
Ein schlampiger Umgang mit Quellen bei der Zusammenstellung einer Abituraufgabe im Fach Geschichte 2025 in Mecklenburg-Vorpommern setzt Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) unter Druck. Es geht um Zitate, die dem 2019 verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten von Brandenburg, Manfred Stolpe, zugeordnet wurden und von einer Webseite stammen, an deren Zuverlässigkeit es Zweifel gibt.
Das Ministerium räumte ein, dass die Aufgabenkommission versäumt habe, die Sekundärquelle, also die Webseite, auf ihre inhaltliche Korrektheit zu prüfen. Das Ministerium beteuerte aber, das Versäumnis der Aufgabenkommission habe «weder Einfluss auf die Aufgabenbearbeitung durch die Prüflinge noch auf das Gesamtprüfungsergebnis» gehabt.
Aufgabenkommission wird neu berufen
Als Konsequenz aus dem Vorfall werde die Aufgabenkommission neu berufen. «Als weitere Konsequenz wird in zukünftigen vergleichbaren Prüfungsaufgaben auf Sekundärquellen verzichtet, stattdessen werden Primärquellen verwendet.»
Nach einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» stammte ein in der Aufgabe verwendetes Zitat gar nicht von Stolpe. Inhaltlich ging es in der Abituraufgabe um den Umgang in der DDR mit der Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Brüsewitz 1976. Stolpe war damals ein hochrangiger Vertreter der Evangelischen Kirche in der DDR.
Landesschülerrat: Grobe Fehler
Der Landesschülerrat reagierte fassungslos auf das Vorkommnis. «Es ist enorm fragwürdig, dass einem Ministerium solch grobe Fehler passieren. Durch wie viele Kontrollen muss diese Prüfung gegangen sein und welche Vorschriften müssen für Quellen in solchen Prüfungen herrschen, dass so etwas durch die Lappen gehen kann?», fragte der Vorsitzende Felix Wizowsky. «Schülerinnen und Schüler haben sich teils monatelang auf die Prüfung vorbereitet. Dann zu erfahren, dass diese fehlerhaft war und nicht zu wissen, inwiefern eine korrekte Prüfung dein Ergebnis verändert, vielleicht sogar verbessert hätte, ist entmutigend.»
Vorfall wird Thema im Bildungsausschuss
Die Opposition im Landtag ruft das Thema in der nächsten Sitzung des Bildungsausschusses auf die Tagesordnung. Der CDU-Abgeordnete Torsten Renz forderte, dass dabei auch der Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur dabei sein solle.
Renz berichtete, seine Fraktion habe bereits im Mai 2025 Kenntnis über die Kritik an der Quellenlage zu der Abituraufgabe im Fach Geschichte gehabt. «Wir haben das Thema deshalb unverzüglich im Bildungsausschuss auf die Tagesordnung gesetzt und im Juni 2025 im Bildungsausschuss beraten.»
Das Bildungsministerium habe damals die Kritik zurückgewiesen und erklärt, die verwendeten Quellen seien wissenschaftlich korrekt gewesen. «Inzwischen steht für uns fest, dass zentrale Zitate doch fehlerhaft zugeordnet wurden und Quellen nicht belastbar sind.» Dies sei «höchst fragwürdig» und werfe Fragen zur Wertung und Qualität des Abiturs 2024/2025 auf. News4teachers / mit Material der dpa
Falsche Zahlen bei Erdkunde-Abituraufgabe – macht aber nichts (laut Kultusministerium)
Hatte die falsche Quelle irgendwelche Auswirkungen auf die Abiturnoten?
Ich kenne Fälle, in denen dieses Abkopieren zu einer Note 6 führte und somit das Abitur nicht bestanden war.
Auch hier schon wieder Versagen aus den Reihen des Ministeriums? Was soll das alles noch werden? Was machen diese teuer bezahlten Leute mit ihrem Expertenstab den ganzen Tag?
“Ich kenne Fälle, in denen dieses Abkopieren zu einer Note 6 führte und somit das Abitur nicht bestanden war.”
Warum erhält ein Prüfling die Note 6 für etwas was nicht er getan hat, sondern die Aufgabenkommission?
Note 6 für das Ministerium und Entlassung der Aufgabenkommission, ohne Ersatzposten.
Die Quelle war doch korrekt angegeben?! Und in Geschichte braucht man eben Quellen und verfasst selbige nach Möglichkeit nicht selbst.
Mich würde die Aufgabe interessieren, hat die falsche Zuordnung für die Beantwortung der Frage irgendeine Konsequenz? War die Aufgabe nicht lösbar? Kann hierzu ein betroffener Kollege/Kollegin mal etwas schreiben?
Wie wäre es mit einer ministeriellen Handreichung: “Wie man Abituraufgaben richtig konzipiert.”
Aber nur als PDF-Datei. Zum Selberausdrucken.
Heutzutage kommt alles raus, weil jeder alles überprüfen kann. Bestimmt sind solche Fehler schon immer passiert, doch welcher Abiturient hätte das nachprüfen können?
Offenbar wurde u.a. konkret das folgende, bewiesene Falschzitat – bezogen auf die künftige Berichterstattung über die Selbstverbrennung des Pfarrers Brüsewitz – in der Prüfung eingesetzt (Quelle: FAZ):
Das Zitat stammt laut Historikern in Wahrheit vom damaligen Staatssekretär für Kirchenfragen in der DDR, Hans Selgewasser, nicht von Herrn Stolpe. Einem weiteren, in diesem Fall unbelegten, Zitat zufolge, habe Stolpe ausdrücklich gefordert, die weitere Berichterstattung durch den ARD-Korrespondenten Loewe zu unterbinden (Quelle: ebd.).
Diese Zitate in einer Abiturprüfung Herrn Stolpe als Leiter des Sekretariats des Bundes der evangelischen Kirchen zuzuordnen, stellt für mich eine ehrenrührige Geschichtsklitterung dar.
Dass das für die Prüfung zuständige Ministerium von einer Angehörigen der Linken als SED-Nachfolgepartei zu verantworten ist und die Vorwürfe von der Ministerin zunächst auch noch zurückgewiesen wurden, wirft mehr Fragen auf, als die Feststellung der Falschzitate aufklärt. Gerade im Kontext der Aufgabenstellung, nach der offensichtlich bewiesen werden sollte, ob die Kirche Herrn Stolpes in der DDR oppositionell oder systemstabilisierend war.
Noch unfassbarer ist für mich, dass in der Landesregierung und auch hier im Forum von Lehrkräften anscheinend die Auffassung vertreten wird, der Fehler sei ohne Auswirkung auf das Prüfungsergebnis ohnehin unbeachtlich, weshalb man ohne Konsequenzen zur Tagesordnung übergehen könne – zumal die Quelle selbst ja zutreffend war.
Sind das die gleichen Stimmen, die an anderer Stelle strenge Faktenchecks verlangen und Fakenews anprangern?
Fehler in Abituraufgaben Mathematik in BW werden vom RP unter den Teppich gekehrt. Ich habe noch nie auch nur eine Rückmeldung bekommen.