Website-Icon News4teachers

VBE sieht Trend zu strengerem Religionsverständnis unter muslimischen Schülern – “Scharia-Polizei” an Gesamtschule?

Anzeige

DÜSSELDORF. Lehrkräfte und die Sicherheitsbehörden beobachten einen Trend unter muslimischen Schülerinnen und Schülern hin zu einer konservativen Auslegung des Islam – vereinzelt bis hin zum Islamismus. „Leider sehen wir in diesen Tagen, dass sich Teile unserer Gesellschaft einen islamistischen Gottesstaat herbeisehnen. Die Radikalisierung macht auch vor Kindern und Jugendlichen nicht Halt“, erklärte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) gegenüber der „Rheinischen Post“. Medien berichten von einem Fall in Neuss, wo vier Oberstufenschüler sich als „Scharia-Polizei“ aufgeführt haben sollen.

Immer mehr Schülerinnen und Schüler scheinen sich einem strengeren Islamverständnis zuzuwenden – ist das ein Problem? Foto: Shutterstock

„Wir erkennen aktuell einen deutlichen Trend unter den muslimischen Schülern, sich stärker religiös zu verhalten – auch was die Einhaltung religiöser Rituale und die Auslegung des Korans betrifft. Gerade aus gemäßigteren und liberalen muslimischen Familien werden die Kinder plötzlich konservativer“, sagt Klaus Köther, stellvertretender VBE-Vorsitzender in NRW dem Bericht zufolge.

Dieses Verhalten werde sichtbar durch das Tragen von Gebetsgewändern und äußere sich in Diskussionen in den Schulen und in Forderungen nach Gebetsräumen. „Da setzen sich Schüler in Fragen des Kopftuch-Tragens und der Fastenregel gegenseitig unter Druck. Letztlich geht es dabei auch um die Frage: Wer ist der bessere Moslem?“, erklärt Köther.

Anzeige

„Eine große Gefahr birgt dabei das Internet, wo Kinder häufig viel Zeit verbringen“

Zum Problem wird das dann, wenn damit eine politische Radikalisierung einhergeht. NRW-Innenminister Reul sagt: „Eine große Gefahr birgt dabei das Internet, wo Kinder häufig viel Zeit verbringen.“ In den Sozialen Medien würden Ideologien ungefiltert und ohne Einordnung mit großer Reichweite verbreitet – ein Nährboden für Extremismus. „Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Jüngsten durch diese Propaganda in die Hände von extremistischen Gruppen gelangen. Wir müssen junge Menschen als Gesellschaft besser mitnehmen, mehr in den Austausch gehen und ihnen Alternativen aufzeigen“, so der CDU-Politiker.

Was das im Einzelfall bedeuten kann, wenn das nicht gelingt, macht ein aktueller Fall aus Neuss anschaulich. In einem Bericht der Polizei, den auch der WDR einsehen konnte, sollen vier muslimische Schüler einer Gesamtschule Druck auf Mitschülerinnen und Mitschüler ausgeübt haben, die in ihren Augen „schlechte Muslime“ seien. Im Unterricht sollen die vier ausdrücklich geäußert haben, dass sie die Demokratie ablehnen. Und Frauen sollten sich bedecken, so wie es die Scharia vorschreibt. Die Schule hat sich danach an die Polizei gewandt. Es steht der Verdacht der Bedrohung und Nötigung im Raum. Laut dem Polizeibericht seien auch die Eltern der vier beschuldigten Schüler überprüft worden: „Staatsschutzrelevanz ist bei ihnen nicht erkennbar“, so heißt es.

„Dass Schüler jetzt zunehmend sehr konservative Ansichten des Islams in die Schulen tragen und diese Einstellungen auch ausleben, muss uns Sorgen machen“

Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, spricht gegenüber der „Rheinischen Post“ von einer alarmierenden Entwicklung an den Schulen. „Dass Schüler jetzt zunehmend sehr konservative Ansichten des Islams in die Schulen tragen und diese Einstellungen auch ausleben, muss uns Sorgen machen“, sagt Rettinghaus. „Wo sind wir hingekommen, dass andere Schüler, die nicht nach dieser strengen Auslegung des Islams leben möchten, von den anderen unter Druck gesetzt, bedrängt und gemaßregelt werden? Diese Situation können wir unseren Kindern in den Schulen nicht zumuten und ist nicht hinnehmbar. Jeder sollte doch froh sein über die Freiheitsrechte, die wir hier in Deutschland haben“, meint er.

Tatsächlich stellte das Projekt „Wegweiser“ des Landesinnenministeriums, das den Einstieg junger Menschen in den radikalen Islamismus verhindern möchte, zuletzt einen erhöhten Beratungsbedarf an Schulen fest. „Die Anfragen umfassen Einzelsachverhalte, allgemeine Anfragen zum Islamismus, Anfragen für Workshops für Lehrkräfte oder Schülerinnen und Schüler sowie zuletzt auch vermehrt Anfragen zu dem aktuellen Nahost-Konflikt“, wie eine Sprecherin laut „Rheinischer Post“ mitteilte. News4teachers

Zentralrat berichtet von „Gesinnungstests“ in Schulen: Muslime in Deutschland sehen sich einem Generalverdacht ausgesetzt

Anzeige
Die mobile Version verlassen