Website-Icon News4teachers

Vorbereitungsdienst kürzen? Studienseminare und Lehrerverbände protestieren

Anzeige

WIESBADEN. In Hessen regt sich Protest gegen geplante Einschnitte in der Lehrkräftebildung. Unter dem Motto „Bildung geht uns alle an“ demonstrierten auf dem Wiesbadener Kranzplatz Ausbildungskräfte, Seminarleitungen, Lehrkräfte sowie Unterstützerinnen und Unterstützer gegen Kürzungen im Bereich der Studienseminare. Die Personalräte an den hessischen Studienseminaren hatten zu der Aktion aufgerufen. „Die Personalräte wurden monatelang nicht gehört, Briefe an das Ministerium nicht beantwortet.“ Der Protest müsse daher nun öffentlich werden, erklärte Klaus Oehmann, Personalratsvorsitzender des Studienseminars für Berufliche Schulen in Gießen.

Protest in Wiesbaden. Foto: privat

Hintergrund der Kritik sind Pläne des Landes, den Ausbildungsfaktor zu senken, Beförderungen auszusetzen – und den Vorbereitungsdienst für Lehrkräfte zu verkürzen. Der Vorbereitungsdienst dauert in Hessen derzeit 21 Monate und damit länger als in den meisten anderen Bundesländern. Laut dpa plant das Land, diesen Zeitraum zu verkürzen. Das Kultusministerium bestätigt die Überlegungen nicht ausdrücklich, widerspricht ihnen aber auch nicht. „Wenn eine Veränderung vorgenommen werden sollte, wäre dies eine Entscheidung des Parlaments“, teilte das Ministerium auf Anfrage mit. Für eine Verkürzung wäre eine Änderung des Lehrkräftebildungsgesetzes notwendig.

Im bundesweiten Vergleich liegt Hessen mit seinen 21 Monaten 2,6 Monate über dem Durchschnitt. In Bayern dauert der Vorbereitungsdienst 24 Monate, in Brandenburg nur 12, in vielen Ländern 18. Eine Verkürzung auf 18 Monate würde laut Ministerium dazu führen, dass Schulen drei Monate früher von voll ausgebildeten Lehrkräften profitieren könnten. Zudem wäre der organisatorische Aufwand geringer, und junge Lehrkräfte würden früher ein höheres Gehalt beziehen.

Anzeige

„Weniger Zeit und weniger Ressourcen bedeuten unweigerlich eine schlechtere Ausbildung – und damit langfristig schlechter vorbereitete Lehrkräfte“

Diese Pläne stehen jedoch im Zentrum der Kritik der Personalräte und Verbände. In der Pressemitteilung der Studienseminare heißt es, „weniger Zeit und weniger Ressourcen bedeuten unweigerlich eine schlechtere Ausbildung – und damit langfristig schlechter vorbereitete Lehrkräfte“. Die Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Bekenntnis der Landesregierung gegen den Lehrkräftemangel und den geplanten Kürzungen in der Ausbildung sei eklatant.

Mehrere Rednerinnen und Redner warnten auf der Kundgebung vor einer Absenkung der Ausbildungsqualität. GEW-Vorstandsmitglied Manon Tuckfeld erinnerte daran, „dass Bildung in einer demokratischen Gesellschaft höchste Priorität haben müsse“, und warnte ausdrücklich vor einer „Absenkung der Ausbildungsqualität“. Auch der Hessische Philologenverband äußerte scharfe Kritik: Eine Verkürzung des Vorbereitungsdienstes sei „pädagogisch nicht verantwortbar“ und gefährde „die Professionalität angehender Lehrkräfte“, so Verbandsvertreter Volker Hahl. Zusätzlich kritisierten die Personalräte die als Grundlage dienende Prognos-Studie, die keine tragfähige Entscheidungsbasis biete.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte auf dem Kranzplatz die Schilderung der angespannten Lage an Hessens Grundschulen. Katja Giesler berichtete von einer „dramatisch angespannten Situation“, von „Überlastungsanzeigen“ und „steigenden Abwanderungstendenzen“. Eine schlechtere Ausbildung, so die Botschaft, würde diese Situation weiter verschärfen. Im gemeinsamen Abschlussappell forderten die Personalräte die Landesregierung auf, Transparenz über ihre Pläne herzustellen und das Gespräch zu suchen. „An Bildung zu sparen ist der völlig falsche Ansatz – und wird das Land langfristig teuer zu stehen kommen“, heißt es darin. News4teachers 

Junge Lehrkräfte am Limit: Warum der Vorbereitungsdienst so viele überfordert – und wie einer trotzdem durchhielt

Anzeige
Die mobile Version verlassen