Home Nachrichten “Magerkost”: GEW sieht Lücken bei Bildungspolitik in laufenden Koalitionsverhandlungen 

“Magerkost”: GEW sieht Lücken bei Bildungspolitik in laufenden Koalitionsverhandlungen 

1
Anzeige

STUTTGART. Mit dem Start der Koalitionsverhandlungen zwischen Grünen und CDU in Baden-Württemberg richtet die Bildungsgewerkschaft GEW konkrete Erwartungen an die künftige Regierung. Aus Sicht der Interessenvertretung bleiben zentrale bildungspolitische Fragen bislang unbeantwortet. Es geht um Lehrkräftemangel, Ganztagsausbau und Bildungsgerechtigkeit – Themen, die über die Leistungsfähigkeit des gesamten Systems entscheiden. Die bisherigen Ergebnisse der Sondierungen bewertet die GEW als unzureichend. „Was bisher dazu im Ergebnis der Sondierungen steht, ist Magerkost.“

Will Ministerpräsident werden: Ex-Bundesbildungsminister Cem Özdemir (Grüne). Foto: Shutterstock / Jürgen Nowak

Zum Beginn der Koalitionsverhandlungen zwischen Grünen und CDU in Baden-Württemberg hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) deutliche Forderungen an die künftige Bildungspolitik formuliert. Die Organisation verbindet mit den Gesprächen die Erwartung „sinnvoller Entscheidungen für eine gute Bildungspolitik bis 2031“, wie es in einer Mitteilung vom 15. April heißt.

Im Zentrum der Kritik steht das bislang vorliegende Sondierungsergebnis. David Warneck, stellvertretender Landesvorsitzender der GEW, erklärte am Mittwoch in Stuttgart: „Cem Özdemir und Manuel Hagel haben beide bereits mit der GEW Schulen besucht und wissen, vor welchen Herausforderungen eine mutige Bildungspolitik steht, die unsere 1,5 Millionen Kinder und Jugendlichen zwischen Main und Bodensee fit macht für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Was bisher dazu im Ergebnis der Sondierungen steht, ist Magerkost.“ Besonders deutlich weist Warneck die Debatte um ein landesweites Handyverbot zurück: „Ein landesweites Handyverbot, das an vielen Schulen schon zur Realität gehört, ist Populismus und nicht die Lösung für viele Herausforderungen.“

Anzeige

Die GEW fordert stattdessen verbindliche Antworten auf strukturelle Probleme. Dazu zählt vor allem der anhaltende Lehrkräftemangel. Nach Angaben der Gewerkschaft müssen Wege gefunden werden, „wie trotz Lehrkräftemangel an allen 4.500 Schulen im Land alle Stellen besetzt werden können“. Ebenso wird ein flächendeckender Ausbau qualitativ hochwertiger Ganztagsangebote angemahnt. Auffällig sei zudem, dass der Begriff Bildungsgerechtigkeit im bisherigen Sondierungspapier nicht vorkomme. Warneck formuliert dies als offenen politischen Auftrag: „Wir erwarten im Koalitionsvertrag Antworten, wie Grüne und CDU sicherstellen wollen, wie trotz Lehrkräftemangel an allen 4.500 Schulen im Land alle Stellen besetzt werden können, wie guter Ganztag selbstverständlich wird und das Wort Bildungsgerechtigkeit fehlt noch komplett in den 48 Punkten des Sondierungsergebnisses.“

Die Ausgangslage wird durch steigende Schülerzahlen zusätzlich verschärft. Aktuell werden rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche von etwa 140.000 Lehrkräften unterrichtet. Nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes wird die Zahl der Schülerinnen und Schüler bis zum Schuljahr 2035/36 auf 1,624 Millionen ansteigen. Der Druck auf das System dürfte damit weiter wachsen.

Auch personell blickt die GEW auf mögliche Veränderungen im Kultusministerium. Die Gewerkschaft signalisiert Offenheit für eine Zusammenarbeit mit einer künftigen CDU-geführten Ressortspitze (News4teachers berichtete) und verbindet dies mit konkreten Erwartungen. „Auch wenn dann vielleicht im Ministerium nicht gegendert werden darf, stand die CDU in der Vergangenheit immer wieder für mutige Bildungspolitik“, sagte Warneck. Er verweist auf frühere bildungspolitische Entscheidungen, die unter CDU-Verantwortung getroffen wurden, darunter das Vorgriffstundenmodell sowie der Ausbau von Lehrerstellen unter der damaligen Kultusministerin Annette Schavan. Auch das bislang nicht vollständig umgesetzte Schulleitungskonzept von Susanne Eisenmann wird als Ansatz genannt, an den angeknüpft werden könne. „Daran sollte die CDU anknüpfen und eine mutige und innovative Spitze für das Ministerium suchen“, so Warneck.

Die GEW Baden-Württemberg, die nach eigenen Angaben mit zuletzt rund 51.400 Mitgliedern einen Höchststand erreicht hat, bietet der künftigen Landesregierung ihre Zusammenarbeit an. News4teachers 

Özdemir: Bildungs-ID für jeden Schüler – als Frühwarnsystem gegen Schulabbruch 

Anzeige
Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
1 Kommentar
Inline Feedbacks
View all comments
Rainer Zufall
1 Tag zuvor

“Die Ausgangslage wird durch steigende Schülerzahlen zusätzlich verschärft.”
Es war nicht leicht, aber nun sind der demografische Niedergang als auch wachsende Schüler*innenzahlen Probleme fürs Land. Glückwunsch an alle Seiten -___-

Aber nach all den Erfolgen und breiter Zufriedenheit kann die Bildungspolitik auch mal wieder ein wenig sich selbst überlassen werden…

wpDiscuz
Die mobile Version verlassen