begriffen, dass digitale Wege nur eine weitere Kommunikationsform oder eine Erleichterung der Arbeit von sein können, nicht aber für Kinder Stift und Paper und einen Lehrer ersetzen werden.
          Hätten die Entscheider begriffen, würden sie Schulen als erstes mit anfassbarem Material und Freiheiten und vor allem Lehrern ausstatten. Hätten die Entscheider Montessori begriffen, wäre die (Schul-)Welt vermutlich eine andere.

          • Wieso ist das ein Gegensatz? Warum nur Scharz und Weiß?

            Eine meiner Töchter besucht eine (Privat-)Schule, in der morgens die Basics (Deutsch, Englisch, Mathe) geübt werden – und nachmittags von den Naturwissenschaften bis Kunst und Sozialwissenschaften alle Fächer und Themen in digital gestützten Projekten behandelt werden. Lernen macht dann Spaß, das morgens Gelernte kann direkt angewendet werden – keine Probleme in der Praxis.

    • In den oben verlinkten „Thesen im Original“ wird auch Bezug genommen auf den rasant wachsenden kommerziellen digitalen Markt, und sogar Herr Dräger von der Bertelsmann-Stiftung wird namentlich erwähnt. Dann beruft man sich noch auf Schiller sowie Gerald Hüther. Auf die Khan-Academy mit 13.000 Lernvideos sowie ein „Glücksministerium“ der Vereinten Arabischen Emirate wird ausdrücklich hingewiesen. Kaum eine Phrase wird ausgelassen, nicht einmal die „inklusive Pädagogik der Vielfalt“ und eine „nationenübergreifende Jugendbewegung für ein geeintes Europa“. Manche Redaktionen fühlen sich halt dieser Richtung verpflichtet, weswegen auch immer. Hier
      https://www.if-future-design.de/about/team
      kann man ahnen, worum es „ideologisch“ geht. Man schaue unbedingt auf die dortige Startseite, dort findet man unten auch ein „Design for Happiness“ und anderes Seltsame, durchaus auch im kommerziellen Sinne. Mir kommt das ein bisschen wie eine abgeschwächte Form einer Sekte um einen Guru vor. Eine gewisse Art von Heilversprechen ist auf jeden Fall als wichtiger Bestandteil mit enthalten. Aber Skepsis gegenüber Heilsversprechen liegt heute nicht im Trend der Zeit, im Gegenteil: Die Pädagogik hebt offenbar ab in Richtung Wolkenkuckucksheim. Gleichzeitig werden mangelnde Basiskompetenzen in Lesen, Schreiben, Rechnen beklagt.

  7. Solche Ideen sollten auf keinen Fall in die falsche Richtung laufen, nämlich das die Menschen zu praktischen Robotern werden. Man käme zB auf die Idee, man könne super Personal einsparen, wenn die Kinder sich an Computern orientierend durch die Schule ohne Klassenverband laufen und dann alles “ aus Versehen“ zu einer Industrie verkommt. Solche Ideen ja, aber nicht um Menschen zu ersetzen, denn die sind nicht ersetzbar! ZB die Grundschullehrerin meiner beider Kinder, die GENAUSO eine Beziehung zu den Kindern führt, wie auch Familienangehörige, Freunde, Nachbarn ect. Und die auch nicht zB durch spätere Lehrer*innen ersetzbar ist – geschweige denn durch Computer.

    • Sind Sie ein Roboter, weil Sie Ihre Informationen aus dem Internet beziehen und sogar Posts hier – also online – veröffentlichen? Geht vielleicht auch eine Nummer kleiner.

        • Ich verstehe diesen Kultuspessimismus nicht, der in Ihrem Post erkennbar wird. Wer will denn Lehrkräfte durch Computer ersetzen? Zur Wahrheit gehört doch auch: Individuelle Förderung ist für eine Lehrkraft gar nicht anders leistbar als mit digitaler Unterstützung. Wer eine bessere Bildung will, kommt daran nicht vorbei – so viele Pädagoginnen und Pädagogen, wie sonst nötig wären (Doppelt- und Dreifachbesetzungen in den Klassen), gibt weder der Arbeitsmarkt her noch wäre diese Gesellschaft bereit, dafür zu bezahlen.

          • Schlimm genug, dass „die Gesellschaft“ nicht bereit ist, allgemeinbildende Schulen vernünftig auszustatten. Das genau ist der Punkt. Was ist die Folge?

            – Die Klassen bleiben groß, die Probleme mit der Schülerschaft aus bestimmten Einzugsgebieten sind vielfältig, die Lehrkraft allein und in der Klasse stehen drei nicht gewartete Altgeräte (Spenden), über die dann die individuelle Förderung laufen soll, die die Lehrkraft allein nicht schaffen kann. Dafür hängt neben dem Schild „Inklusion“ auch noch das Schild „Digitalisierung“, um nach außen zumindest den Anschein zu vermitteln?

            – Privatschulen haben regen Zulauf an Klientel, aber eben auch die Mittel, sodass hier Personal (zu welchen Konditionen?) und Ausstattung für diejenigen bereitgestellt wird, die den Platz an der Schule über Schulgeld finanzieren können und ihren Kindern auch in anderer Hinsicht erheblich mehr Rüstzeug mitgeben. Dafür wird diese Schule gelobt und die Regelschule noch mehr dafür kritisiert, dass sie nicht mithalten kann, was gerne den Lehrkräften angelastet wird. Es bedeutet in keinem Fall, dass „die Gesellschaft“ ebenfalls gute Bedingungen an den Regelschulen umsetzen möchte, der zahlungskräftige Teil „der Gesellschaft“ hat ja auch einen anderen Weg gefunden, die eigenen Kinder gut beschulen zu lassen und sich von den übrigen zu segregieren, und muss sich um allgemein bildende Schulen keine Gedanken mehr machen.

            Wenn es um Schule geht, sollte man nicht allein den Markt sehen, sondern die sozialen Fragen bedenken.

            Die Kosten-Nutzen-Relation eines besseren Lehrkräfte+Betreuende-SchülerInnen-Schlüssels wird seit Jahren zu Ungunsten der SchülerInnen und Lehrkräfte verschoben.
            Da sind Bedenken berechtigt, dass Digitalisierung erst umgesetzt wird, wenn man damit weitere Einsparungen vornehmen kann.

          • Ich will garkeine bessere Pädagogik und finde die Kinder lernen im Unterricht genug und das ist absolut zufriedenstellend. Ja, ich weiß, klingt merkwürdig!
            Kinder lernen eher außerhalb der Theorie zu wenig. Zu wenig in der Praxis, zu wenig was es im Leben braucht, Beziehungen, Sonne tanken, Bäume klettern… Dafür braucht es reale Menschen und ein Leben in der wirklichen Welt. Dies vorzuenthalten bzw zu kürzen, damit die Kinder dann learning by doing am Computer lernen ist meiner Meinung nach von hinten aufgezäumt.

          • So sieht’s aus.

            Ohne Feedback von Algorithmen gibt es zu wenig Feedback.

            Individualisierung ist eine hohle Phrase ohne die Hilfe von Lernprogrammen.

            (Kleine Lerngruppen wird es niemals geben.)

          • Kleine Ehrenrettung von Privatschulen: Die kümmern sich nicht selten um Kinder, die vom staatlichen Schulsystem aussortiert wurden – und werden dafür von Jugendämtern bezahlt.

