LEIPZIG. Die Erlangung guter Schulnoten erfordert ein ganzes Bündel an Kompetenzen, die zum Teil auch schulbar sind, etwa Fleiß, kognitive und soziale Fähigkeiten um nur einige zu nennen. Der wesentliche Faktor Intelligenz ist dagegen schwerer zu beeinflussen. Dies sollte aber kein Grund für Lehrer sein, die Flinte ins Korn zu werfen. Das fachliche Interesse kann vieles wettmachen, haben Leipziger Wissenschaftler herausgefunden.
Eine in Kürze in der Fachzeitschrift „Intelligence“ erscheinende Studie zeigt: Schüler erzielen die höchsten Lernerfolge, wenn sie gleichzeitig intelligent und interessiert sind. Intelligenz und Interesse befruchten sich gegenseitig. Doch können fast alle Schüler davon profitieren, wenn ihr Interesse an Lesen und Mathematik geweckt wird.
Welche Schüler erzielen die besten Lernerfolge: Diejenigen, die besonders intelligent sind, diejenigen, die besonders interessiert sind – oder diejenigen, die beides sind? Forscher des GESIS – Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften sind dieser Frage nun auf den Grund gegangen. Dazu nutzen die Psychologen Daten aus einer Untersuchung an rund 4.500 Schülern in Deutschland. Diese nahmen in der 7. und 9. Klasse jeweils an einem umfassenden Test ihrer Lese- und ihrer mathematischen Kompetenz teil. Zuvor wurde ihre Intelligenz getestet und sie wurden zu ihrem Interesse an Lesen und Mathematik befragt.
Die Ergebnisse der Studie zeigen: Vor allem eine höhere Intelligenz, aber auch ein höheres fachliches Interesse, sagen einen besseren Lernerfolg über die beiden Schuljahre vorher. Eindeutig die stärksten Zuwächse in der Lesekompetenz und Mathematikkompetenz erzielten jedoch diejenigen Schüler, die sowohl eine hohe Intelligenz als auch ein hohes Interesse an Lesen und Mathematik mitbrachten. Von einem hohen Interesse profitieren demnach vor allem intelligentere Schüler – ihnen fällt es offenbar leichter, ihr Interesse auch in Lernzuwächse umzusetzen.
Dennoch lohnt es sich, nach Meinung der Gesis-Forscher, das Interesse der Kinder an Lesen und Mathematik gezielt zu wecken, denn „auch eine hohe Intelligenz kann mangelndes Interesse nicht wettmachen“, so Clemens Lechner, Hauptautor der Studie. „Umgekehrt kann zwar ein hohes Interesse eine niedrige Intelligenz nicht ganz ausgleichen, aber auch weniger intelligente Schüler erzielen bessere Lernerfolge, wenn es gelingt, ihr Interesse zu wecken“, so Lechner weiter. Im Vergleich zu ihrer Intelligenz sei das Interesse der Schüler auch in der Jugend noch vergleichsweise einfach zu beeinflussen. (zab, pm)
