Berlins Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial wirft dem schwarz-roten Senat vor, bei der Unterbringung von Geflüchteten einen falschen Weg einzuschlagen. Das gilt aus ihrer Sicht auch für die Bildungspolitik. «Aktuell warten über 2000 neu zugewanderte Kinder und Jugendliche auf einen Schulplatz in Berlin. Die Zahl steigt», sagte Niedwiedzial. «Den Beschluss des Senats, in solchen Notlagen Kinder auch in den Flüchtlingsunterkünften zu beschulen, halte ich dennoch integrationspolitisch für falsch.»
«Seit Jahren steuern wir auf eine eklatante Schulkrise zu: Die Klassen sind zu groß, zu viele Schulstandorte wurden geschlossen», kritisierte die Integrationsbeauftragte, deren zweite Amtszeit im Mai begonnen hat. «Nun fehlen 27.000 Schulplätze und Schulpersonal, um qualitativ hochwertig unterrichten zu können.» Die Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten sei fatal. «Daran sind aber nicht die Geflüchteten schuld. Es ist sehr bitter, dass gerade die Schwächsten von der Krise im Bildungssystem am stärksten betroffen sind.»
Kritik an Willkommensklassen
Aus integrationspolitischer Sicht sei jede Form der Beschulung an einer regulären Schule besser als in einer Unterkunft. «Schule ist der integrative Ort schlechthin, hier treffe ich auf andere, hier erfahre ich viel über das Land, in dem ich jetzt lebe», sagte Niewiedzial.
«Wenn wir die Kinder segregieren, verliert die Schule ihre integrative Wirkung. Das dürfen wir nicht zulassen.» Fehlende Bildung könne nur schwer ausgeglichen werden. «Deshalb halte ich auch das Konzept der Willkommensklassen nicht für zielführend.» Niewiedzial, die in Polen geboren wurde, weist auf ihre persönlichen Erfahrungen hin: «Als ich Anfang der 90er nach Deutschland kam, wurde ich zunächst in einer Willkommensklasse unterrichtet. Schon als Zwölfjährige habe ich nicht verstanden, wie ich die Sprache in einer Klasse lernen soll, in der alle anderen auch kein Deutsch sprechen.»
Umzugsbedingt habe sie dann die Schule gewechselt und sei in eine reguläre Klasse gekommen. «Während der Deutschstunden hatte ich zusammen mit anderen zugewanderten Kindern speziellen Sprachförderunterricht», sagte sie. «In den übrigen Fächern wurden wir alle gemeinsam unterrichtet. Dass dieser Ansatz wirksamer ist, bestätigt auch die Bildungsforschung.»
Integrationsbeauftragte ist für dezentrale Unterkünfte
Soziale Durchmischung spiele bei der Integration eine wichtige Rolle. Das gelte für das Bildungssystem, aber auch für das Thema Unterbringung und Wohnen. «Deshalb schaue ich skeptisch auf den Ausbau von Großunterkünften in Berlin – sie sind teuer und nicht integrationsförderlich», sagte Niewiedzial. «Alleine auf dem ehemaligen Flughafengelände in Tegel leben rund 4500 Menschen, viele seit mehr als zehn Monaten.» Tegel sei für die Erstaufnahme und als Verteilzentrum für einige Tage geeignet, aber nicht für eine längere Unterbringung.
«Ich war letzten Monat vor Ort und habe mit vielen Bewohnerinnen und Bewohnern gesprochen. Ich finde, so können die Menschen auf Dauer nicht leben.» Das gelte insbesondere für die Kinder und Jugendliche, von denen nur ein kleiner Teil beschult werde. «Als Beauftragte unterstütze ich alle Bemühungen, neue Unterkünfte zu akquirieren, um das Ankommen in Berlin zu erleichtern», betonte Niewiedzial.
