Berufsorientierung an Schulen ist wichtig wie nie. In Deutschland hat fast die Hälfte der 15-Jährigen keine oder nur eine vage Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft, wie eine OECD-Studie 2025 ergab. Fehlen den Jugendlichen und jungen Erwachsenen klare Vorstellungen von ihren Stärken, von möglichen Berufen und Ausbildungswegen, gewinnen andere Faktoren wie Geschlechterklischees an Bedeutung.
Die berufliche Orientierung an Schulen sollte deshalb stärkenorientiert und geschlechtersensibel sein und Praxiserfahrungen in der Arbeitswelt fördern.
Geschlechterklischees bei der Berufswahl
Junge Menschen konzentrieren sich auf nur wenige der rund 330 dualen und über 100 schulischen Ausbildungen, wie Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung belegen. Die meistgewählten Ausbildungsberufe von Männern sind Kfz-Mechatroniker, Fachinformatiker und Elektroniker, die von jungen Frauen Kauffrau für Büromanagement, Zahnmedizinische Fachangestellte und Medizinische Fachangestellte. Überhaupt wählen die meisten jungen Frauen keine duale, sondern eine schulische Ausbildung aus dem Bereich Gesundheit, Bildung und Erziehung. Diese „Klischee-Berufswahl“ spiegelt gängige Geschlechterstereotype in der Gesellschaft wider: Frauen gelten demnach als besonders empathisch und fürsorglich, Männer als handwerklich oder technisch begabt. Dass das längst nicht auf alle Männer und Frauen zutrifft, wird gerne übersehen.
Das Ziel von Berufsorientierung sollte es sein, dass junge Menschen ihre Stärken erkennen und im Beruf entfalten können – unabhängig von geschlechtsbezogenen Zuschreibungen. Menschen sind vielfältig, Berufe auch.
Der Faktor Geschlecht entfaltet seine Wirkung schon lange vor der eigentlichen Berufsorientierung
Kinder erfahren von klein auf, was als „typisch“ männlich oder weiblich gilt, von der Farbe der Kleidung („Rosa ist eine Mädchen-Farbe“) bis zum Verhalten („Jungs sind nun mal wild und laut.“). Tätigkeiten werden automatisch einem Geschlecht zugeordnet: Kinder lernen, dass Frauen kochen, putzen, waschen und „sich kümmern“: um Kinder, Großeltern, um die Familienfeier. Männer reparieren oder heimwerken, sie installieren das Internet und richten das Smart-TV ein. Mütter arbeiten in Teilzeit (fast 80 Prozent der Mütter mit kleinen Kindern tun das), Väter sind die Hauptverdiener der Familie. Selbst wenn Kinder das im eigenen Zuhause anders erleben, sehen sie im Umfeld oder auch in den Medien, wie Tätigkeiten an ein bestimmtes Geschlecht geknüpft werden. Die beruflichen Weichen werden so schon früher gestellt, als es den meisten bewusst ist.
Berufsorientierung sollte früh beginnen
Was bedeutet das für die Berufsorientierung? Sie muss früh beginnen! Schon in der Kita sollten Kinder Tätigkeiten und Berufe als unabhängig vom Geschlecht kennen lernen: Der Erzieher, die Baggerfahrerin, die Polizistin, der Tierarzt. Kinder sollten ihre Talente und Fähigkeiten ohne Einschränkungen entdecken können.
Grundschulkinder entwickeln bereits konkretere Vorstellungen von Berufen. In den meisten Bundesländern ist „Arbeit und Beruf“ ein festes Thema im Unterricht. Hier sollte gelten: „Berufe sind für alle da. Entdeckt, was ihr gut könnt“.
In der Sekundarstufe I können Fragen zu Werten, Lebensgestaltung und Zukunft ab Klasse 5 diskutiert werden. Auch Geschlechterklischees sollten dann schon sichtbar gemacht und hinterfragt werden.
Potenzialanalyse und Praktika wirken dann besonders gut, wenn
- sie in individuellen Gesprächen mit den Schülerinnen und Schülern reflektiert werden.
- Schülerinnen und Schüler im Alltag Feedback zu ihren Stärken und Talenten bekommen. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und hilft ihnen bei der Selbsteinschätzung.
- in der Schule Erwartungen, Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen für ihre Zukunft reflektiert und in dem Zusammenhang Geschlechterklischees und Rollenzuschreibungen sichtbar gemacht werden.
- Eltern eingebunden werden.
Kostenfreie Materialien für eine geschlechtersensible Berufsorientierung
Die Materialien der Initiative Klischeefrei – Methodensets, Quiz, Lesebücher und mehr – bieten Anregungen für die Auseinandersetzung mit der eigenen Zukunft, mit Klischees und mit Berufen von der Kita bis zur Sekundarstufe I.
Die Initiative Klischeefrei wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und setzt sich seit 2017 für eine Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees ein. Die Materialien wurden von Pädagoginnen und Pädagogen entwickelt. Sie sind praxiserprobt und kostenfrei erhältlich.
Link: www.klischee-frei.de/methodensets
Dies ist ein Advertorial / eine Pressemeldung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Initiative Klischeefrei – Öffentlichkeitsarbeit
Talente fördern in MINT-Fächern: klischeefrei und chancengerecht
