DÜSSELDORF. Auf dem deutschen Ausbildungsmarkt blieben auch im Jahr 2025 viele Stellen unbesetzt, während zugleich zahlreiche Jugendliche keinen Ausbildungsplatz fanden. Passungsproblem nennt die Ausbildungsmarktforschung dieses Nebeneinander von offenen Angeboten und erfolgloser Nachfrage. Selbst die aktuelle Bundesregierung hat das Problem für sich erkannt und im Koalitionsvertrag konkrete Maßnahmen zur Stärkung der (digital gestützten) Berufsorientierung angekündigt – die Schulen sind gefragt.
Wie ernst die Lage ist, zeigen aktuelle Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Nach den Berechnungen der BIBB-Forscherinnen und -Forscher ist 2025 die Zahl der Jugendlichen, die trotz aktiver Suche ohne Ausbildungsplatz geblieben sind, deutlich gestiegen. Dem Bericht „Der Ausbildungsmarkt im Jahr 2025“ zufolge „finden immer mehr Jugendliche keinen Ausbildungsplatz: Die Zahl der erfolglos suchenden Ausbildungsplatznachfragenden stieg 2025 im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Fünftel (+14.000) auf 84.400. Das ist der höchste Wert seit 2010.“ Gleichzeitig blieben bundesweit zehntausende Ausbildungsstellen vakant. Grundlage der Analyse bilden die BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge sowie die Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit.
„Damit bleibt ein erhebliches Potenzial ungenutzt“, schlussfolgern die Autor*innen. Und weiter: „In Zeiten des zunehmenden Fachkräftebedarfs, des demografischen Wandels und der strukturellen Transformationen gilt es, dieses Potenzial besser zu erschließen und den Übergang von der Schule in den Beruf für Jugendliche ohne Anschlussperspektive zu verbessern.“
Passungsprobleme als zentrale Herausforderung
Zwar sei die Zahl der unbesetzten Plätze im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, doch das grundlegende Problem bleibe bestehen. Die Autorinnen und Autoren halten fest: „Passungsprobleme gelten seit einigen Jahren als eine zentrale Herausforderung auf dem Ausbildungsmarkt und haben sich in den letzten Jahren noch einmal verschärft.“ Der sogenannte Index Passungsprobleme liege 2025 mit 158,9 weiterhin auf einem hohen Niveau. Zum Vergleich: Im Corona-Jahr 2020 war der Index auf einen neuen Höchststand von 167,7 geklettert. In den vergangenen beiden Jahren lag er bei 161,6.
Ein Passungsproblem besteht, so erläutert das BIBB, wenn zum Bilanzierungsstichtag relativ viele Menschen noch nach einem Ausbildungsplatz suchen, obwohl relativ viele Ausbildungsplätze unbesetzt sind. Ursachen sehen die Forschenden sowohl in regionalen als auch in beruflichen Ungleichgewichten. Jugendliche konzentrieren sich etwa auf Berufe, für die es in ihrer Region nur wenige Ausbildungsangebote gibt, während Betriebe in anderen Regionen keinen Nachwuchs finden. Oder sie verfolgen einen Ausbildungswunsch in einem Bereich, in dem die Nachfrage bereits sehr hoch ist, während andere Branche zu wenig Beachtung finden. Die sehr unterschiedliche Nachfrage nach einzelnen Ausbildungsberufen führe dazu, „dass Marktteilnehmende auf beiden Seiten des Ausbildungsmarktes erfolglos bleiben“, heißt es im BIBB-Bericht.
Mit besonders großen Besetzungsproblemen kämpfen etwa die Berufe Klempnerin (40,2 Prozent), Rohrleitungsbauer (40,1 Prozent), Beton- und Stahlbetonbauer (37,2 Prozent) sowie Fleischerin (31,4 Prozent). Auf der anderen Seite sind Berufe wie Mediengestalter Bild und Ton (51,2 Prozent), Sport- und Fitnesskauffrau (45,1 Prozent) oder Tierpfleger (40,0 Prozent) so stark nachgefragt, dass viele Bewerber*innen leer ausgehen.