            Dass Sie keine bessere Pädagogik wünschen, Indira Rupp, freut mich für Sie und Ihr/Ihre Kind/er – nicht aber für die 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die durch den Rost des staatlichen Schulsystems fallen, wie uns die PISA-Studie seit 20 Jahren mit jeder Neuauflage vor Augen führt.

            Wir haben am eigenen Leib erfahren, wie das ist, wenn ein Kind nicht im staatlichen Schulsystem funktioniert (Dyskalkulie, Lese-Rechtschreibschwäche – bei gutem IQ). Förderung: null. Deshalb, aus der Not heraus, jetzt Privatschule. Kann aber nicht jeder.

          • @Bernd. Keiner kritisiert hier Privatschulen, Sie brauchen nichts zu deren Ehrenrettung beitragen. Aber Ihre Ausführungen stimmen so auch nicht unbedingt:
            – Privatschulen wollen Gewinne generieren, bekommen von staatlicher Seite oft noch Zuschüsse. Die nehmen sicher keine Schüler auf, die das nicht bezahlen können (es sei denn, der Steuerzahler springt wieder ein).
            – In der Regelschule wird nicht gefördert? Natürlcih ist keine Individualbetreuung möglich bei 30 Schülern, aber Förderangebote gibt es genug, manchmal zu viel, werden oft von den Betroffenen gar nicht wahrgenommen.
            – Es kann nicht Aufgabe der Schule sein, für alle Ausprägungen von Lernschwächen zuständig zu sein, wenn mein Kind Allergien hat, verlange ich ja auch nicht von der Schule, dass sie sich um die Heilung kümmert, da muss ich schon selbst aktiv werden (nur mal so als Beispiel).
            – Vom staatlichen Schulsystem aussortiert ….. Das klingt schon sehr rabiat und trifft sicher nicht zu. In Deutschland bekommt jeder eine Chance auf einen Abschluss, es hängt auch viel von der Eigenmotivation und -verantwortung ab.
            – 20 Prozent der Schüler fallen durch den Rost des staatlichen Schulsystems? Wo haben Sie diese Zahlen her? Und kann es sein, dass etliche Schüler einfach keinen Bock haben (um es mal salopp auszudrücken) auf Schule und deshalb vorzeitig die Fliege machen?
            Unser staatliches Schulsystem ist sicher nicht das Beste, was mit Föderalismus und dem starren, uneinsichtigen und unfähigen KuMi zu tun hat, aber ich denke, die meisten Lehrer machen das Beste daraus. Jedoch Berge können sie auch nicht versetzen, und nicht jeder Schüler ist für Gymnasium und Studium geeignet, IQ hin oder her. Viele Eltern reagieren da ziemlich unvernünftig und machen den Lehrern das Leben schwer.

          • „Keiner kritisiert Privatschulen“, so schreiben Sie – um sie dann zu kritisieren. Auch noch mit falschen Informationen: „Privatschulen wollen Gewinne generieren“, so behaupten sie. Das trifft auf gemeinnützige Schulträger (und das sind die allermeisten) nicht zu; sie dürfen gar keine Gewinne generieren.

            „Es kann nicht Aufgabe der Schule sein, für alle Ausprägungen von Lernschwächen zuständig zu sein“, so schreiben sie. Ja, von wem denn sonst?

            Ist der Staat nur für die Selbstläufer zuständig, und bei den Problemfällen dürfen die Famlien dann mal selbst schauen, wie sie zurechkommen? Sorry, bei den Steuern die ich bezahle (nicht zu knapp), erwarte ich schon, dass der Staat seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht wird und sich nicht nur Rosinen herauspickt.

            Wo ich die Zahlen herhabe? PISA. Alle drei Jahre aufs neue. Zuletzt 2019: „Als bedenklich eingestuft wird, dass jeder fünfte 15-Jährige beim Lesen nur ein sehr geringes Leistungsniveau erreicht. Das heißt, er oder sie kann mit ganz einfachen Leseanforderungen nicht umgehen. Auch in Mathe und Naturwissenschaften liegt der Anteil der leistungsschwachen Schüler bei rund 20 Prozent.“

            https://www.news4teachers.de/2019/12/neue-pisa-studie-es-geht-wieder-abwaerts-karliczek-mittelmass-kann-nicht-unser-anspruch-sein/

          • @TeacherAndi
            Doch, ICH kritisiere Privatschulen, vor allem aber …

            a) den Vergleich mit staatlichen Schulen, die selbst nicht über Mittel verfügen und anders, als Sie es darstellen, gerade nicht immer über Möglichkeiten und Personal zur Förderung oder allein für die Pflichtstundentafel. Wir suchen schon wieder Personal, es gibt aber nicht einmal mehr Bachelor-AbsolventInnen, die Unterricht übernehmen könnten, in unserer Region. Bis wir jemanden finden, leistet das Stammpersonal Mehrarbeit, stehen 450€-Kräfte zur Betreuung in den Klassen und die Stunden, die für Förderung extra beantragt und genehmigt werden müssen, wurden zwar bewilligt, im nächsten Moment aber gestrichen, um den Unterricht in den Klassen überhaupt aufrecht erhalten zu können – und das ist an sehr vielen Schulen im Umkreis gleich. So ist keine zusätzliche Förderung möglich, obwohl bitter nötig, und nur im Unterricht der Lehrkräfte soweit umgesetzt, wie die Kräfte es noch zulassen.
            Daran muss sich dann jede Lehrkraft der staatlichen Schule im Vergleich mit ganz anders ausgestatteten Privatschulen messen lassen, die ihre Schüler aussuchen und auch abweisen, wenn es nicht läuft. Das machen staatliche Schulen nicht, die Hürden einer Abweisung von der Schule sind hoch und in der Grundschule und Gesamtschule auch nicht in der Lernleistungen oder Förderschwerpunkten oder Unterstützungsbedarfen begründet.

            b) die Segregation, die dazu führt, dass die benachteiligten SchülerInnen und Familien dort den Großteil ausmachen oder gar unter sich bleiben, sich als normal empfinden, mit der Konsequenz, dass man Klassen mit sehr vielen zusätzlichen Bedürfnissen unterrichtet und bemüht ist, das alles trotzdem zu schaffen, die Klassenführung, die üblichen Ziele und die Förderung, aber nicht auf gut vorbereitete Kinder setzen kann, was nach außen befremdlich wirkt, aber durch eben diese Segregation hervorgerufen wird, wobei wir wieder bei a) wären. Hinzu kommt, dass somit staatliche Schulen noch weniger Fürsprecher haben, die sich stark machen, sondern immer mehr Kritiker, die sich für ihre Steuern mehr versprochen hatten und die letztlich die Privatschulen loben und ihre Kinder dorthin schicken, so es ihnen finanziell möglich ist. Diese Familien unterstützen mit Engagement, Schulgeld und Spenden nicht die klammen staatlichen Schulen, sondern die starken Trägervereine der privaten Schulen, in denen Kinder aus gut situierten Familien sitzen, deren Eltern in den spendenden Firmen arbeiten oder gar in entsprechenden Vereinen oder Verbänden organisiert sind.

            Was das noch mit Digitalisierung zu tun hat? Oft sind es diese Spenden, durch die die Digitalisierung finanziert wird. An den staatlichen Schulen ist dies aber kaum möglich, da sammeln die Fördervereine sehr viel weniger Geld und finanzieren dann häufig Grundsätzliches, das der Schulträger nicht aufbringen kann oder will, oder sehen die Notwendigkeit nicht, wenn die digitale Infrastruktur nicht gegeben ist (auch Sache des Schulträgers).

