Home Titelthema „Role Model für lebenslanges Lernen”: Was die Lehrkräfte des Jahres (stellvertretend für...

„Role Model für lebenslanges Lernen”: Was die Lehrkräfte des Jahres (stellvertretend für viele) so besonders macht

2
Anzeige

BERLIN. Der Deutsche Lehrkräftepreis gilt als renommierteste Auszeichnungen für Pädagoginnen und Pädagogen in Deutschland. In der nun zu Ende gegangenen Wettbewerbsrunde 2025 wurden 18 Lehrkräfte, Teams und Schulleitungen aus zehn Bundesländern im Rahmen einer Feierstunde in Berlin geehrt. Der von der Heraeus Bildungsstiftung und dem Deutschen Philologenverband getragene Preis rückt Leistungen in den Fokus, die im Schulalltag oft selbstverständlich erscheinen – und doch maßgeblich dafür sind, wie Schule gelingt.

Gruppenbild. Foto: Heraeus Bildungsstiftung

Steffen Haschler unterrichtet Mathematik, Physik und Informatik – etwas anders als üblich. Sein Kurs „Business, Entrepreneurship and Math“, kurz: BEAM, verbindet Mathematik mit Gründungspraxis. Seine Schülerinnen und Schüler entwickeln Geschäftsideen, kalkulieren, erstellen Businesspläne. Haschler nimmt seine Klassen mit zu KI-Veranstaltungen, lässt sie Anwendungen testen, diskutiert ethische Fragen. „Das macht doch viel mit den jungen Leuten, wenn sie einfach mal ernst genommen“ werden, meint er.

Schon seit 2015 beschäftigt er sich intensiv mit Künstlicher Intelligenz. In einem Projekt mit Lungenbildern trainierten Schülerinnen und Schüler eine KI, virale und bakterielle Infektionen zu unterscheiden. Parallel entwickelt Haschler für seinen Schulträger ein KI-Tool für Berufsschulen, das Selbstlernkurse ermöglicht. Für die fünfte Klasse entsteht ein „SchulGPT“, das Grundwissen in Hauptfächern festigen soll. „Ich bin natürlich super privilegiert. Ich bin an einer Privatschule in Heidelberg gelandet am Gymnasium“, sagt er rückblickend auf seinen Start 2009 im Referendariat. Die strukturellen Freiräume, die er dort vorfindet, nutzt er konsequent.

Anzeige

Für dieses Engagement wurde Haschler nun in Berlin mit dem Deutschen Lehrkräftepreis in der Kategorie „Ausgezeichnete Lehrkräfte“ geehrt. Nicht er allein: Insgesamt zehn Lehrkräfte wurden in der Kategorie mit Preisen bedacht – Serhat Gökce von der Beruflichen Schule 9 Nürnberg, Fatma Kan von der Quinoa gGmbH in Berlin, Christin Altenkirch-Borchert von der Voltaireschule Potsdam, Julian Lee vom Gymnasium Allermöhe in Hamburg, Roland Struwe von der Eichendorffschule Kelkheim, Toni Fischer von der Regionalen Schule Fritz Reuter Demmin, Philipp Limmer von der Zentralschule Adorf/Vogtland-Oberschule sowie Dimitri Fromm von der Janusz Korczak-Gesamtschule Gütersloh und Simone Windhüs vom Landfermann-Gymnasium Duisburg.

Das Besondere: Sie alle waren von ihren Schülerinnen und Schülern vorgeschlagen worden. Nominiert werden in der Kategorie „Ausgezeichnete Lehrkräfte“ ausschließlich Pädagoginnen und Pädagogen, die von Abschlussklassen selbst benannt werden.

