BERLIN. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) der KMK will die frühkindliche Bildung stärker in ein datenbasiertes Steuerungssystem einbinden. Entwicklungsverläufe sollen systematisch erfasst, Qualität vergleichbar gemacht und Ressourcen gezielter verteilt werden. Was in der Schule zunehmend etabliert wird, soll nun auch für Kitas gelten – inklusive Monitoring, standardisierter Verfahren und verbindlicher Datennutzung. Doch genau hier beginnt das Problem: Frühkindliche Bildung folgt anderen Logiken als Unterricht. Sie entsteht in Beziehungen, in offenen Situationen, im Umgang mit Vielfalt. Die Frage ist deshalb nicht nur, wie mehr Daten gewonnen werden können – sondern was dabei verloren geht.

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz fordert eine deutlich systematischere Nutzung von Daten auf allen Ebenen des Bildungssystems. Sie sieht auch in der frühkindlichen Bildung ein bislang nur teilweise erschlossenes Feld datengestützter Steuerung. Bereits der Ausgangspunkt ist programmatisch formuliert:
„Eine systematische Nutzung valider Daten auf den verschiedenen Ebenen des Systems der Frühen Bildung kann entscheidend zur Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität beitragen.“
Zugleich diagnostiziert die SWK strukturelle Defizite. Vorhandene Datensätze seien zwar umfangreich, würden aber bislang nicht ausreichend genutzt: „Diese sind jedoch bislang nur unzureichend aufeinander abgestimmt, sodass ihr Analysepotenzial nicht voll ausgeschöpft werden kann.“
Die Kommission verbindet diese Diagnose mit einer klaren steuerungspolitischen Perspektive. Daten sollen nicht nur beschreiben, sondern gezielt zur Ressourcensteuerung eingesetzt werden: „Verlässliche Daten schaffen eine Grundlage dafür, politische Initiativen zur Qualitätsverbesserung und die Ressourcenzuweisung auf Landes- und kommunaler Ebene passgenau auf die identifizierten Bedarfe abzustimmen.“
Damit wird frühkindliche Bildung ausdrücklich in eine Logik überführt, die aus dem schulischen Bereich zumindest ansatzweise (etwa in Gestalt der zentralen Vergleichsarbeiten VERA) bekannt ist: Daten als Grundlage für gezielte Interventionen im System.
„Das SWK-Gutachten zur datengestützten Entwicklung und Steuerung in Schulen und frühkindlicher Bildung setzt ein klares Signal: Frühkindliche Bildung soll stärker messbar, vergleichbar und steuerbar werden“
Ein zentraler Hebel ist aus Sicht der SWK der Aufbau eines umfassenden Überwachungssystems. So empfiehlt die Kommission „ein nationales, flächendeckendes beobachtungsbasiertes Monitoring der Prozess- und Interaktionsqualität in allen Kindertageseinrichtungen“. Dieses soll sich auf validierte Verfahren stützen und international erprobte Modelle aufgreifen. Gleichzeitig sollen bestehende Datenquellen systematisch weiterentwickelt und verknüpft werden. Ziel ist eine „solide Datenbasis für die Identifikation von (regionalen) Qualitätsentwicklungs- und Unterstützungsbedarfen“.
Auch auf der Ebene der einzelnen Einrichtungen fordert die SWK mehr Stringenz. So sollen „Verbindlichkeit interner Evaluationen“ erhöht und Ergebnisse „transparent an die Eltern kommunizieren“ werden. Qualitätsdaten sollen zudem gezielt für Steuerungsentscheidungen genutzt werden, etwa bei der Ressourcenverteilung.
Darüber hinaus sieht das Gutachten eine stärkere Standardisierung von Verfahren vor. So sollen „Verfahren zur Erfassung des Entwicklungsstands, der kindlichen Interessen und Motivationen sowie zur Dokumentation der pädagogischen Arbeit […] auf eine überschaubare Zahl qualitätsgeprüfter Verfahren reduziert“ werden. Gleichzeitig wird betont, dass die erhobenen Daten verbindlich in pädagogische Prozesse übersetzt werden müssen: „Dokumentationen der pädagogischen Arbeit und Entwicklungsstandsdaten [sollen] zur Planung und Durchführung individueller pädagogischer Angebote verbindlich genutzt werden.“ Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Systematisierung von Übergängen. Die SWK regt an, die Weitergabe von Entwicklungsdaten zwischen Kita und Grundschule zu prüfen, um „eine anschlussfähige Bildung“ zu gewährleisten.
Damit zeichnet das Gutachten das Bild eines zukünftig stärker integrierten, datenbasierten Systems frühkindlicher Bildung, in dem Beobachtung, Dokumentation und Steuerung enger miteinander verzahnt sind als bislang. Gleichzeitig verweist die SWK selbst auf die Besonderheiten des Feldes. Frühkindliche Bildung sei durch einen „ganzheitlichen“ Bildungsauftrag geprägt und unterscheide sich strukturell vom Schulsystem. Dennoch hält sie daran fest, dass Daten auch hier ein „hohes Potenzial“ entfalten können.