          • @Bernd. In bekannter Manier ignorieren Sie wieder die Darlegungen Anderer und verdrehen deren Bedeutung derart, dass Sie in Ihre Vorstellungswelt passen und Sie wieder Recht haben können.
            Ich kann doch nicht argumentieren, dass 20 % der Schüler von staatlichen Schulen aussortiert werden nur aufgrund der Forschungsergebnissse, dass jeder fünfte 15-Jährige beim Lesen und auch in anderen Fächern Leistungsschwächen aufweist. Das steht doch in keinem Zusammenhang.
            Wenn Sie Aussagen von Frau Karliczek zitieren muss ich sagen, dass ich dieser Frau jegliche fachliche Kompetenz abspreche.
            Und Sie werden mir doch nicht erzählen wollen, dass die privaten Schulträger nicht an ihrem Projekt verdienen wollen?
            Diese knappen 5 Prozent, die der Staat für Bildung ausgibt, fallen bei ihren Steuerabgaben wenig ins Gewicht, alle anderen europäischen Länder geben mehr aus. Und selbst dann ist dies noch kein Grund anzunehmen, dass es in der gesellschaftlichen Verantwortung der Schulen lioegt, für alle individuellen Besonderheiten bei Schülern Lösungsansätze anzubieten. Das ist praktisch gar nicht umsetzbar.
            Und ja: in erster Linie sind die Eltern für ihre Kinder verantwortlich, auch wenn das immer mehr Eltern nicht so sehen. Ansonsten müssten wir zehnfach in die Bildung investieren für eine Ganzjahres-Ganztagesbetreuung, oder gleich nur noch Internate anbieten (im Extremfall), damit die Eltern keinerlei Verantwortung mehr übernehmen müssen. Möchte man das? Jedenfalls erschließt sich mir nicht, was das mit Rosinenpickerei zu tun haben soll.

          • Ulkig. Sie unterstellen mir, Darlegungen anderer zu ignorieren – und verdrehen meine Aussagen so, dass sie nicht mehr stimmen. Sie selbst sollten an Ihrem Diskussionsstil arbeiten.

            Nirgends habe ich geschreiben, dass „20 % der Schüler von staatlichen Schulen aussortiert werden“. Ich zitiere auch nicht Frau Karliczek (hä?). Wenn Sie mal lesen würden, was ich schreibe (und nicht nur auf Reizbegriffe reagieren würden), könnten sie feststellen, dass ich – wörtlich – geschrieben habe: „20 Prozent der Schülerinnen und Schüler fallen durch den Rost des staatlichen Schulsystems“.

            Wie anders wollen Sie 15-jährige Schüler nennen, die „nicht mit einfachsten Leseanforderungen“ zurecht kommen, wie PISA ihnen attestiert, die also de facto Analphabeten sind? An diesen Kindern ist das staatliche Schulsystem gescheitert. Wer denn sonst?

            Das Aussortieren ist ein anderes Thema, geht aber in eine ähnliche Richtung. Ich habe persönlich erfahren dürfen, wie schnell das geht, wenn eine Lehrkraft sich überfordert fühlt – meine Tochter sollte am Ende der zweiten Klasse auf die Förderschule (aka Sonderschule). Und hat dann, nach einem Wechsel auf eine inklusiv arbeitende Schule (wohlgemerkt: ohne zusätzliches Personal), Mitte der vierten Klasse eine vollwertige Realschulempfehlung bekommen. Das Geheimnis war einfach nur eine Lehrerin, die sich mit dem Thema Dyskalkulie beschäftigt und sich die Mühe gemacht hat, das Kind an den Stoff heranzuführen, ohne es zu frustrieren. Ohne Eltern, die sich zu wehren wissen, wäre sie heute: auf der Sonderschule – praktisch ohne Perspektive, jemals einen regulären Schulabschluss zu bekommen.

            Unverschämt ist Ihr Passus: „in erster Linie sind die Eltern für ihre Kinder verantwortlich“. Der Staat zwingt Kinder per Schulpflicht in seine „Bildungs“-Stätten – um einem Elternteil wie mir dann durch einen Bediensteten wie Ihnen erklären zu lassen, dass er sich gar nicht um die Kinder kümmern will! Geht’s noch?

          • @Bernd: Zitat von Ihnen: „20 Prozent der Schüler fallen durch den Rost des staatlichen Schulsystems.“ Zwischen Analphabeten und Kindern mit Leseschwächen ist noch ein großer Unterschied. Ich ahbe Verständnis, dass Sie besorgt sind um die Beschulung ihrers Kindes mit Dyskalkulie, aber werden die Lehrer dahngehend ausgebildet und steht ihnen genug Zeit zur Verfügung? Wozu gibt es Experten auf diesem Fachgebiet?
            Frau Karliczek zitieren Sie nciht selbst, das habe ich falsch ausgedrückt, aber Sie verweisen auf einen Link, in dem sie ihre Erkenntnisse zum Besten gibt.
            Sie nennen die Aussage unverschämt, dass in erster Linie die Eltern für ihre Kinder verantwortlich sind? Na dann… Schulpflicht ist Zwang, oho! Ich stelle mir gerade das Chaos vor ohne Schulpflicht und die völlige Überforderung der Eltern vor. Es gibt Länder, da wären Kinder froh, wenn sie überhaupt die Chance hätten, eine Schule zu besuchen.
            Und gleich wieder die Verdrehung der Argumentation in: „Lehrer wollen sich nicht um die Kinder kümmern“!! Geht`s hier noch?
            Unverschämt finde ich, dass Sie mich hier als „Bediensteten“ bezeichnen, in einer herabwürdigenden Art und Weise. Arroganz ist kein guter Ratgeber und sorgt auch nicht für überzeugende Argumente.

          • Sie sind ein Staatsbediensteter, oder etwa nicht? Was ist daran herabwürdigend?

            Und was Ihre Aufgabenbeschreibung als Lehrkraft angeht, so lässt sich den Schulgesetzen anderes entnehmen, als Sie hier postulieren. Beispiel Schulgesetz NRW (gibt’s in allen Bundesländern so ähnlich): „Die Schule vermittelt die zur Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen und berücksichtigt dabei die individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler.“

            „Die Schule vermittelt…“ Von Ausnahmen steht da nichts.

            Quelle: https://bass.schul-welt.de/6043.htm#1-1p1

          • Bernd sollte mal Art. 6 GG nachlesen und überlegen, inwiefern Eltern für ihre Kinder verantwortlich sind (Behauptung vom 27.12. 13:13 oben). Die Schule hat gar nicht die Rechte, die die Eltern haben. Außerdem: „Schule kann nur gelingen in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Eltern.“ Schon mal irgendwo gelesen?

      • @Bernd: Sie sagten: „durch einen Bediensteten wie Ihnen“… Merken Sie was? Nicht so, wie Sie das jetzt wieder darstellen. Und in Ihrer Aufstellung ist tatsächlich nichts darüber zu lesen, dass die Lehrer für Defizite jeglicher Art, bis hin zu Krankheiten und Lernschwächen, psychische Entwicklungsstörungen und sonst noch was zuständig sind und Lösungen parat haben müssen. Da haben Sie was falsch verstanden. LRS und Dyskalkulie werden berücksichtigt, auch bei Schülern, die das gar nicht wirklich haben, wird sehr leichtfertig attestiert, kann aber in der Schule ohne Experten nicht therapiert werden oder nur unter großem zusätzlichem Aufwand, was der Schulalltag in der Regel nicht zulässt. Ist das so schwer zu verstehen?
        Aber daraus wird mir wieder ein Strick gedreht, mit Sicherheit, ist nutzlos zu diskutieren. Es kommt sicher eine Antwort, denn Sie müssen bei Kritik immer das letzte Wort haben. Ich nicht, werde nicht mehr reagieren.