Im Fall von Steffen Haschler schrieben die Schülerinnen und Schüler zur Begründung: „Herr Haschler ist kein gewöhnlicher Mathematik-, Physik- und Informatiklehrer.“ Sondern: „ein Gründer, Erfinder und Hacktivist mit unglaublich viel Innovationskraft und Engagement“. Darüber hinaus: „Er ist ein role model für lebenslanges Lernen und Offenheit für neue Themen, dafür dass man nicht alles wissen muss, sondern bereit sein sollte, sich auf Neues einzulassen.“ Oder: „Er war maßgeblich daran beteiligt, dass im Rahmen der ‚Woche gegen Rassismus‘ an unserer Schule ein besonderes Online-Treffen mit dem Holocaust-Überlebenden Ben Stern und seiner Tochter Charlene Stern stattfinden konnte.“

Der „Deutsche Lehrkräftepreis – Unterricht innovativ“, getragen von der Heraeus Bildungsstiftung und dem Deutschen Philologenverband, gilt als renommierteste Auszeichnungen für Lehrkräfte in Deutschland. In der nun beendeten Wettbewerbsrunde 2025 gingen insgesamt 18 Auszeichnungen an Lehrkräfte, Teams und Schulleitungen aus zehn Bundesländern. Die 20-köpfige Jury unter Leitung von Prof. David Di Fuccia (der auch News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek angehört) entschied in einem zweistufigen Verfahren über die Preisträgerinnen und Preisträger – nach einer schulfachlichen Vorauswahl entschied das Gremium dann über die Platzierungen.

„Wenn Lehrkräfte, Schulleitungen, Schülerinnen und Schüler sich engagieren, entstehen neue Möglichkeiten, zukunftsweisende Ideen und erfolgreiche Projekte“

Schirmherrin der aktuellen Runde ist Simone Oldenburg (Linke), Bildungsministerin Mecklenburg-Vorpommerns und Präsidentin der Bildungsministerkonferenz 2025. Oldenburg befand bei der Preisverleihung: „Bildung stärkt Chancengleichheit, fördert demokratisches Handeln, ermöglicht individuelle Entfaltung und Erfolg. Eine gute Bildung ist der Grundpfeiler unserer Gesellschaft. Wenn Lehrkräfte, Schulleitungen, Schülerinnen und Schüler sich engagieren, entstehen neue Möglichkeiten, zukunftsweisende Ideen und erfolgreiche Projekte.“

Wie das Schulleitungsteam der Denis-Diderot-Schule – Oberschule der Stadt Leipzig eindrucksvoll bestätigt, das den ersten Preis in der Kategorie „Vorbildliche Schulleitung“ belegt. Das Kollegium (das für die Nominierung gesorgt hat) beschreibt ein Leitungsteam, bestehend aus den Pädagoginnen Jenny Krzyzaniak, Svetlana Thieme und Kati Klinzing, das nicht über Köpfe hinweg entscheidet – sondern den Konsens sucht.

In der Nominierung heißt es: „Dieses Team ist nicht nur das denkende Gehirn, sondern auch das fühlende Herz. Mit offener Tür, klarem Blick und echtem Vertrauen. Sie sieht die Menschen hinter den Geschichten: Lehrkräfte, Eltern, vor allem aber unsere Schülerinnen und Schüler.“ Und weiter: „Fehler begegnet man hier nicht mit Kritik, sondern mit wohlwollender Rückmeldung. Dieses vertrauensvolle Fundament ermöglicht es uns, mutig neue Wege zu beschreiten, zu experimentieren und uns stetig weiterzuentwickeln – fachlich wie menschlich.“

Die Schule hat nach Angaben des Kollegiums ein inklusives Lernumfeld geschaffen, Kooperationen im Stadtteil aufgebaut und eine Willkommenskultur für neue Lehrkräfte etabliert. Praktika, Berufsmesseformate, Präventionsprogramme und soziale Initiativen sind Teil eines Konzepts, das Schule als sozialen Raum versteht. Den zweiten Preis in dieser Kategorie erhielt Roswitha Malewski, Schulleiterin der Grundschule Kuppelnau in Ravensburg. Der dritte Preis ging an das Schulleitungsteam Carsten Arntz und Kathrin Wichmann vom Erzbischöflichen Berufskolleg Köln.