Genau an diesem Punkt setzen die Einwände aus Praxis und Stiftungsarbeit an. Anette Stein, Direktorin des Programms Bildung und Next Generation der Bertelsmann Stiftung, beschreibt auf Linkedin die Stoßrichtung des Papiers so: „Das SWK-Gutachten zur datengestützten Entwicklung und Steuerung in Schulen und frühkindlicher Bildung setzt ein klares Signal: Frühkindliche Bildung soll stärker messbar, vergleichbar und steuerbar werden. Hier zeigt sich ein grundlegendes Spannungsfeld.“
Dieses ergibt sich aus der Eigenlogik frühkindlicher Bildung. Stein betont:
„Gelingende pädagogische Prozessqualität kann nur begrenzt in Standards und die verbindliche Nutzung von Verfahren übersetzt werden. Pädagogisches Handeln braucht nicht nur datenbasierte Umsetzungskompetenz: Es ist reflexive Praxis unter Unsicherheit.“
Während die SWK auf Standardisierung und Vergleichbarkeit zielt, hebt Stein die Situationsgebundenheit pädagogischen Handelns hervor: „Professionelles pädagogisches Handeln orientiert sich am einzelnen Kind, ist damit beziehungs- und situationsgebunden und berücksichtigt den Lebenskontext.“
Die Differenz ist grundlegend. Die SWK denkt Steuerung vom System her, Stein argumentiert vom pädagogischen Prozess aus. Entsprechend verschiebt sich auch die Funktion von Daten. Sie seien ein mögliches Instrument, aber nicht der Kern professionellen Handelns: „Standardisierte Diagnostik kann hier sinnvoll ergänzen, ersetzt aber nicht den ganzheitlichen Blick auf das einzelne Kind in seiner Lebenswelt.“
Noch deutlicher formuliert Maike Hoeft, Fachberatung der Stadt Dorsten mit jahrzehntelanger wissenschaftlicher und praktischer Erfahrung, die Grenzen standardisierter Verfahren. Sie verweist auf die Bedingungen, unter denen Daten erhoben werden: „Das ist ja bei der Kompetenzmessung genau der Punkt, dass ein sehr künstliches Setting geschaffen wird. Der gesamte Einfluss, der von drumherum kommt, fällt weg. Das wird dem Kind nicht gerecht.“
„Gelingende Bildungsprozesse entstehen halt nicht durch Standardisierung, sondern durch eine vertrauensvolle Beziehungsarbeit“
Damit wird ein blinder Fleck der im Gutachten angelegten Logik sichtbar. Standardisierte Daten beruhen auf kontrollierten Bedingungen – frühkindliche Bildungsprozesse hingegen entstehen gerade im offenen, situativen Kontext. Hinzu kommt ein strukturelles Problem von Normierung: „Kompetenzorientierung kann nicht neutral sein, weil es immer eine Normgruppe gibt“, so Hoeft. Vor dem Hintergrund wachsender Heterogenität in Kitas eine problematische Vereinfachung: „Wir orientieren uns immer an einer sehr selektiven Norm.“
Die Konsequenz betrifft den Kern pädagogischer Qualität selbst. Hoeft beschreibt ihn nicht als Ergebnis von Messung, sondern von Interaktion: „Gelingende Bildungsprozesse entstehen halt nicht durch Standardisierung, sondern durch eine vertrauensvolle Beziehungsarbeit, durch Interaktion und durch das Ausprobieren mit kompetenteren Gesprächspartnern.“
Damit verschiebt sich die Perspektive auf Steuerung grundlegend. Während die SWK davon ausgeht, dass bessere Daten zu besseren Entscheidungen im System führen, betonen Stein und Hoeft die Grenzen dieser Annahme. Qualität entsteht demnach nicht primär durch Steuerung, sondern durch professionelle Praxis unter komplexen Bedingungen.
Die politische Dimension dieser Differenz liegt auf der Hand. Die SWK formuliert ein Modell, in dem frühkindliche Bildung stärker in ein datenbasiertes Steuerungssystem integriert wird – mit Monitoring, Vergleichbarkeit und gezielter Ressourcenallokation. Die Gegenposition macht deutlich, dass genau diese Logik den Gegenstand verändern kann, den sie zu steuern versucht. Die offene Frage bleibt damit nicht, ob Daten genutzt werden sollen, sondern wie weit ihre Reichweite reicht – und wo die Grenzen eines Steuerungsanspruchs liegen, der auf Messbarkeit angewiesen ist.
Oder, wie Anette Stein es formuliert: „Die entscheidende Frage bleibt: Wie gelingt es, evidenzgestützte Ansätze mit einer beziehungsorientierten, zukunftsfähigen und lebenswelt- und kontextbezogenen Pädagogik wirksam zu verbinden?“ News4teachers
Hier lässt sich das vollständige SWK-Gutachten herunterladen.
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats “Frühe Bildung”.
Schulische Bildung basiert natürlich ebenfalls auf Beziehung.
Alle hier vorgebrachten Argumente gegen vermeintliche Standardisierung, vermeintlich evidenzbasierte Steuerung und vermeintlich objektive Daten gelten in der Schule ebenso.
JEDE pädagogische Situation ist komplex und erfordert Handeln in Unsicherheit.
Wer die Komplexität reduzieren will, damit sie in eine Excel-Tabelle passt, die auch der Herr Schulrat und Ministerialbeamte versteht, ohne sein sein Büro zu verlassen, zeigt vor allem eins:
Er hat den Kern von Pädagogik nicht verstanden.
Der bildungs-industrielle Komplex freut sich – und genau aus dieser Ecke kommt der faule Zauber ja.
Die Praktiker winken ab und lächeln milde: Sie wissen ja, dass SIE es sind, die sämtliche Daten erheben und ggf. digitalisieren müssen – das Fußvolk im Feld betreibt quasi Feldforschung.
Schütze A.. meldet gehorsamst: 3 Feldhasen gesichtet, zufällig genau so viele, wie es normgerecht ist.
Nennt sich Principal-Agent-Problem. Aber ich möchte die geneigten Mitleser im KM, in der KMK und in der SWK nicht mit akademischen Kenntnissen überfordern.
Daher hier in einfacher Sprache:
Niemand, der vor Ort konkret handelt, wird sich selbst ans Messer liefern und für ihn nachteilige Daten übermitteln. Das wäre ja sehr dumm.
Wenn ihr also schon die totale Kontrolle, die reine Evidenz und den Goldstandard wissenschaftlicher Forschung darauf verwenden wollt, ein Spiegelei an die Wand zu nageln, dann müsstet ihr schon – Achtung, Triggerwarnung – eure klimatisierten Gleitzeit- und Homeoffice-„Arbeits“plätze verlassen und SELBST in die Schulen gehen, um dann ganz standardisiert einen Flohzirkus zu testen.
Und DAS wird natürlich nie passieren.
Pricinpal Agent 447 meldet: Fortschritte plangemäß eingeleitet, moderate, jedoch erkennbare Hetausforderungen verbleiben im Normalmaß.
Diese KI-Bilder sind schrecklich, was soll der Mist mit den riesigen Augen?? Ist das hier ein Manga? Kommt gleich Mila Superstar durch die Luft geflogen? Pika, Pika?
Warum nicht in die Nachbarschaft gucken und feststellen, dass das allein nicht reicht? Dänemark kombiniert die hier vorgeschlagene evidenzbasierte, datengestützte Steuerung der frühkindlichen Bildung mit einer verpflichtenden Kita‑Teilnahme in sozial benachteiligten “Quartieren”, die basically auf Sprach‑ und Integrationsförderung abzielt. Und genau diese Kombination (!) wird international als Best‑Practice‑Ansatz für Bildungsgerechtigkeit und frühe Intervention beschrieben.
