
Entscheidet das Thema Bildung im März die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz? Wöchentlich ringen die Parteien derzeit um die Situation in Schulen und Kitas. Bei den drängendsten Problemen im Bundesland stehen Bildungsfragen aus Sicht der Bürger ganz oben – noch vor Zuwanderung und Mobilität, wie eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des SWR-Politikmagazins «Zur Sache Rheinland-Pfalz» ergab. Wie unter dem Brennglas zeigt derzeit Ludwigshafen, wie aktuell die Frage ist.
In der zweitgrößten Stadt in Rheinland-Pfalz muss die Polizei in diesen Tagen an einer Schule für Ordnung sorgen. Zwei Uniformierte achten an der Karolina-Burger-Realschule plus täglich darauf, dass es nicht zu Ausschreitungen kommt. «Wir wollen bewusst ein deutliches und klares Zeichen setzen», betont das Polizeipräsidium Rheinpfalz. Gewalt an Schulen werde nicht geduldet, man verfolge eine «Null-Toleranz-Strategie».
Brennpunkt Ludwigshafen
Das scheint nötig, denn die Schule kommt nicht aus den Schlagzeilen. Im vergangenen Oktober kam es zu einem Großeinsatz der Polizei, nachdem Zeugen eine bewaffnete Person gemeldet hatten. Das Gebäude wurde geräumt und durchsucht, gefunden wurde nichts. Davor soll eine Schülerin im Mai eine Lehrerin mit einem Messer bedroht haben. Das Kollegium rief angesichts der ausufernden Gewalt in einem Brandbrief um Hilfe (News4teachers berichtete).
Im Januar dann ein weiterer Tiefpunkt. An drei Tagen in Folge wurde Reizgas versprüht, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte mussten ärztlich behandelt werden. Die Polizei vernahm tatverdächtige Jugendliche und musste einen aggressiven 15-Jährigen fesseln. Auch ein 14-Jähriger wurde vernommen, bei einem 13-Jährigen fanden Beamte Reizgas.
Die betroffenen drei Schüler sind aktuell vom Unterricht ausgeschlossen, wie die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier mitteilt. «Weitere ordnungsrechtliche Maßnahmen sind in der Vorbereitung.» Über die weiteren Schritte entscheide nun die Gesamtkonferenz der Schule, sagt eine Sprecherin des Bildungsministeriums in Mainz. «Diese muss den Beschluss fassen, was passieren soll.»
Erst vergangene Woche zündete ein 13-Jähriger in einer Pause auf dem Schulhof einen Knallkörper. Zwei Schüler klagten danach über Ohrenschmerzen. Bis auf Weiteres sind jetzt Polizeikräfte an der Schule täglich sicht- und ansprechbar.
Keine nachhaltige Lösung, wie der Landeselternbeirat findet. Polizeipräsenz sei in akuten Gefahrensituationen zwar notwendig, könne die Probleme aber nicht dauerhaft lösen, betont Geschäftsführerin Melanie Böttche. Stattdessen brauche es mehr Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und pädagogische Unterstützung vor Ort. Eine einseitige Fokussierung auf Polizeieinsätze, heißt es, berge die Gefahr der Stigmatisierung betroffener Schulen.
Zwischen Prävention und Präsenz
Der Handlungsdruck für die Politik ist hoch. Einer SWR-Umfrage zufolge sehen 39 Prozent der Realschulen plus in Rheinland-Pfalz eine deutliche Zunahme von Gewalt, weitere 26 Prozent beobachten dies teilweise. Und so schonen sich Regierung und Opposition vor der Wahl nicht. CDU-Fraktionschef Gordon Schnieder fordert verstärkte Schritte gegen Gewalt an den Schulen im Land. Hilferufe von Lehrkräften, Eltern und Schüler seien jahrelang ignoriert worden, kritisiert der Oppositionsführer. Eine Schule dürfe kein Ort der Angst sein.
SPD-Fraktionschefin Sabine Bätzing-Lichtenthäler wies jüngst im Landtag die Vorwürfe zurück. Es werde eine Vertrauensstelle für Lehrkräfte und pädagogisches Personal eingerichtet, die Gewalterfahrungen und eine subjektive Bedrohungslage an Schulen erlebt haben, kündigte sie an. Die Vertrauensstelle soll beim pädagogischen Landesinstitut eingerichtet werden. Die Psychologinnen und Psychologen werden dort vertraulich beraten.
