HAMBURG/KIEL. Hamburg und Schleswig-Holstein stellen ihre Schulaufsicht neu auf. Beide Länder haben eine länderübergreifende Kooperation vereinbart, um die Steuerungs- und Beratungsfunktion der Schulaufsicht zu stärken und sie strategisch auf künftige Anforderungen auszurichten. Ziel ist es, die Qualitätsentwicklung an Schulen systematischer zu unterstützen und die Schulaufsicht als zentrale Führungsebene im Bildungssystem weiterzuentwickeln. Grundlage des Vorhabens ist ein Empfehlungspapier der Kultusministerkonferenz zur Rolle der Schulaufsicht.

Nach Angaben beider Bildungsressorts soll die Schulaufsicht künftig stärker als Partnerin der Schulen auftreten. Ksenija Bekeris (SPD), Senatorin für Schule und Berufsbildung in Hamburg, erklärte: „Die Schulaufsicht ist ein entscheidender Partner für die Weiterentwicklung unserer Schulen. Mit der Modernisierung schaffen wir die Voraussetzungen, um Schulleitungen noch gezielter beraten und unterstützen zu können – insbesondere bei der Qualitätsentwicklung, der Personalführung und im Umgang mit den vielfältigen Herausforderungen des Schulalltags.“
Auch Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) verweist auf veränderte Rahmenbedingungen. „Mit den Herausforderungen an Schule durch Fachkräftemangel, Heterogenität, Digitalisierung und unseren Anspruch auf mehr Chancengerechtigkeit ändert sich auch die Rolle, die die Schulaufsicht ausfüllen muss. Deshalb stellen wir uns an dieser zentralen Stellen neu auf. Wir stärken die Schulaufsicht in ihrer unterstützenden Rolle für die Schulen“, sagte sie. Gemeinsam mit Hamburg werde ein neues Zielbild für die Schulaufsicht umgesetzt. Die Schulaufsichten sollen gezielt auf die Anforderungen einer datengestützten und strategisch ausgerichteten Schulentwicklung vorbereitet und länderübergreifend gestärkt werden.
Das Projekt ist langfristig angelegt. Nach Angaben der Länder soll es regelmäßig evaluiert und transparent kommuniziert werden. Partner in dem Prozess sind mehrere Stiftungen, die ihre Expertise in der Schul- und Systementwicklung einbringen.
Künftig sollen Schulaufsichtsbesuche, Zielvereinbarungen und Beratungsgespräche stärker auf die jeweilige Situation einzelner Schulen zugeschnitten werden. Schulleitungen sollen gezielte Unterstützung bei der Qualitätsentwicklung, der Personalführung sowie im Umgang mit komplexen Herausforderungen erhalten. Dazu zählen unter anderem Unterrichtsqualität, Digitalisierung, Förderung der Basiskompetenzen, Inklusion und der Umgang mit heterogenen Lerngruppen.
„Für gute Bildungsqualität an unseren Schulen braucht es Veränderungen im Bildungssystem – getragen von den Schulen selbst, aber auch von den Steuerungsebenen“
Hamburg und Schleswig-Holstein arbeiten dabei mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, der Robert Bosch Stiftung und der Wübben Stiftung Bildung zusammen. Gemeinsam soll ein systematisches Qualifizierungsprogramm für neue Mitarbeitende in der Schulaufsicht entwickelt werden. Das Programm orientiert sich an den neuen Empfehlungen der Kultusministerkonferenz (News4teachers berichtete) und soll länderübergreifende Lern- und Austauschräume schaffen.
Bernhard Straub, Geschäftsführer der Robert Bosch Stiftung, erklärte: „Diese Initiative zeigt, wie die Kooperation zwischen Bundesländern die Grundlage für nachhaltige Entwicklung schafft. Große Aufgaben verlangen gemeinsame Anstrengungen – und als Stiftungen bringen wir uns gerne in diese Bewegung ein. Mit unserer Expertise unterstützen wir Hamburg und Schleswig-Holstein dabei, die Schulaufsicht strategisch neu auszurichten und damit die Schulen zu stärken.“
Anne Rolvering, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, betonte: „Für gute Bildungsqualität an unseren Schulen braucht es Veränderungen im Bildungssystem – getragen von den Schulen selbst, aber auch von den Steuerungsebenen. Deshalb begleitet die DKJS seit Jahren die Schulaufsicht mit praxisnahen Angeboten. Mit dem neuen Qualifizierungsprogramm in Schleswig-Holstein und Hamburg setzen wir gemeinsam einen starken Impuls, das KMK-Zielbild für die Schulaufsicht wirksam in die Praxis zu tragen und die qualitätsvolle Bildung junger Menschen weiter zu stärken.“
Auch Kerstin Lehner von der Wübben Stiftung Bildung verwies auf die Rolle der Schulaufsicht für mehr Bildungsgerechtigkeit: „Als Wübben Stiftung Bildung setzen wir uns dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihrer Herkunft gerechte Bildungschancen erhalten. Hierbei kommt der Schulaufsicht eine wichtige Rolle zu. Sie kann dazu beitragen, Ungleiches ungleich zu behandeln und Ressourcen entsprechend steuern. Deshalb freuen wir uns, in die Kooperation mit Hamburg und Schleswig-Holstein unsere Erfahrungen aus der Arbeit mit Schulen in herausfordernder Lage einzubringen.“
Die Schulaufsicht ist im Grundgesetz verankert und dafür zuständig, dass Schulen ihren Bildungsauftrag erfüllen. Sie berät und begleitet Schulleitungen, unterstützt die Qualitätsentwicklung und Schulprogrammarbeit, wirkt bei Personalplanung und Krisenbewältigung mit und stellt die Umsetzung bildungspolitischer Vorgaben sicher. Dabei arbeitet sie mit Schulträgern, anderen Behörden und Partnern im Sozialraum zusammen.
In Hamburg ist die Schulaufsicht bei der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung angesiedelt und in Regionalbereiche gegliedert. Sie kooperiert eng mit den Regionalen Bildungs- und Beratungszentren. In Schleswig-Holstein ist sie im Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur organisiert. Dort sind Schulämter und Fachaufsichten für Beratung, Qualitätsentwicklung und die Umsetzung landesweiter Bildungsziele zuständig.
Beide Länder setzen nach eigenen Angaben verstärkt auf datengestützte Steuerung, Qualitätsmonitoring und eine gezielte Unterstützung der Schulleitungen bei aktuellen Herausforderungen wie Digitalisierung, Inklusion und Unterrichtsqualität. News4teachers
Datengestützte Steuerung klingt nach mehr Homeoffice für die Schulaufsicht, während die Lehrer die Daten bereitstellen müssen.