MARBURG. Montessorischulen sind anders – hier stehen die Schüler*innen, nicht die Lehrkraft im Mittelpunkt des Unterrichts. Gelernt wird nicht im Gleichschritt, sondern nach individuellem Bedarf. Klassische Schulnoten sind damit kaum kompatibel. Leistungen werden trotzdem bewertet. Wie, das zeigt das Beispiel der Montessori-Schulen Marburg.
„Wir als Schüler*innen fanden Noten früher blöd“, sagt Michael Elias. „Was sagen Noten über den Menschen und seine Kompetenzen aus? Wenig bis nichts. Die Notenvergabe hängt von so vielen Faktoren ab: schriftliche Teilleistung, mündliche Mitarbeit, Extrovertiertheit, Fleiß, Habitus, Sitzplatz… Was eine Schülerin am Ende wirklich kann, wird kaum durch eine Note wie „befriedigend“ ausgedrückt.“ Der pädagogische Leiter der Montessorischulen im hessischen Marburg ist wahrlich kein Fan der üblichen Schulnoten. Zu den Montessori-Schulen Marburg auf dem Bildungscampus der Deutschen Blindenstudienanstalt e. V., kurz „blistaCampus“, gehören eine Grundschule und eine seit dem Schuljahr 2021/2022 mit der siebten Klasse aufwachsenden Sekundarschule. Hier läuft die Bewertung der Schüler*innen anders ab.
Die Kinder, die in einer vorbereiteten Umgebung mithilfe von Montessori-Materialien lernen, sollen in ihrem eigenen Tempo arbeiten können. Das erschwert den direkten Vergleich. Die Bewertung findet deshalb nicht mittels Noten statt. Vielmehr werden individuelle Beurteilungen für die Leistungen in den einzelnen Lernbereichen täglich per Tablet ein digitales Datenbanksystem eingetragen und zum Schulhalbjahr und zum Schuljahresende in tabellarischer Form schriftlich aufgeführt. Mit zusätzlichen persönlichen Kommentaren zu jedem Lernbereich informieren diese sogenannten Lernstandsberichte möglichst präzise, auf welchem Stand sich der einzelne Schüler befindet, wo es Nachholbedarf gibt und wo bereits positive Ergebnisse erzielt wurden. Auch mit den Eltern wird der Lernstand des Kindes detailliert besprochen. „Unsere digitale Dokumentation systematisiert unsere Beobachtungen und unterstützt uns Lernbegleiter*innen dabei, die Schüler*innen und ihre Eltern optimal zu beraten“, erklärt Michael Elias.
Das Montessori Informationssystem (MIS) und die Freie Alternative Doku (FRALDO) helfen Euch, mehr Zeit für Eure Schüler*innen zu haben.
- Dokumentation schnell und einfach auf dem Handy oder dem Tablet erledigen – bspw. einfach diktieren oder Foto machen.
- Ihr seht jederzeit, was Eure Kolleg*innen dokumentieren.
- Lernentwicklungsbericht- / Zeugnisschreiben wird einfacher als je zuvor! Das System übernimmt die Formatierung und lässt Euch zeitgleich arbeiten.
- Anwesenheit ist integriert.
- Im Krankheitsfall kann durch die Vertretung nahtlos angeknüpft werden.
- Das System wird genau auf Eure Bedürfnisse und Wünsche angepasst. Zusammen mit dem Support wird alles so eingestellt wie Ihr es braucht.
- MIS & FRALDO wird von deutschen Experten (selbst auch Montessori-Eltern) entwickelt, begleitet und wird in Deutschland gehostet.
Montessori Informationssystem (MIS) www.montessori-is.de
Freie Alternative Doku (FRALDO) www.fraldo.de
Andreas Fay
+49 06196 202 8560
andreas@montessori-is.de
Im Unterricht selbst erarbeiten die Schüler*innen die einzelnen Themengebiete eigenständig. „Ich als Lernbegleiter sitze oft da und beobachte einfach meine Klasse. Dabei kann ich sofort erkennen, welches Kind mit der gewählten Thematik zurechtkommt und welches Kind Hilfe braucht. So kann ich sofort auf das Kind zugehen und falls nötig Hilfestellung geben oder ein Lob aussprechen. Dadurch bin ich ständig mit meinen Schüler*innen im persönlichen Gespräch“, erläutert Michael Elias. In der Montessorischule sollen die Kinder ohne Angst lernen. Druck wird, so Elias, oft durch Noten erzeugt.