Dänemarks Staat mischt sich massiv in das Leben seiner Bürger ein, natürlich mit den besten Absichten. Hier würden vermutlich viele protestieren, wenn es ähnlich wäre, und zwar von Links und von Rechts gleichermaßen. Der skandinavische Pragmatismus passt in keine hiesige Schublade.
Legen Sie sich mal als Frechlingskind oder Aufmuckereltern mit dem dänischen Staat in Form der Lehrer an – der Polizeiwagen steht in der Regel am gleichen Tag noch vorm Haus und die Polizisten im Wohnzimmer.
DEN Teil, den lassen “sie” immer weg, wenn von der dänischen hyggeligkeit in der Schule einer gesäuselt wird.
“Standardisierte Verfahren”, “verbindliche Datennutzung”, “Datengewinnung”, “systematische Nutzung”, “datengestützte Steuerung”, “umfassendes Überwachungssystem”, “beobachtungsbasiertes Monitoring der Prozess- und Interaktionsqualität”, “Datenquellen systematisch weiterentwickeln und verknüpfen”, “Standardisierung von Verfahren”, “Systematisierung von Übergängen”, “messen”, “vergleichen”, “steuern”,…….
Kennenlernen, Beziehungsaufbau, Einfühlung, Verständigung, Spontanität, Phantasie, Kreativität, Neugier, Freude, Spaß, Traurigkeit, Ärger, Wut, Lärm, Harmonie, Konflikt, Überforderung, Erfüllung, Witz, Schalk, Himmelhochjauchzend, Zutodebetrübt, Auf und Ab, Hin und Her, Musik, Geschichten, Spiele, Lieder,
Abwechslung, Ruhe, Hektik, Gewusel, Konzentration, Entdeckerlust, Versunkenheit, Trennungsangst, Heimweh, Bauchweh, Müdigkeit, Langeweile, Aktivität, Bewegung, Toben, Springen, Rennen, Klettern, Freundschaft, Abneigung, Zuneigung, Individualität, Gemeinschaft, Durchsetzung, Rücksichtnahme…..
Finde den Fehler…..
Das ist doch gruselig. Als wären Kinder Objekt zum Vermessen und keine Individuen.
Es ist problematisch genug, dass Schule immer auch partiell ein Standardisierungsprogramm ist, das lässt sich aber nicht vermeiden. Wird die Vermessung und Normierung aber so in den Himmel gelobt, dann stimmt etwas mit dem Menschenbild nicht.
Dann wird Individualität offen als Störfaktor gesehen und nicht mehr die Normierung als notwendiges Problem.
Jetzt also die Kita auch nutzen, um die Kinder ordentlich zuzuballern?
Herr Gott, lasst die Kinder doch einfach mal Kinder sein! Wieso lernen die Politiker eigentlich nicht, dass das so nicht funktioniert. Seit diversen Jahren haben wir den umgekehrten Flynn-Effekt, das wird aber nicht dadurch besser, dass ich die Kinder immer weiter befülle, könnte man aus den letzten 30 Jahren gelernt haben, eigentlich.
Lasst die Kinder auf natürliche Art und Weise lernen über Try and Error und nicht auf diese unnatürliche Art und Weise, davon werden sie später noch genug haben.
Aber wenn wir Kinder den ganzen Tag in die Schule stecken…dann müssen die Unterschiede doch weggehen, die “Kompetenzen” steigen?
Ich habs: Ausweitung Ganztag bis 1800!
Da BINDUNG VOR BILDUNG steht und die Voraussetzung für erfolgreiche Bildung ist, bin ich für ein exaktes Monitoring der Eingewöhnung im U3- Bereich.
Kinder werden seit einigen Jahren ab ihrem ersten Geburtstag von Politik und Wirtschaft für Kita- fähig erklärt. Die jungen werdenden Eltern nehmen das häufig unbesorgt auf und suchen bereits nach dem positiven Schwangerschaftstest einen Platz in der Kita oder bei Tageseltern. Sie klären frühzeitig an ihrem Arbeitsplatz, dass die Hauptbezugsperson, häufig die Mutter, spätestens im zweiten Monat nach dem ersten Geburtstag und somit nach der Eingewöhnung des Kindes in der Betreuung zumindest in Teilzeit wieder regelmäßig arbeiten wird. Das ungeborene Kind hat zum Zeitpunkt dieser Klärungen erst die Größe eines Salzstreuers.
Der Verlauf des ersten Lebensjahres ist noch völlig unbekannt.
Sicher ist aber, dass der erste Geburtstag und somit die Eingewöhnung in die sogenannte „Fremdelphase“ fällt, die für die Entwicklung des Kindes bezüglich Bindung und Sicherheit eine elementare Rolle spielt. Diese dauert ungefähr von 9 bis 18 Monaten. In dieser Zeit entwickelt sich tiefes Vertrauen in die Eltern und andere Menschen… oder auch nicht.
Deshalb wäre es aus Sicht des Kinderschutzes, spätestens aber aus Sicht aller anderen Player, die auf Leistung durch gut gebildete Menschen setzen, wichtig, die Eingewöhnungsphase und die ersten sechs Monate des Kindes mit größter Wachsamkeit hinsichtlich der Bindung in der Kita zu begleiten.
Ein Monitoring könnte hier helfen, die tatsächliche Situation der Eingewöhnungskinder sichtbar zu machen.
Wie gut löst sich das Kind von der Person, die es morgens bringt?
Wie ist die Reaktion? (Schreien, Weinen, stiller Rückzug oder direkte Interaktion mit Kindern und nachträgliches Weinen, wenn die Bezugsperson nicht mehr da ist, oder völliges Fehlen einer „vermissenden Reaktion“)?
Hat das Kind eine feste, beim Ankommen anwesende Bezugsperson?
Wie ist die emotionale Interaktion?
Kann das Kind nach Bedarf ausruhen oder schlafen?
Schläft das Kind alleine ein? Braucht es dabei Hilfe? Weint es? Wie lange? Lässt es sich trösten?
Welchen Eindruck macht das Kind generell während der Eingewöhnung?
Und so weiter.
Eine ehrliche Abfrage über die emotionale Situation der U3- Eingewöhnung und eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern wäre extrem wichtig für die gesunde psychische Entwicklung.
Auch die Eltern sollten in das Monitoring eingebunden sein.
Wie verhält sich das Kind beim Abholen? Wie schläft es seitdem? Klammert es mehr oder ist es selbständiger geworden? Wie ist die Situation am Morgen? Was hat sich verändert? Gibt es Probleme? Was funktioniert gut?