        • Wir reden hier nicht über Krankheiten. Dass Sie kein Arzt sind, ist mir schon klar.

          Aber wer ist denn nun für die Bildung von Kindern zuständig, wenn Sie es als Lehrkraft nicht sind?

  8. Die Ideen, die im Leitartikel stehen, sind ja nicht neu. Neu ist vielleicht, dass Maria Montessori dafür herhalten muss.
    Vieles, was an (Grund)Schulen gemacht wird, ist eine Weiterentwicklung der Grundgedanken der Montessori-Pädagogik. Diese flossen in die Lehrpläne ab 2000. „Learning by doing“ war der Hauptgedanke. Im Grundschulbereich gab es nach der Jahrtausendwende dazu immer wieder Fortbildungen.
    Wenn ich an unserer Grundschule die Materialien anschaue: Wir haben viel Anschauungsmaterial und Hilfematerial, einiges ist weiterentwickelt und besser, anderes kann man eins zu eins einsetzen. Schaut man mal in die Angebote der Montessori-Verlage, dann haben wir es hier mit im Grundschulbereich mit stabilem Material aus Holz zu tun – es ist etwas zum Tun und im wahrsten Sinn des Wortes zu be- greifen. Erst arbeitet man mit Material, dann wird das Begreifen so langsam abstrakter, je öfter man mit dem Material arbeitet. Das ist z.B. auch ein Montessori- Grundgedanke.
    Dass nun digitale Spiele, bei denen nur im Kopf etwas passiert, besser sein sollen oder diese Vorarbeit ersetzen sollen, leuchtet mir nicht ein. Es ist, wie schon jemand anders schrieb, gerade im Grundschulbereich und bei kognitiv schwächeren Schülern wichtig, zuerst einmal mit Material zu handeln.
    Zustimmen kann ich dahingehend, dass computergestütztes Lernen „automatisch“ aufbauen und der Lehrkraft in der Vorbereitung die Arbeit erleichtern kann, wenn es Fortschritte des Schülers automatisch erkennt und dann in die nächste Schwierigkeitsstufe wechselt. Solche Programme gibt es schon länger, aber das wäre dennoch noch ausbaufähig.

    Zu den Rahmenbedingungen:
    Es gibt ein paar Schulen, die in dieser Richtung schon arbeiten. Von denen müsste man lernen. Diese müssten sich u.a. folgenden Qualitätskriterien stellen:
    – Wie groß ist der Lernerfolg am Ende der Schulzeit im Vergleich zu traditionellen Schulen?
    – Stehen genügend Geldmittel und Lehrkräfte zur Verfügung?
    – Kann damit eine bessere Lernmotivation/Arbeitseinstellung von mehr Schülern erreicht werden? Also spricht man damit eine breitere Masse in Bezug auf intrinsischer Motivation an?

    So eine Schule muss gut durchdacht werden und in Konkurrenz zu den traditionellen Schulen treten können. Eine traditionelle Schule zu einer solchen Schule umzufunktionieren geht in meinen Augen nicht. Dazu sind die Klassen zu groß, das Personal zu wenig (Schüler-Lehrer- Schlüssel) und die Räume dazu nicht geschaffen.

  9. Pfeiffff… pfeiff …. düdeldüüü-so-vor-mich-hin … ups, nanu?
    Montessori reloaded: Die Schule der Zukunft wird gebaut. Digitalisierung des Unterrichts und 3 Pädagogen im Zimmer. Woooow, yeah!
    Ok, bin dabei … oder Moment, eine Frage noch: Da ist jetzt nicht irgendein Haken wie bei den 12 (symbolische Zahl) anderen zukunfts(schein)trächtigen Ansätzen, die ich bereits überlebt (Doppelsinn) habe, oder? Ausgedrückt in den prinzipienweisenden Worten: Hilfe, ich soll es selbst tun.

    • Die bisherige Umsetzung des „Hilf mir, es selbst zu tun“ in Regelschulen besteht darin, dass die Lehrkraft alle Aufgaben allein übertragen bekommt, einschließlich Inklusion und Digitalisierung ( samt Spenden einbringen, Kauf, Einrichtung und Support)… die Aufgabenlisten ist endlos und Unterricht selbst ist nur ein kleiner Teil davon, dafür sucht sich die Regelschule die SchülerInnen nicht aus und füllt damit auch das Säckchen des Fördervereins nicht darüber.

      Montessori setzt sich gut im Team um, braucht eine gute Ausstattung und eben auch zusätzliches Personal für eine bessere Begleitung im Unterricht, denn das Motto bedeutet für SchülerInnen, dass man sie zur Selbstständigkeit befähigt, nicht dass man sie sich selbst überlässt.

      Übrigens geht Montessori gerade nicht von Gamification aus, sondern von intrinsischer Motivation. Diese muss man in heutiger Zeit bei auch jüngeren SchülerInnen erst einmal suchen, zumeist sind schon ErstklässlerInnen an Belohnungssysteme in Videospielen gewöhnt und haben weniger Aufmerksamkeit für Mühsames, an dessen Ende kein Jackpot ausgeschüttet wird. Jede gut ausgebildete Lehrkraft weiß, dass die Methode der Sache selbst dienen kann und soll, aber letztlich den Inhalt nicht ins Abseits stellen darf.

  10. Ich möchte gern digitaler mit meinen Schülis arbeiten. Aber ich weiß, dass meine „Klientel“ das nicht gut genug mitmachen wird.
    Erstmal möchte ich viel kleinere Lerngruppen, damit ich mich besser um diejenigen kümmern kann, die es nicht so gut schaffen, in der Schule zu bestehen. Nur wenn die viel mehr persönliche Unterstützung durch Lehrkräfte erhalten, werden die peu a peu in die Lage versetzt werden können, so selbstständig zu arbeiten.
    Bei all diesen Ansätzen wird immer ausgeblendet, dass es nicht nur Spezial-Privatschulen und Gymnasien gibt. So lange Schule von ihren äußeren Rahmenbedingungen anders organisiert wird, kann man sich solche Konzepte sparen.
    Schon jetzt können viele Lehrkräfte bestätigen, dass Digitalisierung allein gar nichts bringt.

    • Status Quo: Wir erreichen ca. ein Drittel der „Schülis“ (schauder) durch Massenabfertigung gar nicht mehr.

      Mögliche Lösungen:
      – mehr Ressourcen (not gonna happen)
      – Hilfe durch digitale Medien

      Feedback vom Algorithmus ist immer noch besser als gar keins.

      • Dazu müssten alle Kids auch wirklich mit ihren digitalen Endgeräten das tun, was sie wirklich weiterbringt. Das Feedback, das Sie meinen, kriegen nur die, die auch tatsächlich … Und hier beginnt das Problem Das erlebe ich andauernd. Ich unterrichte an einer Gemeinschaftsschule. Ich brauche mehr Zeit für die einzelnen Schülis, damit alle auch due allereinfachsten Dinge tun können, nachdem ich ihnen gezeigt habe, wie es geht, wo sie es finden usw.

        • Die erfolgreiche Nutzung von Lernprogrammen setzt ihre Nutzung voraus.

          Meine Erfahrung ist ganz gegensätzlich: Mit NICHTS locke ich die schwachen Schüler so sehr hinter dem Ofen vor wie mit den IPads.

