Home Leben „Homogene Gruppen existieren nicht“: Warum Neurodiversität das Bildungssystem grundlegend infrage stellt

„Homogene Gruppen existieren nicht“: Warum Neurodiversität das Bildungssystem grundlegend infrage stellt

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HAMBURG. Der Psychologe und Erziehungswissenschaftler Prof. André Frank Zimpel stellt gängige Vorstellungen von Lernen, Intelligenz und Förderung infrage. In einem Vortrag zur Neurodiversität zeigt er anhand von Forschungsergebnissen, warum die Schule systematisch Potenziale übersieht – und weshalb ein Umdenken im Bildungssystem notwendig erscheint.

André Frank Zimpel (auf der re:publica 25 in Berlin). Foto: Leonhard Lenz / Wikimedia Commons CC BY 4.0

Es gibt nach Zimpels Darstellung keinen „normalen“ Maßstab für menschliches Denken. „Es gibt keine zwei Personen, deren Gehirn sich gleicht“, betont der Psychologe von der Universität Hamburg gleich zu Beginn seines Vortrags mit dem Titel „Anders, aber völlig richtig im Kopf“ von 2023, den Deutschlandfunk Nova nun noch einmal gesendet hat. Diese Feststellung sei nicht nur eine theoretische Annahme, sondern wissenschaftlich gesichert: „Unser zentrales Nervensystem wird von 10.000 bekannten Genen reguliert. Und da kann man sich schon vorstellen, dass es unmöglich ist, dass auch Zwillinge das gleiche Gehirn haben.“

Damit beschreibt Zimpel die Grundlage dessen, was unter Neurodiversität verstanden wird: die Vielfalt menschlicher Wahrnehmungs-, Denk- und Verarbeitungsweisen. Diese Vielfalt werde im Bildungssystem jedoch häufig nicht berücksichtigt – mit weitreichenden Folgen. „Wenn Neurodiversität ignoriert wird, dann haben wir viele Probleme“, sagt er und nennt ausdrücklich „Menschen mit LRS, […] im Autismus-Spektrum, […] mit ADHS, […] mit Dyskalkulie“ sowie weitere Gruppen.

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„Immer stellen wir fest, dass wir keine Lernbehinderungen oder keine geistigen Behinderungen vorfinden, sondern dass wir Menschen haben, die einen anderen Bezug zur Welt herstellen“

Zimpel und sein Team untersuchen am Zentrum für Neurodiversitätsforschung in Hamburg, wie unterschiedlich Menschen Informationen wahrnehmen, verarbeiten und darauf reagieren. Grundlage sind experimentelle Studien, diagnostische Verfahren sowie die Auswertung pädagogischer Praxiserfahrungen. Dabei zeigt sich nach seinen Angaben wiederholt, dass Schwierigkeiten im Lernen häufig nicht isoliert im Individuum entstehen, sondern im Zusammenspiel zwischen individuellen kognitiven Voraussetzungen und schulischen Anforderungen. Vor diesem Hintergrund formuliert Zimpel seine zentrale These: „Immer stellen wir fest, dass wir keine Lernbehinderungen oder keine geistigen Behinderungen vorfinden, sondern dass wir Menschen haben, die einen anderen Bezug zur Welt herstellen.“

Diese Perspektive verschiebt den Blick von Defiziten hin zu unterschiedlichen kognitiven Zugängen. Zimpel kritisiert, dass Schule dennoch meist von einheitlichen Lernwegen ausgeht. „Man serviert sozusagen eine Methode, die zufällig bei einigen wunderbar funktioniert und der Rest muss irgendwie sehen, wie er sich durchschlängelt“, beschreibt er die Praxis.

Ein zentrales Element seiner Argumentation ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Denkweisen, insbesondere zwischen bildhaftem und sprachlichem Denken. Zimpel verweist darauf, dass viele Menschen – etwa im Autismus-Spektrum oder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche – stärker bildlich denken. Gleichzeitig sei das Bildungssystem weitgehend sprachbasiert organisiert. „Unsere ganze Wissenschaft und Mathematik ist auf Sprache aufgebaut“, sagt er.  Das führe dazu, dass bestimmte Denkweisen systematisch benachteiligt werden.

Die Folgen zeigen sich nach seiner Darstellung früh. Viele Kinder machten die Erfahrung, dass ihre Zugänge nicht funktionieren. „Und dann ist eben Pech. Und die Menschen denken dann: Gut, das kann ich nicht.“ Wer so lernt, sich selbst als unfähig zu betrachten, wird sich mit entsprechenden Inhalten kaum noch beschäftigen. Zimpel verweist auf Erkenntnisse der Begabungsforschung, wonach langfristige Übung entscheidend ist: „Wenn ich irgendwas richtig gut können soll, dann muss ich mich 3 Stunden täglich 10 Jahre damit beschäftigen.“ Wer früh aussteigt, erreicht diese Phase gar nicht.

Besonderheiten im Denken erscheinen in dieser Perspektive nicht als Randphänomen, sondern als Regelfall. Das zeigt sich auch in der Praxis seines Forschungszentrums, das nach eigenen Angaben stark nachgefragt ist. „Das ist kein marginales Problem, sondern ein sehr allgemeines“.

Besondere Bedeutung misst Zimpel den sogenannten Aufmerksamkeitssystemen zu. Diese unterscheiden sich erheblich zwischen Menschen und beeinflussen Lernen unmittelbar. Entscheidend ist das Zusammenspiel von innerer Aktivierung und Leistungsfähigkeit. Menschen mit ADHS erreichen ihre optimale Leistungsfähigkeit häufig erst bei höherer Aktivierung. „Wenn ich auf den Tisch knalle, kann es passieren, dass sie plötzlich hellwach sind und viel besser reagieren können als andere“, beschreibt Zimpel. Die oft beobachtete Unruhe sei daher ein Versuch der Selbstregulation: „Die zappeln nicht, weil sie nervös sind, sondern die zappeln, weil sie müde werden.“

Demgegenüber benötigen viele Menschen im Autismus-Spektrum ein geringeres Erregungsniveau. Sie reagieren empfindlicher auf Reize und sind schneller überfordert. „Die brauchen viel mehr Bestätigung und Beruhigung“, so Zimpel. Auch die Wahrnehmung von Reizen ist unterschiedlich ausgeprägt. Während neurotypische Menschen nur eine begrenzte Anzahl an Informationen gleichzeitig verarbeiten, liegt dieser Wert nach Zimpel bei etwa vier Einheiten innerhalb von 250 Millisekunden. „Wir können nur 4 Dinge innerhalb von 250 Millisekunden erfassen.“ Bei Menschen im Autismus-Spektrum sei dieser Umfang häufig größer; sie nähmen mehr Details gleichzeitig wahr. Das könne Vorteile bringen, führe aber ebenso zu schneller Überforderung.

„Intelligenztests messen möglicherweise gar nicht die Intelligenz, sondern unsere Fähigkeit zu erraten, was man von uns hören will“

Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die Vorstellung von „Normalität“. Zimpel widerspricht der verbreiteten Annahme homogener Gruppen mit einem anschaulichen Modell: Kombiniert man viele unterschiedliche Einflussfaktoren – etwa genetische oder kognitive Merkmale –, entstehen besonders viele Varianten im mittleren Bereich. „Die Gruppe der Normalen ist heterogen“, fasst er zusammen. „Viele denken, […] homogene Gruppen existieren – die existieren nicht.“

Normalität bedeutet demnach nicht Gleichheit, sondern Vielfalt. Daraus ergibt sich eine Konsequenz für Schule: Wenn bereits der Durchschnitt keine einheitliche Gruppe bildet, verlieren standardisierte Erwartungen ihre Grundlage. Unterricht, der sich an einem vermeintlichen „Normalmaß“ orientiert, verfehlt zwangsläufig viele Lernende.

Auch Intelligenztests stellt Zimpel infrage. Sie würden häufig nicht tatsächliche Fähigkeiten messen, sondern die Fähigkeit, Erwartungen zu erkennen. „Das heißt also, Intelligenztests messen möglicherweise gar nicht die Intelligenz, sondern unsere Fähigkeit zu erraten, was man von uns hören will.“

Zimpel begründet diese Kritik mit typischen Aufgabenformaten. So nennt er etwa Zahlenreihen wie „2, 4, 6“ mit der Aufforderung, die nächste Zahl zu ergänzen. Die erwartete Lösung lautet 8 – und nur diese Antwort wird im Test gewertet. Wer hingegen eine andere, ebenfalls logisch begründbare Fortsetzung wählt, erhält keinen Punkt.

Dabei seien alternative Lösungen durchaus möglich. So könne man die Reihe auch als Rechenoperation interpretieren, etwa im Sinne von „2 + 4 = 6“, worauf „6 + 4 = 10“ folgen würde. Eine solche Antwort wäre mathematisch begründbar, entspräche aber nicht der impliziten Erwartung des Tests – und werde daher als falsch bewertet.

Der entscheidende Punkt liegt für Zimpel darin, dass nicht die Qualität des Denkens zählt, sondern die Übereinstimmung mit einem vorgegebenen Lösungsweg. Wer erkennt, welche Regel gemeint ist, erhält die Punktzahl – unabhängig davon, ob andere, eigenständige Denkwege plausibel wären.

Als Gegenakzent zur standardisierten Leistungsbewertung verweist Zimpel auf einen anderen Punkt: „Der Hauptfaktor für Bildungserfolg ist die Selbsteinschätzung“, erklärt er unter Bezug auf die Hattie-Studie.

Was ist damit gemeint? Nicht eine bloße Selbsteinschätzung im Sinne von „Ich bin gut“ oder „Ich bin schlecht“, sondern ein differenziertes Verständnis der eigenen Lernweise. Lernende müssten erkennen, wie sie Inhalte verarbeiten – ob sie eher bildlich, sprachlich oder in Mustern denken, unter welchen Bedingungen sie sich konzentrieren können und welche Zugänge für sie funktionieren.

„Wir brauchen viele Lernwege, um die Potenziale für Intelligenz bei möglichst vielen Menschen zu wecken“

Zimpel beschreibt das als zentrale Voraussetzung für erfolgreiches Lernen: Wer seine eigenen kognitiven Zugänge kennt, kann Lernstrategien entsprechend anpassen. Wer sich hingegen falsch einschätzt – etwa als sprachlich orientiert, obwohl er visuell denkt –, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern, obwohl grundsätzliches Potenzial vorhanden ist.

In diesem Sinne versteht Zimpel Selbsteinschätzung nicht als Ersatz für Leistungsmessung, sondern als grundlegende Bedingung dafür, dass Lernen überhaupt wirksam werden kann. Daraus leitet er eine systemische Konsequenz ab: „Wir brauchen viele Lernwege, um die Potenziale für Intelligenz bei möglichst vielen Menschen zu wecken.“

Für die Praxis bedeutet das eine veränderte Rolle von Schule. Lehrkräfte müssten stärker individuelle Lernwege berücksichtigen und Lernprozesse begleiten. „Lehrerinnen und Lehrer müssen lernen, die Welt möglichst mit den Augen ihrer Schüler*innen zu sehen“, fordert Zimpel. Damit verbindet er eine grundsätzliche bildungspolitische Perspektive. Ein System, das von einheitlichen Lernwegen ausgeht, werde der Vielfalt menschlichen Denkens nicht gerecht. Oder, zugespitzt formuliert: „Wir verlieren unglaublich viele Menschen.“ News4teachers 

Hier lässt sich André Frank Zimpels Vortrag als Podcast hören. 

Deeper Learning: Warum es in der Schule der Zukunft auf ein solides Fundament aus fachlichen Grundlagen ankommt

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Alese20
2 Tage zuvor

Alles, was ich hier lese, ist für mich schlüssig. Allerdings ist unserer Schulsystem dafür garnicht ausgelegt und auch für die LuL nicht leistbar. Unser Schulsystem ist darauf ausgelegt, möglichst vielen SuS gleichzeitig mit möglichst wenig Ressourcen möglichst den gleichen Stoff beizubringen. Das ist nicht deckungsgleich mit diesen Ansprüchen. Leider…

unfassbar
2 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

Mit den zentral gestellten Abschlussprüfungen am Ende der Schulzeit. Wie man den zentral vorgegebenen Stoff in vorgegebener Zeit mit der ganzen Individualität und Heterogenität vereinbaren soll, hat mir auch noch niemand nachvollziehbar erklären oder gar vormachen können.

