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Bildungsministerin: Wenn Lehrer richtig lüften, wird’s im Unterricht nicht zu kalt

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OSNABRÜCK. Die designierte Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU), appelliert an Lehrer, nicht zu viel zu lüften. Im Interview mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung” sagte Prien: “Das Konzept besagt, dass alle zwanzig Minuten drei Minuten lang gelüftet wird und in den Pausen durchgängig. Das ist ein gutes Konzept, es muss nur umgesetzt werden.” Eine Studie ergab allerdings unlängst, dass im Unterricht viel zu wenig gelüftet wird. Aus gutem Grund.

Lüften eines Klassenraums im Corona-Winter – für Bildungsministerin Prien kein Problem. Foto: Shutterstock

Prien fügte hinzu: “Manche Lehrer glauben offenbar, dass sie Gutes tun, indem sie die Fenster durchgehend geöffnet lassen, oder sie lassen die Fenster die ganze Zeit auf Kipp stehen.” Das sei eher kontraproduktiv, erklärte Prien, die am 1. Januar 2022 den Vorsitz der KMK übernimmt. “Insofern kann ich nur noch mal an alle Lehrkräfte appellieren, das Lüftungskonzept so umzusetzen, wie es vorgegeben ist.” Dann sei es auch im Winter nicht zu kalt.

Tatsächlich ist in der Praxis aber weniger das Problem, dass an Schulen zu viel gelüftet würde – es wird zu wenig gelüftet, wie eine aktuelle Studie von vier Münchener Hochschulen ergab: Die Empfehlung des Umweltbundesamtes und der Kultusminister zum Coronaschutz, Klassenräume alle 20 Minuten zu lüften, wird danach in der Praxis kaum umgesetzt. Bei Stichproben in 233 Klassenzimmern in 52 Schulen an über 7.000 Unterrichtstagen lag der Anteil der regelmäßig alle 20 Minuten gelüfteten Räume bei unter 8 Prozent, wie News4teachers berichtet.

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“Aktuell Temperaturen von 14-18 Grad im Klassenraum, Schüler/innen mit Winterjacke und Wolldecke”

Und das hat Gründe, wie die Leserdiskussion zu dem Beitrag aufzeigte: Die Lüftungsempfehlung der KMK ist oftmals praktisch gar nicht umzusetzen. Lehrkräfte, die CO2-Messgeräte einsetzen, berichteten, dass der geltende Grenzwert von 1.000 ppm nur einzuhalten sei, wenn die Fenster öfter als von den Kultusministern vorgegeben aufgerissen werden. Beispiele:

„Ich bin nur noch mit C02-Messgerät unterwegs. Im großen Klassenraum schaffe ich, je nach Wetter, 18 Minuten. Wenn es draußen feucht ist, muss ich aber zehn Minuten lüften, um wieder unter 1000 zu kommen. Im kleinen Klassenraum mit 30 Schüler/innen kommen wir – auch je nach Wetter- auf 7 bis 11 Minuten, bis wir lüften müssen. Aktuell Temperaturen von 14-18 Grad im Klassenraum, Schüler/innen mit Winterjacke und Wolldecke. Mit Kindern/Jugendlichen kann man es ja machen…“, so schreibt eine Lehrkraft.

“Ab der 3. oder 4. Std. ist man völlig durchgefroren und die SuS sitzen mit Jacke da”

Eine andere berichtet: „Seit dem wir CO2-Anzeiger haben, wissen wir, dass Lüften alle 20 min üüüberhaupt nicht ausreicht. Eher alle 12….14 Minuten, und dann ca 10 min. Bei Durchzug reichen 5…6 min, was bei den aktuellen Temperaturen ‚sehr angenehm‘ ist. Wir sitzen teilweise bei 11….12 Grad, die kurzzeitig auf 17…18 ‚aufheizen‘. Unzumutbar! Aber wie Lehrer *innen und Schüler*innen schaffen das!!“

Eine dritte stellt fest: „Wir haben Luftfilter und CO2-Geräte. Allerdings auch Räume, die man schlecht Lüften kann, was dazu führt, dass nach 5 max. 10 min. mit 25 SuS im Raum der gelbe oder sogar rote Punkt angeht. Somit ist man eigentlich am Dauerlüften, alle 20 min haut nicht hin. Ohne Skisocken und gefütterte Schuhe kann man manche Vormittage kaum aushalten. Ab der 3. oder 4. Std. ist man völlig durchgefroren und die SuS sitzen mit Jacke da. Das ist ja in der Theorie alles ganz schön, im Moment sind es nicht mal Minusgrade und ich hoffe, dass es so bleibt. Letztes Jahr bei -10 Grad war es echt kaum erträglich.“ News4teachers

„Ich hatte auch schon Schnee auf dem Lehrertisch“: Das „Lüftungskonzept“ der KMK im Winter – unzumutbar!

 

 

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