BERLIN. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) ist in der vergangenen Woche ein weiterer Lehrer oder Erzieher gemeldet worden, der im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben ist. Das geht aus einem Vergleich der Lageberichte vom 21. April und vom 25. April hervor. Insgesamt mindestens 30 Lehrer/Erzieher sind damit seit Beginn der Pandemie in Deutschland verstorben. Zwei Fälle, der einer im Alter von 44 Jahren verstorbenen Erzieherin aus Westfalen und der eines mit 38 Jahren verstorbenen Lehrers aus Berlin – beide nicht vorerkrankt –, machen das Geschehen anschaulich.
Im vergangenen Monat sind vier Corona-bedingte Todesfälle in der Berufsgruppe der Pädagoginnen und Pädagogen gemeldet worden, wie aus einem Vergleich der Lageberichte vom 25. März und vom 25. April hervorgeht. Laut aktuellem Lagebericht (vom Sonntag, 25. April) gibt es bislang insgesamt 30 Beschäftigte aus Kitas, Kindertagespflege, Schulen und Heimen, die eine Infektion mit dem Coronavirus nicht überlebt haben – 793 kamen seit Beginn der Pandemie ins Krankenhaus. Vor zwei Monaten, am 25. Februar, wies die Statistik noch 24 Todesfälle und 612 Hospitalisierte in der Berufsgruppe aus.
Die Zahlen dürften ohnehin nur die Spitze des Eisbergs zeigen. „Da Angaben zu Betreuung, Unterbringung und Tätigkeit bei vielen Fällen fehlen, ist die Anzahl der Fälle mit einer Betreuung, Unterbringung oder Tätigkeit in den einzelnen Einrichtungen als Mindestangabe zu verstehen“, so heißt es beim RKI. Auch gibt es keine Belege dafür, dass sich die Betroffenen tatsächlich im Dienst angesteckt haben. „Für die übermittelten Covid-19-Fälle aus allen genannten Einrichtungen ist (..) unbekannt, wie hoch der Anteil derer ist, die sich auch in dieser Einrichtung angesteckt haben“, schreibt das RKI.
“COVID-19-bedingte Ausbrüche betreffen zunehmend auch Kitas, Schulen und das berufliche Umfeld”
Allerdings registriert die Bundesbehörde verstärkt Ausbrüche in Kitas und Schulen. Wörtlich heißt es im Lagebericht: „Beim Großteil der Fälle ist der Infektionsort nicht bekannt. COVID-19-bedingte Ausbrüche betreffen momentan insbesondere private Haushalte, zunehmend auch Kitas, Schulen und das berufliche Umfeld, während die Anzahl der Ausbrüche in Alters- und Pflegeheimen abgenommen hat.“
Nur in wenigen Fällen wurde das Geschehen öffentlich bekannt, das sich hinter den Zahlen verbirgt. In einer Kita im westfälischen Kamen war Anfang Januar – nach einem großen Corona-Ausbruch unter Kindern und Mitarbeitenden – laut lokalen Medienberichten eine Erzieherin an der Infektion gestorben.
Die Kita mit 65 Kindern und zwölf Beschäftigten in Kamen – eine Vorzeige-Einrichtung, die zu den Nominierten beim Deutschen Kitapreis 2021 gehört – war nach einer Masseninfektion seit Mitte Dezember geschlossen gewesen, wie der „Hellweger Anzeiger“ am 6. Januar berichtete. Mindestens 41 Mitarbeiter und Kinder waren dem Bericht zufolge positiv auf das Coronavirus getestet worden. 74 Menschen wurden unter Quarantäne gestellt. Eine der infizierten Mitarbeiterinnen sei so schwer an Covid-19 erkrankt, dass sie daran verstarb.
Das bestätigte der Träger gegenüber dem Blatt. Am 16. Dezember sei erstmals eine Infektion bei einer Erzieherin der Einrichtung festgestellt worden. Ein daraufhin erfolgter Reihentest habe dann das Ausmaß des Ausbruchs erkennen lassen. „Wir können uns nicht erklären, warum das so ist“, so heißt es beim Träger. Die Hygienestandards seien eingehalten worden. Auch nach Bestätigung der 41 Fälle, die den Fall als sogenanntes Superspreading-Event erscheinen ließen, wiegelte der zuständige Kreis offenbar ab. „Einen Hotspot würde ich das jetzt noch nicht nennen“, so erklärte ein Kreissprecher seinerzeit.
„Unsere Schulgemeinschaft trauert um unseren geschätzten Kollegen, der viel zu früh uns gegangen ist“
Im Dezember sorgte der Fall eines 38-jährigen Berliner Lehrers für Aufsehen. „Unsere Schulgemeinschaft trauert um unseren geschätzten Kollegen, der viel zu früh uns gegangen ist“, so hieß es in der Traueranzeige – daneben das Foto des verstorbenen Lehrers. Er soll keine Vorerkrankungen gehabt haben – und hatte sich womöglich an seiner Schule, einer Gemeinschaftsschule in Kreuzberg, angesteckt.
Das jedenfalls glaubte Gökhan Akgün, der Vorsitzende des GEW-Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Er schrieb auf Twitter: „Unser Kollege ist an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Die Infektion erfolgte höchstwahrscheinlich im Dienst!“ Auch der später Verstorbene selbst soll Kollegen kurz nach seinem positiven Test gesagt haben, er habe sich in der Schule infiziert. Einen Beweis dafür gibt es nicht. Doch für Akgün stand aufgrund der Gesamtumstände „fest, dass nur die Schule als Infektionsherd in Frage kommen kann“.
In einer Klasse, in der der Lehrer unterrichtete, habe es unter den Schülern mehrere Corona-Fälle gegeben, zudem sei ein weiteres Mitglied des Kollegiums positiv getestet worden sein. In der Schule habe bis zum 16. Dezember, als in Berlin alle Schulen geschlossen wurden, wochenlang die Alarmstufe „Rot“ gegolten, die höchste Corona-Warnstufe für Schulen in der Bundeshauptstadt. In der Schule sei ein Trauerraum eingerichtet worden.
Akgün kritisierte die Senats-Bildungsverwaltung in Zusammenhang mit dem Todesfall. „Wir wollen, dass die Senatsverwaltung nicht mehr weiterhin erklärt, dass an Schulen das Risiko für eine Ansteckung sehr gering sei. Die Senatsverwaltung als Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrpersonal einen sicheren Arbeitsplatz haben und muss deshalb die entsprechenden Maßnahmen ergreifen“, sagte er. News4teachers
Deutschland gedenkt der fast 80.000 Corona-Toten – darunter mindestens 29 Lehrer/Erzieher
