HANNOVER. Mit der Kampagne «Job mit Klasse» will das niedersächsische Kultusministerium künftig junge Menschen für den Beruf des Lehrers und der Lehrerin begeistern. Die Aktion, die Anfang 2020 starten soll, solle auch eine Art Wertschätzung für alle Lehrkräfte sein. «Lehrer leisten richtig gute Arbeit, und das verdient Anerkennung», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) bei der Vorstellung der Initiative am Freitag in Hannover. Scharfe Kritik kam von Lehrerverbänden.
Die Gesichter der Aktion sind die Sängerin und ESC-Kandidatin Carlotta Truman, der Turner Andreas Toba und die ehemalige Ruderin Anja Noske. Dabei bedanken sich alle bei ihren Lieblingslehrern, die sie in ihrer Schulzeit besonders beeindruckt und ihnen geholfen haben.
Die Werbung für die Aktion zielt auf junge Leute und soll besonders in den sozialen Medien geschaltet werden. Zusätzlich soll es ein Internetportal geben, in dem man sich gezielt über den Beruf informieren kann. Dort gibt es dann beispielsweise Erfahrungsberichte von jungen Lehrern oder Tipps, wo man studieren kann und welche Fächerkombinationen besonders gesucht werden. Die gesamte Kampagne soll laut Ministeriumsausgaben rund 200 000 Euro kosten.
Jeder Euro, der in Hochglanz-Broschüren gesteckt werde, sei ein Euro zu viel, der Minister müsse die Probleme lösen, fordert Laura Pooth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es sei viel wichtiger, Lehrern im Schulalltag den Druck zu nehmen und das Personal an Grund-, Haupt, und Realschulen besser zu bezahlen. Pooth vergleicht die Image-Kampagne mit einer neuen Lackierung für einen defekten Wagen. Es bringe nichts, das Auto neu zu lackieren, wenn der Motor nicht laufe.
“Bezahlung nach A13 für alle Lehrer wäre ein wichtiges Signal”
„Die heute von Kultusminister Grant Hendrik Tonne vorgestellte Image- und Werbekampagne für den Beruf der Lehrerin und des Lehrers ist ein weiteres Beispiel für den Aktionismus unseres Kultusministers“, meint auch Torsten Neumann, Vorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL/VDR).
Er betont: „Weder der akute Lehrkräftemangel noch die enorme Arbeitsbelastung wird dadurch in irgendeiner Weise behoben. Wenn nicht endlich der Lehrerberuf attraktiver gestaltet wird, wird sich an der angespannten Lage insbesondere an den nicht-gymnasialen Schulformen wie Ober-, Real-, Haupt- und Grundschule wenig ändern. Eine bessere Bezahlung der Lehrkräfte mindestens nach A13 wäre ein wichtiges Signal, um geeignete Bewerberinnen und Bewerber nach Niedersachsen zu holen. Das Problem ist nicht der Beruf an sich – das Problem sind die Arbeitsbedingungen und diese verbessern sich nicht durch Werbekampagnen. Die gut gemeinte Kampagne wird nicht reichen, um die bestehenden Probleme zu lösen!“ News4teachers / mit Material der dpa
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