Rüdiger Vehrenkamp
2 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Da viele Reformer Hausaufgaben und Noten abschaffen möchten, wären Abschlussprüfungen sicher als nächstes dran. Oder jeder schreibt seine individuelle Abschlussprüfung an individuellen Terminen in Fächern, die man mag und für die man sich bereit fühlt.

Katze
2 Tage zuvor

Volle Zustimmung, Herr Vehrenkamp, von Lerncoach Dörte Knölling‑Dingeldei, geborene Daddelmeier‑Flachwasser. Unbedingt sollte jeder seine individuelle Abschlussprüfung an individuellen Terminen in genau den Fächern schreiben dürfen, die er mag und für die er sich spontan bereit fühlt. “Lustbetonung also easy‑peasy” ist schließlich das Zauberwort der Stunde. Wir sollten daher auch die letzten Reste von Verbindlichkeit und Leistungsanspruch feierlich in den pädagogischen Sonnenuntergang verabschieden. Nur ein (Bildungs)system (Unwesentliches schon mal vorsorglich eingeklammert) das sich Schritt für Schritt selbst abschafft, kann sich als höchste Form der Innovation in puncto Chancengerechtigkeit und pädagogischer Selbstveredelung feiern.

Rainer Zufall
1 Tag zuvor

Welche “Reformer” meinen Sie?
Ich denke mal, Sie wärmen jetzt nicht politische Fehlinterpretationen auf, Hattie wolle alle Hausaufgaben abschaffen? 😉

Rüdiger Vehrenkamp
1 Tag zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ich zähle mal Bildungsinfluencer wie Bob Blume und Herrn Schmelzer aus den sozialen Medien mit dazu, die immer wieder davon sprechen, Hausaufgaben und Noten abschaffen zu wollen. Die GEW möchte dies ebenso wie die Partei “Die Linke”. In Gemeinschaftsschulen ist dies oft bis Klasse 9 bereits der Fall. Hier geht es also um eine ganz klare Reformströmung. Also tun Sie doch nicht so, als gäbe es diese Bestrebungen nicht.

Rainer Zufall
7 Stunden zuvor

Herr Blume hat da wohl eine deutliche Haltung, dass Hausis in Zeiten von KI und Elternhäusern, die nicht immer unterstützen (können), sich verändern müssen.
Welcher “Bewegung” folgen Sie, um die Potenziale neudodiverser Kinder zu entfalten? Herr Blumes kleine Bewegung scheint da eine Vorstellung zu haben (https://www.swr.de/swrkultur/wissen/neurodivergente-kinder-begleiten-saskia-niechzial-100.html) 😉
Was ist Ihre?

Rainer Zufall
1 Tag zuvor
Antwortet  unfassbar

Muss ein Geheimnis sein, wie es Nachbarländer mit solchen Systemen bzw. Schulen wie die Alemannenschule hinbekommen. Vielleicht sollte n4t mal… ACHJA!

https://www.news4teachers.de/2024/03/lehrerausbildung-taugt-nicht-fuer-zeitgemaesse-schule-stefan-ruppaner-schulleiter-der-alemannenschule-wutoeschingen-im-interview/#comment-581967
Folgt nun wiedermal eine Ausweichdiskussion über Migrant*innen? 😉

Rüdiger Vehrenkamp
1 Tag zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Bekommen es Nachbarländer denn hin? Sie machen es einfach, sind damit aber nicht unbedingt erfolgreicher als Deutschland. Den Ruf nach Überforderung gibt es auch aus den Nachbarländern. Am erfolgreichsten sind im internationalen Vergleich Schulen aus Asien, die in erster Linie auf Druck und Drill setzen. Dann sollten wir uns wohl an denen ein Beispiel nehmen.

Und da Sie die Alemannenschule ansprechen: Die siebt jeden aus, der nicht mit dem offenen Konzept vor Ort klarkommt und empfiehlt ihn an Regelschulen mit normalem Konzept. Von den finanziellen Umsetzungsmöglichkeiten vor Ort fange ich gar nicht erst an. Dazu bedarf es auch keiner Ausweichdiskussionen, sondern einem klaren Blick. Der reicht.

Rainer Zufall
7 Stunden zuvor

Auf welche Länder/ Schulen in Asien beziehen Sie sich da?

“Und da Sie die Alemannenschule ansprechen: Die siebt jeden aus, der nicht mit dem offenen Konzept vor Ort klarkommt”
Quellen dazu?

Rüdiger Vehrenkamp
2 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Eine simple Googlesuche reicht, um zu sehen, dass es Länder wie Südkorea, Taiwan und China sind, die in Sachen Bildung ganz vorne liegen.

Eine entsprechende Quelle zur Alemannenschule (leider hinter der Paywal) finden Sie unter https://www.welt.de/iconist/familie/plus255404616/Alternatives-Lernkonzept-Schule-ohne-Unterricht-Wie-ein-Lehrer-das-Lernen-revolutioniert.html

Natürlich posaunt man nicht lautstark heraus, dass es Kinder gibt, die dann gehen müssen – welche Schule tut das schon? Herr Rupanner ist immer noch als honorarbasierter Schulentwickler/Dozent an Schulen in Deutschland unterwegs. Zwar hatte nicht ich selbst das Vergnügen, mit ihm persönlich zu sprechen, aber einige mir bekannte Schulleiter hatten ihn bereits zu Gast. Im Gespräch gibt er offen zu, dass jedes Kind gehen muss, das mit dem komplett intrinsisch gesteuerten Lernen nicht klarkommt und dass in Wutöschingen am Ende auch nur mit Wasser gekocht wird. Wie kommt Ihrer Meinung nach sonst eine Oberstufe zustande, die gerade mal um die 20 Schüler umfasst?

Rainer Zufall
1 Tag zuvor
Antwortet  Alese20

Wenn es Lehrkräfte wie Sie es so sehen,
zunehmend mehr Schüler*innen nicht mehr in das alte System “passen” und das System selbst an seine Grenzen stößt…
Vielleicht sollten wir von dieser Gewohnheit – mehr ist es kaum noch – loslassen und uns endlich in Richtung des 21. Jahrhunderts aufmachen

Rüdiger Vehrenkamp
1 Tag zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Sich Richtung des 21. Jahrhunderts aufzumachen heißt neuerdings offenbar auf jegliche Leistung zu verzichten, Schulen zu Therapiezentren umzugestalten, jeden Schüler im Lernatelier an einem iPad einfach wurschteln zu lassen, wie es gerade am besten zur jeweiligen Befindlichkeit passt und dabei zu hoffen, dass es wohl irgendwie gut gehen wird. Hauptsache, wir haben das System geändert.

Rainer Zufall
7 Stunden zuvor

“heißt neuerdings offenbar auf jegliche Leistung zu verzichten”
das ist Ihre Meinung, können Sie diese auch belegen?
Im Artikel geht es ja darum, neurodiverse Kinder zur Leistung zu ermächtigen, da finde ich Ihre Behauptung schon stark ^^

Rüdiger Vehrenkamp
2 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Seit wann muss man Meinungen belegen? Davon abgesehen sinken die Niveaus seit Jahren tiefer und tiefer, immer weniger Leistung kann folglich abgerufen werden und der Ruf, Noten abschaffen zu wollen, passt dabei hervorragend ins Bild.

Pete
18 Stunden zuvor
Antwortet  Alese20

Genau, diese Kinder die erstmal mit der Hand auf den Tisch knallen und aktivieren, oder so ähnlich steht es in dem Artikel, kenne ich. Aber was folgt jetzt daraus? Die Schule kann es nicht leisten für jede Neudivergenz, äh Neurodivergenz einen Raum + Lehrkraft zu Verfügung zu stellen.
Man muss auch nicht so tun als wären die Erkenntnisse neu. Es kollidiert zur Zeit jedoch dem der Inklusion und dem Anspruch dahinter immer alles richtig machen zu müssen und die Moralischen zu spielen.
Dadurch dieses Chaos an den Schulen, diese Absurditäten, weil moralisch aufgeladene , aber unerfüllbare, “Forderungen” die deutsche (Schul-)poltik bestimmen.
Zur Handreichung und Selbstreflexion:

Drama triangle

https://www.youtube.com/watch?v=Fvri8awGTgQ

Unfassbar
2 Tage zuvor

In letzter Konsequenz müsste man dann auch die halbwegs vorhandene Homogenität bei den fachlichen Kenntnissen der Ärzte und Ingenieure abschaffen. Möchte man das? Vermutlich nicht.

Homogenität bezogen auf einen Wertekompass und den Umgang miteinander wäre aber wieder erstrebenswert. Möchte man aber auch nicht oder zumindest nicht so, wie es zu einem westlich orientierten modernen Staat passt.

Susanne M.
1 Tag zuvor
Antwortet  Unfassbar

Die Heterogenität bezog sich, soweit ich verstehe,nicht so sehr auf die Inhalte wie auf die Zugänge dazu. Das heißt, dass der Arzt Symptome kennen und Krankheiten zu

Susanne M.
1 Tag zuvor
Antwortet  Unfassbar

Entschuldigung….der Post wurde abgesendet, ich war noch nicht fertig: …zuzuordnen hat, ist als Anforderung gleich,nur wie er sich die Symptome beibringt, ist verschieden ( und wer weiß, vielleicht entdeckt er auch ungeahnte Zusammenhänge)

Rainer Zufall
1 Tag zuvor
Antwortet  Unfassbar

“In letzter Konsequenz müsste man dann auch die halbwegs vorhandene Homogenität bei den fachlichen Kenntnissen der Ärzte und Ingenieure abschaffen.”
Ja, wenn man nicht verstanden hat, um was es geht.

Naja, manche wollen sich ja auch nicht aus “Sorge” von Frauen, PoC oder Medinziner*innen mit Migrationshintergrund behandeln lassen…

Wenn Sie jemals auf medzininische Versorgung durch neurodiverse Ärzt*innen sein, die im Gegensatz zu uns beiden das Medizinstudium wuppten, geben Sie Ihrem Fortleben diese Chance 😉

unfassbar
20 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Sie wissen, dass “neurodivers” in dem Artikel nicht so gemeint ist, dass das Medizinstudium trotzdem regulär geschafft werden kann?

Rainer Zufall
7 Stunden zuvor
Antwortet  unfassbar

Sie meinen, die Menschen im Artikel schließen das Medizinstudium für alle (!) neurodiverse Menschen kategorisch aus bzw. wollten die medizinischen Standards senken?

Wie ich es verstand, geht es um das nutzen von Potenzialen, die in einem System von vor 50 Jahren zugundesten einer gefühlten “Homogenität” nicht (immer) ausgeschöpft wurden, was wir uns heute nicht mehr leisten können. Aber wenn Sie meinen, Menschen mit bspw. ADHS sollen Sie nicht behandeln dürfen – trotz bestandener Prüfungen, die eben nicht abgesenkt wurden, wie hier sich alle gerne aus den Fingern saugen, dann gerne – dann gerne, mehr Behandlungstermine für den Rest 😛

Canishine
2 Tage zuvor

„Lehrerinnen und Lehrer müssen lernen, die Welt möglichst mit den Augen ihrer Schüler*innen zu sehen“
Es ist also möglich, die Denkweise und Auffassungsweise des Anderen nachzuvollziehen? Obwohl die Gehirne so unterschiedlich sind? Und das in einem Maße, dass ich sogar den Anderen darin unterstützen kann, seine höchstindividuelle, neurodiverse Auffassungsweise zum Erfolg zu führen? (Und das bei 150 Schülerinnen und Schülern, Tausenden im Berufsleben.) Es ist doch erstaunlich, zu welchen Universalleistungen das menschliche Gehirn so alles fähig ist!

unfassbar
2 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

Sie meinen sicherlich das Lehrergehirn aus Sicht der Elfenbeinwissenschaftler und Bildungspolitiker in der KMK.

