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Wirtschaft schlägt angesichts der Demografie Alarm: Wer macht künftig die Arbeit?

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KIEL. Bis 2035 könnten mehr als 97.000 Stellen unbesetzt bleiben – allein in Schleswig-Holstein. Die IHK dort warnt vor Milliardenverlusten und fordert mehr Einsatz für duale Ausbildung und Integration.

Deutschland hat ein Demografieproblem. Illustration: Shutterstock

Der Fach- und Arbeitskräftemangel in Schleswig-Holstein wird die Wirtschaft nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) zunehmend belasten. Bis zum Jahr 2035 könnte die Lücke von aktuell gut 55.000 auf mehr als 97.000 unbesetzte Stellen wachsen, wie aus dem neuen IHK-Fachkräftemonitor hervorgeht. Das sei noch die positive Annahme, die bereits wirksame Gegenmaßnahmen berücksichtigt.

Frühere Berechnungen seien im schlechtesten Szenario von mehr als 300.000 fehlenden Fach- und Arbeitskräften ausgegangen. Dem Land droht den Angaben zufolge ein aufaddierter Wertschöpfungsverlust von rund 32 Milliarden Euro bis 2035 wegen nicht zu besetzender Arbeitsplätze. Zum Vergleich: Die Wertschöpfung in Schleswig-Holstein lag den Angaben zufolge 2024 insgesamt bei knapp 110 Milliarden Euro.

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Wirtschaftsminister: Arbeitskräftelücke gemeinsam bewältigen

«Die neue Zahl darf keinesfalls als eine Entspannung der Lage missverstanden werden», betonte Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen. «Die bevorstehende Arbeitskräftelücke bleibt eine große Herausforderung, die wir nur gemeinsam bewältigen können.»

Wichtig ist aus Sicht des Präsidenten der IHK Kiel, Knud Hansen, die Erkenntnis, dass man in erster Linie auf eine Praktiker-Lücke zusteuere. Mehr als 54.000 der fehlenden Arbeitskräfte entfallen auf den Bereich der beruflich gebildeten Fachkräfte und nicht auf den akademischen Bereich. Das unterstreiche die Bedeutung der dualen Ausbildung als größte Säule der Fachkräftesicherung.

IHK-Präsident: Mehrere Hebel nutzen

Die aktuell schwache Konjunktur darf nach Hansens Überzeugung nicht täuschen: «Der Fachkräftemangel verschwindet nicht. Wer glaubt, die Demografie mache Pause, gefährdet die Substanz unseres Standorts.» Jetzt müssten strukturelle Hürden abgebaut und Potenziale ausgeschöpft werden. Hebel dazu seien, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, um die Erwerbsquote zu erhöhen und die Arbeitskraft der älteren Menschen länger zu nutzen. Außerdem müssten Zuwanderungsverfahren beschleunigt und die duale Ausbildung gestärkt werden, so Hansen.

Im Zusammenhang mit der Integration von Zuwanderern kritisierte Madsen die Streichung von Sprachkursen durch die Bundesregierung (News4teachers berichtete). Das Erlernen der deutschen Sprache sei die wesentliche Voraussetzung für Integration, im sozialen Bereich und am Arbeitsmarkt.

Aktuell gibt es in Schleswig-Holstein die größte Zahl an nicht besetzten Stellen in Verkaufsberufen (gut 9.700), in Verkehrs- und Logistikberufen ohne Fahrzeugführung (gut 9.200) und bei Berufen in Unternehmensführung- und Organisation (mehr als 6.500) Auch in medizinischen Gesundheitsberufen (5.300) und Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen (gut 5.100) werden viele Arbeitskräfte gesucht.

Die Oppositionsführerin im Landtag, Serpil Midyatli (SPD), warf der Regierung von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) vor, bisher nicht geliefert zu haben. Das Welcome-Center bleibe hinter den Erwartungen zurück ­und benötige neben einem Ausbau auch eine Regionalisierung, um vor Ort besser zu unterstützen. Wer Bildung stärke, gerade auch die beruflichen Schulen, tue etwas gegen den Fachkräftemangel.

Aus Sicht der SSW-Landtagsabgeordneten Sybilla Nitsch sollte wachrütteln, dass die größte Lücke bei beruflich qualifizierten Menschen und nicht bei Akademikern liegt. «Wir müssen die berufliche Ausbildung mehr in den Fokus nehmen, fördern, Rahmenbedingungen verbessern und das vor allem in den Branchen, wo der Bedarf schon jetzt nicht gedeckt werden kann.» News4teachers / mit Material der dpa

Warum es an der Zeit ist, die Vorurteile über Berufsausbildung endlich zu überwinden – ein Kommentar

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Karl Heinz
1 Monat zuvor

Elon Musk und “die Wirtschaft” frohlocken doch schon seit geraumer Zeit, dass KI und damit humanoide Roboter so ziemlich ALLE Jobs übernehmen werden.
Menschen werden eher überflüssig.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Karl Heinz

Grundeinkommen für fast alle, “Arbeitspflicht” für soziale Berufe (Kita, Schule, Pflege, …).

