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Großangelegte Jugend-Studie: Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen wächst

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POTSDAM. In einem Rundumschlag untersuchen Forscher die Situation von Jugendlichen in Brandenburg. Dabei hat sich herausgestellt: Der Anteil derer, die rechtsextremen Aussagen zustimmen, steigt zum ersten Mal seit Jahren wieder an. Auch die Ausländerfeindlichkeit nimmt wieder zu.

Die Zustimmung wächst: Rechtsextremer auf einer Demonstration in Düsseldorf 2014. Foto: Die Grünen / flickr (CC BY-SA 2.0)

Brandenburgische Jugendliche stellen sich einer Studie zufolge weniger entschieden gegen Rechtsextremismus. Das ist eines von mehreren Ergebnissen einer Langzeitstudienreihe zur Situation von Jugendlichen im Land. Sie wurde am Donnerstag in Potsdam vorgestellt.

Während 2010 noch 60,2 Prozent der Befragten rechtsextreme Aussagen «völlig» ablehnten, waren es 2017 nun 50,2 Prozent. Der Anteil derer, die rechtsextreme Aussagen «tendenziell» oder «völlig» befürworten, sei auf 15,7 Prozent (2010: 13,4 Prozent) gestiegen. Der Wert hatte in den Studien seit 1999 immer abgenommen. Jetzt gibt es erstmals wieder einen Anstieg.

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Abgefragt worden waren “völlige” oder “tendenzielle” Zustimmungen oder Ablehnungen zu Aussagen wie “Das Wichtigste in der heutigen Zeit ist die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung, notfalls auch mit Gewalt”, “Deutschland braucht wieder einen Führer/starken Mann, der zum Wohle aller regiert”, “Der Faschismus bzw. Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten”, “Die Deutschen sind anderen Völkern grundsätzlich überlegen”, “Die Juden sind mitschuldig, wenn sie gehasst und verfolgt werden”, “In den Berichten über Konzentrationslager und Judenverfolgung wird viel übertrieben dargestellt”.

Der Anteil der Jugendlichen, die ausländerfeindliche Einstellungen “völlig” oder “tendenziell” vertreten (wie “Deutschland den Deutschen – Ausländer raus”), ist erstmals seit 1999 wieder angestiegen – von 22,3 auf 25,4 Prozent.1993 lag der Anteil allerdings noch bei 38.6 Prozent.

Die Zeitreihenstudie «Jugend in Brandenburg» wird in Abständen seit Anfang der 1990er Jahre mit Landesmitteln erstellt, inzwischen zum achten Mal. Herausgeber ist das Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Uni Potsdam. Professor Dietmar Sturzbecher führte die Ergebnisse zum Rechtsextremismus unter anderem darauf zurück, dass in der öffentlichen politischen Diskussion derlei Auffassungen immer wieder vertreten werden – zum Beispiel in Teilen der AfD. Zudem gebe es mehr populistische Diskussionen.

Ein weiteres großes Thema ist der Schulstress: Er nimmt zu. Während 2010 noch 28,7 Prozent der Befragten ihn als «niedrig» einstuften, waren es nun noch 17,2 Prozent. Der Anteil derer, die Schulstress und -angst als «eher hoch» einschätzen, stieg zugleich von 23,5 auf 35 Prozent. Von Anna Ringle, dpa

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Die Studie zeigt aber auch positive Entwicklungen auf – einige Beispiele:

GESUND LEBEN hat für viele der befragten Jugendlichen einen hohen Stellenwert. Der Anteil derer, die das als «sehr bedeutsames» Ziel in ihrem Leben sehen, ist deutlich gestiegen – von 59,8 Prozent im Jahr 2010 auf 73,1 Prozent. Damit positionierten sich annähernd drei Viertel der Befragten so.

AKTIV AM POLITISCHEN LEBEN TEILNEHMEN ist für viele Jugendliche wichtiger geworden. Für «bedeutsam» und «sehr bedeutsam» halten das viel mehr als noch sieben Jahre davor. Der addierte Wert liegt jetzt bei 47,4 Prozent. 2010 waren es noch 32.

GROßSTÄDTE sind für umzugsbereite Jugendliche nicht mehr so attraktiv. 2010 zog es noch 21,2 Prozent von ihnen dorthin. Nun sind es noch 17,2 Prozent. Bei Millionenstädten sieht der Trend auch so aus (2010: 32,8 Prozent, 2017: 21,1 Prozent.) Dörfer und Kleinstädte werden dagegen attraktiver. 

Hier geht es zu einer umfangreichen Zusammenfassung der Studie.

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