Erster Ministerpräsident räumt ein: Es gibt ein höheres Infektionsrisiko in Schulen

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BERLIN. Während die Kultusminister seit Monaten immer wieder dieselbe Botschaft vermitteln – die Schulen seien sicher –, und das erst gestern noch einmal in einem offiziellen Beschluss bekräftigten, lässt ein Ministerpräsident die Katze aus dem Sack: Das Infektionsrisiko in Schulen sei „vielleicht etwas höher“, räumte Saarlands Regierungschef Tobias Hans (CDU) in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ ein. „Das kann man nicht abstreiten, dass da Menschen sehr dicht aufeinander kommen“, sagte er. Das müsse „die Gesellschaft“ allerdings in Kauf nehmen, um das Recht auf Bildung zu gewährleisten. Außerdem: Wer wolle, dass Menschen zur Arbeit gehen, müsse auch für Kinderbetreuung sorgen.

Ehrlich: der Miinisterpräsident des Saarlandes, Tobias Hans (CDU). Foto: Staatskanzlei Saarland/Carsten Simon / Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

„Die Infektionszahlen in den Schulen bewegen sich derzeit bundesweit im Promillebereich und damit auf einem vergleichsweise geringen Niveau. Schulen sind somit im Vergleich zu anderen Lebensbereichen als sichere Orte anzusehen“, so heißt es in einem Beschluss, den die Kultusministerkonferenz erst gestern einstimmig verabschiedet hat. Zuvor hatte bereits der Hamburger Bildungssenator Ties Rabe (SPD) – Sprecher der SPD-geführten Kultusministerien – darauf gepocht, dass die Schulen ein sicherer Ort seien. „Die Kinder infizieren sich in ihrer Freizeit neun Mal häufiger als in der Schule“, behauptete er – ohne die Quelle dieses Befunds anzuführen. Offenbar sind die Länder bestrebt, damit die Linie für den heutigen Corona-Gipfel im Kanzleramt vorzugeben.

Robert-Koch-Institut hat bereits mehrere hundert Ausbrüche an Schulen registriert – Tendenz: steigend

Demgegenüber stehen Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts. Zwar seien die Schulen bislang kein „Treiber“ der Corona-Pandemie, so wie es beispielsweise bei Influenza-Wellen eindeutig der Fall sei, erklärte RKI-Präsident Wieler. Aber es sei klar, dass bei mehr Infektionen insgesamt auch mehr Fälle in den Schulen auftreten würden. Man habe bereits mehrere hundert Ausbrüche an Schulen gesehen. Und, das hatte Wieler bereits zuvor erklärt: Es gibt immer mehr davon.

Entsprechend ist in einem aktuellen Strategiepapier des RKI zu lesen: „Die Evidenz zu genauer Auswirkung von Schulen und Kitas auf die Pandemie ist heterogen – zeigt aber klar auf, dass Bildungseinrichtungen einer der Orte sind, die eine Rolle im Infektionsgeschehen haben.“ Daher sei es aus seiner Sicht wichtig, betonte Wieler nun, die Empfehlungen der Bundesbehörde einzuhalten.

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt ab einem Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner für alle Schulen des betroffenen Gebiets eine generelle Maskenpflicht im Unterricht (also auch in Grundschulen) sowie eine Verkleinerung der Lerngruppen, damit die Abstandsregel in den Klassenräumen eingehalten werden kann (News4teachers berichtet ausführlich über die Empfehlungen des RKI für den Schulbetrieb – hier geht es hin). Die Empfehlungen, die darauf hinauslaufen würden, dass derzeit in vielen Schulen Deutschlands nur in Schichten unterrichtet werden könnte, werden von den Bundesländern nicht eingehalten.

„Kitas und Schulen müssen offenbleiben, solange das irgendwie geht“

Warum nicht, das macht nun ein offenes Statement eines Ministerpräsidenten in einer Talk-Show deutlich. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen zur Arbeit gehen können. Wenn man die Industrie offenhalten möchte, wenn man die Wirtschaft am Laufen halten möchte, dann muss ich für Betreuung sorgen, und das bedeutet: Kitas müssen offenbleiben, solange das irgendwie geht, und natürlich auch Schulen“, so erklärte Saarlands Regierungschef Tobias Hans, Mitglied auch des CDU-Präsidiums, in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“.

