BAD BOLL. Neue Nahrung für eine hitzige Diskussion: Das Waffenrecht muss nach Ansicht der baden-württembergischen Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) weiter verschärft werden. «Wir stehen in der Pflicht, das Risiko für den Waffenmissbrauch durch Kinder und Jugendliche so weit wie möglich zu verringern», sagte sie auf einer Tagung in Bad Boll zum Thema Amok.
Jede Waffe weniger bedeute ein Stück mehr Sicherheit. Da Waffenrecht Bundesrecht sei, sei hier in erster Linie die Bundesregierung gefragt. Sie sprach sich laut Mitteilung dafür aus, in den Satzungen der Schützenverbände die Voraussetzungen für einen Verbandsausschluss zu schaffen, wenn Waffen und Munition nicht ordnungsgemäß aufbewahrt würden. Die Fachtagung wurde von der Evangelischen Akademie zusammen mit dem Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden veranstaltet. Beim Amoklauf von Winnenden und Wendlingen waren im März 2009 insgesamt 15 Menschen erschossen wurden. Der Täter richtete sich selbst.
Auch das Aktionsbündnis fordert eine Verschärfung des Waffenrechts, konkret: die Waffen von Sportschützen zentral zu lagern. «Wenn diese Forderung von 2009 umgesetzt worden wäre, wären heute einige Menschen mehr am Leben», heißt es. Seit dieser Bluttat seien 24 Menschen in Deutschland durch legale Pistolen und Gewehre zu Tode gekommen. Viele dieser Morde hätten nach Ansicht des Aktionsbündnisses verhindert werden können, wenn Schützenvereine die Waffen ihrer Mitglieder umfassend gesichert hätten.
Grüne: “Knarren raus aus der Privatwohnung”
Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth verwies unlängst auf eine Übermacht der «Waffenlobby in Deutschland», die einen effektiven Schutz verhindere. «Die tödlichen Knarren müssen endlich raus aus den Privatwohnungen, weil sie ein echtes Sicherheitsrisiko sind.»
Der Vizepräsident des Deutschen Schützenbundes, Jürgen Kohlheim, hält die Aufbewahrung zu Hause hingegen für die beste Lösung. «Wenn wir, was immer wieder gefordert wird, Schusswaffen und Munition in Schützenhäusern aufbewahren wollten, dann würde dort ein Munitionsdepot entstehen.» Dies sei viel gefährlicher und anfälliger für Einbrüche. Auch eine Verschärfung des Waffenrechts lehnte der Verband ab. «Ich glaube nicht, dass wir mit weiteren strengen Vorschriften das Versagen eines Einzelnen in irgendeiner Form ausschließen können», sagt Kohlheim. bibo / mit Material von dpa
(10.9.2012)
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