MAINZ. Hunderttausende Schüler und Lehrer gehen seit Montag wieder in den Unterricht in Rheinland-Pfalz. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zieht ein positives Zwischenfazit, kritischer äußern sich Landeselternbeirat und Philologenverband. Die Vorsitzende der Gymnasiallehrer-Organisation erklärte, die Hygienepläne seien im Prinzip «Augenwischerei». Schon in den ersten Schultagen nach den Sommerferien war es in Rheinland-Pfalz wegen Corona-Infektionen zu mehreren Fällen von Massenquarantäne gekommen.
Wenige Tage nach dem Schulbeginn in Rheinland-Pfalz ohne Abstandsregel im Unterricht gehen die Meinungen über den bisherigen Schulbetrieb auseinander. Das Bildungsministerium zog trotz erster Quarantänefälle ein positives erstes Fazit. «Nach Rückmeldungen aus der Schullandschaft in Rheinland-Pfalz ist der Start von den Schulleitungen vor Ort sehr verantwortungsvoll und erfolgreich umgesetzt worden», hieß es. Der Philologenverband und der Landeselternbeirat beurteilten die Rückkehr an die Schulen kritischer. Vor allem der Schulbusverkehr bereitet Sorgen. Hier hat das Land Unterstützung angekündigt.
An Haltestellen stehen Schüler eng an eng
Der Landeselternbeirat nannte den Schulstart «durchwachsen». «Es gibt positive und negative Rückmeldungen», sagte Landeselternsprecher Reiner Schladweiler. Die Busse seien überfüllt, manchmal fehlten die Masken, an Haltestellen stünden Schüler eng an eng. Nun soll ein Elternbrief aufgesetzt werden, um die Kinder auch an den Orten an die Maskenpflicht zu erinnern, an denen diese niemand kontrollieren kann.
Das Land hatte am Donnerstag angekündigt, Kreise und Kommunen bei der Bestellung zusätzlicher Fahrzeuge für den Schülerverkehr zu unterstützen. Bis zu 250 zusätzliche Schulbusse sollen mit bis zu 90 Prozent mitfinanziert werden, um die Infektionsgefahr in vollen Bussen zu verringern. Außerdem will das Verkehrsministerium eine zentrale Bus-Börse einrichten, mit der freie Kapazitäten für die Schülerbeförderung vermittelt werden.
Elternvertreter: Verkleinerung der Klassen wäre gute Lösung
Schladweiler rechnet in den kommenden Wochen mit weiteren Quarantänefällen. «Nach und nach werden immer mehr Klassen in Quarantäne gehen. Das ist auch nicht das Gelbe vom Ei.» Für Schladweiler wäre letztlich nur eine Verkleinerung der Klassen eine gute Lösung.
So sieht es auch der Philologenverband in Rheinland-Pfalz. Die Vorsitzende Cornelia Schwartz hält kleinere Gruppengrößen für den wichtigsten Schritt zur Bekämpfung der Corona-Pandemie an den Schulen. Zumindest die weiterführenden Schulen seien «Großveranstaltungen», sagte sie. «Da darf man sich nichts vormachen.» In den Schulen sei es sehr eng, es herrsche «ziemliches Gedränge». Im Prinzip, sagte Schwartz, seien die Hygienepläne «Augenwischerei». Die Pläne würden auch zu leichtsinnigerem Verhalten führen – «auch im Schulbus».
Philologen fordern Lüftungssysteme für die Klassenräume
Der Philologenverband fordert zumindest mobile Lüftungssysteme in den Klassen. Diese Maßnahme sei auch schnell umzusetzen. Eine generelle Maskenpflicht sieht der Verband laut Schwartz kritisch. «Es gibt so viele Gründe, die dagegen und dafür sprechen.» Mit Lüftungssystemen und kleineren Klassen wäre aber auch das Maskenproblem gelöst: «Die braucht man dann nicht mehr.»
An den ersten Schultagen waren in Rheinland-Pfalz wegen einzelner Corona-Fälle bereits weit mehr als 100 Schüler und Lehrer in Quarantäne geschickt worden. Ein Gymnasium im Westerwald etwa hatte 60 Schüler und vier Lehrer wegen einer bestätigten Ansteckung nach Hause schicken müssen. Günther Schartz (CDU), Landrat des Kreises Trier-Saarburg, erklärte: «Man sieht, wie sensibel die Situation ist und deshalb appelliere ich an alle Schülerinnen und Schüler, und natürlich auch an die Eltern, auf die Einhaltung der Corona-Regeln zu achten.» News4teachers / mit Material der dpa
Hier geht es zu einer Deutschland-Karte, auf der nach den Sommerferien von Infektionen betroffene Kitas und Schulen, über die in Medien berichtet wurde, markiert sind.
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Nach 72 Stunden über 6.000 Quarantäne-Betroffene an Schulen – „Schulstart gelungen“
