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Nach umstrittener Youtube-Aktion: Schauspielverband dankt Lehrern, Erziehern und Gesundheitskräften

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BERLIN. Man kennt sie aus dem “Tatort” oder der Erfolgs-Serie “Babylon Berlin”: Dutzende prominente Schauspielerinnen und Schauspieler haben in einer koordinierten Aktion mit dem Titel #allesdichtmachen die Corona-Politik der Bundesregierung kritisiert. Der Schauspielverband distanziert sich – vorsichtig – von der Kampagne. Er würdigt Menschen, die mit ihrer Arbeit gegen die Folgen der Pandemie ankämpfen, neben den Kräften im Gesundheitsdienst vor allem Lehrer und Erzieher.

Neben einigem Lob für die Kampagne hagelte es auch umgehend Kritik von Schauspielkollegen. Christian Ulmen etwa postete auf Instagram lediglich den Satz: “Heute bisschen für Kollegen schämen.” Elyas M’Barek schrieb: “Mit Zynismus ist doch keinem geholfen.” Jeder wolle zur Normalität zurückkehren, und das werde auch passieren. Hans-Jochen Wagner nannte die Aktion peinlich. Er verstehe sie nicht, schrieb der Schauspieler, der an Liefers gerichtet fragte: “Das kann doch nicht Dein Ernst sein.” Nora Tschirner warf den Machern der Clips Handeln aus Langeweile und Zynismus vor.

Satiriker Jan Böhmermann hielt der Aktion bei Twitter entgegen, das einzige Video, das man sich ansehen solle, “wenn man Probleme mit Corona-Eindämmungsmaßnahmen hat”, sei die ARD-Doku aus der Berliner Charité mit den Titel “Station 43 – Sterben”. Dazu stellte er den Hashtag #allenichtganzdicht und einen weinenden Smiley. “Die Schauspieler*innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben”, twitterte Moderator Tobias Schlegl, der auch Notfallsanitäter ist.

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Unterdessen distanzierten sich nach der heftigen Kritik die Schauspielerin Meret Becker (“Tatort”) und ihr Kollege Ken Duken (“Traumfabrik”) von der Aktion. Kunst müsse Fragen stellen können, sagte Becker am Freitag in einem Beitrag bei Instagram. “Aber diese Aktion ist nach hinten losgegangen.” Sie werde das Video runternehmen lassen. “Und ich entschuldige mich dafür, dass das falsch verstanden werden konnte.”

Schauspieler Ken Duken schrieb bei Instagram, er distanziere sich von rechtem Gedankengut und rechten Ideologien. Die Gefahr, die von der Corona-Pandemie ausgehe, sei ihm mehr als bewusst. Er habe sich auch nicht über die Opfer oder ihre Angehörigen lustig machen wollen. “Ich befürworte sinnvolle Maßnahmen und eine Impfstrategie. Diese Aktion ist gründlich in die Hose gegangen. Ich entschuldige mich für jegliche Missverständnisse.”

In den sozialen Medien stieß die Aktion teilweise auch auf Zustimmung: Beifall gab es etwa vom früheren Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, der die Aktion auf Twitter “großartig” nannte. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit sprach von einem “Meisterwerk”, das “uns sehr nachdenklich machen” sollte. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar twitterte: “Das ist intelligenter Protest.” Sie feiere Jan Josef Liefers.

Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) reagierte auf die Aktion, in dem er sich bei Angehörigen von Berufen bedankte, die besondere Risiken in der Pandemie tragen. «Wir sind allen Menschen zutiefst dankbar, die in den Krankenhäusern, Pflegestationen, Altenheimen, Schulen und Kitas sich der Seuche in aufopfernder Weise entgegenstellen», erklärte der Bundesverband. «Auch sie werden Ängste haben und dennoch sind sie Tag für Tag, Überstunde um Überstunde für uns da – trotz schlechter Bezahlung -, auch wenn die Müdigkeit sie übermannt.»

Erst vergangene Woche hatte ein offener Brief des Schauspieler-Paars Martin Brambach (53, «Tatort») und Christine Sommer (50, «Alisa – Folge deinem Herzen») an NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) für Wirbel gesorgt, in dem sie die sofortige Öffnung aller Schulen forderten. «Unser 10-jähriger Sohn durfte im Jahr 2021 für ganze fünf Tage die Schule besuchen», schrieb das Paar. Das Schuljahr zuvor habe auch nicht viel besser ausgesehen. «Er ist nun nach vier Monaten Lockdown kaum noch dazu zu bewegen, alleine zu lernen und ihm fehlt der persönliche Kontakt.» Brambach war nun auch an der Aktion #allesdichtmachen beteiligt.

Die Kunst- und Kulturszene leidet seit mehr als einem Jahr schwer unter den Corona-Maßnahmen. Laut dem BFFS etwa haben viele der Schauspielerinnen und Schauspieler in Deutschland seit März 2020 kaum Einkommen. Dem Verband zufolge leben zwei Drittel bis drei Viertel aller Schauspielerinnen und Schauspieler von Gastverpflichtungen an Theatern, die aktuell nicht oder kaum arbeiten können. In Deutschland gibt es insgesamt etwa 15.000 bis 20.000 Schauspieler. News4teachers / mit Material der dpa

Schauspieler-Paar Brambach und Sommer fordert von Gebauer Schulöffnungen

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