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Ramadan: Theologe Khorchide warnt vor wachsendem Fastendruck an Schulen

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MÜNSTER. Der Ramadan ist für Millionen Musliminnen und Muslime weltweit eine Zeit des Fastens, der Besinnung und des Gebets. Auch in Deutschland prägt der islamische Fastenmonat (bis zum Zuckerfest am 20. März 2026) den Alltag vieler Familien. Doch noch vor dem Start zeigen sich liberale muslimische Stimmen wie der Theologe Mouhanad Khorchide besorgt über eine Entwicklung, die insbesondere im schulischen Kontext sichtbar wird: zunehmender sozialer Druck unter Jugendlichen – bis hin zu Ausgrenzung und Mobbing.

Prof. Mouhanad Khorchide ist Botschafter des Wissenschaftsjahres 2013. "Die demografische Chance", das nun zu Ende geht. Foto: Wissenschaftsjahr
“Was bist du für ein Mann?” Prof. Mouhanad Khorchide. Foto: Wissenschaftsjahr

Der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster, Prof. Mouhanad Khorchide, spricht von einer problematischen Verschiebung im religiösen Selbstverständnis junger Menschen. „Der Ramadan wird von einigen männlichen Jugendlichen zum Anlass genommen, Männlichkeit misszuverstehen als Demonstration körperlicher Leistungsfähigkeit, Durchhaltevermögen und vermeintlicher religiöser Stärke“, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Nach Khorchides Beobachtung treten dabei nicht selten einzelne Jugendliche als moralische Instanz auf. „Manche Jugendliche spielen dann eine Art Religionspolizei“, so der Theologe. „Sie werten Mitschüler ab, die nicht fasten wollen oder können, setzen sie emotional unter Druck oder mobben sie mit Sätzen wie: Was für ein Muslim bist du?“ Wer sich dem Fasten entziehe, gerate schnell in eine Rechtfertigungsposition.

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Das Fasten im Monat Ramadan gilt als eine der fünf Säulen des Islam. Es umfasst den Verzicht auf Essen und Trinken vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang. Allerdings ist die religiöse Pflicht an Bedingungen geknüpft. Schwangere, Kranke, ältere Menschen oder Reisende sind ausgenommen. Auch Kinder vor der religiösen Mündigkeit sind nicht verpflichtet zu fasten.

Im Deutschlandfunk erläuterte Khorchide die traditionelle Altersbestimmung. „Früher hat man biologische Standpunkte herangezogen. Man hat die biologische Reife genommen, bei Frauen die Menstruation und bei Männern, wenn sie geschlechtsreif sind – durchschnittlich ab 14.“ Heute werde theologisch eher ein höheres Alter angesetzt. „Und heute meint man, naja, ab 16 eigentlich ist das eher das Alter, wo die Teilnahme geboten ist.“

Dennoch sei zu beobachten, dass auch jüngere Schülerinnen und Schüler fasten. Khorchide sieht dafür unterschiedliche Gründe. Zum einen spiele der Wunsch nach Zugehörigkeit eine Rolle. Kinder wollten mitmachen, wenn die Familie den Tagesrhythmus umstelle. Zum anderen gebe es jedoch eine Entwicklung, „die weniger erfreulich ist“, wie er im Deutschlandfunk sagte – und mit einem gewissen Bild von Männlichkeit verbunden sei. „Wenn Männlichkeit bedeutet, stark zu sein, physisch auch, dann machen manche Jugendliche Druck auf Mitschüler: Was bist du für ein Mann, dass du nicht fasten kannst?“

Nach Einschätzung des Theologen bleibt der Druck nicht ohne Konsequenzen für den Schulalltag. „Ich bekomme mit, dass Schulleitungen anrufen – und berichten, bei uns kollabieren manche oder sind total unkonzentriert oder bringen nicht die Leistung. Und das ist keine erfreuliche Entwicklung. Da braucht man Aufklärung.“

„Man kann davon ausgehen, dass etwa zwischen 10 und 20 Prozent, also bis zu einem Fünftel, sich berufen fühlen, Religionspolizei zu spielen“

Belastbare statistische Erhebungen liegen nach seinen Angaben nicht vor. Gleichwohl gebe es Anhaltspunkte. „Man kann davon ausgehen, dass etwa zwischen 10 und 20 Prozent, also bis zu einem Fünftel, sich berufen fühlen, Religionspolizei zu spielen.“ Das Auftreten als moralische Kontrollinstanz vermittle Anerkennung und Status. „Das vermittelt ja gewisse Anerkennung bis hin zu Machtstatus. Ich entscheide, ich erhebe meinen Zeigefinger, um die anderen zu religiösen Geboten zu rufen.“