Kleine Klassen gegen große Probleme?
Auch beim Thema kleinere Klassen prallen die Positionen aufeinander. Während CDU-Bildungspolitikerin Jenny Groß schnelles Handeln fordert, verweist Bildungsminister Sven Teuber (SPD) auch auf Hindernisse – etwa einen Mangel an Räumen, was Sache der Kommunen als Schulträger sei. Teuber erinnert jedoch daran, dass das Sondervermögen des Bundes für zusätzliche Schulräume genutzt werden könne. Für Groß kommt das zu spät. Die SPD habe 35 Jahre Zeit gehabt, die Klassen zu verkleinern.
Und wie sieht das die Polizei, bei der aktuell viel Verantwortung abgeladen wird? «Es ist die ureigenste Aufgabe der Polizei, für Sicherheit zu sorgen. Aber die Polizei kann sicherlich nicht alle Probleme lösen», sagt ein ranghoher Beamter, der namentlich nicht genannt werden will. «Da gehören weitere Akteure dazu, die alle an einem Strang ziehen müssen.»
Vielleicht sei es gar nicht schlecht, dieses Thema gerade jetzt anzugehen. «Es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem, und es handelt sich um ein Thema sicher nicht nur in Ludwigshafen.» Und nicht nur in der Stadt am Rhein hoffen viele Eltern (und Lehrkräfte) vor allem eines – dass der Schulalltag sicher ist. News4teachers / Von Wolfgang Jung, dpa
“Eine einseitige Fokussierung auf Polizeieinsätze, heißt es, berge die Gefahr der Stigmatisierung betroffener Schulen.”
Die Stigmatisierung wurde wohl von der Schülerschaft selbst geschaffen, die zu einigen Teilen keine Erziehung genossen und nicht gelernt hat, sich an die normalsten Regeln menschlichen Miteinanders zu halten. Aus Sicht der sozialen Arbeit kann ich hier nur sagen, dass man mit “Fühli, Fühli” und Co. in diesen Fällen nicht weiter kommt, sondern mit ernsthaften, weitreichenden und abschreckenden Konsequenzen, wie beispielsweise einer (vorübergehenden) Heimunterbringung von gewaltbereiten Schülern.
Hier haben sich Dinge zusammengebraut, die man mit Sozialarbeitern und Psychologen nicht in den Griff bekommt, sondern mit einem strengen Rechtsstaat, der “Null Toleranz” nicht nur dahersagt, sondern ernsthaft in die Tat umsetzt. Wieder bekommt man den Eindruck, das Bekehren der Täter ginge vor Opferschutz. Dabei haben auch die Schulen in Brennpunkten wie Ludwigshafen durchaus Kinder, die wirklich lernen wollen und Schule und Unterricht als Chance begreifen. Alle anderen müssen erst einmal wirklich erfahren und erleben, dass ihr Handeln eine Konsequenz hat – und die darf nicht nur aus wohl gemeinten Gesprächen bestehen.
Das sind aber Konsequenzen, die nicht auf dem Rücken von Schulen gehen und sind von daher nicht im Sinne der Verantwortlichen……
Und solange niemand Schulen diese Verantwortung wegnimmt, wird sich auch nichts ändern. Im Umkehrschluss müssen sich Schulen dieser Verantwortung entledigen und bei jedem Vorfall nach Hilfe von Oben ersuchen…..!
“Aus Sicht der sozialen Arbeit kann ich hier nur sagen, dass man mit “Fühli, Fühli” und Co. in diesen Fällen nicht weiter kommt, sondern mit ernsthaften, weitreichenden und abschreckenden Konsequenzen, wie beispielsweise einer (vorübergehenden) Heimunterbringung von gewaltbereiten Schülern.”
Vielleicht sollten Sie dann Ihre “soziale” Arbeit aufgeben. Aber für immer Polizei an sämtlichen Schulen (ohne “Fühlifühli”, wie Sie Ihren Aufgabenbereich beschreiben), ist garantiert das nachhaltigere Konzept (augenroll)
Rollen Sie mit den Augen soviel Sie wollen – die soziale Arbeit ist kein Wundermittel. Ich kenne die Schulsozialarbeiter aus Ludwigshafen. Glauben Sie nicht, dass hier schon alles versucht wurde? Dass ich “für immer Polizei an sämtlichen Schulen” möchte, habe ich mit keiner Silbe geschrieben. Ich möchte, dass Opferschutz vor Täterschutz geht und gewaltbereite Jugendliche, die drei Tage in Folge mit Reizgas den Unterricht lahmlegen und Verletzungen Dritter in Kauf nehmen, adäquat bestraft werden. Wir alle sollten das wollen, denn nur so kehrt schlussendlich Ruhe ein.