Man wird die “Arbeitspflicht” so ausgestalten, dass es kein Grundeinkommen gibt, wenn man in einem politisch festgelegten “systemrelevanten” Beruf arbeitet.

Zeitrahmen: 10-15 Jahre.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Karl Heinz

Wenn Sie sich auf Elon Musk beziehen, bedenken Sie die Menschen, welche die Roboter 1zu1 steuern 😉

Aber nach Hyperloop, selbstfahrenden Autos, komische Affenbilder, dem Metaverse und wasweißich bleiben nur die Epstein-Akten…

ed840
1 Monat zuvor

Wir müssen die berufliche Ausbildung mehr in den Fokus nehmen, fördern, “

Wenn man auf die Zahlen der Statistik schaut, fällt schon auf das die Quoten der jungen Menschen , die in SH ohne ESA von Gemeinschaftsschulen und Förderschulen abgehen und anschließend zu NEETs werden, dort seit Jahren bundesweit mit am höchsten sind. Und dass es in SH auch weit überdurchschnittlich häufig SuS ohne deutsche Staatsangehörigkeit betrifft.

Die in den letzten Jahren zuständige Ministerin hat nach einem Wechsel in die Bundespolitik nun überraschenderweise erkannt, dass das kein guter Zustand ist.

Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor

Also derzeit finden viele Berufseinsteiger keine Arbeit und Ältere werden entlassen. Arbeitskräfte sind also genug da.

ed840
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Laut BA waren im Januar 2026 in SH 20.913 offene Stellen gemeldet, gegenüber 39.750 Arbeitslosen nach SGB III + 60.657 nach SGB II.

Da scheint es also vermutlich an der Passgenauigkeit von Anforderungsprofil und Bewerbern zu mangeln.

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Es gibt auch so viele Menschen in Deutschland wie noch nie. Probleme sind deren Ausbildungsstand, der (sehr hohe) Mindestlohn und das (ebenfalls im Vergleich zum Mindestlohn sehr hohe) Bürgergeld, das besonders bei Familien mit vielen Kindern sehr attraktiv ist..

Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Das soll für frische Akademiker gelten? Kaum glaubhaft.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Wieso Akademiker? Der Fachkräftemangel betrifft vor allem auch Ausbildungs-Berufe. @unfassbar hat Recht: Es leben aktuell 5 Millionen Menschen mehr in Deutschland als vor 12 Jahren. Und das sind bei weitem keine Rentner. Also: Woher kommt der plötzliche Arbeitskräftemangel???

Stine
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Wie neulich hier an anderer Stelle geschrieben – Firmen stellen Azubis ein ohne Schulabschluss, müssen diese noch zusätzlich schulen… sie bringen die notwendigen Grundfertigkeiten nicht mehr mit. Manchmal scheitert es dann eben. Das mit dem intrinsischen Lernen zB ist so ne Sache. Das nimmt nicht alle mit und hängt viele einfach ab. Wer immer überfordert “weitergezogen” wird, landet irgendwann im Frust. Vielleicht bilden wir junge Menschen wieder mit praktikablem Wissen in der Schule aus und dann zeigt es sich, dass man durch eine Ausbildung gut durchkommt und einen der gesuchten Arbeitsplätze ausfüllen kann.

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Bei den Akademikern schlägt der generelle Arbeitsplatzabbau aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zubuche.

Feirefiz
1 Monat zuvor

Viele der genannten Berufsbereiche sind unattraktiv: Wer heute eine Ausbildung als Fahrer plant, muss sich damit beschäftigen, dass sein Beruf durch autonomes Fahren in 15 Jahren Geschichte ist. Zudem sind die Bedingungen, volle Parkplätze für LKW und hohe Kosten für ein bisschen Hygiene, inakzeptabel. Für die Berufe im Handwerk gilt, dass es eine Rentenlösung geben muss – mit 70 kann man nicht mehr als Zimmermann arbeiten ( et al). Wer mit 16 Jahren in die Ausbildung geht, muss auch früher in Rente gehen können, ansonsten bleiben diese Berufe so unattraktiv wie sie heute sind.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Feirefiz

Rentenalter für alle auf 62 Jahre herabsetzen, dann sind die Berufe wieder attraktiv. Frankreich zeigt, wie es geht. Wenn schon europäische “Schuldenunion”, dann solche Vorteile für alle Bürger!

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Die können aber immer noch “der Omma ihr klein Häuschen zu versaufen”

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Ohne “zu”.

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