          Sie brauchen nicht mal einen Arbeitsauftrag. Sie fangen selbstständig an und bleiben eine Stunde motiviert- Gamification sei Dank.

          Ach ja, das Ganze passiert so in der Grundschule.

          Die Vorbehalte empfinde ich daher immer als sehr vorgeschoben.

          • Ich lasse meine Schüler*innen viel digital arbeiten und berichte nur darüber, was ich erlebe! – In der Grundschule, wenn die Kids meistens noch kein digitales Endgerät haben, kann man die noch mit einem iPad hintern Ofen hervorlocken. … Ich arbeite aber mit älteren Kids und da ist es eben anders. Die haben alle Smartphones, mit denen sie jede frei Minute daddeln, Videos schauen und chatten/voice mailen … Ein iPad ist für viele also nichts, was die Wurst vom Teller reißt. Tut mir leid, aber es ist naiv zu denken, dass es so einfach funktioniert.

      • Die Kinder, die im staatlichen System nicht erreicht werden oder die dort „durchs Raster fallen“ (siehe Beitrag von Bernd oben), werden wir nicht allein mit digitalen Medien erreichen,
        oft fehlt es gerade diesen SchülerInnen sowohl an Grundvoraussetzungen wie auch an digitalen Möglichkeiten – und den Schulen, die sie besuchen, ebenfalls, denn diese sind stets die letzten, die irgendwann bedacht werden.

        Es ist ein Trugschluss, zu meinen, dass Lernprogramme das ändern könnten.

        Wer die Benachteiligten bedenken möchte, wird sich ihrer annehmen müssen – und zwar nicht ein paar Vorzeigekinder in Privatschulen, oder sollte man diese 20-25% generell auf die Privatschulen verteilen?

        Es kostet Geld und es braucht viel Personal, mehr als sonst üblich. Der Sparzwang in der Bildungspolitik bedeutet das Gegenteil und hilft gerade diesen SchülerInnen nicht, sondern stellt sie seit Jahren in den Regen.

        • Natürlich werden wir die besonders förderbedürftigen Schülerinnen und Schüler allein durch die Digitalisierung der Schulen nicht erreichen – direkt jedenfalls nicht. Indirekt schon: Die Digitalisierung bringt eine Ressource ins System, die Freiräume schafft, die dann gezielt eingesetzt werden können – für die besonders förderbedürftigen Schülerinnen und Schüler etwa.

          • Ich denke, wir sind uns in der Meinung recht einig, es braucht die Differenzierung und ja, es gibt schon jetzt sinnvolle digitale Möglichkeiten zur individuellen Förderung. Mir sind zumindest welche bekannt, die ich gerne einsetzen würde, mangels Ausstattung aber nicht kann.

            Die Ausstattung kommt aber gerade in den Schulen mit benachteiligten Kindern nicht an, ebenso wie Lehrkräfte für die reguläre Unterrichtsversorgung, Förderschullehrkräfte für die ohnehin zu geringe Grundversorgung in der Inklusion – da spart das Land, wo es nur kann, eine Anerkennung von Arbeitszeit oder eine Entlastung für z.B. die Digitalisierung wird nicht gewährt. Die einzige Möglichkeit, hier voran zu kommen, ist die Überlastung der Lehrkräfte durch unbezahlte Überstunden, siehe Arbeitszeiterhebung.
            Auch Betreuungspersonal für die Aufsicht über die Unterrichtszeit hinaus oder Ausstattung ist nicht überall gegeben oder zumindest zufriedenstellend umgesetzt, weil die Schulträger klamm sind oder ebenfalls an den Schulen sparen, den Schulen nicht genug Aufmerksamkeit widmen oder selbst kein Personal haben. Nur ein Beispiel: Das Glasfaserkabel liegt 2 Jahre vor oder auf dem Schulgelände, bevor das Hineinlegen in die Schule (Hürde2), der Anschluss (Hürde3), die Einbindung ins System (Hürde4) und eine Kontrolle der Leistungsfähigkeit (Hürde5) erfolgen – also irgendwann nach 2-4 Jahren.

            Unter diesen Voraussetzungen sind digitale Möglichkeiten etwas, das in Privatschulen gerne finanziert und umgesetzt wird, dort, wo vielfache Förderung und Differenzierung unter steter Lehrkräfteunterversorgung stattfinden muss, ist dies nicht möglich.

            Es gibt SchülerInnen, die man schlecht erreicht, es gibt aber auch seit Jahren viele, die man verliert, weil die Bedingungen in den Regelschulen so schlecht sind, dass sie für eine angemessene Förderung nicht ausreichen.
            Da helfen digitale Lösungen nicht, da braucht es Fachpersonal, um SchülerInnen angemessen unterrichten und fördern zu können, aber letztlich auch, um digitale Möglichkeiten sinnvoll einzusetzen, nicht als Beschäftigung, sondern sinnvoller Differenzierung und überlegter Medienbildung. Das kann eine 450€-Kraft, die zur Aufsicht in die Klasse gestellt wird, nicht leisten, die Lehrkraft, die zusätzlich zum eigenen Unterricht Materialien für diese Klasse bereitstellt, kann dies auch nicht.

        • Und was macht Sie so hoffnungsvoll, dass sich das bald ändert?

          Digitalisierung löst natürlich nicht alleine alle Probleme.

          Wie oft soll diese Phrase hier noch geschrieben werden?

          Klar, es gibt 1000 Probleme und zu wenig Ressourcen.

          Und Ihr Standpunkt zur Digitalisierung ist in etwa: Solange nicht alle 1000 Probleme behoben sind, will ich keine digitalen Helferlein – sonst kann ich die 1000 Probleme nicht mehr so gut anprangern.

          Finde ich albern.

          • Ich bin nicht hoffnungsvoll, dass es sich bald ändern wird.
            Warum sollte es?
            Es ist doch offenbar seit Jahrzehnten besser, dass man am Bildungssystem Einsparungen vornimmt.

            Dass es keine Lehrkräfte gibt, erlebe ich seit mehr als 10 Jahren, dass inzwischen 450€-Kräfte die Aufsicht übernehmen, zeigt, wie groß die Not ist, die aber weder in der Gesellschaft noch in der Politik ankommt.

            Dass die Schulträger klamm sind und Geräte für SchülerInnen nicht von jetzt auf gleich angeschafft werden – nicht vom Schulträger und nicht von den Eltern – dürfte auch jedem klar sein.

            Ich nehme die digitalen Hilfen gern, dazu dann bitte noch die Infrastruktur und eine Kraft, die für die Einbindung und den Support zuständig ist und die zermürbenden Auseinandersetzungen mit dem Schulträger übernimmt.

            Und ich bin gerne bereit, qualitativ hochwertige Lernprogramme in meinen Unterricht an geeigneter Stelle zu integrieren, dabei darf es sinnvoll aufgebaut sein und didaktisch klug gesetzt, mir wären Inhalte und Darstellung wichtig, Differenzierung für unterschiedliche Förderschwerpunkte und aussagekräfte Diagnostik für die Lehrkräfte, um nach dem Unterricht die Lernentwicklung und auch die Fehler einsehen zu können – also pädagogisch und mit Sinn und Verstand entwickelt.

            Meine Erfahrung bisher ist, dass nur wenige Lernprogramme das bieten, noch weniger gilt es für umfangreiche, vernetzte Themen des Unterrichts mit vielfältiger Differenzierung, da es viel Arbeit ist, solchen Content zu erstellen.
            Bisher wurde erwartet, dass Lehrkräfte das auch übernehmen – wie so vieles andere auch.

