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NRW-Hochschulen fordern schnelle Impfkampagne für ihre Studierenden

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WUPPERTAL. Kommt für Studentinnen und Studenten in Deutschland das nächste reine Onlinesemester? Vor einem Präsenzsemester müsse jedenfalls eine gezielte Hochschulimpfkampagne stehen, befindet die NRW-Landesrektorenkonferenz.

Wer zum Sommersemester 2020 ein Bachelorstudium aufgenommen hat, kann davon rechnerisch bereits beinahe die Hälfte absolviert haben, ohne „seine“ Universität oder Fachhochschule überhaupt betreten zu haben. Damit Hochschulen im kommenden Wintersemester ihre Lehrveranstaltungen wieder flächendeckend im Präsenzbetrieb anbieten könnten, seien von den politisch Verantwortlichen unmittelbare und wirksame Weichenstellungen erforderlich, betonen nun die Landesrektorenkonferenzen der Universitäten und der Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Nordrhein-Westfalen.

Mittlerweile kennen viele Studentinnen und Studenten ihre Professorinnen und Professoren nur vom Bildschirm. Foto: Shutterstock

Konkret heißt das, wie die beiden Vorsitzenden der Landesrektorenkonferenzen, Lambert T. Koch und Marcus Baumann formulieren, „dass alle Mitarbeitenden und Studierenden bis Anfang, spätestens Mitte August flächendeckend ein verbindliches Impfangebot erhalten haben müssen“. Dieser Termin sei nicht willkürlich gewählt, sondern lasse sich aus der Tatsache zurückrechnen, dass das Semester Anfang Oktober 2021 starte und alle bis dahin über einen vollwirksamen Impfschutz verfügen müssten. Gehe man weiterhin von zwei notwendigen Impfungen aus, einem Abstand zwischen den Impfungen von sechs Wochen sowie einer Zeit von weiteren 14 Tagen bis zur vollen Wirksamkeit nach der zweiten Impfung, müssten alle rund 750.000 Studierenden in Nordrhein-Westfalen sowie alle Mitarbeiterinnen und Mitarebiter noch in der ersten Augusthälfte das erste Mal geimpft sein.

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Mit Blick auf die Frage, wann die Hochschulimpfkampagne starten sollte, müsse das Land entscheiden, wie viele Studierende pro Tag geimpft werden können. Begänne man beispielsweise Anfang Juli – was jetzt schon organisatorisch kaum mehr möglich sei – müssten unter der Annahme, dass aktuell noch bis zu 60 % dieser Gruppe gar nicht geimpft sind, bis August in den verbleibenden vier bis fünf Wochen an jedem Werktag mehr als 15.000 Studierende geimpft werden, stellen die LRK-Vorsitzenden fest.

Wenn dies nicht gelänge, würden die Verantwortlichen nicht umhinkommen, den Hochschulen weiterhin Abstandsregeln bei der Nutzung der Hörsäle aufzuerlegen. Bei einem derzeit geltenden 1,50 m-Pflichtabstand könnten rein rechnerisch dann nur ca. 20 % der Studierenden zurück in die Hochschulen kommen. Dies aber sei den jungen Menschen, die nun schon drei komplette Semester von zu Hause aus studieren müssten, nicht mehr zuzumuten. Die Impfung sei aber auch deshalb dringend nötig, weil aktuell schon über 50 % der Neu-Infizierten in die Gruppe der jungen Menschen fielen.

Zusätzlich sei zu befürchten, dass im Herbst die deutlich aggressivere Delta-Variante des Virus dominieren werde, die für ungeimpfte junge Menschen noch gefährlicher sei. Dabei vergäßen viele in Politik und Gesellschaft, dass Studierende jeden Tag in völlig unterschiedlich zusammengesetzten Lehrveranstaltungen säßen und im Personennahverkehr teils weite Strecken zurücklegten. Das unterscheide sie als potenzielle „Spreader“ deutlich von Schülerinnen und Schülern, die ein ganzes Schuljahr lang in einem Klassenverband bleiben und aus dem Nahbereich in die Schulen kommen.

Auch wenn man die derzeitigen Anstrengungen vieler Hochschulen, teilweise in Kooperation mit ihren Uni-Kliniken und den Hochschulärzten, Impfkampagnen zu organisieren, in Rechnung stelle, reichten diese allein bei Weitem nicht aus, um rechtzeitig den vollen Impfschutz sowohl für bereits eingeschriebene Studierende als auch die kommenden Erstsemester zu erreichen.

Eine zeitnahe Hochschulimpfkampagne stelle daher eine elementare Voraussetzung für ein Präsenzsemester dar. Sollte diese nicht möglich sein, erwarteten die Hochschulen seitens der Politik eine klare Rückendeckung dafür, dass sie zum Schutz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso wie der Studentinnen und Studenten die bisherige Praxis einer weitgehenden Online-Lehre auch im kommenden Wintersemester fortsetzen müssten. (pm)

Hochschulrektorenkonferenz zum Wintersemester: Wie es an den Hochschulen weitergehen soll

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