DORMAGEN. Nach dem gewaltsamen Tod des 14-jährigen Yosef im nordrhein-westfälischen Dormagen ist nun bestätigt, dass der tatverdächtige Zwölfjährige dieselbe Schule besuchte wie das Opfer. Die Realschule steht seitdem im Zentrum eines komplexen Krisenmanagements zwischen Polizei, Schulaufsicht, Jugendhilfe und Schulpsychologie.

Der Junge, der im Fall des getöteten 14-jährigen Yosef aus Dormagen verdächtigt wird, die Tat begangen zu haben, war Mitschüler des Opfers. Das bestätigte die Polizei in Neuss auf Anfrage. Zuvor hatte die „Rheinische Post“ berichtet, dass die Realschule die Elternschaft darüber in einem Schreiben informiert habe. Vertreter der Bezirksregierung Düsseldorf hätten diese Information zuvor an die Schulleitung weitergegeben.
Bereits am Freitag hatte die Polizei öffentlich mitgeteilt, dass das Verbrechen aufgeklärt sei und ein Kind als Tatverdächtiger gelte. Der Zwölfjährige ist strafunmündig und befindet sich nach Angaben der Behörden in der Obhut des Jugendamtes. Bürgermeister Erik Lierenfeld erklärte gegenüber der „Rheinischen Post“, der Junge sei derzeit nicht mehr in Dormagen untergebracht.
In dem Schreiben an die Eltern machte die Schulleitung deutlich, dass sie sich wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens zu weiteren Details nicht äußern dürfe. Zugleich informierte sie darüber, dass die Schulgemeinschaft weiterhin durch den schulpsychologischen Dienst sowie die Notfallseelsorge begleitet werde. Auch die Schulaufsicht, die Schulverwaltung und das Jugendamt der Stadt Dormagen seien in die Maßnahmen eingebunden, heißt es in dem Elternbrief.
Nach Angaben der Polizei war den Ermittlern früh bekannt, dass es sich bei dem Tatverdächtigen ebenfalls um einen Schüler der Realschule handelt. Eine Polizeisprecherin sagte der „Rheinischen Post“, mutmaßlich habe man diesen Zusammenhang bereits am vergangenen Donnerstag erkannt. Wann genau die Schule informiert wurde, ließ sie offen. Auch die Bezirksregierung Düsseldorf wollte nicht mitteilen, zu welchem Zeitpunkt sie selbst Kenntnis erlangt habe.
Eltern wurden erst am Montag offiziell informiert. Zur Begründung hieß es seitens der zuständigen Behörde, man habe die Eltern „sobald dies mit Blick auf die laufenden Ermittlungen und eine verantwortungsvolle Kommunikation möglich war“ unterrichtet. Ziel sei es gewesen, Verunsicherung innerhalb der Schulgemeinschaft zu vermeiden. Die Schülerinnen und Schüler seien durch pädagogisch geschultes Personal informiert worden, Lehrkräfte dabei fachlich unterstützt. Zudem seien unmittelbar schulpsychologische und seelsorgerische Angebote eingerichtet worden. Nach Angaben der Bezirksregierung stehen der Schule mehrere Fachkräfte zur Verfügung.
Die Bezirksregierung betonte zugleich, dass für den Zwölfjährigen die Unschuldsvermutung gelte. Zum Schutz seiner Persönlichkeitsrechte würden keine Angaben dazu gemacht, welche Klasse er besucht habe. Auch zur Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Rückkehr an die Schule zu einem späteren Zeitpunkt denkbar wäre, äußerte sich die Behörde nicht. Solche Entscheidungen müssten unter Einbeziehung der Ermittlungsbehörden getroffen werden und hätten das Kindeswohl, schulrechtliche Vorgaben sowie die Sicherheits- und Fürsorgepflicht gegenüber der gesamten Schulgemeinschaft zu berücksichtigen.
„Eine wichtige Aufgabe ist jetzt auch die sichere Organisation von Kommunikation“
Bürgermeister Lierenfeld berichtete, dass an dem Elternschreiben neben der Schule auch Ministerien, die Bezirksregierung, das Schulverwaltungsamt sowie städtische Stellen beteiligt gewesen seien. Er selbst stehe in engem Austausch mit den beteiligten Akteuren. Am Montagabend habe er zudem die Fraktionsvorsitzenden im Dormagener Stadtrat über den aktuellen Sachstand informiert. „Eine wichtige Aufgabe ist jetzt auch die sichere Organisation von Kommunikation“, sagte Lierenfeld laut „Rheinischer Post“. Gerade in einer Schulsituation sei es entscheidend, verlässliche Informationen weiterzugeben, um Vertrauen zu erhalten. Im Netz kursieren Gerüchte über angebliche Mittäter, die die Polizei entschieden zurückweist (News4teachers berichtete).
Yosefs Leiche war Ende Januar an einem See in Dormagen-Hackenbroich von Spaziergängern gefunden worden. Die Obduktion ergab, dass der Junge an Stich- und Schnittverletzungen starb. An der Trauerfeier nahmen rund 800 Menschen teil, an einem Trauerzug am Wochenende zuvor etwa 2.000. Ein Team aus Psychologinnen und Psychologen begleitet seitdem Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte der betroffenen Schule. News4teachers / mit Material der dpa
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