“Wir Lehrer*innen sind im richtigen Moment da, nämlich dann, wenn es hängt und Probleme auftauchen“
Das pädagogische System unterscheidet sich von anderen Schulformen. Die Grundschule dauert hier sechs Jahre anstatt vier. „Wir vergeben nur dann Noten, wenn ein Kind uns schon nach der vierten Klasse verlassen möchte, um auf eine andere Schule zu wechseln. Aber im Normalfall bleiben die Kinder sechs Jahre bei uns und sind dann auf dem gleichen Lernstand wie andere Kinder.“ In der sechsten Klasse können sie entscheiden, ob sie auf eine andere Schule wechseln oder der Montessoripädagogik treu bleiben und die Sekundarstufe besuchen. Die Sekundarstufe der Montessori-Schulen Marburg ist eine integrierte Gesamtschule und erst mit der Zeit soll sich herauskristallisieren, welchen Abschluss der einzelne Schüler machen möchte. Zur Auswahl stehen der Haupt- bzw. Realschulabschluss oder ein Übergang in die gymnasiale Oberstufe. Die Entscheidung über den angestrebten Abschluss treffen in Hessen die Eltern. Sie wird in der achten Klasse im Gespräch zwischen Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen angebahnt. Erst im Abschlussjahr gibt es Vornoten. Die Abschlussprüfungen selbst sind dann zentral landesweit geregelt.
„Unsere Schüler*innen lernen mit viel Freude und ohne Angst“, betont Michael Elias. „Wir können in der Montessoripädagogik eine viel intensivere Begleitung durch die Lehrkräfte leisten, denn wir stellen vor allem Unterrichtsmaterialien und Lernanlässe zur Verfügung. Die Schüler*innen erarbeiten sich das meiste mit Hilfe der Montessori-Materialien oder in Wahlprojekten selbst. Wir Lehrer*innen sind im richtigen Moment da, nämlich dann, wenn es hängt und Probleme auftauchen.“ Den Schüler*innen kommt ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit zu: Sie sollen ihre Stärken und Schwächen kennenlernen, sie sollen sich selbst strukturieren – und etwa wissen, zu welcher Tageszeit sie sich am besten konzentrieren können. „Wir sind sozusagen eine Kinderuni mit persönlichen Tutoren“, sagt Michael Elias. „Je älter die Schüler*innen werden, umso mehr gehen wir mit ihnen in die Reflexion über ihr Tun. Wir wollen, dass die Kinder ihre Stärken und Schwächen oder ihren Biorhythmus kennen und so ihre persönlichen Arbeitsprozesse anpassen können“, ergänzt er.
Die Kinder und Jugendlichen sollen sich an den Montessori-Schulen Marburg zu eigenständigen Persönlichkeiten entwickeln. Die Lehrer*innen beobachten und begleiten sie dabei, wie sie ihre eigenen Fähigkeiten entdecken und ausbauen. Michael Elias ist es wichtig, dass die Schüler*innen mit Hingabe arbeiten und sich anstrengen. Das Lernen soll für die Kinder und Jugendlichen etwas Positives sein. Dabei steht die Individualität eines jeden Schülers im Vordergrund. „Wer viel Rückmeldung von der Lehrkraft braucht, bekommt auch viel Rückmeldung und wer lieber eigenständig arbeiten möchte, kann das tun“, erläutert Michael Elias. „Die Leistungsbewertung ist bei uns eher ein Lernstandsbericht als ein Zeugnis. Damit geben wir den Kindern und Jugendlichen eine Rückmeldung zu ihrem Arbeitsverhalten, ihrer Selbstdisziplin und ihren fachlichen, sozialen und persönlichen Kompetenzen.“
Der Montessori-Pädagoge erzählt von einer Schülerin, die nach dem Realschulabschluss auf ein Gymnasium in der Stadt wechselte. „Wir haben in der Regel zu unseren Schüler*innen ein freundschaftliches Verhältnis, weshalb es selbstverständlich ist, dass uns der ein oder andere Schüler nach seiner Schulzeit regelmäßig besucht.“ Dies tat auch besagte Schülerin und freute sich, ihre Schulkamerad*innen und die Lehrkräfte wiederzusehen. „Stell Dir vor“, sagte sie zu Michael Elias, „Am Gymnasium sitze ich im Unterricht und muss kaum etwas selber machen. Wie bequem ist das denn! Der Lehrer da vorne sagt mir alles, was ich machen und lernen soll. Die anderen Schüler*innen finden den Stoff schwierig, dabei bekommen sie doch alles serviert. Ich habe dann gefragt, was ich tun muss, um das Abitur zu erreichen. Über diese Frage waren alle sehr verwundert.“ Nina Odenius / Agentur für Bildungsjournalismus
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