Khorchide ordnet die Entwicklung in einen breiteren gesellschaftlichen Zusammenhang ein. Derzeit gebe es „einen spürbaren Wandel in der Bedeutung von Religion unter Muslimen in Deutschland“. Persönliche Gottesbeziehung und ethische Anliegen träten in der öffentlichen wie innergemeinschaftlichen Kommunikation zunehmend in den Hintergrund. „An ihre Stelle rücken immer häufiger religiöse Rituale oder sichtbare Symbole; nicht primär als Ausdruck innerer Frömmigkeit, sondern als Marker von Zugehörigkeit.“

Religion werde so stärker zu einer Identitätsressource im Sinne eines kollektiven „Wir Muslime“. Das Fasten werde von Familie und Peergroup registriert und in bestimmten Milieus auch kontrolliert. Wer sich entziehe, müsse sich erklären.

Zugleich warnt der Theologe davor, den Ramadan auf eine körperliche Herausforderung zu reduzieren. „Man sagt ja, man fastet, man verzichtet. Es geht darum, auch in die Welt zu schauen. Es gibt Menschen, die gezwungenermaßen verzichten müssen, weil sie arm sind.“ Fasten solle Empathie und Mitgefühl fördern sowie Zeit für Spiritualität eröffnen. „Ramadan zu reduzieren auf den Verzicht aufs Essen und Trinken über den Tag, um dann alles am Abend wieder nachzuholen, oder gar eine Art Festival daraus zu machen – das ist nicht Sinn des Fastens. Es ist eher ein Monat der Spiritualität und der Besinnung.“

„Lehrerinnen und Lehrer dürfen nicht wegschauen oder meinen, das ist ein innerislamisches Problem“

Für Schulen sieht Khorchide eine klare Verantwortung, wenn Druck aufgebaut wird. „Ganz wichtig ist, dass Schulen Ansprechpartner haben müssen, dass Betroffene hingehen und irgendwie sich beschweren können beziehungsweise mit jemandem reden können, der das Ganze ernst nimmt.“ Lehrkräfte dürften das Problem nicht als interne Angelegenheit von Muslimen abtun. „Lehrerinnen und Lehrer dürfen nicht wegschauen oder meinen, das ist ein innerislamisches Problem, die sollen das unter sich lösen, sondern wir brauchen strukturelle Lösungen, Anlaufstellen für Betroffene, aber auch klare Sanktionen für die anderen.“

Wo islamischer Religionsunterricht erteilt werde, komme auch den dort unterrichtenden Lehrkräften eine besondere Rolle zu. Sie seien für viele Schülerinnen und Schüler Autoritäten. Khorchide fordert: „Aufklären und noch mal daran erinnern, Gott ist der Richter, nicht wir Menschen! Wir dürfen uns nicht als Richter aufführen.“ News4teachers 

Kolumne zum Schulrecht: Lehrer sind für die Gesundheit fastender Kinder im Ramadan verantwortlich

 

 

 

 

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Rainer Zufall
1 Tag zuvor

“Nach Khorchides Beobachtung”
Ach, die! Creept er über Schulhöfe oder doomscrollt er auf Tiktok?

“Ich bekomme mit, dass Schulleitungen anrufen – und berichten”
Bekommt mit? Wen rufen die Schulleitungen tatsächlich an, während Herr Khorchide im Nebenzimmer sitzt und mutmaßt, es würde bis zu 20 Prozent der Jugendlichen betreffen?

Ich bin ja auch völlig überrascht, dass toxische Männlichkeit allen schadet – wer hätte dies jemals kommen sehen…
Ich weise die Probleme nicht von der Hand – im Gegenteil: Warum sollen wir da nur über Muslems reden, nur weil Herr Khorchide es hier subjektiv wahrnimmt?

Erst kürzlich las ich: “Eine feministische BeamtInnenpolitik darf es eigentlich hierzulande gar nicht geben! Darüber hinaus gilt natürlich, gezielte Frauenförderung, weibliche Eigenschaften ehren und pflegen […]”
Aber der Verfasser hatte wohl nicht gefastet…

DerechteNorden
1 Tag zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

In Wirklichkeit ist es ganz anders. Da drangsaliert die bio-deutsche Sieben-Wochen-Ohne-Polizei die armen Kiddies an Schulen.
Herr Khorchides checkt das nur nicht.
Wie gut, dass es @Rainer Zufall gibt.//

Ich finde es befremdlich, dass Sie aus mir unerfindlichen Gründen anzweifeln, was der Mann sagt.
Gibt Ihnen das Ihre Ideologie vor oder was ist da los?

Rainer Zufall
15 Stunden zuvor
Antwortet  DerechteNorden

“Ich finde es befremdlich, dass Sie aus mir unerfindlichen Gründen anzweifeln, was der Mann sagt.”
Weil er keine Quellen nennt, keine Statistik, keine Umfragen an Schulen, keine Studien.

