„Job mit Klasse“: Promis wie ESC-Kandidatin Truman trommeln für den Lehrerberuf

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HANNOVER. Mit der Kampagne «Job mit Klasse» will das niedersächsische Kultusministerium künftig junge Menschen für den Beruf des Lehrers und der Lehrerin begeistern. Die Aktion, die Anfang 2020 starten soll, solle auch eine Art Wertschätzung für alle Lehrkräfte sein. «Lehrer leisten richtig gute Arbeit, und das verdient Anerkennung», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) bei der Vorstellung der Initiative am Freitag in Hannover. Scharfe Kritik kam von Lehrerverbänden.

Als Teil des Duos „Sisters“ trat Carlotta Truman beim Eurovision Song Contest (ESC) für Deutschland auf. Foto: Martin Fjellanger / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Die Gesichter der Aktion sind die Sängerin und ESC-Kandidatin Carlotta Truman, der Turner Andreas Toba und die ehemalige Ruderin Anja Noske. Dabei bedanken sich alle bei ihren Lieblingslehrern, die sie in ihrer Schulzeit besonders beeindruckt und ihnen geholfen haben.

Die Werbung für die Aktion zielt auf junge Leute und soll besonders in den sozialen Medien geschaltet werden. Zusätzlich soll es ein Internetportal geben, in dem man sich gezielt über den Beruf informieren kann. Dort gibt es dann beispielsweise Erfahrungsberichte von jungen Lehrern oder Tipps, wo man studieren kann und welche Fächerkombinationen besonders gesucht werden. Die gesamte Kampagne soll laut Ministeriumsausgaben rund 200 000 Euro kosten.

Jeder Euro, der in Hochglanz-Broschüren gesteckt werde, sei ein Euro zu viel, der Minister müsse die Probleme lösen, fordert Laura Pooth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es sei viel wichtiger, Lehrern im Schulalltag den Druck zu nehmen und das Personal an Grund-, Haupt, und Realschulen besser zu bezahlen. Pooth vergleicht die Image-Kampagne mit einer neuen Lackierung für einen defekten Wagen. Es bringe nichts, das Auto neu zu lackieren, wenn der Motor nicht laufe.

„Bezahlung nach A13 für alle Lehrer wäre ein wichtiges Signal“

„Die heute von Kultusminister Grant Hendrik Tonne vorgestellte Image- und Werbekampagne für den Beruf der Lehrerin und des Lehrers ist ein weiteres Beispiel für den Aktionismus unseres Kultusministers“, meint auch Torsten Neumann, Vorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL/VDR).

Er betont: „Weder der akute Lehrkräftemangel noch die enorme Arbeitsbelastung wird dadurch in irgendeiner Weise behoben. Wenn nicht endlich der Lehrerberuf attraktiver gestaltet wird, wird sich an der angespannten Lage insbesondere an den nicht-gymnasialen Schulformen wie Ober-, Real-, Haupt- und Grundschule wenig ändern. Eine bessere Bezahlung der Lehrkräfte mindestens nach A13 wäre ein wichtiges Signal, um geeignete Bewerberinnen und Bewerber nach Niedersachsen zu holen. Das Problem ist nicht der Beruf an sich – das Problem sind die Arbeitsbedingungen und diese verbessern sich nicht durch Werbekampagnen. Die gut gemeinte Kampagne wird nicht reichen, um die bestehenden Probleme zu lösen!“ News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

So wirbt NRW um Grundschullehrer – das gleiche Gehalt wie die Gymnasial-Kollegen bekommen sie aber auch 2020 nicht

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4 KOMMENTARE

  1. Es könnte von den 200.000€ auch eine Bürokraft angestellt werden, die in einer Schule fünf Jahre lang den Lehrern einen Großteil der Organisationsarbeit abnimmt. Das Geld wäre allemal sinnvoller investiert als in diesen Rohrkreppierer, der in dem Artikel vorgestellt wird.

  2. Dass sich Prominente bei ihren ehemaligen Lehrkräften öffentlich bedanken, gab es neulich schon in der ARD zur Themenwoche. Tatsächlich kann ich dem etwas abgewinnen, ebenso wie man sich öffentlich bei anderen, die sich für die Gemeinschaft und das Gemeinwohl einsetzen, bedanken kann und darf.

    Wer aber die Arbeit von Lehrkräften wertschätzt und möchte, dass sie auch in Zukunft die wichtigen Aufgaben für die Lernenden vollbringen können, wird nicht umhin kommen, die Bedingungen der Arbeit entsprechend zu gestalten:
    Lehrkräfte, deren Arbeitszeit nie ausreicht, die mehr Zeit für Verwaltung und Bürokratie benötigen als für Unterricht und pädagogische Aufgaben, werden in ihren Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche zu stärken, extrem eingeschränkt.
    Lehrkräfte, die sämtliche Aufgaben der Gesellschaft aufgenötigt bekommen, um diese zu erfüllen, gleichzeitig zu den ursprünglichen Aufgaben, ohne dafür zusätzliche Zeit zu erhalten, sind dazu gezwungen, unter ständigem Zeitmangel zu agieren.

    Es wird nicht ausreichen, schöne Werbespots zu schalten und Lehrkräfte innerhalb der Werbung zu loben, wenn man an anderer Stelle unentwegt andere Signale sendet und damit verdeutlicht, dass einem die Arbeit der Lehrkräfte nicht wichtig genug erscheint, um sie angemessen zu unterstützen.

  3. Ein wesentlicher Fortschritt wäre es auch neben gleichen Gehalt und erleichterten Arbeitsbedingungen, die Eltern mal zur Räson zu bringen. Wenn der Schulzahnarzt Mängel feststellt, dann sollte ein Zwang zum Arztbesuch die Folge sein. Auch über Erziehung wäre zu reden, über die familieninterne Kommunikation über Schule und das Gegen-die-Schule-arbeiten in vielen Familien.

  4. Immerhin ist NRW jetzt nicht mehr das einzige Land, das eine extrem peinliche Kampagne veranstaltet und sich dafür auch noch feiert.
    Job mit Klasse …. ich bin mir ziemlich sicher, dass der Spruch auch geklaut wurde, hatte nicht eine der Gewerkschaften früher immer auf ihren Beuteln stehen „Beruf mit Klasse“?

    Wobei, man muss sagen, die Peinlichkeit von NRW übertrifft es lange noch nicht.

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