Weiter sagte er: „Bei den Schulen ist es noch ein ganz anderer Aspekt: Ich möchte nicht, dass eine ganze Generation Corona heranwächst, die eine mangelnde Schulbildung aufgrund dieser Pandemie. Dann muss man vielleicht auch mal in Kauf nehmen, dass ein Infektionsrisiko vielleicht etwas höher ist in der Schule. Das kann man nicht abstreiten, dass da Menschen sehr dicht aufeinander kommen. Aber das Recht auf Bildung ist es wert, dass wir uns als Gesellschaft insgesamt zusammenreißen und gucken, dass Schulen und Kitas offenbleiben können.“

Augenscheinlich auch über die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts hinweg. News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Gipfel mit Kanzlerin: Schulen sollen offen bleiben – der Wirtschaft zuliebe

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47 KOMMENTARE

  1. Sollte man es dann nicht den Eltern überlassen, das „höhere Infektionsrisiko“ gegen die Betreuung zu Hause abzuwägen?

  2. Die Gesetzeslage in Deutschland muss an die Konditionen der Globalisierung im 21. Jahrhundert angepasst werden. Ergo: das alte Nazi-Schulpflichtgesetz von 1938 abschaffen, Bildungspflicht einführen. JETZT!

  3. Hier geht es nur um die Wirtschaft und unsere Kinder sind klar gesagt unseren Lügnern auch Politiker genannt scheissegal.

  4. Da gesteht jemand auch das eigene Versagen ein, dazu die Prioritätensetzung der Regierung: Schulen sind, was die Übertragung von Covid19, ebenso problematisch wie jeder andere Ort auch. Wir kriegen es aber nicht besser hin. Weil uns die Wirtschaft wichtiger ist als Schulen und Kitas werden wir es auch gar nicht erst versuchen.

    Wenigstens ist es jetzt mal raus. Das Lügen hat ein Ende. Blöd, dass sogar ein Großteil der Wirtschaft anders denkt. Der IWF zum Beispiel.

  5. Man könnte für Bildung auch auf digitalem Weg sorgen, wenn man nicht die Zeit verschwendet hätte. Mit digitaler Bildung würden wir viele Schüler auch auf das spätere Berufsleben vorbereiten. Die kleine Lerngruppe sorgt übrigens dafür, dass es ein effektiveres und erfolgreiches Lernen gibt, insbesondere auch bei schwächeren Schülern. Nur blenden wir dies lieber aus – wie bedauerlich.
    Hinzukommt, dass Eltern doch spätestens ab der 7. Klasse nicht mehr wirklich ein Betreuungsproblem haben. Außerdem nimmt man den Kindern an Bildung und emotionaler Entwicklung vielmehr, wenn das gesamte andere soziale Miteinander in Sport- und Musikvereinen, in Kinder- und Jugendverbänden genommen wird. Schwer vermittelbar auch, dass sie sich am Nachmittag nicht treffen sollen, wenn sie morgens dicht an dicht miteinander in der Schule sitze.
    Also: setzt doch die durchaus schon gut entwickelten Konzepte, die digitale Beschulung beinhalten, um! Sorgt für die Technik! Stellt mehr Lehrer ein! Und seht endlich weder Eltern (als Berufstätige) noch Schüler als „Humankapital“ an, deren einzige Aufgabe das Mehren der Vermögen einzelner Wirtschaftsbetriebe ist!

    • Ich fürchte, durch das jetzige Vorgehen der Regierung wird der Personalmangel bei Lehrenden und Erziehenden nur verstärkt. Wer hat denn jetzt noch Interesse, einen Beruf in dem Bereich zu ergreifen, wenn klar ist, dass gerade diese Berufsgruppen (zusammen mit Pflegekräften, aber die sind jetzt ja gerade dringend, da wird das nicht so rausgekehrt) bei erster Gelegenheit skrupellos belogen und zugunsten wirtschaftlicher Interessen geopfert und verheizt werden?