Rüdiger Vehrenkamp
2 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Was ist eigentlich mit neurodiversen Lehrkräften? Falls es die gibt, sollten diese als logische Konsequenz nur jene Schüler unterrichten müssen, für die sie sich bereit fühlen. Und wenn es zu laut werden sollte, haben alle anderen am Schulleben Beteiligten Rücksicht darauf zu nehmen.

Wenn ich die neurodivergente Karte ausspiele, gehe ich als Sozialarbeiter auch nur noch in Familien, die keine Probleme machen 🙂

Susanne M.
1 Tag zuvor

Es gibt leider zu wenige neurodiverse Lehrkräfte. Und auch wenig Behinderte.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Tag zuvor
Antwortet  Susanne M.

Das mag auch seine Gründe haben, wenn sie nicht den Anforderungen entsprechen, die der Beruf nun mal erfordert. Das gilt für jeden Beruf und im weiteren Sinne auch für Schule und Bildung. Ich wäre ebenfalls nicht für jeden Beruf geeignet, selbst wenn ich mir das ganz fest und unbedingt wünsche, da ich kognitive und körperliche Grenzen habe.

Rainer Zufall
1 Tag zuvor
Antwortet  Susanne M.

Oder PoC oder welche mit Migrationshintergrund oder männliche an Grundschulen…
Darf aber nicht an einem veralteten System liegen, alle anderen müssen schuld sein! So lese ich es zumindest von all den Lehrkräften online, die täglich darüber klagen, überfordert zu sein 😛

Rüdiger Vehrenkamp
23 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Sprechen Sie mal mit Ihren Kollegen an Gemeinschaftsschulen, die in weiten Teilen viele Reformideen bereits umsetzen. Die sind ob der Heterogenität, der ganzen Lernwege jedes einzelnen Schülers und der ständigen Coachings, sowie dem umfangreichen Erstellen von Lernentwicklungsberichten oft noch mehr überfordert als Lehrkräfte an Grundschulen, Werkrealschulen, Realschulen und Gymnasien.

Rainer Zufall
7 Stunden zuvor

Mit wem Sie sich alles repräsentativ unterhalten – erstaunlich 😀

Und an diesen anderen Schulen sollen Ihrer Meinung (!) nach die Schüler*innen weniger heterogen sein?
Dass sollten Sie Lera schreiben (“Impliziert wird, dass Lehrer denken: „Alle Schüler funktionieren identisch, also muss ich nur einem Lernweg anbieten – wie praktisch.“”) oder wie gehen die von Ihnen genannten Schulen mit der gleichen Heterogenität um?

Rüdiger Vehrenkamp
2 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Sie selbst scheinen ja nicht viel um die Häuser zu kommen. Machen Sie sich die Mühe und reden Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen. Sie wären ob der Erkenntnisgewinne bestimmt überrascht.

Andere Schulen gehen genauso mit der Heterogenität um, wie Gemeinschaftsschulen: Im Grund mit der absoluten Überforderung, keinem Kind mehr gerecht zu werden, weil man in einem Klassenzimmer statt einer Niveaustufe alle Niveaustufen sitzen hat. Einzig das Gymnasium kann nach der Orientierungsphase noch abstufen. Die Klassen werden zur Mittelstufe hin homogener und somit leichter händelbar. Lehrkräfte an den anderen Schularten versuchen dann noch immer vom Förderschüler bis hin zum Gymnasiasten alle irgendwie unter einen Hut zu bekommen.

potschemutschka
1 Tag zuvor
Antwortet  Susanne M.

Sind Sie da sicher? Auch Lehrer ticken sehr verschieden. DAS wäre doch mal eine wissenschaftliche Studie wert: Wie neurodivergent ist das gesamte Schulpersonal? Da findet man bestimmt viel Interessantes. Man könnte das dann noch nach Schulart und Fächerkombination aufschlüsseln. Mich würden die Ergebnisse sehr interessieren. 🙂

Gelbe Tulpe
1 Tag zuvor
Antwortet  Susanne M.

Echt? Also ich halte gut ein Viertel der Kollegen für Adhsler und/oder Autisten.

unfassbar
20 Stunden zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Eine gesunde Portion Asperger-Autismus halte ich für sinnvoll. Der ordnet das Gehirn, vermindert Rudelkonformität, sorgt für eigenständiges Denken, macht rational, ignoriert übertrieben starke Fühlis usw.

447
1 Tag zuvor
Antwortet  Susanne M.

Tut mir (nicht) leid, die Vorlage ist zu gut:

…also brauchen wir definitiv mehr davon!

Bla
1 Tag zuvor

“Was ist eigentlich mit neurodiversen Lehrkräften? Falls es die gibt”

Klar gibt es die …

“sollten diese als logische Konsequenz nur jene Schüler unterrichten müssen, für die sie sich bereit fühlen.”

Das wäre generell ein “Optimalzustand”, oder nicht?
Man sucht sich ja auch in der Regel seine “Fachrichtung” und “Schulart” aus.
Auch das “kreist den Rahmen ein”.

“Und wenn es zu laut werden sollte, haben alle anderen am Schulleben Beteiligten Rücksicht darauf zu nehmen. ”

Dazu braucht es Erkenntnis. Geht mal besser und mal schlechter.
Meine SuS [Klassenleitung] wissen, dass ich neurodivergent bin.
Trotzdem ist Schule eben Alltag. Kommen viele Menschen zusammen. Haben viele unterschiedliche Bedürfnisse.
Nur als Lehrer/Erwachsener mit Jahrzehntelanger Erfahrung “im Leben” und mehr “Reflexion/Bewusstsein” kann ich hier eben auch anders agieren als SuS, welche sich dessen gar nicht bewusst sind.

“Wenn ich die neurodivergente Karte ausspiele, gehe ich als Sozialarbeiter auch nur noch in Familien, die keine Probleme machen ”

Oder man bekommt “andere neurodivergente Fälle”, da man als neurodivergente Person normalerweise oft einen anderen Zugang hier hat. Von “Entmasking” bis hin zum “eigenen Handeln”.
Beispielsweise haben bei mir A-S-S SuS usw. anscheinend keine/weniger Meltdowns usw., weil ich das als Lehrer selbst so runterregulieren muss, dass ich (selbst) nicht “in Meltdown” gehe. Zwangläufig werde ich hier Strukturen und Ebenen schaffen (müssen) – oder ich “schaffe” den Schulalltag gar nicht. Ergebnis wäre dann nahezu zwangsläufig der “Burnout”.
Was wäre die Alternative? Dass man hier “verschleißt”? Kann man machen. Ist es sinnvoll?

Also doch … Wo andere LuL durchaus starke Probleme mit bestimmten “Clientels” haben, ist das bei mir wohl anders. Dafür habe ich in anderen Situationen eben “mehr Struggle” als viele KollegInnen.

Aber das Schulsystem basiert halt nicht darauf. Daher muss man sich anpassen/”maskieren”. Das ist auch bis zu einem bestimmten Bereich tragbar und “normal”. Geht SuS so. Geht LuL so.

Also auch hier … Was genau traut man sich denn zu? Mit ADHS/AuDHD usw. “will” ich vielleicht sogar “die Herausforderung”. Daher die schwierigeren Fälle. Kann man also nicht pauschalisieren.
Mit Aphantasie und Anauralie kann ich durchaus im “Traumabereich” und “Angstbereich” eventuell sinnvoller eingesetzt werden. Warum? Weil ich eben “keine Bilder” im Kopf habe. Ich kann nicht “mittraumatisiert durch Bilder im Kopf” werden. Ich reagiere dann auch weniger “emotional” “mitfühlend” auf die Sache. Sondern ggf. “Lösungsorientierter” durch Strukturdenken und Transfer etc.
Warum? Weil ich so “Denke” – das ist meine neurologische Biologie.

Und wenn man das erkennt … Dann merkt man, wie viel Potential wir (eigentlich) “liegen lassen”. Auf allen Seiten.

potschemutschka
1 Tag zuvor
Antwortet  Canishine

“Es ist also möglich, die Denkweise und Auffassungsweise des Anderen nachzuvollziehen?”
Ja, das ist wohl so! Hier bei n4t liest man ja auch immer Kommentare von Menschen, die ganz genau wissen, wie andere Menschen sich fühlen, leb(t)en, denken … obwohl sie nicht einen einzigen Schritt in den Mokassins der Betroffenen gegangen sind. Bestes Beispiel dafür sind einige Kommentare zum Leben und Arbeiten in der DDR von westsozialisierten Menschen. 🙂

Rainer Zufall
7 Stunden zuvor
Antwortet  potschemutschka

“Bestes Beispiel dafür sind einige Kommentare zum Leben und Arbeiten in der DDR von westsozialisierten Menschen.”
Die pro Grundgesetz und gegen Angriffskriege mit gezielten Beschuss der Bevölkerung? Warten wir erstmal ab, ob es einen Unterschied, WENN Sie sich eines Tages mal zu Putins Krieg äußern 😉

Monika, BY
2 Tage zuvor

“Dabei seien alternative Lösungen durchaus möglich. So könne man die Reihe auch als Rechenoperation interpretieren, etwa im Sinne von „2 + 4 = 6“, worauf „6 + 4 = 10“ folgen würde. Eine solche Antwort wäre mathematisch begründbar, entspräche aber nicht der impliziten Erwartung des Tests – und werde daher als falsch bewertet.”

“Der entscheidende Punkt liegt für Zimpel darin, dass nicht die Qualität des Denkens zählt, sondern die Übereinstimmung mit einem vorgegebenen Lösungsweg. Wer erkennt, welche Regel gemeint ist, erhält die Punktzahl – unabhängig davon, ob andere, eigenständige Denkwege plausibel wären.”

Und deshalb lernen die Schülerinnen und Schüler nur noch auswendig. Das nennen wir dann Bildung. Die Schulnoten sind im Grunde wertlos. Sie bewerten oft nur noch, wie gut ein Schüler die Erwartungen der Lehrkraft getroffen hat.

So oft hören die Kinder bei Projekten von Lehrern den Satz: „Ach, ich hatte mir das eigentlich ein bisschen anders vorgestellt.“ Das heißt im Klartext: Die Schüler müssen den Lehrern die Gedanken lesen und vor allem deren persönliche Erwartungen erfüllen – ganz gleich, ob bei Tests, Projekten oder mündlichen Prüfungen. Dabei ist es völlig nebensächlich, ob ein Schüler in Wirklichkeit eine viel bessere Debatte oder ein deutlich besseres Englischprojekt geliefert hat und dabei sogar wesentlich besser Englisch spricht als derjenige, der genau das abgeliefert hat, was der Lehrer persönlich erwartet hat.

Lera
2 Tage zuvor
Antwortet  Monika, BY

Da sitzt der Frust aber sehr tief.

Eventuell waren Ihre Ambitionen einfach zu hoch?

Fräulein Rottenmeier
2 Tage zuvor
Antwortet  Lera

Der sitzt bei Monika schon seit Jahren sehr tief…..

Gelbe Tulpe
1 Tag zuvor
Antwortet  Lera

Unrecht hat sie leider nicht. Einige Kollegen mangelt es leider wirklich an Intelligenz und verstehen manche Schüler, die klüger sind, nicht.