Gerade die Position von Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe finde sie richtig: «Trotz der angespannten Lage forciert sie die dezentrale Unterbringung von Geflüchteten.» Für kleine, in der Stadt verteilte Unterkünfte würden aber dringend auch die Bezirke gebraucht. «Ich wünsche mir, dass alle zwölf Bezirksbürgermeisterinnen und -bürgermeister die Unterkunft in Tegel einmal besuchen. Erst vor Ort erkennt man, dass dezentrale Unterbringung die einzige Möglichkeit ist.» News4teachers / mit Material der dpa

Bei uns werden die Kinder direkt in die Regelklasse gesteckt und gehen sang und klanglos unter weil es keine Zusatzstunden für einzelne Flüchtlinge an kleinen Schulen gibt.
Selbst wenn es die gäbe, gäbe es kein qualifiziertes Personal.
Die Kinder bräuchten aber dringend DaZ Unterricht um schnell sprachlich in die Lage versetzt zu werden, am Regelunterricht teilzunehmen.
Organisatorisch sind Willkommensklassen einfacher und vom Personalaufwand her deutlich besser.
… sogar Kinder, die noch KEINE Schule im Heimatland besucht haben, kommen altersgerecht in z.B. Klasse 6 einer Regelschule. Wie soll das gehen?
Keine Deutschkenntnisse, kein Zahlenverständnis, keine Alphabetisierung,… nichts. Und nach 2 Jahren DAZ normale Beschulung – Verzweiflung
Aus Sicht der Integrationsbeauftragten sind die Forderungen bestimmt berechtigt. Aus planerischer Sicht auf das ganze Konstrukt, scheint das Boot halt nunmal voll zu sein. Man muss auch die Bestandsklassen betrachten und diese mit im Blick haben und kann sich nicht nur auf Zugezogene konzentrieren.
Vielleicht müssen sich ja auch nicht alle in Berlin aufhalten, in einer Dorfschule im ländlichen Raum ist die Situation von der Frau N. spricht, wohl eher noch umsetzbar.
Das Boot ist voll? Woher haben Sie diese falsche Vorstellung?
Wir haben massiven Lehrkräftemangel. Flüchtlinge stellen hier nur ein vergleichsweise kleines Problem. Manche würden argumentieren, der Staat sollte genügend Plätze für Kinder bereit stellen, vielleicht sogar in die Jugend investieren.
Jahrzehntelange Fehlplanung Kindern in Not anzuhängen, ist ein wenig… furchtbar von Ihnen
RainerQuatsch mal wieder.
1. Steht da “scheint das Boot halt nunmal voll zu sein”
2. Stimmt das halt “einfach”
Was man bei der Formulierung kritisieren KÖNNTE – wenn man wirklich … etwas zum sticheln und fehlinterpretieren WILL … Dann ist es bei Flüchtlingsthemen die Formulierung “das Boot ist voll” in Hinblick auf Integration. Das klingt etwas makaber … Ist hier aber mit Sicherheit nicht so gemeint.
«Seit Jahren steuern wir auf eine eklatante Schulkrise zu: Die Klassen sind zu groß, zu viele Schulstandorte wurden geschlossen», kritisierte die Integrationsbeauftragte, deren zweite Amtszeit im Mai begonnen hat. «Nun fehlen 27.000 Schulplätze und Schulpersonal, um qualitativ hochwertig unterrichten zu können.»
Und die hier beschriebene Situation an Regelschulen kann ja nur besser werden, wenn wir noch zusächlich tausende Geflüchtete mit in die Schulen stecken. Ein paar Stühle pro Klasse gehen doch immer noch.
Spielt auch keinen Rolle, ob die Kinder mit ihren Mitschülern oder Lehrern reden können, wir schaffen das schon irgendwie. Denn dann diffundiert das (fachliche und sprachliche) Wissen einfach passiv aus den Köpfen der Schüler, die schon länger hier sind, mit in die Köpfe der Neuzugänge. Am Ende ist alles bunt und jede/r ist glücklich!
Ist wirklich jemand von naiv das zu glauben?
Natürlich ist es nicht toll für die Kinder, in Flüchtlingsunterkünften zu leben. Aber es ist auch nicht sinnvoll, Kinder ganz ohne Sprachkenntnisse einfach so in eine Regelklasse zu stecken. Am Ende wird man damit nämlich niemandem gerecht.