    • Und nun die Realität: GEstern die Anfrage des Trägers erhalten, welche AUsstattung notwendig wäre, um Lerngruppen auf Distanz aus der Schule zu unterrichten. Unterricht vom Arbeitszimmer daheim wird nicht unterstützt.
      Die Frage war – im9. Monat der Pandemie – leider ernst gemeint.
      Ohne einen Bedarfsplan der Schule – da sitzen wir jetzt mal wieder dran – kann leider keine Auschreibung der Hardware erfolgen. Von Software wird sicherlich in der nächsten Fragerunde die Rede sein.

  6. Wie sagt Herr Hans so schön“ MAN KÖNNE NICHT ABSTREITEN , DASS SICH MENSCHEN SEHR NAHE KÄMEN( Schule ist gemeint!), das müsse die „Gesellschaft“ allerdings so in Kauf nehmen um , Bildung zu gewährleisten! (oder so ähnlich!,)
    Lieber Her Hans,
    im Moment sind die „Gesellschaft“ aber nur alle völlig ungeschützten Schüler und Lehrer ! Von wegen Gesellschaft! Warum diese Verallgemeinerung! Man könnte uns “ vom Allgemeinschutz ausgeschlossene Gruppe“ ganz leicht auch in den Genuss kommen lassen! 1 Milliarde in die Hand nehmen und alles wird gut, für Schüler, Lehrer, Eltern und die Wirtschaft! Na, geht das jetzt endlich in die Köpfe?

  7. Die Infektionssituation zu bewerten fällt mir selbst als Leiter einer Schule schwer. Da wir i.d.R. nicht erfahren, wenn ein Schüler wegen eines positiven Test fehlt oder als Kontaktperson 1.Grades eine Quarantäneanordnung vorliegt, wissen wir es schlicht nicht.
    Das mag peinlich sein, aber wir erhalten als Einrichtung, die ein Betretungsverbot druchsetzen soll, keine Informationen darüber, wer denn nicht in die Schule kommen darf.

  8. Wenn ich das lese: „Das Recht auf Bildung ist es wert“! Es soll uns allen wert sein, unsere Kinder zum Lernen in kleine Räume zu stecken mit noch 25-30 andern Kindern um eine gefährliche Corona-Infektion zu riskieren? Zur Zeit sitzen nämlich ganz viele Schüler in den Klassenräumen, deren Elternteil oder Geschwister im gleichen Haushalt vom Gesundheitsamt nur vorsorglich in Quarantäne geschickt wurden, weil sie Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatten. Die jetzt vorsorglich in Quarantäne sind, müssen sich aber nicht testen lassen (nur falls Symptome auftreten) und die Personen, die zusammen mit im Haushalt leben, machen alles weiter wie gewohnt und sollen nicht in Quarantäne. Nur im Haushalt lebende Kinder bis 12 Jahren sollten dann auch zuhause bleiben! Das widerspricht sich in dem Punkt, dass jüngere Kinder doch eigentlich gar nicht so gefährdet sein sollen, aber dann doch lieber mit zuhause bleiben sollen? Die älteren Kinder aus diesem Haushalt gehen aber dann weiter zur Schule? Das versteht doch kein Mensch mehr! Und sollten dann doch noch Symptome auftreten, ist es ja wohl schon zu spät, da hat man die Viren schon wunderbar im Klassenraum verteilt. Ach nein, es wird ja gelüftet und Maske getragen. Da kann ja gar nichts passieren…

    • Das Realexperiment ist bereits mit Ende der Herbstferien in vollen Gange.

      Bayern hat bereits 1200 Schulen mit 5.000 Klassen geschlossen und 50.000 SuS sind glücklicherweise bereits außen vor und im sicheren Distanzunterricht.

