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KMK-Erhebung: 3.000 Lehrer und 20.000 Schüler mit Corona infiziert – Leopoldina: Schüler wesentlicher Teil des Infektionsgeschehens

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BERLIN. Über 3.000 Lehrkräfte sowie mehr als 20.000 Schülerinnen und Schüler sind aktuell in Deutschland infiziert. Das geht aus einer offiziellen Erhebung der Kultusministerkonferenz (KMK) hervor. In Quarantäne sitzen danach derzeit rund 11.600 Lehrerinnen und Lehrer sowie knapp 200.000 Schüler fest. 118 Schulen in Deutschland sind derzeit komplett geschlossen. „Diese Zahlen liefern keinen Grund, berechtigte Ängste der Eltern, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte herunterzuspielen”, meint VBE-Chef Udo Beckmann.

Das Coronavirus breitet sich aus – auch unter Lehrern und Schülern. Foto: Shutterstock

Von den rund 30.000 abgefragten Schulen im Land waren demnach zum Ende der vergangenen Woche 118 geschlossen, 12 mehr als in der Vorwoche. Eingeschränkten Präsenzbetrieb gab es an 3702 Schulen – dort waren etwa einzelne Klassen oder Lerngruppen im sogenannten Distanzunterricht, also zu Hause. In der Woche zuvor waren es 3320 Schulen.

Leicht gestiegen ist die Zahl der offiziell von Infektionen betroffenen Schüler, während sie bei den Lehrern leicht gesunken ist. Ende vergangener Woche waren nach Behördenangaben 199.932 Schüler in Quarantäne (Vorwoche: 190.937), darüber hinaus waren 20.185 mit Corona infiziert (Vorwoche: 19.364). Bei den 900.000 Lehrern gab es 3.169 Corona-Fälle (Vorwoche: 3219), 11.598 waren darüber hinaus in Quarantäne (Vorwoche: 12.120).

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“Schülerinnen und Schüler sind ein wesentlicher Teil des Infektionsgeschehens – das zeigen die Zahlen in anderen europäischen Ländern wie auch aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts für Deutschland”, so heißt es in einer Stellungnahme der Nationalakademie Leopoldina aus der vergangenen Woche. “Bei Schülerinnen und Schülern hat die Inzidenz in allen Altersgruppen in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Der Schwellenwert von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen ist deutlich überschritten, besonders deutlich bei den 10-19jährigen. Selbst die Inzidenz der Grundschülerinnen und Grundschüler ist mit einem Wert von 88,8 in Kalenderwoche 45 überaus hoch. Dabei ist eine hohe Dunkelziffer zu beachten, d.h., de facto dürften die Inzidenzen deutlich höher sein.”

Nicht alle Kultusministerien stellen Daten zu Schulen oder Schülern zur Verfügung

Die Kultusministerkonferenz hatte angekündigt, künftig einmal wöchentlich über den deutschlandweiten Stand zu berichten. Bisher war es schwierig, ein genaues Gesamtlagebild zu erhalten, weil die Daten in den Bundesländern unterschiedlich erhoben und nicht zentral erfasst wurden. Die Daten werden nun regelmäßig von der KMK zusammengetragen, soweit die Länder sie übermitteln. Nicht alle stellen etwa konkrete Quarantänezahlen zu Schülern zur Verfügung oder Zahlen zu Schulen, die im eingeschränkten Betrieb sind.

Immer wieder veröffentlichen die 16 Kultusministerien – unter dem Druck der Öffentlichkeit – Zahlen zum Infektionsgeschehen unter Schülern und Lehrern, allerdings nur sporadisch und punktuell. Und: Stets werden diese Zahlen relativiert. Heißt: Sie werden in Bezug zu Gesamtzahlen gesetzt. Das praktiziert auch die KMK nun so: Lediglich 0,4 Prozent der Schulen seien komplett geschlossen, 12,8 Prozent von einer Teilschließung betroffen, heißt es. 0,2 Prozent der Schüler seien mit Corona infiziert, zwei Prozent in Quarantäne. 0,4 Prozent der Lehrer seien mit Corona infiziert, 1,3 Prozent in Quarantäne. Wir erfahren darüber hinaus ungefragt: Es gibt in Deutschland 827.023 Lehrkräfte und 10.061.924 Schüler.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Deutschland ergäbe lediglich 0,03 Prozent der Gesamtbevölkerung

Wenn es allerdings darum geht, die Corona-Situation in Deutschland darzustellen – um etwa die derzeitigen Schließungen von Restaurants und Freizeiteinrichtungen zu rechtfertigen –, dann spielen Vergleichswerte keine Rolle. Würde man beispielsweise die Zahl der täglichen Neuinfektionen zur Bevölkerungszahl in Deutschland (aktuell: rund 22.800 zu rund 83 Millionen) setzen, käme lediglich ein Wert von etwa 0,03 Prozent heraus.

„Wir bewerten es als positiv, dass die Kultusministerkonferenz endlich unserer Forderung nachgekommen ist, Daten zum Infektionsgeschehen zu erheben und zu veröffentlichen und damit mehr Transparenz zu schaffen“, meint VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann. Mit Blick auf die Betroffenen und die Relativierungsversuche der KMK stellt er fest: “Das ist eine beachtliche Anzahl, die nicht konsequent marginalisiert werden darf.” News4teachers / mit Material der dpa

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