Bestimmt gibt es Fälle, wo Kinder und Jugendliche, die sich als Chefs aufspielen und andere bevormunden. Ich denke, die meisten Schulen haben das Problem auf dem Schirm und intervenieren, wenn sie dss bemerken, schließe da aber nur von meiner auf andere :/

DerechteNorden
8 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Wer keine Quellen usw. nennt, hat keine Ahnung, stimmt.
Und Erfahrungsberichte zählen nur, wenn es Ihre eigenen sind.//

Sie demonstrieren hier immer wieder, wo ein Teil des Problems liegt:
Erfahrungen und Beobachtungen, die Lehrkräfte oder Involvierte werden nicht gehört, weil sie nicht ins Konzept passen.

Realist
1 Tag zuvor

Ist doch eine klassische Aufgabe des Religionsunterrichts, vor allem, wenn dieser den Islam behandelt.

Da kann doch endlich gezeigt werden, dass die Einführung von islamischem Religionsunterricht die richtige Entscheidgung war!

447
1 Tag zuvor
Antwortet  Realist

Nun, so spielt das Leben in seiner ganzen Breite:

Bei diesem und jenem soll man ganz fest wegschauen, da man seinen optischen Biosensoren aufgrund anekdotischer Evidenz sowie weit verbreiteten Vorurteilen nicht trauen kann, hier gilt es Studien zu lesen…und dort (NEIN NICHT DA, sondern hier drüben!) soll richtig genau hingeschaut werden…also, von Lehrern…die dann…tjah, also…eine Onlinepetition machen ?
In der BRD 2026 islamische Gläubige “belehren” sollen, als (statistisch häufig) Ungläubige(r)?

Puh, ganz schön kompliziert und irgendwie klingt “Muslime belehren wollen” auch ziemlich rääächtz und nach “westlichen kulturellen Hegemonievorstellungen”.

Da warte ich mal ab, was die Handreichung sagt.
Die kommt bestimmt.

An unserer Schule haben die SuS übrigens zum interkulturellen Fastenbrechen geladen, klingt doch nett.

GBS-Mensch
1 Tag zuvor

“Religion werde so stärker zu einer Identitätsressource im Sinne eines kollektiven „Wir Muslime“. ”

Das sind auch einige der grundlegenden soziologischen Funktionen von Religionen: Identität und Gemeinschaft zu stiften.

„Man kann davon ausgehen, dass etwa zwischen 10 und 20 Prozent, also bis zu einem Fünftel, sich berufen fühlen, Religionspolizei zu spielen“

Das sind dann wohl die Woken unter den Muslimen.

Sozial- und Verhaltenskontrolle sind ebenfalls grundlegende Funktionen von Religionen.

Ich habe einmal in einem muslimisch geprägten Viertel gewohnt. Das Maß der Sozialkontrolle war tatsächlich erstaunlich hoch. Das kennt man hier wohl nur noch vom Dorf oder vergangenen Jahrzehnten aus dem letzten Jahrtausend.

Mondmatt
13 Stunden zuvor

Bei uns wurde in der Futterstation die Zubereitung frisch gebratener Schnitzel wegen der Geruchsbelästigung im ganzen Haus durch die Schulleitung untersagt.

Sehr zum Ärger unserer deutschen Schüler.

Dieser Ärger wurde durch das von den Muslimen verbreitete Gerücht verstärkt, dass die Schulleitung dies wegen der Muslime getan hat.
Muslimische Schüler die mit stolzgeschwellter Brust verkündet haben ” Hier hat eben der Islam das Sagen. Schweineschnitzel darf es an unserer Schule nicht geben.”

Nun wurde eine Befragung zur Schülerzufriedenheit mit dem Verkauf durchgeführt. Prompt kamen Forderungen den Verkauf während der Ramadanzeit zu schließen.

Da muss man eben Kompromisse machen.

Wie wäre der Vorschlag, dass der Verkauf im Ramadan nur Schweineschnitzel anbietet?

Hysterican
8 Stunden zuvor
Antwortet  Mondmatt

Gute Idee, da die SuS muslimischen Glaubens weder Essen noch Schwein dürfen wäre das eine gute Kombination. Sie werden an keiner Stelle in Versuchung gebracht.

Man könnte diesen Gedanken auch auf unser Handy- und SocialMediaProblem übertragen… über eine z.B.10monatige Fastenzeit – verteilt auf die Unterrichtswochen eines Schuljahres – im Bereich des “digital detoxings” wäre bei socherart begeisterter Mitarbeits- und Umsetzungsbemühungen doch bestimmt auch dieses Problem in den Griff zu bekommen.
Sarkasmus aus.

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