  9. Wirtschaft first! Die Schulen rangieren nun mal auf der Prioritätenliste der Politik ziemlich weit hinten – schon immer. Ob es sich nun um marode Schulen handelt, die noch Bodenbeläge aus den 50ern des letzten Jahrhunderts aufweisen, oder um moderne Neubauten, die mit größtmöglichen Süd-Fenstern ohne Beschattungsmöglichkeit errichtet wurden: Fakt ist, für Arbeitnehmer in der Wirtschaft würde man solche örtlichen Gegebenheiten kaum akzeptieren. Da würden schon Betriebsräte, Gewerkschaften etc pp aufbegehren….Ich habe jedenfalls keine Lust mehr auf Arbeit an Schulen, weder bei 36 Grad Raumtemperatur noch bei zugigen Uraltbauten, und erst recht nicht unter Coronabedingungen ohne Abstand und mit laschem Maskengebot. (Dazu kommen jeweils stets noch 30 strahlende Handys pro Klasse…) – nein Danke. ICH rette nicht mit meiner Gesundheit die Wirtschaft in Deutschland, indem ich mich weiter diesen schrägen Arbeitsbedingungen aussetze. Lieber schränke ich mich mal eine zeitlang ein, und lebe von ein paar Rücklagen, aber an die Schule möchte ich so schnell nicht mehr zurück. Ich bin dann mal weg. Derzeit ist ein Arbeitsplatz im Schulumfeld Deutschlands – neben den (immerhin wenigstens mit Schutzkleidung versehenen Pflegeberufen), den Supermarktmitarbeitern, Busfahrern oder Zugbediensteten – m.E. der zur Zeit mit – unter Gesundheitsaspekten betrachtet – riskanteste Arbeitsplatz. In diesem Sinne: soll man doch den Eltern für ein Jahr die Bestimmung über die Präsenzpflicht erlauben. Ich wäre gespannt, wie viele Eltern sich für Fernunterricht entscheiden würden. Die Lehrerin meines Sohnes jedenfalls wäre dankbar, wenn die Eltern ihre Kinder daheimbehalten könnten, da sie zu Hause eine pflegebedürftige Mutter hat…

  10. In zwei Wochen werden sich die Minister wieder treffen und feststellen, dass die Infektionszahlen nur marginal, wenn überhaupt, gesunken sind.
    In etwa zwei Wochen dürften auch die ersten ITS Alarm schlagen. Dann wird man endlich internationale Studien zur Kenntnis nehmen und die Rolle der Schulen als Multiplikatoren im Infektionsgeschehen erkennen.
    Politiker sollten sich schämen, Kinder und Lehrer so zu verheizen wohlwissend, dass die Infektionsgefahr an Schulen hoch ist.

    • Infektionen an Schulen liegen nur im Promillebereich das ist natürlich richtig aber 18000 Infektionen pro Tag Bundesweit bei 83 Millionen Bürgern liegt auch nur im Promillebereich das wird von unseren Politfürsten natürlich nicht genannt.Jedes Leben ist wichtig und schützenswert nur das von unseren Kindern scheinbar für die Kultus Minister und Politfürsten nicht.Schande über Deutsche Politiker die nur an ihre Wirtschaftslobby denken

  11. Bildung ja, aber sicher. Das ist kein Wiederspruch. Vielleicht sollte man das den KM mal erläutern. Es geht nicht um Bildung ja oder nein. Sondern um sichere Bildung. Da muss man als Gesellschaft einfach mal richtig Geld in die Hand nehmen. Wo ist das Problem? 75 Milliarden hat Merkel der EU angedient, die es eigentlich nicht wirklich haben wollte.
    Ich denke, die Zeit des Redens ist vorbei. Die Argumente ausgetauscht. Sie werden aber wegignoriert. So habe ich mir das bislang immer nur in totalitären Staaten vorgestellt.

  12. Schön, dass endlich jemand zugibt, dass es Schulen in erster Linie Aufbewahrungsanstalten sind!

    Obwohl ich mich bei obiger Argumentation frage, was Eltern tun sollen, die abends, an Wochenenden und an den etwa 180 schulfreien Ferien- und Feiertagen arbeiten…
    Sind die nicht oft auf eben jene Großeltern angewiesen, welche sie jetzt bitte nicht mehr treffen sollen?
    Und ja, nach wie vor gibt es Eltern, die nicht berufstätig sind oder sich bei der Betreuung abwechseln können.