Wer es ernst meint mit frühkindlicher Bildung, muss frühkindliche BiNdung ernst nehmen. Es müsste politisch und gesellschaftlich anders über das zweite Lebensjahr gesprochen werden, in dem beobachtet wird, ob die Betreuung dem Kind gut tut oder ob ein späterer Eintritt für das Kind besser wäre. Manche Kinder schaffen es mit 1,5 Jahren wesentlich besser als die Einjährigen und genau so kann man das andersherum beobachten.
Anhand der erhobenen Daten könnte offiziell anerkannt werden, wenn ein Kind noch nicht betreuungsfähig ist und einen späteren Eintrittstermin benötigt. Hier müsste, sollte man die sichere Bindung ernst nehmen und auf die Spätfolgen durch Brüche verzichten wollen, vieles geändert werden. Kita- Plätze müssten auch zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung stehen, Eltern bräuchten länger finanzielle Unterstützung, Arbeitgeber müssten noch flexibler sein.
Geht nicht?
Dann muss man eben mit großen Bildungsproblemen rechnen.
Ein Kind, das mit einem Jahr die Erfahrung gemacht hat, aus dem geborgenen, warmen Nest gestoßen und in einer fremden Umgebung abgegeben worden zu sein, wo es wochenlang nach Mama und Papa geweint hat, ohne dass diese zu ihm gekommen wären, interessiert sich nicht für Bildung. Es fühlt sich seit diesem Bruch verunsichert unter Menschen und hat das Vertrauen verloren. Entsprechend wird es sein Gehirn ausbilden. Keiner hört mich? Ich höre auch keinen.
Vielleicht entwickelt es auch eine Angsterkrankung, denn dieses lange, verzweifelte Weinen, das von fürsorglichen Erzieherinnen und Erziehern nicht mit dem Auftauchen der Eltern, sondern nur mit Ablenkung von Schmerz und Trauer beantwortet werden konnte, hinterlässt Spuren in Form von Trauma. Alles, mit was dieses Gefühl ablenkend beantwortet wurde, kann auch später zu einer Sucht durch Ablenkung führen und damit weg von Konzentration und Bildungschancen. Kinder lernen frühzeitig, sich ihrer Umgebung anzupassen, auch wenn sie den Bruch in der Bindung nicht verkraftet haben. Sie hören auf zu weinen und fügen sich ein. Die Eltern sind dann beruhigt, dass ihr Kind nach dem langen Geschrei endlich in der Kita angekommen ist.
Wenn wir uns als Gesellschaft leisten, Kinder vom elementaren Schmerz beim Fehlen der Eltern abzulenken, weil wir die Eltern beide in der Arbeit brauchen, leisten wir Bildung: die Bildung von Ablenkung von sehr schmerzhaften Gefühlen.
Ich bin sehr dafür, an dieser Stelle durch Monitoring im U3 Bereich für Klarheit und die Grundsteinlegung für erfolgreiche Bildung nach
geschützter Bindung zu sorgen.
Liebe @TaMu,
Wer soll das in dieser Akribie durchführen?
Eigentlich müßte es doch jedem klar denkenden Menschen auch ohne eine derart ausgeklügelte und aufwendige Entwicklungsdokumentation klar sein. Kinder im Kleinkindalter brauchen in erster Linie ihre Eltern.
Alles andere ist mehr oder weniger notdürftiger Ersatz. Die Qualität dieses Ersatzes steht und fällt mit dem Personalschlüssel, der Gruppengröße und der Kompetenz des anwesenden Fachpersonals der jeweiligen Einrichtung.
Die Auswirkungen auf das Kind, hängen von der psychischen Konstitution desselbigen ab und vom Beginn sowie der Dauer der Krippenbetreuung.
Sobald man merkt, es tut dem Kind nicht gut, es ist noch nicht bereit, es ist überfordert, es wirkt apathisch und in sich gekehrt, sollte niemand allein aus finanziellen Gründen gezwungen sein, es dem trotzdem aussetzen zu müssen. In was für einer Welt leben wir eigentlich?
Das Bild zu diesem Artikel drückt es doch vollkommen klar aus:
Das Kind under dem Mikroskop, als im Grunde von Natur aus defizitäres Beobachtungsobjekt, dass es auszuforschen gilt, um es erziehen, fördern, lenken, und zurechtstutzen zu können, damit es in die vorgesehene Schablone paßt.
Fit für die Schule, medien-und digitalkompetent, flexibel, teamfähig und passend für die Erfordernisse einer komplett durchdigitalisierten, zukünftigen schönen, neuen Arbeitswelt.
Und nebenbei macht es den Weg frei für die möglichst frühzeitige Rückkehr beider Eltern an den Arbeitsplatz – möglichst in Vollzeit.
Trotzdem scheint das ja alles nur so semigut zu funktionieren.
Nie waren Kinder stärker unter Beobachtung, nie wurde der Entwicklungsstand jedes einzelnen Kindes mehr dokumentiert, darüber geredet, reflektiert, eingeordnet und entsprechende Fördermaßnahmen eingeleitet, nie fand mehr Kommunikation und Austausch zwischen Eltern, Kindergärten und Schulen statt als heute.
Und nie ist es genug, nie hat es zu einer signifikanten Verbesserung von irgendwas geführt, oder hab ich da was Relevantes verpaßt?
Geht es Kindern heute so viel besser als vor 20, 30, 40, 50 Jahren?
Sind sie so viel schlauer?
Passen sie besser in die für sie vorgesehenen Schablonen?
Sind sie glücklicher?
Ich lese solche Artikel und denke, was soll der Scheiß?
Was hat das mit Kindern zu tun?
Was hat das mit meinem Beruf zu tun?
Laßt die Kleinen doch einfach mal groß werden.
Seid für sie da.
Zeigt ihnen, wie gern ihr sie habt.
Lobt sie, wenn sie sich Mühe geben.
Tadelt sie auch mal, wenn sie Mist machen.
Lehrt sie Richtig und Falsch, Mein und Dein.
Singt, spielt, lacht mit ihnen.
Traut ihnen etwas zu.
Stillt ihre Neugier.
Lest ihnen Geschichten vor.
Laßt sie los, wenn sie dafür bereit sind und gebt ihnen Halt und Sicherheit, solange sie es brauchen.
Und holt euch Hilfe, wenn ihr Probleme mit ihnen habt, mit denen ihr alleine nicht klar kommt.
