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Studie: Geringer Lohn an Grundschulen ist Geschlechterdiskriminierung

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BERLIN. Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen bekommen weniger Geld als an anderen Schulen – das wird seit Jahren bemängelt. Eine neue Studie sagt: Dies rührt von einer Diskriminierung der Frauen her.

Grundschullehrerinnen werden durch ihr vergleichsweise niedrigeres Gehalt nach einem neuen Gutachten aufgrund des Geschlechts diskriminiert. Da weit überwiegend Frauen in dem Beruf sind, betrifft diese Benachteiligung laut der Studie im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auch die männlichen Pädagogen. Im Vergleich zu anderen Schulen sei die Arbeit an Grundschulen gleichwertig. Dennoch bekommen die Lehrerinnen und Lehrer hier demnach im Durchschnitt rund 400 Euro pro Monat weniger. Dies sei nicht akzeptabel, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe.

Dabei handele es sich um keine unmittelbare, sondern eine versteckte Diskriminierung, erklärte die Anwältin Eva Kocher, eine Autorin des Gutachtens. Denn die Vorschriften der Besoldung seien zwar geschlechtsneutral formuliert. Doch da rund 87 Prozent aller Grundschullehrer in Deutschland weiblich seien, handele es sich um eine Diskriminierung von Frauen. Auch männliche Grundschullehrer seien benachteiligt. Sie haben demnach quasi das Pech, einen typischen Frauenberuf gewählt zu haben.

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Die höheren Gehälter in weiterführenden Schulen werden dem Gutachten zufolge mit der Ausbildung, Leistung und Verantwortung in dem Beruf begründet. In vielen Bundesländern sei aber die Ausbildung inzwischen für alle Schulformen ähnlich lang. Zudem stelle die pädagogische Arbeit in Grundschulen zwar andere Anforderungen als die Tätigkeit in weiterführenden Schulen. Diese seien aber gleichwertig und müssten daher gleich bezahlt werden.

Die GEW fordert mehr Geld für Grundschullehrer. Alle Hochschulabsolventen im öffentlichen Dienst – abgesehen der Grundschullehrer – gehörten bereits der höheren Besoldungsklasse A13 an, sagte Tepe. Es gebe keinen Grund, warum dies nicht auch für Grundschullehrer gelten solle.

Eine bessere Bezahlung könne unter anderem dem Mangel an Grundschullehrern in Deutschland entgegenwirken, so Tepe. Eine finanzielle «Aufwertung» kann dem Gutachten zufolge den Beruf auch für Männer attraktiver machen und somit die Ungleichheit der Geschlechter wettmachen.

Für das Gutachten wurden Hessen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein untersucht. Die Struktur der Bezahlung von Lehrern ist laut Kocher aber in allen Bundesländern ähnlich. Schulpolitik sowie Lehrerbesoldung sind in Deutschland Ländersache. dpa

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