Rüdiger Vehrenkamp
2 Tage zuvor

Inzwischen darf sich ja jeder als neurodivergent bezeichnen – ich bin es vielleicht sogar auch, wer weiß? Neurodivergenz ist der ideale Trend, um jegliches Verhalten zu erklären und sich nirgends mehr anpassen zu müssen. Natürlich sind Gehirne ebenso unterschiedlich wie Körper. Beides kann ich trainieren, wenn ich denn möchte. Wenn ich gut im Schwimmen sein will, muss ich das trainieren. Wenn ich gut im Fußball sein will, muss ich das trainieren. Und nur, weil ich mich als körperdivergent bezeichne, werde ich trotzdem nicht beim FC Bayern München in der Startelf stehen. Das heißt: Nicht die Sportart muss sich an den Menschen anpassen, sondern der Mensch an die Sportart. Von Schule erwartet man immer, sich an jedes Individuum anpassen zu müssen. Das ginge allenfalls mit einem gehörigen Personalaufwand, sodass bloß jede Befindlichkeit abgedeckt werden kann. Utopisch. Spätestens nach der Schule ist dies sowieso vorbei. Man stelle sich einen Polizisten vor, der aufgrund seiner Neurodivergenz plötzlich nicht mehr raus in den Einsatz kann, weil er kein Blaulicht erträgt. Muss man dann die Streifenwagen mit roten Signalleuchten ausstatten? Der Schreiner mit Holzallergie kann auch nicht nur mit Plastik hantieren. Die freie Wirtschaft ist ein Konkurrenzkampf – und dann sind die Neurodivergenten plötzlich überrascht, dass nicht mehr jeder Rücksicht auf ihre Befindlichkeiten nimmt und Anpassung verlangt wird.

Unser Schulsystem ist nicht perfekt, dessen bin ich mir bewusst. Aber es hat über Jahrzehnte so gut genug funktioniert, sodass jedes Kind entsprechend seiner Fähigkeiten seine Nischen gefunden hat. Heute soll jeder auf Teufel komm raus aufs Gymnasium. Alle Bedürfnisse sollen bitte jederzeit befriedigt werden. Das System soll sich an jedes Individuum anpassen, während man zeitgleich keinerlei Anpassung mehr erwarten darf. Für eine funktionierende Gesellschaft ist dies eine Bankrotterklärung.

Lera
2 Tage zuvor

Und für unsere Gesellschaft?

447
1 Tag zuvor
Antwortet  Lera

…ist es fie ligische Fortentwicklung der “Zauberwald”-Denke:
Realität wird mit “Stärke der Emotion” verwechselt und (noch) verfügbare Ressourcen so lange reingebuttert um die Differenz auszugleichen…bis es sich halt “aus-geht”.

Bla
1 Tag zuvor

Ist ist das “sowohl als auch”. Denken Sie mal drüber nach.

Optimalerweise ist es ein “Angleichen”.
Aber “nur eine Seite” ist in der Regel immer “eher nicht sinnvoll”.

Jens
2 Stunden zuvor

Ehrlich gesagt finde ich diese Argumentation ziemlich problematisch.

Zu behaupten, Neurodivergenz sei ein „Trend“, um sich nicht mehr anpassen zu müssen, geht völlig an der Realität vorbei. Das ist kein Lifestyle-Phänomen, sondern es geht um neurobiologische Fakten. Diese als bloße „Befindlichkeiten“ abzutun, ist eine bequeme Art, sich der ernsthaften Auseinandersetzung mit Diversität zu entziehen.

Auch der Vergleich mit dem Profisport hinkt vorne und hinten. Die Schule ist kein reiner Selektionsbetrieb wie der FC Bayern, wo nur die „Startelf“ zählt. Der staatliche Bildungsauftrag ist es, jedem Kind Teilhabe zu ermöglichen und Potenziale zu entfalten – nicht, eine Elite für einen Konkurrenzkampf auszusieben und sich nur auf diese Elite zu konzentrieren. Wer Bildung mit der Logik eines Bundesliga-Clubs verwechselt, hat das Ziel von Schule grundlegend missverstanden.

Und dann diese Beispiele mit dem Polizisten oder dem Schreiner – das ist so unglaublich polemisch.
Niemand verlangt, dass ein „Blaulicht-empfindlicher“ (woher nehmen sie so ein verrücktes Beispiel?) Mensch zur Streife geht. Aber es wird so getan, als sei jede kleinste Anpassung im System gleich eine „Utopie“.

In Wahrheit werden hier Extrembeispiele herangezogen, um notwendige Veränderungen im Keim zu ersticken.
Was mich aber am meisten stört: Es sind genau diese Scheinargumente, die jeglichen Fortschritt blockieren.
Wir haben Lehrkräfte, die ihre Zeit und Energie darauf verwenden, den Status quo mit solchen verrückten Vergleichen zu verteidigen, anstatt gemeinsam an Verbesserungen zu arbeiten. Diese Blockadehaltung verschwendet wertvolle Ressourcen und sorgt für Frust im Kollegium.
Ihr Kommentar bestätigt meine Beobachtungen nach 6 Jahren Schuldienst. Wir haben zu viele Kollegen, die bei Schulentwicklungsaufgaben durch Scheinargumente blockieren. Diese Kollegen führen in Arbeitszusammenhängen dann gerne ausführlich aus, warum irgendwas nicht geht. Dann vergeht die Zeit, notwendige Änderungen zu besprechen und die Umsetzung zu planen. Sie verhindern dadurch den Kern der Arbeit von Lehrkräften: das Lernen für die Schüler so zu organisieren, dass es in der heutigen Welt funktioniert.
Das ist eine Bankrotterklärung. Ich bin auf ihre Antwort gespannt.

Monika, BY
2 Tage zuvor

Es ist tragisch, dass Kinder schon in der Grundschule dazu gedrängt werden, Inhalte mit eigenen Worten wiederzugeben und dann auf Tests Punkte verlieren, wenn sie genau das tun. Die volle Punktzahl bekommen oft nur die Schüler, die den Satz wortwörtlich aus dem Heft zitieren. Und das Schlimmste ist, dieser Trend setzt sich bis zum Abitur fort.

Lera
2 Tage zuvor
Antwortet  Monika, BY

Viele haben große Ambitionen, was ihre Kinder betrifft.

Viele sind zum Gymnasium gekommen.

Aber nur wenige sind berufen.

Das schmerzt natürlich.

Kopf hoch, im Handwerk braucht man auch fähige Leute.

Rüdiger Vehrenkamp
2 Tage zuvor
Antwortet  Monika, BY

Sorry, aber das ist Quatsch. Bei meinen Kindern ging es in der Schule bei durchaus empathischen Lehrkräften immer um mehr als die Wiedergabe von Inhalten.

laromir
1 Tag zuvor
Antwortet  Monika, BY

Keine Ahnung, wie das bei Ihnen da so läuft, aber wer den Text nur abschreiben kann und keine eigenen Worte für den Inhalt findet, der bekommt eigentlich keine Punkte. Es sei denn, die Aufgabe heißt: Schreibe den Text ab! Kommt dann eher selten vor. Aber manchmal lassen die SuS einfach den halben Inhalt weg, vielleicht meinen Sie ja das. Dann bekommt man eben nur die halbe Punktzahl. Das hat aber nichts mit abschreiben zu tun, sondern mit Vollständigkeit.

Lera
2 Tage zuvor

Achtung:

Hier geht es mal wieder um die „gängigen Vorstellungen“ von … irgendwem, der nicht genannt wird.

—> Pappkamerad

Impliziert wird, dass Lehrer denken: „Alle Schüler funktionieren identisch, also muss ich nur einem Lernweg anbieten – wie praktisch.“

Ignoriert wird (das ist das gängige Schema von Artikeln zu gängigen Vorstellungen), dass die real existierende Schule eine MASSENVERANSTALTUNG ist. Und absehbar bleiben wird.

Das kann der geneigte Laie mit gängigen Vorstellungen auch daran erkennen, dass in einer Klasse 20-30 Kinder sitzen, aber nur 1 Lehrer. (Das ist weniger.)

Das bedeutet:

Im DURCHSCHNITT sind es 25 Kinder.

Es sind aber nicht in jedem Fall 25.

Manchmal sind es auch 22. Oder 28.

Ich hoffe, ich habe das ausführlich genug erklärt, damit es auch der geneigte Laie mit gängigen Vorstellungen noch verstehen kann.

Der gelbe Ball am Himmel wird übrigens „Sonne“ genannt.

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  Lera

Das größte Problem dabei ist ja, dass alle diese 28 SuS gleichzeitig im selben Raum sitzen müssen und in einem Fach von einer Lehrkraft unterrichtet werden, die ihnen die UV und der Stundenplan aufzwingen.

HarneEinrichson
1 Tag zuvor
Antwortet  Lera

Und man stelle sich vor, dieser “gelbe Ball” hat die Intensität seiner Strahlen nicht an xy Planeten angepasst, sondern die Planeten bzw die Lebewesen auf ihnen haben gelernt sich an diesen “gelben Ball” anzupassen

Rainer Zufall
1 Tag zuvor
Antwortet  Lera

“Impliziert wird, dass Lehrer denken: „Alle Schüler funktionieren identisch, also muss ich nur einem Lernweg anbieten – wie praktisch.“”
Das Schulsystem arbeitet mit altershomgenen Gruppen und wenn Sie sich im Forum umschauen, werden Sie regelmäßig auf die Vorstellung von bzw. den Wunsch nach “homogen Gruppen” lesen, welche angeblich durch “neue”Bildungspolitik gefährdet werden.
https://www.news4teachers.de/2026/04/homogene-gruppen-existieren-nicht-warum-neurodiversitaet-das-bildungssystem-grundlegend-infrage-stellt/#comment-795809

Aber diese würden garantiert nicht auf Strohmännee zurückgreifen, weil es ihnen an echten Argumenten mangelt 😉
https://www.news4teachers.de/2026/04/homogene-gruppen-existieren-nicht-warum-neurodiversitaet-das-bildungssystem-grundlegend-infrage-stellt/#comment-795824

Bla
1 Tag zuvor
Antwortet  Lera

Und warum “schicken” wir dann manche SuS mit “mehr Förderung” hier ins Rennen und andere mit weniger?

Sie würden doch zu einem Rollstuhlfahrer auch nicht sagen: Passen Sie sich doch mal an … Stehen Sie einfach auf.
Das erwartet man hier. Mal mehr und mal weniger “natürlich”.
Beim Rollstuhlfahrer ist es klar und ersichtlich. Gut.
Warum bei psychischen Sachen nicht ausbauen?

Mir ist völlig bewusst, dass das “im System” nicht vollumfänglich machbar ist. Da fehlen wiederum schon die Grundbedingungen, welche ich immer wieder anführe.
Aber doch kann man sich individuell dessen etwas “bewusster werden” denke ich.

Beim Schwimmen “trennen” Sie doch auch “Nichtschwimmer” und “Schwimmer” beispielsweise. Oder werfen Sie hier alle in tiefes Gewässer? Wäre das der Ansatz … Paar werden schon sich über Wasser halten können. Rest hat sich eben nicht angepasst.
Gut.

Sepp
20 Stunden zuvor
Antwortet  Bla

Eine durchschnittliche Klasse sollte von der Leistung in einem vergleichbaren Bereich sein. Alle Kinder können grundsätzlich laufen oder schwimmen, um bei ihren Bildern zu bleiben – wenn auch unterschiedlich gut.
Wir könnten mit ihnen eine Wanderung machen, alle können mitkommen, manche etwas schneller, manche etwas langsamer, für einige ist es entspanner, für andere anstrengender. Im Wasser wird niemand ertrinken, aber man kann grundsätzlich mit den Kids daran arbeiten, ihre Schwimmtechnik zu verbessern.

Andere Kinder können vielleicht noch nicht schwimmen oder laufen, aber man kann es ihnen beibringen. Insofern bringt es nichts, sie auf nicht-rollstuhlgerechte eine Wanderung mitzunehmen oder ins tiefe Wasser zu werfen.
Sie müssen das Schwimmen vielleicht noch mal im flachen Wasser lernen, auch wenn sie ihren Schwimmkurs (oder die Klasse) dafür wiederholen müssen.

Dann wiederum haben wir Kinder, die nie in der Lage sein werden, kognitive Leistungen auf einem bestimmten Level zu erbringen. Das ist so wie ihrem ihrem Rollifahrer, der nie laufen wird.

Wenn es genügend Personal gibt, kann man mit den guten Schwimmern ins tiefe Wasser gehen und einzelne Personen bleiben im Flachwasser. Auf der Bergwanderung nimmt jemand mit einzelnen Kindern die Seilbahn, während die anderen Kinder den Berg hoch wandern und an ihre Grenzen gebracht werden.