    Und ich frage mich auch, weshalb davon ausgegangen wird, dass Kinder in der Schule besser gebildet werden, als zu Hause.
    Ich habe mir sagen lassen, dass es Eltern gibt, die sowohl gerne Zeit mit ihren Kindern verbringen, als auch über ausreichende kognitive Fähigkeiten verfügen den Unterrichtsstoff zu erfassen und zu vermitteln. (Zumindest bis zur Mittelstufe sollten das auch „bildungsferne Schichten“ hinbekommen.)

    Ist es in den staatlichen Bildungs- und Erziehungsanstalten denn so viel besser? Die Kindergärtnerin sagt: „Heute war er schneller wie gestern“, die Deutschlehrerin sagt: „Sie brauchen die Tür nicht zumachen.“ (Natürlich sind das Ausnahmen.)
    Männchen sind Hirsche, Weibchen Rehe und Hasen legen Eier…
    Oblegt die Bildung nicht oftmals jetzt schon den Eltern?

    !!! SETZT DIE PRÄSENZPFLICHT AUS !!!

  13. Die Infektionszahlen bewegen sich in ganz Deutschland noch im Promillebereich Also ist dad Niveau in Schulen nicht „vergleichsweise gering“.

  14. Überlässt es endlich den Eltern. In ganz Europa geht Homeschooling eh und bei uns nicht Mal in der Pandemie. Bildungspflicht statt Präzenspflicht! Sofort!! Dann kann keiner meckern , die die Arbeiten müssen haben ihre Betreuung, die die es anders hinbekommen dürfen ihre Kinder schützen. Gleiches Recht für alle. Recht auf Selbstbestimmung und Recht auf Unversehrtheit. Eins weiß ich, in der Freizeit sind wir so vorsichtig, das sich meine Kindern nicht anstecken werden aber Schule……

  15. „Bei den Schulen ist es noch ein ganz anderer Aspekt: Ich möchte nicht, dass eine ganze Generation Corona heranwächst, die eine mangelnde Schulbildung aufgrund dieser Pandemie. Dann muss man vielleicht auch mal in Kauf nehmen, dass ein Infektionsrisiko vielleicht etwas höher ist in der Schule. Das kann man nicht abstreiten, dass da Menschen sehr dicht aufeinander kommen. Aber das Recht auf Bildung ist es wert, dass wir uns als Gesellschaft insgesamt zusammenreißen und gucken, dass Schulen und Kitas offenbleiben können.“
    Die Generation unserer Eltern hat Jahre im Krieg mit eingeschränkter Bildung überstanden und dann das Wirtschaftswunder geschafft.
    Wir sprechen hier von einem Jahr. In dem hätten die SuS bei einem Lockdown bis zum Frühling zu etwa 50 % S voller Präsenzunterricht gehabt und 50% der Zeit Distanzunterricht.
    Im Distanzunterricht schaffen engagierte Lehrer etwa 70% des Stoffs der im Präsenzunterricht geht.
    Stoffverlust also etwa 15-20%.
    Sorry, wenn man mit etwas Planung dies Lücke von 20% Unterrichtsverlust nicht füllen kann die weniger existenziell sind dann ist das lächerlich.
    Bildung ist ja schön und gut, aber der Verlust von Kunst, Musik, Religion, Sport und anderen Nebenfächern im Unterricht für ein halbes Jahr wird unseren Kindern nicht sämtliche Chancen für den Rest ihres Lebens verbauen.
    Eine Infektion kann Kinder, Lehrer oder Eltern aber langfristig die Gesundheit oder sogar das Leben kosten.
    Denkt eigentlich jemand auch daran, dass Kinder nicht nur Bildung und Erziehung brauche, sondern auch Sicherheit.
    Ich höre immer von den psychischen Folgen der fehlenden Sozialkontakte. Hat es Keine psychischen Folgen, wenn Kinder dauerhaft Angst davor haben müssen durch eine aus der Schule eingeschleppte Infektion das Leben ihrer Eltern und Großeltern aus Spiel zu setzen.
    Wenn es dumm läuft, könnte dies Angst dann auch noch Realität werden. Glückwunsch an die Weisen und Halbweisen denen klar ist, dass die Infektion die ihre Eltern oder Großeltern gekillt hat von ihnen aus der Schule eingeschleppt wurde.
    Irgendwie ist für mich die Gewichtung der Vor- und Nachteile des Präsenz Unterrichts nicht nach zu vollziehen.