Stattdessen bräuchte man m.E schrittweise.:
– zunächst massive Deutsch-Förderung in den Unterkünften
– bei grundlegenden Deutsch-Kenntnissen Beschulung in Willkommensklassen
– Integration in Regelklassen und gleichzeitiger DaZ-Unterricht
– schrittweise Reduzierung der DaZ-Stunden zugunsten von normalem Deutsch-Unterricht,
so dass die Kinder schießlich auch in jedem Fach auf Deutsch zurecht kommen.
Parallel dazu sollten unbedingt auch Deutsch-Kurse für die Eltern stattfinden. Nur über Sprache ist im Endeffekt auch eine Integration der ganzen Familie möglich.
Stimme Ihnen zahneknirschend zu. Ich würde es sehr begrüßen, könnten die Kinder in Kern- und bspw. musischen Fächern zusammenarbeiten. Der soziale Einfluss durch Peers kann nicht gering geschätzt werden!
Leider ist alles dermaßen runtergespart und gekürzt worden, dass sich solche flexibleren Lösungen nicht mehr praktisch realisieren lassen. In einem der reichsten Länder -__-
Ja, natürlich ist es gemein, dass die Kinder jetzt die Leidtragenden sind. Doch jedes Jahr Menschen in der Größenordnung einer Stadt wie Hamburg aufnehmen zu wollen und gleichzeitig kein Geld in die Infrastruktur stecken zu wollen, das geht nicht zusammen. Wir haben weder daran gedacht, dass die Menschen Schulplätze brauchen werden, ebenso wenig wie Wohnungen oder einen Termin beim Arzt. Nur Bürgergeld? Ich frage mich eben, wann das Sondervermögen Infrastruktur kommt, mit neuen Wohnvierteln und neuen Schulen.
Die Lösung, Schule in Flüchtlingsheimen anzubieten, ist keine gute, doch die Alternative ist dann gar keine Schule, was noch viel schlimmer ist.
Wir haben daran gedacht, aber einige Politiker anscheinend nicht. Aber wir (als Lehrer) können diese ganzen tollen Wünsche jetzt halt nicht umsetzen. Es tut mir wirklich leid für all die Menschen, die jetzt hier sind und die wir eigentlich viel besser unterstützen müssen, aber es geht einfach nicht!
Ich kann auch nicht verstehen, wie die ganzen Moralpolitiker auf die Idee gekommen sind, dass das ganze “einfach so” klappen könnte (“Wir schaffen das!”). Diese weltfremde Politik treibt die einfacher gestrickten Menschen in die Arme der Extremisten.
Pfui! Wie kann diese Frau es sagen, wie es ist?
Aber Kritik an der Zentralunterbringung? Das hat die Groko um 2015 schon so beschlossen und wir sind wunderbar damit gefahren. Ausnahmslos alle Gemeinden beführworten diese Unterbringungsform (bei sich).
Nur Träumer wie die Grünen meinten, dezentrale Unterbringung würde Akzeptanz und Integration begünstigen. Blanker Wahnsinn!
So ist es, die meisten Migranten kosten zunächst einmal sehr viel Geld. Weitere Mittel oder Leistungen zu fordern, ist natürlich Aufgabe einer Integrationsbeauftragten, aber woher nehmen, wenn nicht stehlen? Und selbst wenn man Geld hätte — wo kommen die Schulen her, wo die Lehrkräfte?
Aber auch mit einer anderen Verteilungen kommen wir nicht weiter, denn die Bereitschaft anderer EU-Länder, mehr Migranten aufzunehmen, ist schlicht nicht da.
Willkommensklassen sind super, wenn sie gut gemacht sind.
Die Kinder müssen auch fähig sein in der Regelklasse Anschluss zu finden. Ohne ein gewisses Maß an Sprachkenntnissen geht das nicht. Je älter die Kinder sind, desto wichtiger sind auch fachliche Vorkenntnisse und natürlich die Alphabetisierung.
Wichtig ist, dass die Willkommensklassen keine Sackgasse werden und bedarfsgerecht der Übergang in die Regelklasse stattfindet. Das kann bei dem einem nach einem halben Jahr sein und bei dem anderen nach 2 oder 3 Jahren. Das ist höchst individuell.