Die gibt es heute zuhauf. Die Hilfe, mein ich. Mehr als vor 20, 30, 40, 50 Jahren.
Und hört mir auf mit Systematik und Standard und Steuerung und Daten und Monitoring…………
Es geht um MENSCHEN und darum, dass nicht alles im Leben lenk- und optimierbar ist.
Himmelkreuzdonnetwetter nochmal.
Sorry, das geht nicht gegen Sie persönlich.
Ich kann nur dieses Technokratensprech nicht ab, wenn es um Menschen geht.
Ich weiß, dass Ihr Artikel nicht „gegen mich“ geht. Tatsächlich empfinde ich ihn als Ergänzung zu meinem Beitrag, weil Sie alles ausdrücken, was ich weg gelassen habe, um mich auf das geforderte Monitoring zu konzentrieren. Denn wenn dieses eingeführt werden sollte, dann hoffe ich, vermutlich vergebens, dass die Eingewöhnung aus Sicht des Kinderschutzes dokumentiert werden muss.
Hier wird meiner Meinung nicht gesehen und verstanden, was nicht sein darf. In vielen Fällen würde ich von institutioneller Kindesgefährdung sprechen, da einige Kinder dauerhaft zu einem Aufenthalt an einem für sie überfordernden Ort gehalten werden, der nicht ihrem Entwicklungsstand entspricht, weil der Arbeitsplatz wichtiger ist, als die gesunde Entwicklung.
Diese Kinder müssten herausgefunden und nach Hause zurück gegeben werden mit der Chance auf einen späteren Wiedereinstieg in die Kita.
Das tage- vielleicht wochenlang weinende und niedergeschlagene Kind wird in einigen Kitas als „normal“ angesehen.
Deshalb wünschte ich mir, wenn schon Kinder wieder unter der Optimierungslupe auftauchen, einen ganz besonders aufmerksamen Blick auf diese Situation und deren Erfassung.
Wer das erfassen soll?
Das weiß ich auch nicht. Das Monitoring in der angedachten Idee ist nicht mein Vorschlag, weil dieses nicht Ihre und meine Sicht auf das Kind verspricht und ich finde nicht, dass Erzieherinnen und Erzieher das zusätzlich machen sollten. Diese Zeit gehört den Kindern und deren Wohlergehen.
Das Technokratensprech habe ich direkt aus dem Artikel übernommen. Ich selbst rede auch nicht so. Ich bin da ganz bei Ihnen.
Beim Technokratensprech ging es mir in erster Linie um den Artikel und gar nicht so sehr um Ihren Kommentar. Im Grunde verstehe ich schon, was Sie meinen.
Das geht wieder genau in die falsche Richtung. Wir brauchen weniger Daten und weniger Bürokratie, da wir gar nicht die Zeit und das Personal haben, diese ORDENTLICH zu erheben. Im schlimmsten Fall bekommen wir fehlerhafte/unrealistische Daten und ziehen daraus die falschen Schlussfolgerungen, die wir aber sowieso nicht mangels Personals umsetzen können.
Das Ausfüllen der diversen Entwicklungs/Beobachtungsbögen im Kindergarten erfolgt ja häufig unter Zeitdruck.
Dann liest du dir die Fragen durch, überlegst, welche der möglichen Antworten am meisten auf das jeweilige Kind zutrifft, manchmal hast du die Gelegenheit, dich dazu mit einer Kollegin auszutauschen, wie die das sieht, manchmal kreuzt du dann halt das an, wovon du glaubst, dass es schon so ungefähr zutrifft.
Es ist ja nicht so, dass man bei jedem Kind immer jedes kleine Detail der Vielzahl an Entwicklungsaspekten im Kopf hat.
Da müßte man sich vorher gezielt vornehmen, das jeweilige Kind jetzt mal genau zu beobachten und sich Notizen zu machen. Aber wie soll das gehen im Alltag, womöglich noch im offenen System, wo man ständig mit tausend Dingen gleichzeitig zu tun hat und die Kinder zwischen den Räumen wechseln?
Das macht man natürlich, wenn man bei einem Kind Auffälligkeiten bemerkt, oder wenn ein Elterngespräch ansteht. Dann guckt man nochmal genauer hin und tauscht sich mit den Kolleginnen aus.
Was die Übergänge betrifft – also vom Kindergarten in die Grundschule – da findet heute viel mehr an Austausch statt, als noch vor zwanzig, dreißig Jahren.
Und was hat es gebracht?
Die ständigen Klagen über Kinder, die keinen Stift halten können, die sich kaum konzentrieren können, denen die simpelsten Grundlagen fehlen, um dem Unterrichtsgeschehen folgen zu können, kenne ich aus den früheren Jahren meiner Tätigkeit als Erzieherin nicht. Obwohl da längst nicht so viel an Vorabkommunikation und gegenseitigen Besuchen zwischen Kiga und Grundschule lief, wie heute.
Eigentlich war es mal selbsverständlich, dass Kinder bei Schuleintritt in der Lage sind mit Schere, Stift und Kleber umzugehen, sich selbständig an- und auszuziehen, Zahlen- und Mengen im Bereich bis sechs zu erkennen und zuzuordnen, die Grundformen zu kennen, sich sprachlich adäquat auszudrücken, sich über eine gewisse Zeit auf eine Sache zu konzentrieren und kleinere Konflikte selbständig zu lösen. Und sie waren ALLE in der Lage alleine aufs Klo zu gehen!
Im Großen und Ganzen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, hat das gut funktioniert.
Warum klappt das, trotz all der zahlreichen, angeblichen “Verbesserungen” zu früher, nicht mehr?
Wo doch heute alles viel moderner und fortschrittlicher ist?
Viel mehr Ganztagsangebote.
Offene Arbeit in den Kitas.
Viel mehr Krippenplätze.
Berufstätigkeit beider Eltern und dadurch frühzeitige professionelle Bildung und Betreuung der Kinder durch pädagogisches Fachpersonal.
Verstärkte Entwicklungsdokumentation von Anfang an – schon in der Krippe wird so einiges von dem dokumentiert, was @TaMu weiter oben ausführt.
Warum werden unsere Kinder nich ständig klüger, kompetenter, sozialer und glücklicher?
Und komm mir jetzt keiner mit Personalmangel.
Den hatten wir früher auch.
