
Einen Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg in Schleswig-Holstein zu erreichen, das ist nach Überzeugung der SPD-Landtagsfraktion derzeit unnötig schwierig. «Schleswig-Holstein schöpft seine Potenziale im Bildungsbereich nicht aus», kritisierte der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Martin Habersaat.
Im nördlichsten Bundesland verließen mehr Mädchen und Jungen die Schulen ohne Abschluss als im Bundesdurchschnitt. «Deshalb brauchen wir einen starken zweiten Bildungsweg – und der muss dringend weniger steinig werden», sagte er zu der Antwort der Landesregierung auf eine entsprechende Anfrage.
Volkshochschulen bieten Abschlüsse an
Wer die allgemeinbildenden Schulen einmal verlassen habe, finde kaum einen Weg zurück. Auch die beruflichen Schulen könnten deutlich mehr leisten, wenn man sie ließe, so Habersaat. Für Erwachsene, die den ersten allgemeinbildenden Schulabschluss oder den mittleren Schulabschluss nachholen möchten, gebe es in vielen Kreisen nur die Volkshochschulen als Anlaufstelle. Die finanzielle Belastung für die Betroffenen sei sehr unterschiedlich – sie liege je nach Wohnort zwischen 0 und 1.700 Euro.
Das Abitur kann laut Bildungsministerium derzeit an Abendgymnasien in Flensburg, Kiel und Lübeck kostenlos nachgeholt werden. «Aber auch hier stellt sich die Frage, ob drei Standorte für ein Flächenland ausreichen», sagte der SPD-Abgeordnete. «Besonders erstaunt mich, dass die Landesregierung keinerlei Online-Angebote nennt. Gerade ein Land wie Schleswig-Holstein, das seine digitale Vorreiterrolle gern betont, sollte hier deutlich weiter sein.»
SPD-Fraktion fordert bessere und einheitlichere Bedingungen
Habersaat forderte, die vom Landtag im Haushalt 2026 zusätzlich bereitgestellten 100.000 Euro Landesmittel für das Nachholen von Schulabschlüssen zu nutzen, um die Bedingungen im ganzen Land zu verbessern und stärker zu vereinheitlichen. «Einheitliche Lebensverhältnisse müssen auch in der Bildung gelten – denn Bildung ist die Grundlage für ein selbstständiges und erfülltes Leben.»
Das Bildungsministerium wies auf verschiedene Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung hin. So gebe es das Schüler-Bafög. Auch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter könnten unter bestimmten Voraussetzungen Kosten übernehmen, etwa über Bildungsgutscheine, wenn der Schulabschluss die beruflichen Chancen verbessere. News4teachers / mit Material der dpa
“das seine digitale Vorreiterrolle gern betont, “
Sieht die Dinge vermutlich anders als der Branchenverband Bitkom, der SH im Digitalranking der Bundesländer auf Platz 10 der Gesamtrangliste führt und bei Governance & Verwaltung auf Rang 13.