In Gesamtschulen wird aber heute eher erwartet, dass eine Lehrkraft mit den starken Schülern vorneweg maschiert, sie zu Bergwanderern macht, die langsamen Schüler hinten anschiebt und gleichzeitig mit den eingeschränkten Kindern in der Seilbahn sitzt.

Fräulein Rottenmeier
2 Tage zuvor

„So könne man die Reihe auch als Rechenoperation interpretieren, etwa im Sinne von „2 + 4 = 6“, worauf „6 + 4 = 10“ folgen würde„

Und wie leite ich mir 2 und 4 her nach diesem System? Erhellt mich, denn alle Zahlen einer Reihe müssten ja nach diesem System logisch herleitbar sein…..

Canishine
2 Tage zuvor

Für mich ist eigentlich hier die Frage, was diese Zweifel an der Aussagekraft von Intelligenztests für die großen Hoffnungen, die in standardisierte Kompetenztestungen und Datenerfassung gesetzt werden, bedeuten.

Lera
1 Tag zuvor
Antwortet  Canishine

Nee, Kontext beachten:

Leistungserhebungen der Lehrer für pädagogische Zwecke sind böse und gemein und traumatisierend und subjektiv.

Vergleichsarbeiten für den bildungs-industriellen Komplex sind hingegen alternativlos, großartig, objektiv sowie glänzend, matt und transparent.

unfassbar
1 Tag zuvor

mathematisch kann man einfach eine Folge basteln mit a_1=2, a_2=4, a_3=6 und a_4=jede beliebige reelle Zahl. Je nach vorgegebener Zahl wird das Gesetz sehr komplex, aber es existiert. Versuchen Sie, es für a_4=pi mal herzuleiten. CAS ist erlaubt, aber nicht notwendig.

Fräulein Rottenmeier
1 Tag zuvor
Antwortet  unfassbar

Hey, ich bin ein Primimäuschen…..Glauben Sie wirklich, dass ich da folgen kann?
Sagen Sie jetzt nicht, dass man als Grundschul LK jetzt auch noch ordentlich Mathematik studieren muss, um den Ergüssen von Grundschulkindern folgen zu können….also natürlich nur den neurodivergenten…. 🙂

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  unfassbar

Schön ist auch 2hochn, wobei n >=0 ist.

HarneEinrichson
1 Tag zuvor

Die ersten 2 Zahlen müssen bei einer Folge die 2 Zahlen addiert vorgegeben sein.

Fräulein Rottenmeier
1 Tag zuvor
Antwortet  HarneEinrichson

Aha….gut zu wissen…..aber ist das wirklich so?

Bla
1 Tag zuvor

Es handelt sich um Reihen. Daher gibt es einen Ausgangspunkt + die Zahl der Reihensteigerung und das Folgeergebnis:

2 als Ausgangspunkt + 4 als Zahl der Reihensteigerung = Ergebnis
2 + 4 = 6
6 + 4 = 10
Logischerweise dann als Reihensteigerungswert +4:
10 + 4 = 14
14 + 4 = 18

Dementsprechend könnte man auch mit: a_n = a1 + (n-1) * d
Als Formel hantieren.
Also a_n als als Ergebnis und Schritt
a1 als Ausgangspunkt/Standardwert 2
n eben als Schritt
d als Differenz
1. Schritt: 2 + (1-1) * 4 = 2
2. Schritt: 2 + (2-1) * 4 = 6
3. Schritt: 2 + (3-1) * 4 = 10
4. Schritt: 2 + (4-1) * 4 = 14
123. Schritt: 2 + (123-1) * 4 = 490

Das wäre eine Möglichkeit.

Man kann auch beispielsweise die Folgeergebnisse erschließen:
2, 6, 10, 14, 18 …
Dann eben auf die gleiche Formel kommen.

(2 + 4) = 6
6 + 4 = ((2 + 4) + 4) = 10
10 + 4 = ((2 + 4 + 4) + 4) = 14
Auch das ginge.

Oder Fibonacci
2 + 2 = 4
2 + 4 = 6
4 + 6 = 10
Weiter ginge es dann eben mit:
6 + 10 = 16
10 + 16 = 26
16 + 26 = 42

Und hier hätte man dann schon eine “Abweichung der weiteren Reihe”.
Also “sowohl oben” als auch “unten” würde bei “Setzen Sie die Reihe fort” stimmen. Beides wäre möglich.
Wenn man jetzt als Lehrkraft [oder Lösungsbuch] nur eines von beiden “als richtig sieht”, dann wäre das eben falsch. Weil beides richtig sein kann und richtig ist in dem Fall.
Und was der SuS [oder ob überhaupt etwas] sich dabei dachte und “welches System nutzte” [oder überhaupt eines] … Bleibt erstmal ohne Begründung/Rechnung/Formel offen.

Ich denke mal, dass es darum ging/geht als Beispiels.

Man könnte hier wohl/wahrscheinlich (?) auch in “Standard 2” eben denken und “mitziehen”:
2 + 4 = 6
6 + 4 = 10

6 – 4 = 2
6 – 2 = 4
2 + 2 = 4
2 + 2 + 2 = 6
2 + 4 = 6
2 + 2 + 2 + 2 + 2 = 10
4 + 6 = 10
Also wiederum: (2 + 2) + (2 + 2 + 2) = 10
Usw.

Fräulein Rottenmeier
1 Tag zuvor
Antwortet  Bla

Wow, danke für die sehr ausführliche Darstellung!!!

unfassbar
20 Stunden zuvor
Antwortet  Bla

Die Lösung meiner Aufgabe (mit a4=pi) sind die Lagrange- oder Newton-Interpolationspolynome oder ein Lineares Gleichungssystem.

Lösung: a(n) = (pi-8)/6*n^3-(pi-8)*n^2+(11pi-76)/6*n-(pi-8)

Viel Spaß beim Nachweis.

Katze
2 Tage zuvor

Aus den Ausführungen von Prof. Zimpel lässt sich fast der Eindruck gewinnen, die Schule der 90er müsse ein pädagogisches Notstandsgebiet gewesen sein: Kreide, Lehrbuch (damals auch Fachbuch genannt), Overheadprojektor mit Folien in schwarz-weiß, 30 pubertierende Jugendliche – und trotzdem fand Unterricht statt. Und schlimmer: Die Schüler lernten. Aus heutiger Sicht muss das eine kollektive Halluzination gewesen sein.
Denn nun wissen wir: Homogene Gruppen existieren nicht. Interessant, denn wir Gymnasiallehrer – und ebenso unsere Kolleginnen und Kollegen an Real- und Hauptschulen – glaubten sehr wohl an homogene Lerngruppen. Nicht aus Naivität, sondern weil man in ihnen arbeiten konnte. Das differenzierte Schulsystem war keine ideologische Marotte, sondern eine funktionierende Struktur, die Leistungsniveaus abbildete, statt sie zu ignorieren. Heute wird es uns auf dem Weg ins neue Normal als rückständig ausgelegt, während man gleichzeitig verzweifelt versucht, 28 Kinder mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen gleichzeitig zu bespaßen, zu beruhigen, zu aktivieren und neurodiversitätsgerecht zu begleiten.
Die neue Wahrheit über ADHS: Sie zappeln nicht, weil sie nervös sind, sondern weil sie müde werden. Früher hielten wir das für Pubertät oder Bewegungsdrang. Wie unprofessionell. Ein kräftiger Tischknall wäre zwar laut Zimpel neurodidaktisch hochwirksam, aber in der Schule des neuen Normal sofort eine autoritäre Grenzüberschreitung – mit Hinweis auf mögliche Trommelfellschäden und anschließender Fortbildung zur Deeskalation im Klassenraum.
Autistische Schüler wiederum brauchen ein geringeres Erregungsniveau. Komisch nur: In den 90ern kamen viele von ihnen nicht nur klar. Sie wurden gesehen, gefördert und profitierten von klaren Strukturen. Ganz ohne pädagogische EEG‑Feinjustierung, ohne Kompetenzraster, ohne Lerncoach im Schlepptau. Vielleicht, weil Unterricht damals nicht aus Freigeist-Freiarbeit, Selbstverwirklichungs-Workshops, Kahoot‑Dauerbeschuss, YouTube‑Ersatzpädagogik und Scrabble‑Gamification bestand.
Viele Wege führen nach Rom. Früher hieß das: unterschiedliche Zugänge, gemeinsames Ziel – und ein Schulsystem, das diese Unterschiede strukturell abbildete. Heute dagegen braucht jeder seinen eigenen Weg, seinen eigenen Coach, seine eigene Aktivierungsstrategie. Jeder braucht also am Ende sein eigenes Rom, individuell kuratiert, neurodiversitätsoptimiert und selbstverständlich mit App‑Support.
Fazit: Viele Wege führen nach Rom – aber wer sagt, dass alle nach Rom wollen. Manche wollen einfach Unterricht, klare Strukturen und jemanden, der weiß, was er tut. Doch im neuen Normal gilt: Jeder wie er kann, jeder wie er will – und am besten mit Privatcoach. Gut, dass wir eine Lehrerschwemme haben.
Ach nein, stimmt ja nicht – aber zum Glück gibt es genug Erziehungswissenschaftler und Bildungsideologen, die uns aus sicherer Entfernung erklären, wie es gehen müsste. Vielleicht begleiten sie ja demnächst selbst mal einen Schüler im echten Unterricht, zwischen echten Kindern. Ein Träumchen!

Rüdiger Vehrenkamp
2 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Pointiert auf den Punkt gebracht. Ein herzliches Danke aus Eltern- und Sozialarbeitersicht.

Rainer Zufall
1 Tag zuvor

Mit Ausnahme der Eltern neurodiverser Kinder, die werden sogar zum Artikel über sich vergessen 🙁

Fräulein Rottenmeier
2 Tage zuvor
Antwortet  Katze

„Vielleicht begleiten sie ja demnächst selbst mal einen Schüler im echten Unterricht, ….“
Einen? Wie anspruchslos……!

Stine
2 Tage zuvor
Antwortet  Katze

Exakt. Bei uns an der Schule wird das sogar versucht. Jeder wie er kann, jeder wie er will. Es wird versucht, auf alles einzugehen und es allen recht zu machen. Aber damit, einem etwas recht zu machen, ist der andere halt nicht zufrieden, Fazit: Es funktioniert nicht. Es fehlt damit häufig etwas, was allen zugute kommt: Struktur und Verlässlichkeit.

laromir
1 Tag zuvor
Antwortet  Katze

Ja, damals. Irgendwie lief es trotz aller Unterschiede ganz gut. Muss irgendwie irgendwo irgendwann irgendwer falsch abgebogen sein, dass das heut alles nicht mehr klappt. Wir haben damals mit 34 SuS!!! angefangen und es war weniger Trubel als heute mit 25. Man hat sich sozialkompatibel benommen, klar wurde mal geschwätzt und man hat mal Quatsch gemacht. Aber es ist nicht wirklich eskaliert. Man hat auch Oberstufen-SuS und LuL nicht beleidigt. Es gab schon damals die Clowns und die Ruhigen. Sie meisten haben von der 5 bis zum Abitur durchgehalten. Und jetzt geht alles nicht mehr? Jeder Mensch muss sich irgendwie an Gegebenheiten anpassen. Wie soll das sonst laufen, wenn man nicht alleine auf einer einsamen Insel lebt? Es wird im Leben immer Anforderungen geben, die einen schafft man besser, die anderen eben schlecht. Sollte es da nicht Ziel sein, dass man alle so stärkt, dass man seine Problemzonen kennt und das Beste draus macht? Das Leben wird einem nicht die Schleppe tragen. Kinder unterstützen ist gut und richtig, alle Probleme beseitigen und jeden Pups loben führt nicht zu Erfolg und Resilienz. Das führt später nur zu Frust, wenn sie ersten Krisen kommen und plötzlich die Welt keinen Rücksicht mehr auf jede Befindlichkeit nimmt.

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  laromir

Wie, nur 34? In der Sexta waren wir 44 Jungen. Und in der Tertia noch 28, von denen die Hälfte einen Jahrgang in der Erprobungsstufe wiederholt hatten.

unfassbar
5 Stunden zuvor
Antwortet  dickebank

Und trotzdem war Ihre Klasse leichter zu unterrichten als die heutige Durchschnittsklasse mit 15-20 Kindern weniger.