            Lassen wir uns überraschen, wie sehr den Verlagen daran gelegen ist, auch kleinen Systemen gute Programme zu erschwinglichen Preisen anzubieten, mit dem der inklusive Unterricht unterstützt werden kann.

          • Nö, Sie haben überlesen, dass wir doch trotz dieser Probleme digital arbeiten. Es hilft aber den schwächeren/benachteiligten Kids nicht wirklich so, wie Sie sich das vorstellen.

  11. Menschen sind das wichtigste um lernen zu können! Menschen sind bedeutend, ob man sich in der Klasse wohlfühlen kann, sind als Gruppenleiter für die Gruppendynamik entscheidend. Sind wichtig als Vorbilder und zur Motivation. Be“greifen“ und „digital“ ist so ziemlich das Gegenteil voneinander. Beispiel : Ich sähe, damit ich ernten kann, damit ich essen kann und damit das auch was wird, muss ich mich zwischendurch kümmern. Am besten lernt man, wenn man einen Sinn in der Sache erkennt. Am Computer, also in der Theorie lernt vor allem das Kind gut, das durch Fleiß beliebt sein und Anerkennung ernten will ( wenn denn noch eine anerkennende Lehrkraft in der Nähe ist) oder das schon einen späteren beruflichen Sinn in der Sache sieht. „Hilf mir es selbst auf Knopfdruck zu tun“ ist schon eine merkwürdige Interpretation des Montessori Konzeptes.
    Kinder wollen kein “ gut gemacht “ vom Computer, sondern von Eltern und Lehrer*innen und anderen Mitmenschen!

    • Sicher wäre ein echter Lehrer immer besser, leider bin ich immer nur EINER und in der Klasse sitzen 25.

      Wie individuell das Feedback da sein kann, können Sie sich ausrechnen.

      Mein Punkt war ja gerade, dass es zu wenig Ressourcen gibt und daher Lernprogramme besser als nichts sind.

    • Sie meinen „Ich säe“, nicht „ich sähe“. Aber richtig ist, was Sie sagen, denn bei dieser Digitalisierung muss man berücksichtigen, dass die eben gewisse Gewinne auf seiten der Hersteller von Hardware und Software zur Folge hat. Irgendwann kommt sicher das Argument, dass dabei ja „Arbeitsplätze“ auf dem Spiel stehen, aber man meint immer nur solche Arbeitsplätze, an denen ein Unternehmen direkt verdienen kann, nicht etwa Arbeitsplätze von Lehrern. Das ist so in unserem Wirtschaftssystem.

      • Staatlich bedienstete Lehrkräfte arbeiten ehrenamtlich? Das wäre mir neu.

        Was ist an staatlich finanzierten Arbeitsplätzen besser als an denen aus der Wirtschaft? Es gibt übrigens auch gemeinnützige Unternehmen, zu denen Privatschulen meist gehören. Die gehen, nebenbei, besser um mit ihren Lehrkräften als die Landesregierungen.

        Überhaupt: Was für ein schräges Argument – ich habe noch nie gehört, dass jemand die Digitalisierung der Schulen damit begründet hat, Arbeitsplätze bei den Software-Anbietern zu sichern. Sie erfinden eine Argumentation, um sie dann zu widerlegen. Naja. Und was ist mit den Arbeitsplätzen der Schulbuchverlage, die bislang prächtig an gedruckten Schulbüchern verdient haben?

        Wenn schon mit Wirtschaft argumentiert wird, dann vielleicht so: Die Digitalsierung der Schulen ist schon deshalb zwingend, weil das Leben außerhalb von Schule – und dazu gehört auch die künftige Arbeitswelt der Schülerinnen und Schüler – eben nicht auf dem Planeten Analog stattfindet. Ein bisschen was mit den Leben von Menschen sollte Schule schon zu tun haben, oder?

        • Natürlich sollte man die Kids auf das Leben nach der Schule vorbereiten und dazu gehört, dass sie auch digital arbeiten können.
          Persönlich macht es mir sogar Spaß, all die neuen Möglichkeiten zu entdecken und mit den Kids Neues auszuprobieren. Ich habe jedoch nicht nur gute Schülis, sondern auch sehr schwache bzw. bildungsdesinteressierte, die ich nicht erreiche. Es spielt keine Rolle, ob analog oder digital. Ich habe schlicht nicht Zeit, mich ausreichend um deren Belange zu kümmern und mit ihnen gemeinsam ihre Probleme anzugehen. Die digitalen Differenzierungsmöglichkeiten sind da vollkommen unwichtig, denn ich muss sicherstellen, dass die überhaupt ihre Geräte einschalten, um es mal anschaulich auszudrücken. Und wenn dann tatsächlich alle die Geräte eingeschaltet haben, dann kommt das nächste Problem, denn es gibt immer ein nächstes Problem.
          Die stärkere Schüler*innen sollen ja selbst auch etwas tun und nicht nur den schwachen helfen.
          Wie ich bereits schrieb: Schule muss dringend umorganisiert werden. Corona hat jetzt alles an den Tag gebracht. Aber ich bezweifle sehr stark, dass die Politik irgendetwas ändern wird, außer den Schulen noch mehr abzuverlangen.

          • @DerechteNorden

            Ich finde Ihre Argumentation – aus meiner Erfahrung – nachvollziehbar weil praxisnah.

            Zu Ihrem letzten Absatz „Corona hat jetzt alles an den Tag gebracht. Aber ich bezweifle sehr stark, dass die Politik irgendetwas ändern wird, …“ fiel mir leider spontan nur ein: „Corona hat jetzt alles an den Tag gebracht. Aber wir alle haben genug Lebenserfahrung um zu wissen, dass auf einen Tag stets eine Nacht folgt.“
            🙁
            Ganz ehrlich: Mir fehlt mittlerweile zwischendurch immer wieder ein wenig die Zuversicht, um an SINNVOLLE Maßnahmen der Politik zu glauben, denn DA werden die Weichen gestellt – oder eben auch nicht.
            Und das von lauten Werbesprüchen begleitete ewige Projekt-Flickwerk (gefälligst ohne zusätzliche Investitionen DIREKT in Schulen) wird zum ewig gleichen Ergebnis führen: Wir stagnieren so vor uns hin – doppelt schade, wenn sich die „Außenwelt“ weiter entwickelt, denn dann wird’s ein Rückschritt.
            Mal sehen, was bis zur nächsten Bundestagswahl so (nicht) passieren wird. Da ist dann wieder ein kompletter SuS-Schwung durch die Grundschulen gelaufen …
            Noch einmal 🙁

      • Na woher kommt denn die demonstrativ zu Schau getragene Digitalisierungsbegeisterung gerade bei der Bertelsmann-Stiftung, Telekom-Stiftung usw.? Doch nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit den SuS gegenüber, sondern weil man sich Gewinne verspricht. Schon mal was von „Lobbyisten“ gehört?
        Das Argument mit den Arbeitsplätzen wird später kommen (das hatte ich auch oben gesagt), etwa wenn mal ein großer Hersteller von Lernsoftware in Konkurs geht. Ich kann mich nicht erinnern, dass über den Verlust von Arbeitsplätzen je geklagt wurde, wenn Lehrerstellen gestrichen werden sollten. Da war doch was mit Tausenden von Lehrerstellen in Baden-Württemberg? Aber dann geht es immer nur um die finanziellen Lasten für das Land, natürlich auch die Pensionslasten.
        Wenn Lehrer durch Lernsoftware „entlastet“ werden sollen, könnte man das ja auch so lesen, dass Lehrerstellen dadurch eingespart werden können (nicht müssen).

