DÜSSELDORF. Nach der bundesweiten Berichterstattung über einen Streit zwischen Schülerinnen und Schülern während des Ramadan an einer Gesamtschule in Kleve meldet sich nun die Landeselternschaft der integrierten Schulen in Nordrhein-Westfalen (LEiS-NRW) zu Wort. Der Verband sieht in dem Vorgang ein Beispiel dafür, wie pädagogische Alltagssituationen an Schulen medial zu politischen Konflikten zugespitzt werden.

Die Landeselternschaft der integrierten Schulen in Nordrhein-Westfalen (LEiS-NRW) kritisiert die öffentliche Darstellung eines Schülerstreits an der Joseph-Beuys-Gesamtschule in Kleve. Anlass ist die Berichterstattung von Bild über einen Konflikt zwischen fastenden und nicht fastenden Schülerinnen und Schülern während des muslimischen Fastenmonats Ramadan.
Der Verband sieht darin ein Beispiel für eine zunehmende Tendenz, schulische Alltagssituationen aus ihrem pädagogischen Kontext zu lösen und zu politischen Konfliktbildern zu überhöhen. In einer Stellungnahme erklärt die Landeselternschaft, der Konflikt unter den Kindern werde von der Schule pädagogisch aufgearbeitet – ein Vorgehen, das zum professionellen Alltag von Schulen gehöre. Gleichwohl sei der Vorfall innerhalb kurzer Zeit zu einem migrations- und religionspolitischen Symbolfall stilisiert worden.
„Es wird der Ruf einer Schule beschädigt, die pädagogisch verantwortungsvoll handelt“
„Was hier passiert ist, ist ein klassisches Beispiel für mediale Eskalation: Ein Streit unter Kindern wird zum politischen Kampfthema aufgeblasen. Dabei wird nicht nur der Sachverhalt verzerrt – es wird auch der Ruf einer Schule beschädigt, die pädagogisch verantwortungsvoll handelt“, erklärte Harald A. Amelang, Vorsitzender der LEiS-NRW.
Nach Einschätzung der Landeselternschaft wurde diese Dynamik maßgeblich durch die Darstellung der Boulevardzeitung sowie deren schnelle Verbreitung über soziale Medien verstärkt. Der Vorgang zeige beispielhaft, wie rasch aus einem pädagogisch bearbeiteten Klassenkonflikt eine gesellschaftspolitische Empörungsdebatte entstehen könne – mit Folgen für die betroffene Schulgemeinschaft.
Der Verband warnt deshalb davor, schulische Einzelfälle zum Projektionsraum gesellschaftlicher Polarisierung zu machen. Schulen seien Orte des Lernens und des sozialen Miteinanders – und damit auch Orte, an denen Konflikte entstünden und pädagogisch bearbeitet werden müssten.
„Schulen brauchen Unterstützung in ihrer Arbeit – keine Schlagzeilen, die sie nachträglich zum Schauplatz politischer Symboldebatten machen. Wer pädagogische Alltagssituationen zum Kulturkampf erklärt, beschädigt Vertrauen statt Lösungen zu schaffen“, sagte Amelang.
Die Landeselternschaft ruft zu einer differenzierten Berichterstattung über Schule auf. Gerade in einer pluralen Gesellschaft gehöre es zu den Aufgaben von Schulen, Kindern den respektvollen Umgang mit unterschiedlichen religiösen und kulturellen Hintergründen zu vermitteln.
Die LEiS-NRW erklärte zugleich ihre Solidarität mit der betroffenen Schulgemeinschaft in Kleve. Die pädagogische Arbeit der Schulen dürfe nicht durch mediale Dramatisierung diskreditiert werden. Schule dürfe nicht zum Schauplatz politischer Inszenierungen werden, heißt es in der Stellungnahme. Sie sei der Ort, an dem junge Menschen lernen sollten, Konflikte konstruktiv zu lösen und miteinander zu leben.
News4teachers hatte zuvor über den Fall berichtet und dabei die unterschiedlichen Darstellungen gegenübergestellt. Während die Bild-Zeitung von einer angeblichen Regel berichtete, nach der Kinder ihr Pausenbrot vor fastenden Mitschülern verstecken sollten, schilderten Schulaufsicht und Schule den Vorgang als altersüblichen Streit unter Fünftklässlern, der im Klassenrat besprochen worden sei. Eine Verpflichtung, Essen zu verbergen oder sich beim Essen wegzudrehen, habe es demnach nicht gegeben. News4teachers
Wie „Bild“ einen Fünftklässler-Streit zum migrationspolitischen Kampfthema macht