Rainer Zufall
1 Tag zuvor
Antwortet  Katze

“Aus den Ausführungen von Prof. Zimpel lässt sich fast der Eindruck gewinnen, die Schule der 90er müsse ein pädagogisches Notstandsgebiet gewesen sein”
Für die Minderheit neurodiverser Kinder (die im Artikel 😉 ) gab es wahrscheinlich noch viel Luft nach oben, was die optimale Förderung betraf.

“und trotzdem fand Unterricht statt. Und schlimmer: Die Schüler lernten.”
Und tausende Schüler*innen vielen jährlich (!) durchs Raster. Können wir uns wirtschaftlich nicht mehr leisten.

“Interessant, denn wir Gymnasiallehrer – und ebenso unsere Kolleginnen und Kollegen an Real- und Hauptschulen – glaubten sehr wohl an homogene Lerngruppen.”
Zustimmung! Starke Schüler*innen langweilten sich und blieben hinter ihren Möglichkeiten zurück, andere mussten über teure Nachhilfe bzw. die Ausbeutung der Mutter als kostenlose Nachhilfe das nachholen, was die Ressourcen der Schule nicht rausgaben.
Und neurodiverse Kinder wurden bspw. als Zappelphillip abgetan, ermahnt und schlechtestenfalls aussortiert – nicht aufgrund der Fähigkeiten, sondern zum erhalt dieser angeblich “homogenen” Gruppe.

Osterhase
2 Tage zuvor

Schulklassen waren im Regelfall schon immer heterogen, man wusste es, das hieß nur nicht so. Schließlich verteilte man Noten von 1 bis 6. andererseits wurde doch die Schule zu dem Zweck eingerichtet, eben NICHT jedes Kind einzeln unterrichten zu müssen. Man hielt es für rationeller, wenn man die Kinder in Schulklassen irgendwie zusammenfasste.
Die Leute auf der re:publica haben gut reden, denn sie müssen ja die Alternative dazu nicht “vorturnen”.

Fräulein Rottenmeier
2 Tage zuvor

Rückblickend kann ich als Fräulein Rottenmeier nur sagen, dass Heidi wohl auch neurodivergent war (und der Peter erst), denn sonst hätte der Herr Geheimrat ihr sicher Lesen und Schreiben beibringen können. So musste Klaras Oma einspringen, die offenbar den richtigen neuronalen Zugang wählte….

Herzliche Grüße
Fräulein Rottenmeier 🙂

Hans Malz
1 Tag zuvor

Also suche ich mir nach den Ferien erstmal die richtigen Schüler. Dem Rest teile ich dann mit, dass ich sie nicht weiter unterrichten kann … genauso, wie meiner Schulleitung und der Schulaufsicht. Fragen bitte an Professor Zimpel.

Rainer Zufall
7 Stunden zuvor
Antwortet  Hans Malz

“Also suche ich mir nach den Ferien erstmal die richtigen Schüler.”
Machen das die Regelschulen nicht schon so?

Hans Malz
5 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Sie haben aber wirklich gar keine Ahnung von der Praxis.

Schauen Sie sich die Schulempfehlungen der neuen 5er an (oder lesen mal die Gutachten) und bedenken dann das Elternwahlrecht. Und dann sieht man – oh Wunder – wir sind völlig heterogen. Dabei sind aber alle Kinder mit Förderbedarf oder Autisten und Co noch nicht mal mitgedacht.

Ach so, die Zugewanderten auch nicht. Am Ende kommen dann noch Zuweisungen von der Schulverwaltung, die wir nehmen müssen. Sogar bei den bei Ihnen verhassten Gymnasien muss die Statistik stimmen, da wird erstmal alles aufgenommen. Die einzigen, die sich ihre Klientel aussuchen können, sind die Reformer in Wutschöningen, Walldorfschulen, Bekenntnisschulen und so weiter…

Sie denken noch in einer gaaaanz anderen Zeit.

Ulla
1 Tag zuvor

Das ist alles richtig, aber nicht neu. Natürlich haben Menschen unterschiedliche Lernzugänge, und natürlich gibt es deshalb in den Schulen und Klassen keine homogenen Lerngruppen. Wir Lehrer müssen differenzieren, das ist klar. Wie wir das aber in viel zu großen Klassen leisten sollen, sagt uns niemand. Oder es sagen uns “Bildungsexperten”, die nie vor einer Klasse gestanden haben.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Tag zuvor
Antwortet  Ulla

In einem gegliederten Schulsystem mit homogeneren Lerngruppen kann ich doch viel eher auf Einzelbedürfnisse eingehen, als in einem wild durcheinander gewürfelten Potpourri aus allen Niveaustufen – jedenfalls nach meiner Logik. Als Außenstehender verstehe ich nicht, wie sich die Reformer das mit „einer Schule für alle“ in der Realität vorstellen. Meine Kinder sind zunächst auch „nur“ auf die Realschule gegangen und nein, es hat ihnen nicht geschadet.

vhh
1 Tag zuvor

Schon am Anfang wird es schwierig: “Man serviert sozusagen eine Methode, die zufällig bei einigen wunderbar funktioniert und der Rest muss ….” – nein, das ist (s)eine These, keine Tatsache. Die Methode funktioniert nach einigen Jahrhunderten Erfahrung , kein Zufall, halbwegs brauchbar, nicht bei einigen wenigen sondern immer noch bei der Mehrheit. Das beinhaltet natürlich, dass es oft Probleme gibt, aber was erwartet er? Hundertprozentige Passung bei allen, auch wenn nach seinen eigenen Worten keine zwei Gehirne gleich sind? Es wäre sehr schön zu erfahren, wie die Kinder mit ADHS und Autismusspektrum in der gleichen Klasse unterrichtet werden können, dazu bitte auch noch die ‘Varianten im mittleren Bereich’.
Wissenschaft und Mathematik, übrigens auch Literatur und ein Großteil der Kommunikation baut auf Sprache auf, warum nur steht dieser Weg wohl im Vordergrund? Selbst das ist Theorie, er weiß offenbar nicht, wieviel inzwischen über Bilder, digital oder analog, passiert.
“….dass nicht die Qualität des Denkens zählt, sondern die Übereinstimmung mit einem vorgegebenen Lösungsweg…” – mein erster Gedanke ist ‘Id…’. Gerade das ist es doch, was uns die KMK immer wieder aufzwingen will, einheitliche Vorgaben, Automatisierung, Standardtests. Da sind die Schulen und Lehrer die falsche Adresse! Ganz nebenbei haben Aufgaben aus IQ-Tests nichts mit schulischer Leistungsbewertung zu tun, nicht nur im Abitur gibt es den ‘alternativen Lösungsweg’.
Darf ich den für 70% funktionierenden Lernweg noch verwenden? Muss ich dann nur noch Alternativen bieten? Jeder Lehrer weiß, dass Schüler unterschiedlich lernen und versucht das zu berücksichtigen. Aus diesen Lehrern besteht das System, das sich ändern muss, das alle Lernwege und jede Verschiedenheit individuell würdigen soll. ‘Wir verlieren (nicht nur) unglaublich viele Menschen’, wir verlieren diejenigen, die das alles mal eben ändern sollen.
Es ist so schön, immer wieder zu hören, was alles noch nicht berücksichtigt wird, als ob wir das nicht wüssten. Noch schöner, wenn aus diesen Beiträgen immer wieder zu lesen ist, jetzt müssten die Lehrer/das System nur noch darauf achten. Wie denn, was genau ändern? Nein, kein Kommentar dazu, es könnte ja jemand kommen und den Ressourcenbedarf ausrechnen.
Alle Forschungen haben ihre Relevanz, aber deren Erkenntnisse immer wieder als neu und weltbewegend zu verkaufen, immer wieder zu implizieren, jetzt wüssten die dummen Lehrer endlich warum, das ist demotivierend und voreingenommen.

Hysterican
1 Tag zuvor
Antwortet  vhh

… und es macht uns LuL so richtig Bock auf noch mehr Ergebnisse aus der Bildungsforschung … “Gebt’s mir!”

Danke für den treffenden Konnentar.

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  Hysterican

Für stark neurodiverse Klassen bedarf es polypolare Lehrertypen. Das Rollenverständnis darf nicht von der Frage, wer bin ich, abhängen sondern von der Frage, wie viele bin ich.

laromir
1 Tag zuvor
Antwortet  vhh

Zumal man ja auch durchaus verschiedene Wege anbietet. In NAWI z.B. Modelle, Versuche, Texte, Filme und Bilder. Trotzdem muss man eben lesen und schreiben können. Es führt kein Weg daran vorbei. Und sind wir bei den alternativen Lösungen am Ende wieder da, wo wir mit der “kreativen” Rechtschreibung schon mal waren? Ist das Wort halbwegs erkennbar, ist es okay? Es gibt manchmal eben nur genau eine Antwort. Und es gibt Wissen, das man sich einfach aneignen muss, weil man sonst den Rest erst gar nicht versteht. Und zu Hause kann ja jeder so lernen, wie er möchte. Von mir aus soll man (wer auch immer, nicht die LuL) die Kinder nach ihrem Lernweg testen. Ich weiß das bei meinem Kind z.B. und bei mir, weiß ich das auch. Dann kann man ja zu Hause den Weg nehmen, der einem am besten passt.

Rainer Zufall
1 Tag zuvor

“Wenn Neurodiversität ignoriert wird, dann haben wir viele Probleme.”
Hmm, welches Interesse könnten Lehrkräfte und Bildungspolitiker*innen denn haben, sich nicht umzustellen bzw. Ressourcen zu schaffen und die Kinder alles ausbaden zu lassen, bis die Rente bzw. das Ende der Amtszeit erreicht sind?

Naja, solange die nicht völlig durchtrieben sich die Karten zuschieben – keine Forderung, da keine Ressourcen + keine Ressourcen, da keine Forderung – wird das alles schon 🙂

Bezüglich der Intelligenzmessung klebe ich ziemlich am KABC II, aber welcher Intelligenztest stellt solche Rechenaufgaben (zwingend)?

Bla
1 Tag zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Es werden Ressourcen gefordert. Ständig.

Nur ohne “Zwangsdruck” gibt es eben keine oder unzureichend.

Rest ist weitere logische Kausalverkettung.

Leider ist das so. Auch hier haben Sie wieder “das Grundproblem” erkannt … Nur Ihre “Schleife” ist wiedermal unzureichend.

Rainer Zufall
7 Stunden zuvor
Antwortet  Bla

Stimmt, wenn bspw. lieber von einem 50jahrealtem System träumen und sich behaglich in der jetzigen Situation einrichten, könnte der “Zwangsdruck” (kenne den nicht) vorerst nicht stark genug sein…

Um diese Schleife zu durchbrechen, wie sähe das für Sie konkret aus? Wann entsteht dieser “Zwangsdruck”?

Sepp
1 Tag zuvor

Irgendwie bekomme ich echt Bauchschmerzen bei dem Artikel:

Dabei zeigt sich nach seinen Angaben wiederholt, dass Schwierigkeiten im Lernen häufig nicht isoliert im Individuum entstehen, sondern im Zusammenspiel zwischen individuellen kognitiven Voraussetzungen und schulischen Anforderungen.

Es gibt offenbar Schüler, die begrenzte kognitive Voraussetzungen haben und diese passen nicht unbedingt zu den Anforderungen, die wir im Regelschulsystem haben. So weit, so logisch.

Vor diesem Hintergrund formuliert Zimpel seine zentrale These: „Immer stellen wir fest, dass wir keine Lernbehinderungen oder keine geistigen Behinderungen vorfinden, sondern dass wir Menschen haben, die einen anderen Bezug zur Welt herstellen.“

Meine Schülerin mit frühkindlicher Demenz und fünf weiteren Diagnosen wird ja beruhigt sein, dass sie zwar nie alleine leben können wird, aber keine “geistige Behinderung” hat, sondern einfach nur einen “anderen Bezug zu Welt”.
Das ist Wortklauberei, aber nicht hilfreich!

