DÜSSELDORF. Angesichts des Klimawandels werden starke und anhaltende Hitzewellen nach Ansicht von Fachleuten eher die Regel als die Ausnahme bleiben. Das Bundesamt für Stahlenschutz (BfS) benennt mit Blick auf den Temperaturanstieg Handlungsbedarf in Kitas und Schulen. Nötig seien Schattenoasen für Erwachsene und für Kinder. Die Verbraucherzentrale NRW fordert öffentliche Wasserspender – vor allen in Schulen. Die Deutsche Umwelthilfe sieht in vielen Schulgebäuden gar “Klimakiller”.
Drückende Hitze, trockene Böden, Wassermangel und Waldbrandgefahr: Die Menschen spüren derzeit, was Hitzewellen im Klimawandel bedeuten. Es sei absehbar, dass Hitzewellen weiter zunehmen werden und immer höhere Rekordtemperaturen auf uns zukommen. Zwischen 2000 und 2018 wurden laut Umweltbundesamt acht der elf wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 beobachtet.
Die Zahl der sonnenreichen Jahre ist laut BfS in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gestiegen. „Der Klimawandel bringt uns in Deutschland mehr wolkenlose Tage und damit vermehrt ultraviolette Strahlung, die Hauptkrebs verursachen kann“, sagt dessen Präsidentin Inge Paulini gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Seit dem Jahr 2000 habe sich die Zahl derjenigen, die an Hautkrebs neu erkrankt sind, mehr als verdoppelt. Die Gesundheitsrisiken durch UV-Strahlung dürften in der Klimakrise nicht unterschätzt werden.
„Es ist wünschenswert, dass Schulen und Kitas ihre Außenflächen mit Sonnensegeln oder anderen Schattenspendern versehen“
Das betreffe auch die Plätze, an denen sich viele Kinder aufhalten – vor allem die Bildungseinrichtungen. „Es ist wünschenswert, dass etwa Schulen und Kitas, aber auch Freibäder ihre Außenflächen mit Sonnensegeln oder anderen Schattenspendern versehen“, sagt Paulini. Viele Spielplätze etwa lägen immer noch in der prallen Sonne. Hitzeschutz und UV-Schutz müssten Hand in Hand gehen. Um sich vor Strahlung zu schützen, lohne es den aktuellen UV-Index zu beobachten. „Schon bei einem recht niedrigen Wert – also ab Wert 3 – sollte man zwischen 11 und 15 Uhr im Schatten bleiben“, sagte Paulini. „Bei deutlich höheren Werten wäre es besser, über Mittag drinnen zu sein.“
Auch die Verbraucherzeintrale NRW hat die gesundheitlichen Belastungen durch die Klimakrise im Blick. „Deshalb sind dringend Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen der Klimaänderung notwendig“, befindet Vorstand Wolfgang Schuldzinski. „Dazu gehört auch der einfache Zugang zu Trinkwasser im öffentlichen Raum.“ Diesen zu verbessern und sicherzustellen, dass an öffentlichen Plätzen Trinkwasserzapfstellen bereitgestellt werden, fordere auch die überarbeitete EU-Trinkwasserrichtlinie, die Deutschland bis 12. Januar 2023 in nationales Recht umsetzen müsse.
Die Verbraucherzentrale fordert daher ein Landesprogramm „Schulen ans (Trinkwasser-)Netz“: „Leitungswasser ist preiswert, schont Ressourcen und ist ein idealer Durstlöscher“, sagt Wolfgang Schuldzinski. „Dafür setzen wir uns als Verbraucherzentrale NRW schon lange ein – und die neue Landesregierung in NRW könnte eine Vorreiterrolle gegen die Folgen der Klimaänderung einnehmen, wenn sie schrittweise alle Schulen in NRW mit Trinkwasser-Zapfstellen ausstatten würde. Als Startsignal könnte man mit den ersten Tausend beginnen.“
„Es ist teilweise kaum vorstellbar, unter welchen Bedingungen unsere Kinder lernen müssen”
Die Schulgebäude hat unterdessen die Deutsche Umwelthilfe (DUH) im Blick. „Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht: Schulen haben keinen Platz auf der politischen Agenda. Bis heute mangelt es an Luftfiltern, Kinder und Lehrende sitzen viele Stunden täglich in baufälligen und stickigen Gebäuden. Eine fehlende Wärmedämmung führt häufig zu Schimmelbildung und eine modere Gebäudetechnik, die sowohl die Lüftung als auch die Temperaturregelung steuern kann, fehlt in den allermeisten Fällen”, so hieß es dort in einer Pressemitteilung vom Juli 2021. Weitere Probleme seien der sommerliche Hitzeschutz und die teilweise desaströsen Zuständen der sanitären Anlagen.
„Es ist teilweise kaum vorstellbar, unter welchen Bedingungen unsere Kinder lernen müssen”, meint Barbara Metz, stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH. „Eine umfassende Sanierung der Schulen in Deutschland muss endlich politische Priorität haben. Diese Generation wird doppelt unter dem schlechten Gebäudebestand leiden: Heute direkt durch die gesundheitlichen Belastungen und in Zukunft durch den Klimawandel, zu dem diese Gebäude beitragen.” News4teachers
Klimawandel: Stadt (Dresden) kündigt Modellprojekt gegen Hitze auf dem Schulhof an