  16. Interessanterweise scheint man bereit zu sein, etliche Milliarden auszugeben, um der Wirtschaft den durch den anstehenden Lockdown entstehenden Schaden zu ersetzen:

    https://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/kosten-von-sieben-bis-zehn-milliarden-euro-bis-zu-75-prozent-scholz-will-unternehmen-die-lockdown-schaeden-ersetzen_id_12592812.html

    Auf der anderen Seite ist man aber nicht bereit, etwa eine Milliarde auszugeben, um die Schulen durch die Ausstattung mit mobilen H14-Luftfilteranlagen zu einem deutlich sichereren Ort zu machen.

    Das muss man nicht verstehen.

  17. Warum sind Lehrer und alle anderen an der Schule Beteiligten es nicht wert, geschützt zu werden?
    Warum sind nur Risikogruppen zu schützen?
    Ist die Gesundheit und das Recht auf Unversehrtheit am Beruf zu unterscheiden? Ist das Leben eines Lehrers nicht so schützenswert und kann getrost geopfert werden? Für was?

      • Das ist alles richtig. Aber was ich nicht verstehe, warum lassen sich Lehrer das gefallen? Ich verstehe es wirklich nicht. In einem Unternehmen wäre die Hölle los, wenn man die AN mit Lüften im Massenbetrieb abspeisen würde. Seit einer Woche gilt bei uns striktes Home Office und wenn bei uns internationale Projekte erfolgreich digital gehandelt werden, wird es doch möglich sein alle ab Klasse 8 digital zu beschulen! Dann wird eben der Lehrplan entrümpelt, die Schulaufgaben reduziert. Wenn Söder in Bayern Flexibilität verlangt, muss er Lehrern und Schülern diese ermöglichen.
        Mittel und Oberstufe digital, Unterstufe und Grundschule mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen und geteilten Klassen.
        Alles andere ist doch nur noch Kindergarten und Agonie bis zum völligen Lockdown. Denn ohne Maßnahmen an Schulen wird das Virus nicht mehr einzudämmen sein. Es wäre schön, sollte ich mich irren. Aber ich glaube nach den heutigen Zahlen nicht mehr daran.

          • @Kritischer Dad: Mela möchte dadurch ausdrücken, dass Lehrer sich das gefallen lassen, weil sie kaum eine andere Wahl haben – Beamte haben eine sehr hohe Arbeitsplatzsicherheit, aber nur extrem begrenzte Rechte gegenüber ihrem Dienstherrn: das ist der Pakt mit dem Teufel – oh, Entschuldigung, ich wollte sagen, der Deal -, auf den man sich als Beamter einlässt.

          • Lehrer = Beamter = kaum/keine Rechte ?
            Zumindest denke ich, haben SuS im Schulsystem so gut wie keine Rechte und wie es aussieht auch keine Lobby.

            @Ich_bin_neu_hier: Mit dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) wurde europäisches Recht in nationales umgesetzt. Es regelt vor allem die grundlegenden Rechte und Pflichten der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer/innen. Es gilt für Angestellte und BEAMTE.

            Ändern sich Arbeitsbedingungen (unterschreiten des Mindestabstands; Maskenpflicht; Lüften; Mindestraum-temperaturen am Arbeitsplatz usw.) besteht HANDLUNGSBEDARF.

            „Die Arbeit ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung für das Leben sowie die physische und die psychische Gesundheit möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten wird.“ (§ 4)

            Das Gesetz dient dazu, Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu sichern und zu verbessern, und zwar durch Maßnahmen der Verhütung von Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen und durch eine menschengerechte Gestaltung der Arbeit. (§ 1,2 und 3)

            Die Arbeitsstättenverordnung gilt für alle Arbeitsplätze (Ausnahmen sind aufgeführt).

