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Nach Bergrettung: Lehrer muss sich wegen schlechter Planung vor Gericht verantworten

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FURTH. Ein Sommerabenteuer, das als Benefizaktion gedacht war, hat nun ein gerichtliches Nachspiel: Ein Lehrer aus Niederbayern muss sich in Österreich verantworten – weil eine Alpenüberquerung mit Schülern im Juli 2024 dramatisch im Schnee endete. Pikant: Zum ersten Prozesstermin erschien er gar nicht.

Am Heilig-Geist-Jöchl (hier weitgehend schneefrei). Foto: Shutterstock

Elf Schüler des Maristen-Gymnasiums Furth im Landkreis Landshut waren im Sommer 2024 mit zwei Lehrern und weiteren fünf Begleitpersonen zu einer spektakulären Radtour aufgebrochen. Ziel: 600 Kilometer und 11.000 Höhenmeter bis ins italienische Jesolo – organisiert im Rahmen der Sternstunden-Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks. Auch Comedian Harry G. hatte das Vorhaben öffentlich unterstützt.

Doch statt am Strand landete die Gruppe im Tiroler Hochgebirge: Auf der dritten Etappe von Zell am Ziller über das Heilig-Geist-Jöchl nach Südtirol versperrte meterhoher Schnee den Weg. Ab etwa 2.000 Metern mussten die Jugendlichen ihre Räder tragen, erschöpften schnell, und die Dunkelheit brach herein. Schließlich setzte ein Lehrer den Notruf ab. „Die 18 Personen wurden in der Folge von der Besatzung des Polizeihubschraubers unverletzt geborgen und bei der Sulzenalm abgesetzt, wo sie von der Bergrettung Mayrhofen übernommen und sicher ins Tal begleitet wurden“, erklärte damals die Tiroler Polizei (News4teachers berichtete).

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Die Gruppe war zwar gut vorbereitet, doch die Schneemassen hatten viele überrascht. Selbst die Bergretter sprachen von einem „außergewöhnlichen Jahr“ mit ungewöhnlich vielen Schneefeldern. Von „Leichtsinn“ wollte man nicht sprechen – wohl aber von einem möglichen Planungsfehler.

Der Vorwurf gegen den Lehrer

Für einen der beiden beteiligten Lehrer hat die missglückte Benefizfahrt jetzt Folgen: Laut Passauer Neue Presse wirft die Staatsanwaltschaft in Tirol ihm vor, keine ausreichenden Informationen über Wetter- und Wegverhältnisse eingeholt zu haben. Er hätte sich daher in dieser Woche am Bezirksgericht Zell am Ziller verantworten müssen.

Doch der Pädagoge erschien nicht. „Da der Lehrer nicht erschienen war, stellten die österreichischen Behörden ein Amtshilfeersuchen bei den niederbayerischen Kollegen“, bestätigte eine Gerichtssprecherin. So solle die Zustellung der Ladung sichergestellt werden – ein üblicher Vorgang bei Fällen mit Auslandsbezug. Als neuer Termin ist der 10. Februar 2026 angesetzt. Der genaue Straftatbestand ist bislang nicht bekannt.

 

Klar ist aber: Sollte der Lehrer für die Kosten geradestehen müssen, wird das teuer. Laut Österreichischem Alpenverein kostet schon ein typischer Hubschraubereinsatz von rund 40 Minuten Flugzeit im Rahmen einer Bergrettung knapp 5.000 Euro – und typisch sind Einsätze für deutlich weniger Personen. News4teachers 

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