Diese Perspektive verschiebt den Blick von Defiziten hin zu unterschiedlichen kognitiven Zugängen. Zimpel kritisiert, dass Schule dennoch meist von einheitlichen Lernwegen ausgeht. „Man serviert sozusagen eine Methode, die zufällig bei einigen wunderbar funktioniert und der Rest muss irgendwie sehen, wie er sich durchschlängelt“, beschreibt er die Praxis.

Zumindest in den höheren Jahrgängen ist es mir egal, ob die Schüler sich zusätzlich noch Erklärvideos anschauen, sich Sachen aufschreiben, sich Kärtchen schreiben oder gegenseitig abfragen. Grundsätzliche Arbeiten wie das Lesen eines (Fach-)Textes mit unterschiedlichen Methoden müssen Schüler aber lernen.

Zimpel verweist auf Erkenntnisse der Begabungsforschung, wonach langfristige Übung entscheidend ist: „Wenn ich irgendwas richtig gut können soll, dann muss ich mich 3 Stunden täglich 10 Jahre damit beschäftigen.“ Wer früh aussteigt, erreicht diese Phase gar nicht.

Wie unsinnig ist diese Aussage denn? – Wir haben allgemeinbildende Schulen und bilden keine Experten aus. Niemand soll nach der Schulzeit etwas “richtig gut können”!
Wir vermitteln bspw. Grundlagen im Fach Musik, bilden aber keine Konzert-Pianisten aus!
Wir arbeiten mit unterschiedlichsten Methoden und nicht nur mit einer.

Bei Menschen im Autismus-Spektrum sei dieser Umfang häufig größer; sie nähmen mehr Details gleichzeitig wahr. Das könne Vorteile bringen, führe aber ebenso zu schneller Überforderung.

Deswegen kann es auch schwierig sein, bspw. ein Kind mit starkem Autismus in einer lauten, wuseligen 5. Klasse sitzen zu haben…

Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die Vorstellung von „Normalität“. Zimpel widerspricht der verbreiteten Annahme homogener Gruppen mit einem anschaulichen Modell: Kombiniert man viele unterschiedliche Einflussfaktoren – etwa genetische oder kognitive Merkmale –, entstehen besonders viele Varianten im mittleren Bereich. „Die Gruppe der Normalen ist heterogen“, fasst er zusammen. „Viele denken, […] homogene Gruppen existieren – die existieren nicht.“

Wer sind die “Vielen”, die das denken? Sollen das Lehrkräfte sein, die den Eindruck haben, dass alle Kinder einer Klasse immer ganz genau gleich sind? Ehrlich?

Normalität bedeutet demnach nicht Gleichheit, sondern Vielfalt. Daraus ergibt sich eine Konsequenz für Schule: Wenn bereits der Durchschnitt keine einheitliche Gruppe bildet, verlieren standardisierte Erwartungen ihre Grundlage. Unterricht, der sich an einem vermeintlichen „Normalmaß“ orientiert, verfehlt zwangsläufig viele Lernende.

Natürlich geht es um “Durchschnittsschüler”. Vielleicht muss der eine oder andere sich mehr oder weniger anstrengen, zu Hause etwas mehr oder weniger nacharbeiten, ein Fach fällt leichter als ein anderes, aber grundsätzlich sollte Regelschule die 68% aller Schüler erreichen, die mit Blick auf die Intelligenz innerhalb einer Standardabweichung um den Mittelwert liegen. Die 16% darunter wurden bisher gesondert beschult…

„Das heißt also, Intelligenztests messen möglicherweise gar nicht die Intelligenz, sondern unsere Fähigkeit zu erraten, was man von uns hören will.“

Zimpel begründet diese Kritik mit typischen Aufgabenformaten. So nennt er etwa Zahlenreihen wie „2, 4, 6“ mit der Aufforderung, die nächste Zahl zu ergänzen. Die erwartete Lösung lautet 8 – und nur diese Antwort wird im Test gewertet. Wer hingegen eine andere, ebenfalls logisch begründbare Fortsetzung wählt, erhält keinen Punkt.

Es werden normalerweise aber nicht drei, sondern mehr Zahlen genannt und ein Beispiel gegeben, was gemacht werden soll. Der Rest der Aussage ist Semantik – man kann gerne überlegen, ob man das Erkennen von Mustern und Folgen nun “Intelligenz” nennen will oder z.B. “logisches Schlussfolgern”.
Davon abgesehen weiß Zimpel selbst, dass IQ-Tests eine ganze Reihe unterschiedlicher Untertests umfassen und er vereinfacht hier extrem.

Der entscheidende Punkt liegt für Zimpel darin, dass nicht die Qualität des Denkens zählt, sondern die Übereinstimmung mit einem vorgegebenen Lösungsweg. Wer erkennt, welche Regel gemeint ist, erhält die Punktzahl – unabhängig davon, ob andere, eigenständige Denkwege plausibel wären.

Wir haben bspw. bei den Erwartungshorizonten im Abitur die Aussage: “Fachlich gleichwertige Lösungen und Begründungen sind grundsätzlich möglich“. Ich nehme an, dass auch andere Lehrkräfte es bei normalen Klassenarbeiten ähnlich halten werden.

In diesem Sinne versteht Zimpel Selbsteinschätzung nicht als Ersatz für Leistungsmessung, sondern als grundlegende Bedingung dafür, dass Lernen überhaupt wirksam werden kann.

Also eigentlich geht es doch zumindest in dem Artikel darum, Metakognition zu fördern und mit den Schülern bspw. zu reflektieren, wie sie gelernt haben und was für die erfolgreich war. Ich glaube nicht, dass das groß kritisiert wird.

Lehrkräfte müssten stärker individuelle Lernwege berücksichtigen und Lernprozesse begleiten. „Lehrerinnen und Lehrer müssen lernen, die Welt möglichst mit den Augen ihrer Schüler*innen zu sehen“, fordert Zimpel.

Ich glaube nicht, dass ich lernen kann, bspw. die Welt aus den Augen eines Autisten zu sehen. Ich kann bestimmte Aspekte verstehen, aber nicht mit den Augen einer entsprechenden Person sehen.

Um die Absurdität zu verdeutlichen, könnte man bspw. auch fordern:
“Der autistische Schüler hat ja keine Einschränkung. Also sollte er einfach die Welt mit den Augen eines nicht-autistischen Schülers sehen!”

Rainer Zufall
6 Stunden zuvor
Antwortet  Sepp

“Das ist Wortklauberei, aber nicht hilfreich!”
Mit Blick in die Vergangenheit neurodiverser Menschen ist ein gewaltiger Unterschied. Oder stellt heute noch jemand infrage, dass ihre Schülerin in die Schule gehen darf?

“Grundsätzliche Arbeiten wie das Lesen eines (Fach-)Textes mit unterschiedlichen Methoden müssen Schüler aber lernen.”
Es geht um die Zugänge, nicht um die zu erwerbenden Kompetenzen.

“Wie unsinnig ist diese Aussage denn? – Wir haben allgemeinbildende Schulen und bilden keine Experten aus.”
Ich glaube, hier handelt es sich um ein Missverständnis. Zimpel verwies auf die Erkenntnisse aus dieser Forschung, um die Festigung negativer Denkmuster zu beschreiben: “Wer so lernt, sich selbst als unfähig zu betrachten, wird sich mit entsprechenden Inhalten kaum noch beschäftigen.”
Es geht da nicht um Exptertentum selbst, sondern um das Lernen lernen.

“Deswegen kann es auch schwierig sein, bspw. ein Kind mit starkem Autismus in einer lauten, wuseligen 5. Klasse sitzen zu haben…”
Stellt niemand infrage. Manche warten aber noch auf den “Zwangsdruck”, dass bestehende Probleme zeitnah angegangen werden, anstelle diesen erzeugen zu wollen 😉

“Sollen das Lehrkräfte sein, die den Eindruck haben, dass alle Kinder einer Klasse immer ganz genau gleich sind?”
https://www.news4teachers.de/2026/04/homogene-gruppen-existieren-nicht-warum-neurodiversitaet-das-bildungssystem-grundlegend-infrage-stellt/#comment-795988

“aber grundsätzlich sollte Regelschule die 68% aller Schüler erreichen”
Hmm, ich glaube, Sie werfen hier Intelligenzverteilung und Neurodiversität in den gleichen Topf. Dass das Schulsystem sich an der Intelligenzverteilung auszurichten hat, ist… gewagt. Naja, viel Spaß mit Inklusion, Gymsasiast*innen mit “nur” 115 IQ-Punkten und sehr vielen Klagen 😀

“Davon abgesehen weiß Zimpel selbst, dass IQ-Tests eine ganze Reihe unterschiedlicher Untertests umfassen und er vereinfacht hier extrem.”
Stellt die Kritik von IQ-Tests ja erstmal nicht in Abrede.
Oder anders: “Die Intelligenz eines Kinds mit einer abschließenden Zahl (z.B. Gesamt-IQ) darzustellen, ist als Gedanke verwegen, kommt aber in der Praxis dem Wunsch nach Vereinfachung und Orientierung entgegen.”
https://www.verband-sonderpaedagogik.de/wp-content/uploads/2022/04/zfh_2018_196.pdf

“Ich nehme an, dass auch andere Lehrkräfte es bei normalen Klassenarbeiten ähnlich halten werden.”
Teile diese Erwartung, dazu gehört dann aber auch, Zugangswege weiterhin offen zu halten und schauen, welche – bspw. neurodivergente Kinder – einschlagen, um am Ziel anzukommen, anstatt diese als Unterrichtsstörung, Respektlosigkeit oder “falsch” zu bewerten.

“Ich glaube nicht, dass das groß kritisiert wird.”
HA! Keine Sorge, im Forum werden schon die richgtigen Dinge herbeiphantasiert, UM zu kritiseren! 😀
Abschlussprüfungen werden abgeschafft:
https://www.news4teachers.de/2026/04/homogene-gruppen-existieren-nicht-warum-neurodiversitaet-das-bildungssystem-grundlegend-infrage-stellt/#comment-795838
Die Ausbildung von Ärzt*- und Ingenieur*innen werden abgeschafft:
https://www.news4teachers.de/2026/04/homogene-gruppen-existieren-nicht-warum-neurodiversitaet-das-bildungssystem-grundlegend-infrage-stellt/#comment-795781
Oder die gute alte WIssenschaftsfeindlichkeit gegen “den Leuchtturm”, als würden sich wissenschafte Erkenntnisse nach der Leistungsbereitschaft bzw. -Verweigerung der (Bildungs-)Politik richten:
https://www.news4teachers.de/2026/04/homogene-gruppen-existieren-nicht-warum-neurodiversitaet-das-bildungssystem-grundlegend-infrage-stellt/#comment-795871

“Ich glaube nicht, dass ich lernen kann, bspw. die Welt aus den Augen eines Autisten zu sehen. Ich kann bestimmte Aspekte verstehen, aber nicht mit den Augen einer entsprechenden Person sehen.”
Hatten Sie darüber nicht noch Wortklauberei kritisiert? 😉

Rüdiger Vehrenkamp
2 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Sie drehen einem die Worte im Mund herum.

Hans Malz
4 Stunden zuvor
Antwortet  Sepp

Danke. Aber nicht, dass Sie als “wissenschaftsfeindlich” gebrandmarkt werden.

Muxi
1 Tag zuvor

Interessant, aber nicht neu. Wer sich mit Hirnforschung beschäftigt hat ist so überrascht wie von: “Die Wissenschaft hat festgestellt, dass die Butter Fett enthält”.
Nur wer erklärt den Bildungspolitikern (und Didaktikern), dass Menschen nicht nur in Sonntagsreden Individuen sind, sondern auch im (Schul)Alltag? Und deshalb Schulen vielleicht daran angepasst werden sollten?

emma
1 Tag zuvor

Als Lehrerin lese ich so einen Artikel und denke:”Und nu?”
Wir fegen momentan zwei mal die Woche die Klassenräume, weil die Stadt das Kontingent für die Reinigung zusammengestrichen hat.

Defence
1 Tag zuvor

Solch ein Geschwafel ist für mich mittlerweile unerträglich!

