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Erster Ministerpräsident räumt ein: Es gibt ein höheres Infektionsrisiko in Schulen

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BERLIN. Während die Kultusminister seit Monaten immer wieder dieselbe Botschaft vermitteln – die Schulen seien sicher –, und das erst gestern noch einmal in einem offiziellen Beschluss bekräftigten, lässt ein Ministerpräsident die Katze aus dem Sack: Das Infektionsrisiko in Schulen sei „vielleicht etwas höher“, räumte Saarlands Regierungschef Tobias Hans (CDU) in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ ein. „Das kann man nicht abstreiten, dass da Menschen sehr dicht aufeinander kommen“, sagte er. Das müsse „die Gesellschaft“ allerdings in Kauf nehmen, um das Recht auf Bildung zu gewährleisten. Außerdem: Wer wolle, dass Menschen zur Arbeit gehen, müsse auch für Kinderbetreuung sorgen.

Ehrlich: der Miinisterpräsident des Saarlandes, Tobias Hans (CDU). Foto: Staatskanzlei Saarland/Carsten Simon / Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

„Die Infektionszahlen in den Schulen bewegen sich derzeit bundesweit im Promillebereich und damit auf einem vergleichsweise geringen Niveau. Schulen sind somit im Vergleich zu anderen Lebensbereichen als sichere Orte anzusehen“, so heißt es in einem Beschluss, den die Kultusministerkonferenz erst gestern einstimmig verabschiedet hat. Zuvor hatte bereits der Hamburger Bildungssenator Ties Rabe (SPD) – Sprecher der SPD-geführten Kultusministerien – darauf gepocht, dass die Schulen ein sicherer Ort seien. „Die Kinder infizieren sich in ihrer Freizeit neun Mal häufiger als in der Schule“, behauptete er – ohne die Quelle dieses Befunds anzuführen. Offenbar sind die Länder bestrebt, damit die Linie für den heutigen Corona-Gipfel im Kanzleramt vorzugeben.

Robert-Koch-Institut hat bereits mehrere hundert Ausbrüche an Schulen registriert – Tendenz: steigend

Demgegenüber stehen Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts. Zwar seien die Schulen bislang kein „Treiber“ der Corona-Pandemie, so wie es beispielsweise bei Influenza-Wellen eindeutig der Fall sei, erklärte RKI-Präsident Wieler. Aber es sei klar, dass bei mehr Infektionen insgesamt auch mehr Fälle in den Schulen auftreten würden. Man habe bereits mehrere hundert Ausbrüche an Schulen gesehen. Und, das hatte Wieler bereits zuvor erklärt: Es gibt immer mehr davon.

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Entsprechend ist in einem aktuellen Strategiepapier des RKI zu lesen: „Die Evidenz zu genauer Auswirkung von Schulen und Kitas auf die Pandemie ist heterogen – zeigt aber klar auf, dass Bildungseinrichtungen einer der Orte sind, die eine Rolle im Infektionsgeschehen haben.“ Daher sei es aus seiner Sicht wichtig, betonte Wieler nun, die Empfehlungen der Bundesbehörde einzuhalten.

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt ab einem Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner für alle Schulen des betroffenen Gebiets eine generelle Maskenpflicht im Unterricht (also auch in Grundschulen) sowie eine Verkleinerung der Lerngruppen, damit die Abstandsregel in den Klassenräumen eingehalten werden kann (News4teachers berichtet ausführlich über die Empfehlungen des RKI für den Schulbetrieb – hier geht es hin). Die Empfehlungen, die darauf hinauslaufen würden, dass derzeit in vielen Schulen Deutschlands nur in Schichten unterrichtet werden könnte, werden von den Bundesländern nicht eingehalten.

“Kitas und Schulen müssen offenbleiben, solange das irgendwie geht”

Warum nicht, das macht nun ein offenes Statement eines Ministerpräsidenten in einer Talk-Show deutlich. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen zur Arbeit gehen können. Wenn man die Industrie offenhalten möchte, wenn man die Wirtschaft am Laufen halten möchte, dann muss ich für Betreuung sorgen, und das bedeutet: Kitas müssen offenbleiben, solange das irgendwie geht, und natürlich auch Schulen“, so erklärte Saarlands Regierungschef Tobias Hans, Mitglied auch des CDU-Präsidiums, in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“.

Weiter sagte er: „Bei den Schulen ist es noch ein ganz anderer Aspekt: Ich möchte nicht, dass eine ganze Generation Corona heranwächst, die eine mangelnde Schulbildung aufgrund dieser Pandemie. Dann muss man vielleicht auch mal in Kauf nehmen, dass ein Infektionsrisiko vielleicht etwas höher ist in der Schule. Das kann man nicht abstreiten, dass da Menschen sehr dicht aufeinander kommen. Aber das Recht auf Bildung ist es wert, dass wir uns als Gesellschaft insgesamt zusammenreißen und gucken, dass Schulen und Kitas offenbleiben können.“

Augenscheinlich auch über die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts hinweg. News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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