        • Jaja, die böse Wirtschaft.

          Doof, dass nicht jeder in Staatsdiensten sein kann. Denn dann hätten wir ja Kommunismus, und der hat ja nun überhaupt nicht geklappt. Könnte Gründe gehabt haben.

          • Oh, es sind viel zu wenig Lehrer im Staatsdienst, seit Jahren, und es wird immer schlimmer. Nennt sich Lehrermangel, und liegt genau wie in der Pflege darin begründet, dass die Arbeitsbedingungen immer abstruser werden.
            Ich finde es auch befremdlich, über Digitalisierung von Lernprozessen zu reden, solange ich wöchentlich 25h in ca. 10 Lerngruppen à 25 – 32 Schüler zu unterrichten habe, mit einer Ausstattung (Mobiliar und technische Ausstattung), die noch aus dem Jahr des Schulbaus stammt ( ja, nicht wenige Tische, Stühle und Geräte sind über 50 Jahre alt), Laptops/Tablets für Schüler/Lehrer als Kostenfaktor zu groß und damit nicht gestellt werden, Unterrichtsräume so gebaut sind, dass individualisiertes Arbeiten allein schon aufgrund des Platzmangels und fehlender Rückzugsmöglichkeiten unmöglich ist. In den meisten Schulen kann man den Zustand der Schultoiletten als Gradmesser dafür verwenden, welche Wertschätzung Schulen als Ort des Lernens, in dem sich Menschen teilweise 8 Stunden und mehr aufhalten, erfahren. Lächerlich, hier über Digitalisierung von Lernprozessen zu reden: nötiger wäre es, Schulen erst mal baulich und personell auf einen Stand zu bringen, welcher einem Ort des Lernens im zivilisierten Europa des 21. Jahrhunderts entspricht!

          • Da haben Sie völlig Recht – und es belegt, dass der Staat es alleine nicht hinbekommt. Würde sich die Bertelsmann Stiftung tatsächlich der Digitalisierung der Schulen annehmen, wie Carsten60 munkelt, würde die zweifellos besser laufen.

        • Na dann ernennen wir doch einfach mal die Bertelsmänner zu Schul- bzw. Bildungsministern, Herrn Dräger im Bund, seine Mitarbeiter in den Ländern, Frau Mohn zur Ehrenministerin und Schirmherrin. Dann würden endlich (!) unsere Schulen der Unternehmensstrategie und -philosophie von Bertelsmann untergeordnet. Profite sollen natürlich auch dabei herausspringen. Das wäre eine neue Form von „Manchester-Kapitalismus des 19. Jahrhunderts“, gefördert von denen, die immer gegen das Schulsystem des 19. Jahrhunderts zu Felde ziehen. Welche Parteien übrigens favorisieren diese Idee einer privatwirtschaftlichen Ausrichtung der Bildung? Die Ampel-Parteien sind es nicht. Aber in USA gibt’s diese Idee schon länger. Und wie steht’s dort um die Bildungsgerechtigkeit?

  12. Zunächst einen brauchen wir einen weiteren Digitalpakt, der Milliarden aufweist. Die uralte Kreidetafel muss endlich aus allen Klassenräumen verschwinden! Dann genug Smartboards, Tablets und Anschlussmöglichkeiten im Klassenraum schaffen und letztlich natürlich auch Lehrkräfte schulen, die ihr Wissen auf die SuS übertragen. Dann können wir gerne über die Schule der Zukunft sprechen. Und natürlich: Unterrichtsbeginn nicht vor 8.30 Uhr. Studien zeigen, dass SuS bessere Leistungen erzielen können, wenn sie ausgeschlafen sind und wenn der Tag nicht um 7.45 Uhr beginnt.

    • Träumen Sie weiter vom ausgeschlafenen Schulanfang!

      Ich habe bis vor Kurzem an einer Schule unterrichtet, die aus (Bus-)organisatorischen Gründen erst um 8:15 begann.

      Wir hatten die größte Schulfrühstücksgruppe des Landkreises und der drei umliegenden, die Kinder standen bereits um kurz nach sieben vor der Tür, denn – ÜBERRASCHUNG!!!!! – die Eltern mussten früh zur Arbeit.

      Die restlichen Schüler durften dann am Vorabend eben um diese Viertelstunde später zu Bett gehen, kamen genauso unausgeschlafen, hektisch, ohne Frühstück und Pausenbrot und mit vergessenen Sportsachen zur Schule.

      • Dann muss man Busverbindungen aufbauen und in die Infrastruktur investieren. Warum haben Eltern es nötig, ihre Kinder so früh zur Schule zu bringen? Scheinbar gibt es (sprechen Sie von einer Schule auf dem Land) keine ordentlichen Verbindungen. Gerade im Sek.II Bereich sehe ich das nicht problematisch.

    • Jau, super auch im Ganztag.

      Der spätere Anfang hat dann Schulschluss um 16:30 h zur Folge. Und die Sek II freut sich bestimmt auf die 10. und 11. Stunde.

      Blöd nur dass die Schicht im Krankenhaus um 6:00 h anfängt. Aber die Kinder der Krankenhausbediensteten und anderer Schichtarbeitenden können ja dann in die Frühbetreuung. Und da gleiches Recht für alle gilt, die Kinder der Spätschicht haben dann auch das Anrecht bis 22:00 h betreut zu werden.

      Worum geht es eigentlich, um die Vermittlung von Bildung oder die Betreuung der Kinder und Jugendlichen während der Zeit, in der die Erziehungsberechtigten dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen müssen? Ist es nicht sinnvoller die Schulpflicht auszusetzen und die Kinder in die Obhut der Eltern zu geben. Diese können dann ja den Nachwuchs mit zur Arbeit nehmen und dort für den Job trainieren. Lässt man dann noch das Verbot der Kinderarbeit ab dem 10. Lebensjahr fallen, kann auch dem fehlen von (billigen) Arbeitskräften etwas entgegengesetzt werden.

  13. Ich finde es witzig, dass man nur den Namen Montessori ins Spiel bringen muss, schon finden es alle toll! Dabei wissen wahrscheinlich die wenigsten, was Montessori Pädagogik ist. Der Ausspruch Maria Montessoris “ Hilf mir, es selbst zu tun“ ist zwar die Grundlage der Montessori Pädagogik, kommt aber auch in anderen pädagogischen Lehren vor. Was die Montessori Einrichtungen auszeichnet, ist das Montessori-Material, anhand dessen die Kinder wichtige Lerninhalte selbst herausfinden können. Klar kann man das auf Lernprogramme übertragen und die Digitalisierung des Lernens wird geschehen, das wird gar nicht zu verhindern sein. Es passiert ja jetzt schon. Ich bin selbst Grundschullehrerin mit Montessori Diplom, arbeite an einer netten kleinen Dorfschule mit viel Platz, guter Ausstattung und (bisher) kleinen Klassen und kann mich hier verwirklichen und meinen Unterricht halten, wie ich es möchte. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass das wichtigste für den Lernerfolg und das Wohlbefinden der Kinder immer noch die positive Lehrer-Schüler-Beziehung ist. Wie genau der Lehrer unterrichtet, ist eigentlich ziemlich egal, wenn diese Beziehung passt! Klar motiviert es die Kinder, wenn sie mit dem Tablet arbeiten dürfen, und hier sehe ich auch großes Potential für die Individualisierung und Differenzierung. Aber dazu müssen gute Programme bereitgestellt werden. Es darf nicht wie üblich alles dem Lehrer angelastet werden. Unsere Arbeitszeit ist nämlich bereits viel zu hoch – nur eine ausgeruhte und gesunde Lehrkraft kann eine gute Lernatmosphäre bieten! Ich persönlich versuche außerdem grundsätzlich, mit dem Material auszukommen, das mir zur Verfügung steht, und das würde ich auch jedem Kollegen raten. Sonst bezahlen wir nämlich die Digitalisierung mit unserem Geld, unserer Freizeit und unserer Gesundheit.