            Seit 2009 hat sich in dem Bereich so einiges geändert.

            Wenn Beamte Ihre Rechte nicht kennen, nicht einfordern (Stichwort „Gefährdungsbeurteilung“) kann man da leider nichts machen. Aber wie ich schon öfters anmerke, dann auch bitte kein jammern.

    • Weil man damit die öffentliche Meinung praxisnah stringent zuende führt. Wer braucht schon Lehrer? Völlig nutzlos, kosten unverdientermaßen Geld und jammern in einer Tour, lassen eh nur Videos gucken, haben den Beruf nur aus Profitgier ergriffen, misshandeln Kinder (wenigstens psychisch), sind alle linksgrünversifft, digitale Höhlenbewohner, können keine Kritik annehmen und sind noch weniger selbstkritisch, unmotiviert, unflexibel und viele un-s mehr, arbeiten sowieso nur den halben Tag, wenn sie nicht krank sind und wahrscheinlich privat auch völlig unerträglich. Das Genannte gilt für alle Vertreter dieses speziellen Berufs. Deswegen sind sie es nicht wert.

      • Genau, aber jetzt könnten sie endlich mal den ganzen Tag arbeiten, wenn es nach Lauterbach oder Drosten geht (den ich ansonsten sehr schätze, aber von Schule hat er keine Ahnung).

      • @Bauklötzchen

        Hallo Bauklötzchen,

        Sie haben noch etwas wichtiges vergessen:
        Lehrer sind auch Futterneider und jammern sogar wenn noch mehr unverdientes 😉 Geld vom Himmel regnet:
        https://www.news4teachers.de/2020/10/soeder-zahlt-500-euro-corona-praemie-fuer-schulleitungen-und-ausgewaehlte-lehrkraefte/

        Naja, wir können ja offen reden …. Nestbeschmutzer sind sie auch noch.
        😉

        So, jetzt haben wir alles durch und den üblichen Nicht-Lehrer-Besserwissern den Wind aus den Segeln genommen. (Jaja, wir sind auch gemein.)
        Ich würde sagen, wir machen jetzt das was wir sowieso die meiste Zeit des Tages machen:
        – wie Al Bundy ab vors TV
        – Kiste Bier neben das Sofa
        – Tüte Chips aufn Bauch.
        Rülps.

  18. Thüringer Kultusminister zum Vorschlag eines vorgezogenen Beginns der Weihnachtsferien:

    „Holter weist den Vorschlag von Linke-Chefin Hennig-Wellsow zurück: Eine erhöhte Gefahr für Omas und Opas geht nicht von den Schulen oder Kindergärten aus.

    Ein ähnlicher Vorschlag sei bereits früher mit dem Gesundheitsministerium diskutiert und im Ergebnis vorläufig verworfen worden, teilte ein Sprecher Holters auf Anfrage unserer Zeitung. „Maßgebliche Überlegung dabei ist, dass von Schulen und Kindergärten nicht per se ein erhöhtes Infektionsrisiko für die Bevölkerung ausgeht. Das wird durch die uns bekannte Studienlage bestätigt.“

    Neben dem Stufenkonzept ergreife Thüringen in den Schulen und Kindergärten vorbeugenden Infektionsschutz unter hohem Aufwand für alle Beteiligten, um die Einrichtungen vorbeugend sicher zu halten. Außerdem wolle man zunächst an der etablierten Thüringer Strategie festhalten, die Pandemie dort zu bekämpfen, wo sie auftritt. „Flächendeckende Lösungen sind nach derzeitiger Lage im Bildungsbereich nicht mit dieser Strategie vereinbar“, so der Ministeriumssprecher.“

    https://www.thueringer-allgemeine.de/politik/bildungsminister-holter-gegen-verlaengerung-der-weihnachtsferien-id230778996.html

    Dieser vorbeugende Infektionsschutz bestand vor den Ferien in Handdesinfektion am Morgen und Masken im Flur. Keine Ahnung, ob da noch was kommt, wenn der Unterricht wieder beginnt.