Schulische Berufsorientierung in der Kritik
Ein weiterer Aspekt, der laut aktueller Befunde zur Passungsproblematik beiträgt, ist die oftmals unzureichende Berufsorientierung in der Schule. Schon 2024 wies die Bertelsmann Stiftung auf Grundlage einer Befragung junger Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren darauf hin, dass vor allem Jugendliche mit hoher Schulbildung hier Probleme sehen: So gaben 43 Prozent der Befragten mit hoher Schulbildung an, „sich über Ausbildungsberufe von der Schule nicht gut informiert zu fühlen“. Bei den Befragten mit mittlerer Schulbildung lag dieser Anteil bei 32 Prozent, bei denen mit niedriger Schulbildung nur bei 19 Prozent.
Schüler*innen auf den nächsten Schritt vorzubereiten und eine umfassende Berufsorientierung in der Schule zu liefern. Das sagt sich so leicht. Mit dem passenden Werkzeug ist es das auch. FUJOUR ist genau die richtige Unterstützung in Sachen beruflicher Orientierung. Sicher, seriös und übersichtlich. Eine App, die hilft, Jugendlichen zu helfen.
FUJOUR stärkt Lehrer*innen den Rücken. Ob Praktikum oder Ausbildung, FUJOUR zeigt Schüler*innen nicht einfach nur Berufschancen, es macht sie erlebbar. Wie? Die Schüler*innen interagieren mit der App, füllen ihre Profile aus, beantworten Fragen zu Interessen und Motivationen – und FUJOUR ermittelt, wo die berufliche Reise hingehen kann. Die Vorteile:
- Übersicht im Ausbildungsmarkt, Identifizieren passender Praktikumsplätze für Schüler*innen
- Systemische Unterstützung für die Berufsvorbereitung im Unterricht (und zu Hause).
- Wissenschaftlich fundierte Methodik verknüpft Motivationen und Interessen der Schüler*innen mit konkreten Ausbildungen und Dual-Studienplätzen (statt nur mit Berufsfeldern).
Interesse? Besuchen Sie uns: https://fujour.com/schulen/
Zudem äußerten 41 Prozent der Befragten mit Abitur, die zum Zeitpunkt der Befragung auf Ausbildungssuche waren, dass sie sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz mehr Unterstützung wünschen oder gewünscht hätten. „Viele Gymnasiast:innen fühlen sich von der Schule nicht gut genug über Ausbildung und Studium informiert. Sie brauchen insgesamt mehr Beratung und Unterstützung und sollten nicht nur besser über Studienwege, sondern auch über Ausbildungsberufe informiert werden, um für sich eine passende Entscheidung treffen zu können“, so lautete das Fazit des Ausbildungsexperten bei der Bertelsmann Stiftung, Clemens Wieland.
Reformpläne der Bundesregierung
Vor diesem Hintergrund ist die Berufsorientierung auch stärker in den Fokus der Politik gerückt. Die amtierende Bundesregierung hat die Passungsprobleme als strukturelles Problem erkannt und im Koalitionsvertrag eine Reform des Berufsorientierungsprozesses angekündigt. Wörtlich heißt es: „Das Berufsorientierungsprogramm bauen wir aus, verzahnen es mit bestehenden Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit, von Ländern und Sozialpartnern und bauen Parallelstrukturen ab. Mit einer gemeinsamen Roadmap ermöglichen wir einen strukturierten, digital- und datengestützten Berufsorientierungsprozess.“
Die BIBB-Analyse selbst betont ebenfalls den politischen Handlungsbedarf, ohne konkrete Maßnahmen vorzuschlagen. Passungsprobleme abzubauen, sei unerlässlich, so die BIBB-Forscher*innen im Fazit ihrer Analyse – „vor allem in wirtschaftlich instabilen Zeiten“. News4teachers
Hier geht es zu allen Beiträgen des Themenmonats “Berufsorientierung & Berufliche Bildung”.
Warum es an der Zeit ist, die Vorurteile über Berufsausbildung endlich zu überwinden – ein Kommentar