Lehrer müssten dies… Lehrerinnen müssten jenes….
All diese Superideen aus der Wissenschaft (manche sind auch wirklich gut), aber liebe Leute, der Tag hat nur 24 Stunden und eine Lehrkraft arbeitet hoffentlich nicht mehr als 42 Stunden die Woche!

Und ganz ehrlich- klar ist jeder Mensch anders und hat andere Denkweisen, Zugänge und erschließt sich die Welt nach seinen Möglichkeiten.

Daran ist jetzt auch nichts spektakulär neu!

potschemutschka
1 Tag zuvor

Früher (zu Beginn meiner Lehrertätigkeit vor mehr als 40 Jahren) sprach man von verschiedenen Lerntypen: visuell, haptisch, kommunikativ, motorisch, praktisch … und man legte in unserer Ausbildung viel Wert darauf, dass wir in unserem Unterricht viele verschiedene Methoden/ Materialien anwenden, um möglichst viele Schüler zu erreichen. Man nannte das auch irgendwann “Lernen mit allen Sinnen”.
Okay, die Einordnung der Menschen in Lerntypen ist umstritten und wohl auch etwas “altmodisch”, denn den Lerntyp (in Reinform) gibt es wohl kaum. Aber die Methodenvielfalt, auf die damals geachtet wurde, müsste doch auch bei der Mehrheit der Schüler heute noch funktionieren. Oder sind die Schüler so viel diverser/ neurodivergenter als früher? Für Schüler mit besonders ausgeprägten “Lernbesonderheiten” gab/ gibt es doch dann immer noch die Sonderpädagogen, die für so etwas ausgebildet sind bzw. sein sollten (bin mir nicht sicher, wie Sonderpädagogen heutzutage ausgebildet werden).

Einer
1 Tag zuvor

Alle guten Schüler haben sehr ähnliche Eigenschaften, aber alle Deppen sind unterschiedlich!

GBS-Mensch
1 Tag zuvor

Wie angefasst hier wieder alle sind. Ich habe mehrere “neurodiverse” Welpen in meinem Rudel und natürlich ist es so, dass das was für den einen funktioniert für den anderen nicht funktioniert.l, zumindest partiell.

Nicht, dass man dafür das Konzept der “Neurodiversität” bräuchte. Menschen waren schon immer unterschiedlich, hatten unterschiedliche Bedürfnisse, Persönlichkeiten und Talente. Das fängt schon bei Mädchen und Jungen an etc.

Es geht doch darum, dass man dafür sensibilisiert ist und diversifiziert, variiert und mischt…entsprechende Ressourcen nutzt, wie Nebenräume, wenn vorhanden und individuell ein bisschen Leine gibt oder Leine anzieht. Sodass Mal der eine mehr profitiert oder der andere Mal mehr profitiert, anstatt dass es einen einzelnen oder eine Gruppe gibt, die nie profitieren und hinten runterfallen.

Es erinnert mich so ein bisschen an diese Spiel für Kleinkinder mit geometrischen Körpern,
Einige beharren hier fest darauf den Stern durch den Kreis kloppen zu müssen, weil das eben so sei und die Anforderung sei.

Und wenn hier einige Fragen, warum das früher so toll funktioniert hat:

Früher wurden die entsprechenden Kinder oder Jugendlichen in Sonderschulen aussortiert oder bestenfalls vielleicht in die (Problem-)Hauptschule.

Die funktionierenden “neurodiversen” waren dann eben socially arkward und wurden mehr oder weniger toleriert.

Hans Malz
4 Stunden zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Wir machen den Großteil ja bereits, deshalb sind hier ja auch viele “angefasst”.

„Man serviert sozusagen eine Methode, die zufällig bei einigen wunderbar funktioniert und der Rest muss irgendwie sehen, wie er sich durchschlängelt“, beschreibt er die Praxis.

Wer macht das? Man “serviert” ganz unterschiedliche Methoden und wechselt die logischerweise.

„Unsere ganze Wissenschaft und Mathematik ist auf Sprache aufgebaut“, sagt er. Das führe dazu, dass bestimmte Denkweisen systematisch benachteiligt werden.

Sprach ist nunmal der Schlüssel, deshalb hat sie sich entwickelt.

„Wenn ich irgendwas richtig gut können soll, dann muss ich mich 3 Stunden täglich 10 Jahre damit beschäftigen.“

Wir bilden keine Profis aus, sondern legen Grundlagen.

So nennt er etwa Zahlenreihen wie „2, 4, 6“ mit der Aufforderung, die nächste Zahl zu ergänzen.

Intelligenztests bestehen aus einer Vielzahl unterschiedlicher Aufgaen, genau wie die Methoden in der Schule. Aber der Sinn wird ja schon lange von vielen angezweifelt. Es würde auch keine Lehrer seine Notenvergabe an einen Intelligenztest koppeln.

Wenn bereits der Durchschnitt keine einheitliche Gruppe bildet, verlieren standardisierte Erwartungen ihre Grundlage. Unterricht, der sich an einem vermeintlichen „Normalmaß“ orientiert, verfehlt zwangsläufig viele Lernende.

Dehalb gibt es ja auch die Methodenvielfalt und die Einordnung in uterschiedliche Schulsysteme, die zumindest bei Mehrheit funktionieren. Jeder Schulform hat für Kinder ihre Berechtigung.

Lernende müssten erkennen, wie sie Inhalte verarbeiten – ob sie eher bildlich, sprachlich oder in Mustern denken, unter welchen Bedingungen sie sich konzentrieren können und welche Zugänge für sie funktionieren.

Genau darum gibt es ja die unterschiedlichen Zugänge.

Lehrkräfte müssten stärker individuelle Lernwege berücksichtigen und Lernprozesse begleiten. „Lehrerinnen und Lehrer müssen lernen, die Welt möglichst mit den Augen ihrer Schüler*innen zu sehen“, fordert Zimpel.

Machen wir schon – soweit es das System zulässt. Aber das weiß der Herr Bildungspopuilst ja nicht, weil der keine Schulen von innen kennt. Andererseits kann ich mich nicht in jedes “neurodiverse” Szenario hineinversetzen. Wie soll das auch gehen, schließlich habe ich als Lehrer (was viele “Bildungswissenschaftler” mal eben so unter den Tisch fallen lassen) meine eigen Persönlichkeit. Und jetzt?

Tatjana
1 Tag zuvor

Einige Kommentare unter diesem Artikel bestätigen ihn präziser, als es ihnen vermutlich lieb ist.
Auffällig ist nicht nur der herablassende Ton, sondern auch die erkennbare Kränkbarkeit, mit der auf den Artikel und auf abweichende Kommentare reagiert wird. Noch auffälliger ist allerdings, dass der Text inhaltlich vielfach nur als Karikatur beantwortet wird. Kritisiert wird nicht das tatsächlich Gesagte, sondern eine verzerrte, leichter abwertbare Version davon.
Das ist insofern bemerkenswert, als dass hier häufig mit kognitiver Klarheit, Leistung und Eignung argumentiert wird, während zugleich die Fähigkeit zur präzisen inhaltlichen Erfassung des Artikels erkennbar begrenzt bleibt.
Der Text stellt weder Anforderungen infrage noch plädiert er für Beliebigkeit. Er problematisiert lediglich ein System, das Unterschiede systematisch unter eine künstliche Norm presst.
Wer darauf mit Spott, sozial codierter Herablassung und Strohmann-Argumenten reagiert, bestätigt nicht das Gegenteil, sondern das Problem.

vhh
23 Stunden zuvor
Antwortet  Tatjana

Leider stellt der Artikel selbst auch nur eine absichtliche Karikatur von Schulleben als Ist-Zustand dar. Oder ist Herr Zimpel ernsthaft der Meinung, Lehrkräften sei die Verschiedenheit ihrer SchülerInnen bisher noch nicht aufgefallen? Schon die Kopfzeilen ‘warum die Schule systematisch Potenziale übersieht – und weshalb ein Umdenken im Bildungssystem notwendig erscheint’ setzen zumindest grobe Fahrlässigkeit (systematisch, Umdenken notwendig erscheint) als gegeben voraus. Wie wäre es mit ‘Warum die Bildungspolitik ‘Symptome statt Ursachen betrachtet und damit Potentiale nicht nutzt’?
Vielleicht haben auch diejenigen, denen sie die inhaltliche Erfassung absprechen, gerade das etwas genauer als Sie getan: Inhalt und Zwischentöne erfassen, Gedanken zu Ende gedacht?
Wo bitte wird hier umfassend mit kognitiver Klarheit, Leistung und Eignung argumentiert? Nahezu alle bestätigen die Verschiedenheit, wenden sich aber gegen ‘muss man doch nur beachten’, weil das der berühmte Strohmann ist, eine Scheinlösung.
Sie verwenden hier das, was sie anderen vorwerfen: Herablassung und Strohmann-Argumente.
Herr Zimpel beschreibt in großer Ausführlichkeit, dass seine Forschungen bekanntes Allgemeinwissen (im Bildungsbereich) bestätigt haben. Das ist so hilfreich wie eine Publikation, dass nasse Straßen glatter sind, nach zweijährigen Messungen für alle Fahrzeugtypen bestätigt. Empfehlung: bei Regen langsam fahren, originell, und bei diesem Beispiel ist es nur die eigene Entscheidung. In den Schulen sind es hauptsächlich äußere Umstände, Randbedingungen…
Sie postulieren hier, wer das Ganze als Binsenweisheiten ansieht, hätte den Text nicht verstanden. Passt zu den Folgerungen aus dem Text: Diversität (an)erkennen, deshalb Unterricht anpassen – es müssten nur die faulen, dummen, reformfeindlichen*…Lehrkräfte und Schulen mitmachen, dann wäre alles besser. (*überlasteten) Komplett unerwartet, dass die lieber Lösungen als Schuldzuweisungen hören wollen und den Schwarzen Peter nicht annehmen?

Rainer Zufall
6 Stunden zuvor
Antwortet  vhh

“er stellt der Artikel selbst auch nur eine absichtliche Karikatur von Schulleben als Ist-Zustand dar. Oder ist Herr Zimpel ernsthaft der Meinung, Lehrkräften sei die Verschiedenheit ihrer SchülerInnen bisher noch nicht aufgefallen?”
Vielleicht kennt er ein paar der 90’s-Kids im Forum, die an einem veralteten Schulsystem hängen, welche er heute noch kritisieren muss?
https://www.news4teachers.de/2026/04/homogene-gruppen-existieren-nicht-warum-neurodiversitaet-das-bildungssystem-grundlegend-infrage-stellt/#comment-795809

“Nahezu alle bestätigen die Verschiedenheit, wenden sich aber gegen ‘muss man doch nur beachten’, weil das der berühmte Strohmann ist, eine Scheinlösung.”
Noch berühmter als über die Anbschaffung von Abschlussprüfungen und beruflicher Standards zu phantasieren, wenn sie einen Artikel über neurodiverse Kinder lesen?

“Sie verwenden hier das, was sie anderen vorwerfen: Herablassung und Strohmann-Argumente.”
Aja, die weltberühmte “Ätsch, selber!”-Verteidigung. 😀

“Das ist so hilfreich wie eine Publikation, dass nasse Straßen glatter sind”
Wenn Sie die Rückmeldungen im Forum lesen, bemerken Sie die vielen Kritiken an an solchen Aussagen – manche befürchten sinngemäß sogar das Kaputthacken der Straßen 😛

“Sie postulieren hier, wer das Ganze als Binsenweisheiten ansieht, hätte den Text nicht verstanden.”
Ich glaube eher, sie ist vom unprofessionellen Oppositionsverhalten enttäuscht, was bei Lehrkräften sehr unprofessionell und altbacken daherkommt “Auffällig ist nicht nur der herablassende Ton, sondern auch die erkennbare Kränkbarkeit, mit der auf den Artikel und auf abweichende Kommentare reagiert wird. Noch auffälliger ist allerdings, dass der Text inhaltlich vielfach nur als Karikatur beantwortet wird.” – ist aber nur meine Vermutung.

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