Und trotzdem – ich hau den Satz jetzt einfach mal so raus, auch wenn er mir nachher vielleicht um die Ohren fliegt: Kindergarten und Grundschule haben in den achtziger, neunziger und auch noch in den nuller Jahren besser funktioniert.
Ganz ohne datenbasierten Monitoringsystematikdigitalerfassungsmessungsvergleichsundsteuerungsschnickschnack.
Eigentlich sollte mein Beitrag über „Monitoring der Eingewöhnung“ genau darauf den Blick lenken: Kinder sind heute in Massen zwei Jahre früher als in den 80igern, zumindest in der ehemaligen BRD, in den Kitas und das zu häufig wesentlich mehr Stunden.
Tut ihnen das gut? Einigen ja, anderen nein. Und diejenigen, denen es nicht gut tut, müsste frühzeitig geholfen werden, nämlich während der schwierig verlaufenden Eingewöhnung. Das könnte mit einem kindgerechten Blick auf das Kind, , einem auf das Kind ausgerichteten gesunden Elterninstinkt und einer staatlich unterstützenden Haltung gegenüber den ersten beiden Lebensjahren von Kindern ohne Monitoring und ohne Aufwand geschaffen werden.
Es scheitert häufig an wirtschaftlichen Hürden, an den Problemen Alleinerziehender, am Mangel an Kita- Plätzen für diejenigen, die einen weiteren Einstieg ein Jahr später bräuchten und am allgemeinen Weltbild von Familien, die Kinder und Arbeit mühelos vereinbaren können.
Wo dieser früher selbstverständliche Blick auf das Kind nicht mehr sein darf, könnte eine Dokumentation der Eingewöhnung helfen, die tatsächliche Notlage der Kleinkinder zu erfassen und zu verhindern, dass sie später durch einen Bruch in der Bindungentwicklung keine guten Bildungsvoraussetzungen haben.
Ich bekomme jedes Jahr eine Vielzahl dieser Entwicklungsberichte in die Hände. Leider sind sie meist so formuliert, dass wir damit wirklich nichts anfangen können…..die Items sind so, dass weder Stärken noch Schwächen daraus hervorgehen…..aus meiner Sicht, kann man sich diese Berichte zum Übergang direkt mal sparen.
Zeigt ein Kind Auffälligkeiten bei der Schuleingangsdiagnostik, dann greifen wir zum Hörer und telefonieren mit der zuständigen Erzieherin (ja, wir haben natürlich die Einverständniserklärung der Eltern). Diese Gespräche sind dann sehr aufschlussreich und wir dokumentieren diese dann auch.
Aber zu Ihrer Beobachtung, dass vieles mal besser funktioniert hat und die Kinder scheinbar besser gerüstet in die Schule kamen:
– Der ganz überwiegende Teil der Kinder, die den Kiga regelmäßig besucht haben, ist gut gerüstet…
– gibt es Auffälligkeiten, dann sind die Probleme gut bekannt und die Erzieherinnen haben immer wieder in vielen Gesprächen mit den Eltern darauf aufmerksam gemacht…..oft wurde dann etwas erreicht, oft aber leider auch nicht….
– fehlende Vorläuferfähigkeiten treten eigentlich nur bei Kindern auf, die nur sporadisch den Kiga besucht haben und mehrheitlich dort absent waren
– eklatante Auffälligkeiten finden sich eigentlich nur bei Kindern, die nie einen Kiga besucht haben….
Mein Fazit: Kitas und Kigas machen nach wie vor gute Arbeit, Erzieherinnen können ihre Kinder sehr gut einschätzen, den ganzen Dokukram könnte man auf ein Minimum reduzieren, diese Minimum darf dann aber gerne aussagekräftig sein (also deutlich Stärken und Schwächen formulieren)
Auflistung der möglichen Schulabschlüsse mit einer Ankreuzmöglichkeit.
ESA
EESA/MSA
MSA
MSA/FHR (FOR)
FHR/AHR (FOR-Q)
Nicht Zutreffendes bitte streichen.
“- Der ganz überwiegende Teil der Kinder, die den Kiga regelmäßig besucht haben, ist gut gerüstet…”
Lt. Statista besuchen rund 95% aller Drei- bis Fünfjährigen in Deutschland eine Kita. Dann müßte die Anzahl derer, die nicht gut gerüstet sind, ja sehr überschaubar und der Umgang damit relativ problemlos händelbar sein.
“- gibt es Auffälligkeiten, dann sind die Probleme gut bekannt und die Erzieherinnen haben immer wieder in vielen Gesprächen mit den Eltern darauf aufmerksam gemacht……oft wurde dann etwas erreicht, oft aber leider auch nicht….”
Kann ich aus meinem beruflichen Alltag im Grunde so bestätigen. Allerdings sehe ich schon, dass die Probleme zugenommen haben. Und wie Sie schon sagen, nicht immer erreicht man durch Gespräche und aufmerksam machen etwas.
Ich denke auch, dass in vielen Kindergärten heute mehr Wert auf freiwillige Angebote, auf Partizipation und Selbsbestimmung gelegt wird, was ja nicht grundsätzlich falsch ist. Jedoch kommt m.E. die verbindliche Vorschularbeit, in der gezielt, die für den Schuleintritt nötigen Basiskompetenzen trainiert werden, in manchen Einrichtungen, die sehr stark auf ein offenes System ausgerichtest sind, zu kurz.
“- fehlende Vorläuferähigkeiten treten eigentlich nur bei Kindern auf, die nur sporadisch den Kindergarten besucht haben und mehrheitlich dort absent waren”
Nun weiß ich natürlich nicht, wieviele von den 95% aller Kinder, die einen Kindergarten besuchen, dies nur sporadisch tun. Aber aus meiner langjährigen beruflichen Tätigkeit kann ich sagen, dass die Kinder, die bei uns angemeldet waren, in der überwältigenden Mehrheit auch regelmäßig da waren. Da hätte man sich eher gewünscht, dass der ein oder andere bei Krankheit mal lieber ein bißchen länger zu Hause geblieben wäre und so manchem Kind, dass immer da war, hätte man es sehr gegönnt, wenn es in der weihnachtlichen Feriennotbetreuung nicht auch noch anwesend gewesen wäre. Absenz trat m.E. wesentlich seltener auf, als “chronische” Anwesenheit und dürfte somit nur auf eine eher geringe Anzahl der Kinder zutreffen.
“- eklatante Auffälligkeiten finden sich eigentlich nur bei Kindern, die nie einen Kindergarten besucht haben.”
