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Debatte: Hausaufgaben abschaffen? Bildungsminister stellt sich dagegen

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ERFURT. Für die Linke sind Hausaufgaben eine Frage der sozialen Ungerechtigkeit: Nicht jedes Kind hat einen Arbeitsplatz, nicht alle Eltern können bei Mathe helfen. Der Thüringer Bildungsminister sieht aber Vorteile.

“Bewährtes Mittel”: Der Thüringer Bildungsminister Christian Tischner (CDU). Foto: Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur / Jacob Schröter

Thüringens Bildungsminister Christian Tischner hält nichts von der Idee, Hausaufgaben abzuschaffen. «Hausaufgaben sind ein bewährtes Mittel, um Schülerinnen und Schülern Sorgfalt, Selbstständigkeit und Ausdauer zu vermitteln», sagte der CDU-Politiker in Erfurt. Mit Hausaufgaben vertieften die Kinder und Jugendliche das Gelernte. «Eine Abschaffung wäre der falsche Weg.»

«Die selbstständige Erledigung von Aufgaben und die Selbstorganisation – das sollten Kinder dann doch wieder in der Schule lernen»

Die Linke im Bund und in Thüringen fordert seit längerem eine Abschaffung von Hausaufgaben. «Das ist eine Frage der sozialen Ungerechtigkeit», sagte die bildungspolitische Sprecherin der Thüringer Linke-Fraktion, Ulrike Große-Röthig. Nicht jedes Kind könne auf einen Arbeitsplatz zugreifen oder habe die geeigneten Arbeitsmittel zu Hause. «Natürlich sind Eltern mit größeren finanziellen, aber auch mit Wissensressourcen besser in der Lage, Kinder zu begleiten bei den Hausaufgaben», sagte Große-Röthig.

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Erlerntes wiederholen und festigen und das selbstständige Arbeiten fördern – das muss aus Sicht von Große-Röthig in den Schulen geleistet werden. «Vor allem muss das der Ganztag leisten», sagte sie. «Die selbstständige Erledigung von Aufgaben und die Selbstorganisation – das sollten Kinder dann doch wieder in der Schule lernen.» Modernere Schulkonzepte zeigten, dass dies gut gelinge.

Anfang des Jahres hatte sich auch der von der Montag Stiftung Denkwerkstatt ins Leben gerufene Bürgerrat Bildung und Lernen mit rund 700 Teilnehmern mehrheitlich für eine Abschaffung der Hausaufgaben ausgesprochen (News4teachers berichtete) – sie sollten durch  «Vertiefungsstunden» ersetzt werden. Dadurch, so die Hoffnung des Bürgerrats, könnten Chancengerechtigkeit, Lernfreiheit und die Lernverantwortung der Schülerinnen und Schüler gefördert werden.

Tischner hingegen verwies darauf, dass Hausaufgaben sinnvoll eingesetzt werden und zur Lernförderung beitragen sollten. «Qualität in der Bildung entsteht nicht durch immer neue Einschränkungen für Lehrkräfte, sondern durch klare Anforderungen und verlässliche Rahmenbedingungen.» News4teachers / mit Material der dpa

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