    • @Christine

      „Ich persönlich versuche außerdem grundsätzlich, mit dem Material auszukommen, das mir zur Verfügung steht, und das würde ich auch jedem Kollegen raten. Sonst bezahlen wir nämlich die Digitalisierung mit unserem Geld, unserer Freizeit und unserer Gesundheit.“

      Klar formuliert und einfach treffend. Und das war auch schon VOR der Digitalisierungs-Mode so.
      PS.: Das mit der Beziehungsebene ist ebenso treffend. 🙂

  14. Mit der Internet-Suchfunktion zu „Lernumgebungsdesigner“ kommen viele Ergebnisse mit „Olaf-Axel Burow“ (Prof. Dr. Olaf-Axel Burow) und „Schule 2030“ aus 2018 und 2019.

    Neu ist scheinbar in 2021 nun die Zielrichtung „Maria Montessori“ über das „Institute for Future Design“ über das Vorträge, Bücher und Weiterbildung aus der Theorie entwickelt kaufbar gemacht werden. Nach reiner Gutmenschaktion sieht es mir weniger aus. Daher betrachte ich dieses Titelthema vielleicht auch mal aus einem anderen Blickwinkel, denn welche Modelle oder Visionen in den letzten Jahren wurden bisher in erfolgreiche praktische Projekte mit nachvollziehbaren Ergebnissen an Schulen umgewandelt oder verwirklicht.

    Allgemein gesehen scheint das Beispiel der Berliner Deutsch Skandinavischen Gemeinschaftsschule, eine freie Schule, hier mit der gelebten Pädagogik nach Maria Montessori im Rahmen der Möglichkeiten undf Budgets an staatlichen Schulen doch wenig zu tun zu haben.

  15. Der letzte Abschnitt gefiel mir aus Elternsicht am besten. Lernen mit einem digitalen Anteil statt alles zu verteufeln, läuft hier so langsam an, viele Schüler der Oberstufe dürften jetzt hier ein Tablet nutzen und tun es nicht, weil sie sich unwohl damit fühlen in der Lernsituation der Schule. Schließlich hieß es bis vor Covid, auf gar keinen Fall gehört sowas in die Schule.

    • So wurde auch an unserem städt. Gymnasium für die Oberstufe erstmals im Frühjahr entschieden.
      Es trat nach kurzer Zeit ein benachteiligendes Problem im Präsenzunterricht auf, denn nur Applegeräte hatten die Option, dass die von der Lehrkraft über ihre Apple-Dienstgeräte zur Verfügung gestellten Scripts etc. nur Apple-Nutzern mittels Weiterleitung zur Verfügung gestellt wurde. Alle Androd-Nutzer mussten Fotos machen oder eigene Aufzeichnungen fertigen. Halt Digitale Bildung – Schule 2.0.

      Allerdings gab es Ende Januar bereits einige gestellte Ipad´s für SuS über den Schulträger mit einem kleinen aber wesentlichen Haken: Die Nutzungsvereinbarung der Geräte war ausdrücklich an die Nutzung NICHT in der Schule in Präsenz verknüpft mit der Gefahr von Diebstahl dort begründet.

  16. Auffallend: Die KollegInnen hier sind sich einig, was man unter der Montessori-Pädagogik versteht und worum es in der Montessori-Pädagogik geht. Es scheint, als habe Olaf-Axel Burow das montessori-typische „Lernen durch Begreifen“ ausgeklammert.
    Der Gedanke der Individualisierung des Unterrichts und als methodischer Lösungsansatz dazu, dass man individuelle Lernumgebungen gestaltet, kennt man schon lange; das beinhalten auch andere methodischen und pädagogischen Ansätze. Mit Montessori sehe ich die Übereinstimmung der im Artikel dargestellten Zugangsweisen nur in der Individualisierung der Lernumgebungen, aber nicht in der Methodik. (Lernen durch Be-greifen).
    Mir ist das alles so oder so zu einseitig. Um rein theoretisch für jedes Kind seine individuelle Lernumgebung zu gestalten, braucht es viel Methodenwissen, einen Überblick wo das Ganze hinführen soll und natürlich den ausgebildeten Lehrer. Man kann computergestützte Methoden mit einbeziehen, aber sie sind eine Methode unter vielen.
    Vom Zeitaufwand: Ich gestalte gerade eine solche individuelle Lernumgebung für ein Kind, das lernzieldifferent beschult wird. Hier kommen sowohl haptische (u.a. auch Montessori- Materialien), als auch computergestützte Programme zum Einsatz. Alles hat dienende Funktion. Obwohl dieses Kind eine individuelle Schulbegleitung hat, benötige ich jede Woche 3-5 Stunden, diese Lernumgebung vorzubereiten und zu gestalten. Dank Schulbegleitung muss ich nicht viel kontrollieren. Wenn man das jetzt hochrechnet, dann kann man sich ungefähr ausrechnen, wie viele solcher Schüler jeder Lehrer maximal betreuen kann.

    • Danke, @ysnp, für den Beitrag aus der Praxis
      und den Einblick in den Aufwand der Förderung in der Inklusion, der den Regelschullehrkräften zusätzlich übertragen wurde – ohne Entlastung oder Entlohnung.

      Für die Digitalisierung und den Einsatz wissen Lehrkräfte auch: Das Programm kann gut sein, einschließlich vielfältiger Differenzierung und Darstellung von Diagnostik, benötigt aber den zielgerichteten Einsatz, den die Lehrkraft nur dann schaffen kann, wenn sie Zeit dafür hat, die Bedürfnisse der Kinder genau zu kennen wie auch die Möglichkeiten der digitalen Programme und beides in Zusammenhang zu bringen.

  17. Gamification – witzig. Wer soll diese Spiele programmieren? Wollen nicht tausende Spieleprogrammierer DAS Spiel entwickeln, das jede(r) spielen will, um damit reich zu werden? Warum schaffen es nur ganz wenige Spiele in diese Kategorie? Warum sollte dann gerade ein „Lernspiel“ DAS Spiel werden, das SchülerInnen gerne spielen?
    Flipped Classroom – wie oben erwähnt. Diejenigen, die eh ihre Hausaufgaben machen, schauen auch die Videos, diejenigen, die ihre Hausaufgaben auch sonst nicht machen, schauen auch die Videos nicht.
    Diesbezüglich sehr informativ sind die Demos and Talks von Joern Loviscach auf Youtube – ein Praktiker, der erfrischend realistisch von seinen Erfahrungen mit Studenten erzählt.
    Auch Gamification sieht er sehr kritisch. Die RWTH Aachen hat diesbezüglich Versuche unternommen. Schlussendlich mussten die StudentInnen verpflichtet werden, bis zu gewissen Levels zu spielen – auch hier wurden die für teures Geld produzierten Spiele nicht freiwillig gespielt.

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