DRESDEN. Angesichts des Lehrermangels hatte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Montag vorgeschlagen, den Fachunterricht einer Lehrkraft in weitere Klassenräume per Videokonferenz zu übertragen – und einen Sturm der Entrüstung geerntet (News4teachers berichtete). Dabei ist das benachbarte Sachsen schon einen Schritt weiter. Dort startete Bildungsminister Christian Piwarz (CDU) bereits ein entsprechendes Modellprojekt – und spricht sogar schon von der „Schule der Zukunft”.
Für ein breiteres Kursangebot für Schüler im ländlichen Raum wird in Ostsachsen das Pilotprojekt «Hybridunterricht» erprobt. Dabei kooperieren drei Schulen in Niesky, Weißwasser und Görlitz miteinander, wie das Kultusministerium am Dienstag mitteilte. Mit dem Projekt sollen laut Ministerium die „positiven Erfahrungen des Unterrichtsmodells aus der Coronazeit fortgesetzt, weiter ausgewertet und gegebenenfalls ausgeweitet werden“.
So wird es an den Gymnasien in Niesky und Weißwasser einen gemeinsamen Leistungskurs im Fach Biologie geben. Der Präsenzunterricht findet dabei an einer Schule statt und wird jeweils an den anderen Standorten per Videoschaltung übertragen. Den Praxisteil unterrichtet die Lehrkraft jeweils vor Ort an den einzelnen Schulen. Nach dem gleichen Muster wird es einen gemeinsamen Leistungskurs im Fach Physik in Görlitz und Niesky geben.
„Wir müssen die Chancen des Hybridunterrichtes nutzen, um das Bildungssystem auch in Zeiten sinkender Schülerzahlen zukunftsfähig zu machen“
Ohne das Projekt würde es diese Leistungskurse aufgrund der Schülerzahl nicht geben, sagte Kultusminister Christian Piwarz. „Die drei Gymnasien können damit beweisen, dass auch bei kleineren Schulen im ländlichen Raum eine breite und gute Bildung angeboten werden kann und die Schülerinnen und Schüler die gleichen Chancen haben wie in der Großstadt“, betonte der laut Pressemitteilung „begeisterte“ CDU-Politiker. „Zugleich gehen wir mit dem Projekt weiter voran in Richtung Schule der Zukunft.“
„Wir müssen die Chancen des Hybridunterrichtes nutzen, um das Bildungssystem auch in Zeiten sinkender Schülerzahlen zukunftsfähig zu machen“, erklärte Piwarz (vergaß allerdings dabei das eigentliche Kernproblem zu erwähnen: den sich ausweitenden Lehrermangel nämlich). So sei das eine Möglichkeit, um auch in Zukunft allen Schülerinnen und Schülern ein breites Kursangebot zu ermöglichen. Im ländlichen Raum ist das laut Ministerium oft schwierig, weil es an den Gymnasien einfach nicht so viele Schülerinnen und Schüler gebe. So könnten zum Beispiel Leistungskurse in einzelnen Fächern nicht in jedem Falle angeboten werden, wenn zu wenige Anmeldungen dafür vorliegen. Das treffe besonders die Naturwissenschaften, für die aber dringend Nachwuchs benötigt wird.
Noch im April hatte der Minister erklärt: „Wir haben (…) festgestellt, wie wichtig Präsenzunterricht ist“
In Sachsen müssen mindestens zehn Schülerinnen und Schüler für ein Fach zusammenkommen, damit überhaupt ein Leistungskurs in der gymnasialen Oberstufe angeboten werden kann. Piwarz nahm zusammen mit der Lehrkraft und elf Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Schleiermacher-Gymnasiums Niesky am Biologie-Leistungskurs teil. Zugeschaltet waren zwei Schülerinnen bzw. Schüler des Landau-Gymnasiums Weißwasser. Der Physik-Leistungskurs fand am Joliot-Curie-Gymnasium Görlitz mit 17 Schülerinnen und Schüler statt. In Niesky waren hier vier Schülerinnen und Schüler zugeschaltet.
Noch im April hatte der Minister mit Blick auf die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie und den Distanzunterricht erklärt: „Wir haben (…) festgestellt, wie wichtig Präsenzunterricht ist.“ News4teachers / mit Material der dpa
