Ein Kommentar von NINA BRAUN
Außer in Fachkreisen hat die Studie bislang noch nicht für viel Aufsehen gesorgt. Dabei hätte sie gerade in Deutschland viel Aufmerksamkeit verdient: Britische Forscher fanden heraus, dass sich der Intelligenzquotient im Teenager-Alter noch deutlich verändert – um bis zu 20 Punkte nach oben oder unten. Das sind gewaltige Sprünge: von minderbemittelt hinauf zu durchschnittlich intelligent oder von hochbegabt hinab zu gutem Mittelmaß.
Das Ergebnis ist nichts Geringeres als der wissenschaftliche Nachweis dafür, dass die dem gegliederten Schulsystem in Deutschland zugrundeliegende Begabungstheorie schlicht falsch ist. Es gibt sie nicht, die Trennlinie zwischen den lernbegabten Kinder hier und den „eher praktisch begabten“ Kinder dort, wie ja der gebräuchliche Euphemismus für “dumm” hierzulande lautet. Auch Kinder, die bis zum 4. Schuljahr leistungsschwach sind, haben noch ein großes Potenzial – wenn man ihnen die Chance nicht vorenthält, es zu entwickeln. In einem anregungsarmen Umfeld, wie es die Hauptschule mit ihrer aussortierten Schülerschaft zwangsläufig bietet, kann das aber kaum gelingen. Bislang war die Strukturdebatte ein Glaubenskrieg. Jetzt gibt es wissenschaftliche Argumente: Die Hauptschule gehört abgeschafft.
