MÜNCHEN. Angesichts der drängenden Zukunftsfragen scheint die Biologie allgemein auf dem Vormarsch. In den Stundentafeln ist sie jedoch noch
unterrepräsentiert befindet der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.).
Wer auf sein biologisches Schulwissen zurückschaut, sieht mit zunehmendem Alter ein differenziertes Bild. Viele Grundlagen scheinen unverändert. An anderen Stellen sind grundlegende Überzeugungen wissenschaftlich ins Wanken geraten. Bei wesentlichen Themen im Hinblick auf Gesundheit, Ernährung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit kommen biologische Fragestellungen auf die Tagesordnung.
Grundlegendes biowissenschaftliches Wissen wird für die Gesellschaft wie für den Einzelnen immer bedeutsamer. In diesem Kontext komme dem Biologieunterricht eine herausgehobene Bildungsverantwortung zu, betont der VBIO, der mit rund 35.000 Mitgliedern derzeit größte Biologenverband in Deutschland. Lehrkräfte müssen daher sowohl über hohe fachwissenschaftliche als auch fachdidaktische Kompetenzen verfügen.
„Die Biologie mit ihren vielen Teildisziplinen gewinnt laufend neue Erkenntnisse, die unmittelbare Auswirkungen auf das Leben eines jeden Einzelnen, auf die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik haben. Biologische Paradigmen, Denkmuster und Erklärungsmodelle gewinnen zunehmend an Bedeutung und müssen fachdidaktisch reflektiert vermittelt werden“, so VBIO-Präsidiumsmitglied Ilka Gropengießer.
Diese gewachsene Bedeutung der Biowissenschaften habe sich bisher nicht in den Bildungsplänen und Stundentafeln niedergeschlagen. Auch in der Lehrkräftebildung sieht der VBIO Handlungsbedarf. In gleich zwei Positionspapieren hat der Verband nun seine Forderungen aufgelistet.
Merkmale eines guten Bio-Unterrichts
Ein moderner und zukunftsorientierter Biologieunterricht muss aus Sicht des Biologenverbandes vor allem Folgendes leisten:
- Er muss fachmethodisches und fachinhaltliches biologisches Grundwissen vermitteln (scientific literacy).
- Er fokussiert auf grundlegende Kompetenzen, die einen reflektierten Umgang mit erworbenem Fachwissen ermöglichen.
- Im Mittelpunkt müssen das Verständnis der spezifischen Denk- und Arbeitsweisen der Biologie als Naturwissenschaft sowie deren Nutzung im Zuge von Problemlösungen und der Erweiterung des eigenen Wissens stehen.
- Zeitgemäßer Biologieunterricht vermittelt biologisches Fachwissen unter Einbezug von Kompetenzen aus den Bereichen „Umgang mit Fachwissen“, „Erkenntnisgewinnung“, „Kommunikation“ und „Bewertung“.
Biologieunterricht trage zum Bildungsziel der Demokratiefähigkeit bei, indem er Schülerinnen und Schüler dazu befähige, auf der Basis gesicherter biowissenschaftlicher Erkenntnisse und unter Berücksichtigung ökologischer, sozialer und ethischer Aspekte zu einer begründeten, eigenständigen Bewertung zu kommen. Erst dadurch sei eine aktive Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen unter bioethischer, ökonomischer und umweltpolitischer Perspektive möglich.
Ansprüche an die Lehrerausbildung
Um den genannten Anforderungen gerecht werden zu können, müssen Lehrkräfte in Studium, Vorbereitungsdienst und berufsbegleitender Fortbildung entsprechende Kenntnisse und Kompetenzen erwerben und vertiefen. Es brauche Lehrkräfte, die sowohl über hohe fachwissenschaftliche als auch fachdidaktische Kompetenzen verfügen. „Ohne kompetente, gut ausgebildete Lehrkräfte wird es auch keinen angemessenen Biologieunterricht geben“, so Christian Rosar, Co-Sprecher des Arbeitskreises Schulbiologie im VBIO. „Die Positionspapiere zur Schulbiologie und zur Lehrkräftebildung stehen daher in enger Beziehung zueinander.“
Um das Ziel einer angemesseneren Berücksichtigung biowissenschaftlicher Themen zu erreichen, stellt der VBIO deutliche Forderungen an die Politik. Zu ihnen gehören der Wunsch nach
- einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Bildungspläne der Länder unter Berücksichtigung aktueller biowissenschaftlicher Erkenntnisse,
- einem hohen Anteil biologischer Themen im Sachunterricht der Primarstufe,
- einem durchgängigen, mindestens zweistündigen Biologieunterricht in der Sekundarstufe I und
- einer Belegverpflichtung eines mindestens dreistündigen Biologiekurses in der Oberstufe.
Auch in der Lehrerbildung strebt der Verband tiefgreifende Änderungen an. Die Struktur des Lehramtsstudiums müsse bundesweit harmonisiert werden. Außerdem sollte es Studierenden künftig leichter möglich sein, zwischen Lehramtsstudium und fachwissenschaftlichem Studium zu wechseln. Ein mindestens 18-monatiger Vorbereitungsdienst sollte bei Bedarf auch für Quereinsteiger aus einem 1-Fach-Studiengang (z. B. Master of Science, Biologie) zugänglich sein, um eine hochwertige fachliche, fachdidaktische und kompetenzorientierte Lehramtsausbildung zu gewährleisten. Überdies sollten verpflichtende Fortbildungen zu „schulrelevanten Gegenständen der Fachwissenschaft und Fachdidaktik sowie des Lehrens und Lernens in einer digitalen Lernumgebung“ auch in Zukunft einen zukunftsfähigen und praxisorientierten Biologieunterricht sicherstellen. (zab, pm)
Volltext der Positionspapiere auf den Seiten des VBIO:
• Schulbiologie
• Lehrkräftebildung
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