Dann verstehe ich nicht, worüber die ganze Zeit geklagt wird: Von Kindern, die keinen Stift halten können, die nicht mit Schere und Kleber umgehen können, die sich kaum mal länger auf eine Sache konzentrieren können, die nicht über die sprachlichen Fähigkeiten verfügen, um dem Unterrichtsgeschehen folgen zu können, die überfordert sind mit mehr als einschrittigen Arbeitsaufträgen, die kaum noch Frustrationstoleranz besitzen und deren Sozialkompetenz im Allgemeinen sehr zu wünschen übrig läßt und von Grundschülern, die zu einem Viertel die Grundschule verlassen, ohne über die entsprechenden Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen zu verfügen. Lt. IQB-Bildungstrend immerhin ein Viertel, wenn ich mich nicht irre.
Es kann doch nicht sein, dass das nur Kinder sind, die selten oder nie einen Kindergarten besucht haben.
Wir haben ein Problem damit, dass v.a. im großstädtisch geprägten Umfeld, zu viele Kinder kaum deutsch sprechen. Und wie sollen sie es lernen, wenn um sie herum, außer der Erzieher, bzw. der Lehrer, auch keiner richtig deutsch kann. Dafür mache ich aber beileibe nicht die Zuwanderer verantwortlich. Wäre ich an deren Stelle, würde ich vielleicht auch nicht anders handeln. Man kann es keinem Menschen verübeln, dorthin zu gehen, wo er hofft in Frieden und ohne ständige Angst ein menschenwürdiges Leben führen zu können.
Abseits von den Problemen, die die ungeregelte Zuwanderung der letzten mehr als zehn Jahre für unser Bildungssystem bedeuten, krankt unsere Gesellschaft an einem weiteren Problem. Nämlich, dass keiner wirklich Zeit und Muße hat, sich dem “Projekt” Familie mit ganzer Hingabe zu widmen.
Familie ist kein “Wochenend- und Feierabendzeitvertreib”, den man nach der Vollzeiterwerbstätigkeit so nebenbei wuppt.
Das mag für manche gut funktionieren und die dürfen sich selbstverständlich für dieses Lebensmodell entscheiden. Aber wer es lieber anders machen möchte, muß die Möglichkeit dazu haben.
Dieser wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Druck, seine Kinder am besten schon ein-, spätestens aber zweijährig in öffentliche Betreuung zu geben, ist meiner Meinung nach kontraproduktiv, familienunfreundlich und führt nicht zu mehr und besserer Bildung, weil das Bedürfnis des Kindes nach Bindung, Sicherheit und Geborgenheit dabei sträflich vernachlässigt wird.
Da können wir Daten erfassen, Monitoring betreiben, messen, vergleichen, steuern und überwachen bis der Arzt kommt – verbessern wird sich dadurch nichts.
Vielen Dank für das Ausdifferenzieren! Ich merke, dass ich deutlich zu unterkomplex und eindimensional unterwegs war.
– Ja, es stimmt, dass bei uns auch mindestens 95% der Kinder einen Kiga vor der Einschulung besucht haben. Aber jedesmal, wenn wir mit dem Kiga wegst Auffälligkeiten telefoniert haben, kam heraus, dass die Kinder zwar hübsch angemeldet waren, aber immer beständig ein oder mehrere Tage in der Woche nicht dort waren. Gerade bei Kindern, die sich sowieso schon schwer tun, war die Aussage, dass immer wieder von vorne angefangen werden musste…..Fortschritte also eher sehr langsam gemacht wurden oder sogar Rückschritte.
– Ja, einige (mehrere) Kitas fahren leider offene Konzepte, was für die betreffenden Kinder nicht gut kommt.
Ja, es gibt in einigen Kitas nicht genug Sprachvorbilder…..und natürlich ziehen sich Kinder gerne zu anderen, die dieselbe Muttersprache sprechen…..
– Ja, manchmal gibt es leider keinen Schukinaklub, was wirklich schlimm ist
– Ja, neuzugezogene Kinder haben es sehr schwer überhaupt einen Kitaplatz zu ergattern…..(meist gelingt das erst ein halbes Jahr vor der Einschulung, wenn wir tatkräftig unterstützen)
Und dennoch, wenn Kinder sehr, sehr regelmäßig in den Kiga gehen, dann sieht man das in der Regel gut: Sie können mindestens die Alltagssprache (mit einigen grammatikalischen Unsicherheiten), sie können einen Stift halten, können eine Schere und Kleber bedienen, können bis 10 zählen, können sich motorisch einigermaßen geschickt verhalten, haben ein wie auch immer geartetes Sozialverhalten (sind oft Gruppenkompatibel),…..und wenn dann noch Eltern ein klitzekleines bisschen mithelfen, dann haben diese Kinder einen (guten) Start…..
Ja, da gehe ich durchaus mit.
Um das, was Sie im letzten Absatz beschreiben, erreichen zu können, wäre aber ein Kindergartenbesuch von täglich vier bis fünf Stunden ab drei Jahren völlig ausreichend.
Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass manchen Kindern aber zu früh und zu viel an institutioneller Betreuung zugemutet wird.
Und das hat Auswirkungen auf die sozial-emotionale Entwicklung dieser Kinder.
Die können dann wohl den Stift halten, mit Schere und Kleber umgehen, bis zehn zählen, sich motorisch geschickt verhalten und haben soetwas wie ein gruppenkompatibles Sozialverhalten. Oft sind sie auch noch sehr brav und angepaßt…..und kreuzunglücklich, um es mal ein wenig plakativ auszudrücken. Irgendwo müssen all die vielen, kleinen Patienten in den psychiatrischen Kinderarztpraxen ja herkommen.
Das heißt nicht, dass davon alle im gleichen Maße betroffen sind. Manchen schadet es natürlich gar nicht, andere profitieren möglicherweise davon, weil sie von zu Hause nur sehr wenig mitbekommen. Aber viele sind damit überfordert.
Vielleicht wäre ein Monitoring diesbezügluch, so wie es @TaMu beschreibt, tatsächlich hilfreich, wobei ich nicht daran glaube, dass das irgendetwas ändern würde.
Es ist wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch nicht gewollt, dass Eltern sich mehr Zeit für die Erziehung und Betreuung ihrer Kinder nehmen können.
Also die U3-Kinder unbetreut alleine zuhause lassen, um arbeiten gehen zu können bzw. am Integrationskurs, der Weiterbildungsmaßnahme etc. teilnehmen zu können.