In der Kategorie „Unterricht innovativ“ zeichnete die Jury drei Projekte aus. Der erste Preis ging an Jana Rotthoff und Heidi Rupieper von der Schillerschule Oberhausen, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Ihr Projekt „Schillerwerk eSG – zusammen einzigartig“ organisiert eine Schülergenossenschaft, die reale wirtschaftliche Prozesse mit demokratischer Mitbestimmung verbindet. Die Satzung ist in Leichter Sprache verfasst. Schülerinnen und Schüler arbeiten in Geschäftsfeldern wie Kochen, Wäsche, Garten oder im „Hasencafé“. Laut Gutachten zeichnet sich das Projekt besonders durch „unternehmerisches Handeln, Berufsorientierung, gelebte Inklusion, Vorbereitung für den Berufsalltag, Miteinander und soziales Lernen verbunden mit individueller Stärkenbildung“ aus.

Der zweite Preis ging an Alexandra Baum und Philipp Rohleder von der Gerhart-Hauptmann-Schule Griesheim für das Projekt „Podcast im Deutschunterricht“. Den dritten Preis erhielt Holger Seefried mit seinem Team, darunter Christiane Fenner, Ilona Landgraf und Hans Paulini, vom Deutschhaus-Gymnasium Würzburg für „Science Fair – Forschen für die Zukunft“.

„Der Deutsche Lehrkräftepreis ist für mich mehr als eine Auszeichnung – er steht für Menschen, die jeden Tag alles geben für gute Bildung“

Zwei Sonderpreise ergänzten die Auszeichnungen. Den Sonderpreis „Umwelt und Nachhaltigkeit“ erhielt Dr. Martina Kapitza vom Gymnasium Kronwerk Rendsburg gemeinsam mit Jürgen Fischbach und Lena Muley für das Projekt „Natur erleben – Ein Walderlebnispfad zum Thema Wald – Klima – Lebensräume“. Der Sonderpreis „Kulturelle Bildung“ ging an das Team um Dieter Maucher und Marcus Pfab von der Dollinger-Realschule Biberach für das Projekt „Für die Freiheit! 1525 – 2025 – Jubiläumstheater 500 Jahre Bauernkrieg“. Mit der Wettbewerbsrunde 2026 wird zudem eine neue Kategorie eingeführt: „Starke Grundschule“. Erstmals können sich Grundschullehrkräfte mit Konzepten bewerben, die Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben, Sprache und Mathematik systematisch mit sozial-emotionalem Lernen verbinden.

Theresa Schopper (Grüne), Kultusministern von Baden-Württemberg, zeigte sich begeistert, dass gleich drei Preise in den Südwesten gehen: „Der Deutsche Lehrkräftepreis ist für mich mehr als eine Auszeichnung – er steht für Menschen, die jeden Tag alles geben für gute Bildung“, sagte sie. Und sie betonte: „Steffen Haschler ist in Heidelberg ein echter Motor für digitale Bildung – mit Ideen, mit Tempo und mit dem Mut, Neues auszuprobieren.“ News4teachers / mit Material der dpa

Aussortiert oder mitgenommen? Wie Schulen Kinder verlieren – oder halten (ein Podcast mit Lehrkräftepreis-Trägerin Andrea Franke)

Anzeige
Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

2 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Lera
1 Stunde zuvor

Wie muss ich meine Kritik an der Jury-Zusammensetzung formulieren, damit sie hier veröffentlicht wird?

Diesmal versuche ich es mit komplett emotionsfreien Satzbausteinen.

Name des Preises: Lehrkräftepreis

Empfänger des Preises:
(Gymnasial-)Lehrkräfte

Nominierung: durch Schüler

Auswahl: durch Jury

Zusammensetzung der Jury: Vertreter von Verwaltung, Wissenschaft, Verlagen, Zeitungen, Verbänden

—> Was fehlt in dieser Jury?

Eventuell jemand, der einfach nur ein Lehrer ist.

Ja, da sind ein paar dabei, die AUCH noch Lehrer sind, aber eben AUCH noch einen Verband führen. Und genau über DIESES Ticket sitzen die da. Nicht als einfache Lehrer.

Ich würde gerne wissen, ob es nur mich irritiert, wenn in der Jury des Lehrkräftepreises die Perspektive der normalen Lehrkraft gar nicht vorkommt – oder höchstens zufällig.

Sitzen Lehrer eigentlich umgekehrt in Jurys für Journalistenpreise oder dergleichen?

Nee. Warum auch.

Kann man mal drüber nachdenken.

wpDiscuz
Die mobile Version verlassen