    • Die „bekannte Studienlage“ ist sicher die Kita-Studie und die anderen sogenannten Studien aus der Zeit vor den Sommerferien.

    • Vielleicht können die Thüringer Verantwortlichen kein Englisch. Denn internationale neuere Studien sehen Schulen als Multiplikatoren und das Schließen der Schulen als sehr effektiv, den R Wert zu senken.

    • Lüften kommt vermutlich noch dazu, wobei der vorgeschlagene Umfang noch nicht einmal das Niveau erreicht, das schon ohne Corona alleine aus Gründen des Arbeitsschutzes nötig wäre.

      • Bei uns gehen viele Fenster nur auf Kipp, und in etlichen Räumen ist auch keine Querlüftung möglich, weil im Gang keine Fenster sind. Daher kann man das „L“ im Prinzip auch vergessen.

          • Es ist so einfach.
            Je 10 qm Raumfläche (also Länge mal Breite) müssen 0,6 qm zu öffnende Fensterfläche bestehen sonst ist der Raum ungeeignet und in der logischen Folge nicht nutzbar.

            Es gibt dann noch die Luftwechselrate oder auch Luftwechselzahl. Für Klassenräume liegt das die Bandbreite bei 3 und (6) bis 8 fach. Ermittelt über das Raumvolumen x Luftwechselfaktor.
            Dabei wären dann im (Alt-)Bestand fast keine Klassenräume nutzbar.

  19. Mit Wirtschaftsförderung hat das alles nichts mehr zu tun. Das ist vorsätzliche Wirtschaftszerstörung. So kann es nicht weitergehen. Wenn wenigstens offen zugegeben würde, dass immer noch an der Durchseuchung gearbeitet wird.

    Wenn nichts mehr hilft, bereite ich mich auf die bolivianische Lösung vor:

    https://madridmarket.es/ana-maria-suxo-epidemiologa-hace-tres-semanas-que-no-tenemos-ni-un-solo-caso-presentado-con-coronavirus-en-san-jose-de-chiquitos/

  20. Man hört doch immer mehr raus, um was es der Politik geht, wenn offene Schulen verlangt werden: Kinderbetreuung, nicht Bildung.
    Ich arbeite allerdings als Lehrer in einer Schule, nicht in einer „Aufbewahrungsstätte“. Mein Job ist nicht Betreuen, sondern Unterrichten. Und das wird dank „Lüftungskonzept“ bei diesen Temperaturen immer schwieriger.
    Wenn man möchte, dass die Schulen offen bleiben, sollte man vielleicht auch mal was dafür tun und die Regeln sowie Ausstattung überdenken. Ständig wird betont, wie teuer es für die Wirtschaft wird, wenn die Schulen zu wären. Aber notwendige Anschaffungen wie ausreichend Seife, Desinfektionsmittel, Einwegmasken (weil halt dauernd einige Schüler keine dabei haben) und Luftreiniger sind ja auch zu teuer. Man müsste sich mal entscheiden.

  21. Sehr geehrter Herr Hans
    Dann können sie ja echt froh darüber sein, dass Sie keine Kinder haben die zur Schule müssen. Denke wenn das so wäre,würden Sie jetzt auch anders dazu stehen. Oder würden Sie Ihre Kinder jeden Tag in das Ungewisse schicken? In ein Seuchenloch? Immer mit der Angst im Nacken? Denke nicht! Wie sagen Sie doch immer “ wir Saarländer/innen müssen zusammen halten. Da gehören Sie auch dazu. Auch was die Schulen mit all den Schülern und Schülerinnen betrifft.

  22. Immerhin ein wenig ehrlicher. Damit kann ich besser leben als mit den „die Schule ist sicher“ Augenwischereien.
    Um die Schüler, Eltern und Lehrer und die Bildung geht es in Quartalszahlenland nicht. Sonst gäbe es Digitalisierung, moderne Schulgebäude kleinere Klassen und Luftfilter in den Klassenräumen längst. Allenfalls sorgt man sich noch um Rechtspopulisten…

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