Aber gut, dass die Großeltern immer gleich um die Ecke wohnen und für die Betreuung zur Verfügung stehen.
Nö. Eltern, die U3-Kinder zu Hause haben, sollten die Möglichkeit haben, nicht beide einer Erwerbstätigkeit nachgehen zu MÜSSEN, um finanziell über die Runden zu kommen.
Ich halte dieses ganze Komplettinstitutionalisierungs -ding der Kindheit von der Wiege bis zum Schulabschluß für eine absolute Fehlentwicklung.
Ich fordere Ganztagsagsfreiheit für Deutschlands U3-Kinder und Halbtagsfreiheit für Kindergarten- und Grundschulkinder – jawoll! FaustkämpferischindieLuftreck!!!
Und: Datensammelbeobachtungsüberwachungskontrollsystemmessungssteuerungsfreiheit gleich noch mit dazu. DoppelfaustindieLuftreck!!!
Und ich bin dagegen individuelle Entscheidungen in Bezug auf die Familienplanung gesellschaftlich zu alimentieren.
Ein Krippenplatz kostet den Staat monatlich ca. 1200Euro…
Rausgeschmissen Geld.
Dann auch keine Kitaplätze “alimentieren”?
Kein beitragsfreies letztes Kigaahr vor Schuleintritt?
Keine Ermäßigung für Geschwisterkinder?
Damit wäre auch der immer wieder heiß diskutierte beitragsfreie Kindergarten vom Tisch.
Sollen die Leute für die “private Entscheidung” ihre Kinder in Betreuung zu geben doch gefälligst selbst aufkommen, es könnte ja auch ein Elternteil zu Hause bleiben – und was geht es den Staat an, das es Alleinerziehende gibt? Sollen die doch sehen, wie sie klar kommen. Waren ja “private” Entscheidungen, die zum Alleinerziehen geführt haben….
Müssen sie halt selber sehen, wie sie die Kohle zusammenbringen, die ein Kitaplatz ohne staatliche “Alimentierung” wirklich kosten würde. Müssen halt die abwesenden Väter zahlen.
Was geht es den Staat an, wenn Paare privat entschieden haben, sich zu trennen oder das Kind nur ein “Unfall” war.
Sollen die Leute das halt irgendwie privat händeln.
Noch schöner wäre es ja, wenn so ein Kitaplatz zwecks niedriger Einkünfte am Ende noch komplett vom Amt bezahlt wird.
Ja. Sie haben da vollkommen Recht. Private Familienplanungsent-scheidungen gehören nicht “gesellschaftlich” alimentiert.
Also auch weg mit dem Kindergeld. Und dem Elterngeld.
Private Entscheidungen werden nicht alimentiert. Punkt. Aus.
Ich habe da jetzt keine Quelle zur Hand und bin mir nicht sicher ob der Betrag stimmt – angeblich aber kostet ein Krippenplatz den Staat/die Kommune, monatl. 1200Euro.
Keine Geldleistung. Kindergarten- respektive Vorschulpflicht ab dem 3. Lebensjahr. Rückkehr zu G8.
Jeweils 3 Jahre Vorschule, Grundschule, Mittelstufe und Oberstufe oder berufliche Ausbildung.
Drei Jahre Vorschule in welchem Umfang?
Drei, vier, fünf Stunden täglich?
Was darüber geht, muss selbst finanziert werden?
Ich war immer gegen eine Kindergartenpflicht.
Allerdings bin ich angesichts der wachsenden Probleme inzwischen zu der Einsicht gelangt, dass es vielleicht kein Schaden wäre, wenigstens ein verpflichtendes Kindergartenjahr einzuführen.
So ganz weit weg bin ich von Ihrer Sichtweise also gar nicht.
Ich sehe halt, wie vor allem ein großer Teil der Jüngsten durch den gesellschaftspolitischen Druck auf Eltern, doch bitte so schnell wie möglich wieder arbeiten zu gehen, leiden, weil sie einfach noch nicht bereit sind, täglich für mehrere Stunden von ihren Eltern getrennt zu sein.
Sie müssen trotzdem.
Sie werden selbst krank gebracht.
Müde, unausgeschlafen.
Weil Eltern nun mal auch bestimmten Zwängen und Pflichten ausgesetzt sind.
Mich macht das wütend.
Weil wir als reiche Gesellschaft nicht in der Lage sind, den Kleinsten, Verletzlichsten dieses Minimum an “Welpenschutz” zu gönnen.
Und – das ist meine ganz persönliche Sicht, weil ich selbst das als Kind wohl gehaßt hätte:
Den ganzen Tag in irgendwelchen Institutionen verbringen zu müssen.
Da spielt halt mein persönliches Erleben mit rein.
Heutige Kinder kennen das ja nicht mehr anders und die gesellschaftlichen Voraussetzungen sind inzwischen ja ganz andere.
Das ist alles viel komplexer und unüberschaubarer geworden, und irgendwie gibt es wohl keinen Weg, der alle zufriedenstellt.
Ich würde aus meiner Sicht heutigen Kindern halt ein bißchen mehr individuelle Freiheit gönnen.
Materiell kriegen sie ja nahezu alles und über jeden Sch…. sollen sie selbst bestimmen und mitentscheiden dürfen – aber gleichzeitig stecken wir sie in die Massenbetreuung.
Mir fällt da der Begriff Doppelmoral dazu ein und das geht mir gegen den Strich. Aufgelöst krieg ich das Ganze aber auch nicht und mir ist durchaus klar, das auch viele Kinder von der institutionellen Betreuung profitieren.
Hat mit dem obigen Artikel nicht mehr allzuviel zu tun. Aber meine Meining dazu habe ich ja schon deutlich gemacht. 🙂
Danke!
Das war mein einziger Grund, das Wort „Monitoring“ zu benutzen: um die U3- Kinder zu schützen, die dieser Form von Betreuung nicht gewachsen sind.
Ich sehe es so, wie Sie es so gut beschrieben haben.
Nachtrag:
Die KI sagt: Je nach Bundesland/Kommune variieren die Kosten für einen Krippenplatz zwischen ca. 750 bis 1500 Euro im Monat.
Für einen Kindergartenplatz zwischen 500 bis 1000 Euro pro Monat.
Elternbeiträge decken nur einen Teil davon ab.
Nachtrag:
Also Freiheit VON Datensammelbeobachtungsüberwachungsfirlefanz, mein ich natürlich – ist ja klar, oder?