“die soziale Arbeit ist kein Wundermittel.”
Besonders nicht, wenn die sich selbst als “Fühlufühli” relativiert
Zumal Eltern auch einfach ein Recht darauf haben, zu wissen, ob es an der Schule, an der sie ihr Kind anmelden wollen, drunter und drüber geht oder nicht.
Die Merkmale, warum stigmatisiert werden könnte, sind ja faktisch vorhanden, es wird ja nichts erfunden.
Das muss man von mehreren Seiten anfassen. 1. Benötigen die Schulen ein ausgeweitetes Repertoire an Maßnahmen. Derzeit es es unglaublich schwierig, rechtssicher Schutzmaßnahmen für die restliche Schülerschaft durchzusetzen, da das Individualrecht häufig das Recht der Gemeinschaft übertrumpft. 2. Müssen die Eltern stärker in die Verantwortung genommen werden. 3. Müssen Schulen und Betroffene bei ernsthaften Vorfällen diese auch anzeigen. 4. Bedarf es in der Jugendgerichtsbarkeit spezieller Abteilungen, die sich -gut ausgebildet – mit dem speziellen Bereich der Gewalt in Schule befassen. 5. Brauchen wir Institutionen, die eng mit dieser Jugendgerichtsbarkeit zusammenarbeiten und Sozialpädagogik und Strafzumessung koordinieren und überwachen. 6. Müsste es auch für Kinder und Jugendliche einen Hausarrest geben können.
Genau. Das bisschen Nachsitzen oder Unterrichtsausschluss bringt einfach nix.
Mittlerweile beauftragen Eltern selbst bei diesen Maßnahmen Rechtsanwälte, vor denen wir Lehrer und die Schulleitung meist einknicken müssen. Für uns müsste es Juristen am Schulamt geben, damit unsere Maßnahmen juristisch wasserdicht sind.
“Erst vergangene Woche zündete ein 13-Jähriger in einer Pause auf dem Schulhof einen Knallkörper. Zwei Schüler klagten danach über Ohrenschmerzen.”
Mindestalter heruntersetzen, Anklage wegen Körperverletzung, seelischer Grausamkeit und versuchtem Terrorismus, mindestens!
“Stattdessen brauche es mehr Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und pädagogische Unterstützung vor Ort. Eine einseitige Fokussierung auf Polizeieinsätze, heißt es, berge die Gefahr der Stigmatisierung betroffener Schulen.”
Jup! Dreimal raten, was sich nun alle wünschen, die NICHT an dieser Schule sind -__-
Das Problem sind erodierte Machtverhältnisse. Ein paar Gutmenschen haben sich überlegt wie schön es doch wäre wenn wir uns alle mit Liebe und Verständnis begegnen würden. Aber leider ist das nicht die Realität.
Trotz all unserer vermeintlichen Intelligenz sind wir auf Machtstrukturen angewiesen. Es braucht eine klare Hierarchie und klare und auch harte Konsequenzen. Erziehung und das Miteinander funktionieren anders leider nicht.
Derzeit ist es aber vollkommen okay total enthemmt zu sein, verbal und körperlich. Das bekommen die Kinder und Menschen überall mit.
Eine Lösung? Gibt es nicht. Nicht mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. So wird es auf Ausgrenzung, Abgrenzung und eine noch hasserfülltere “Gesellschaft” hinauslaufen.
Sie beschreiben das ganz schön: Die gewaltbereiten Jugendlichen sehen diese Machtverhältnisse nicht, also beanspruchen sie diese für sich. Da kommen sie eben nicht mit wohlgemeinten Gesprächen auf Augenhöhe weiter. Woher ich das weiß? Weil wir dieses Klientel ebenfalls bedienen und erleben, was konsequenzlose Drohungen bringen: Gar nichts. Mein Verständnis hört da auf, wo andere verletzt werden. Ab dann gilt Opferschutz vor Täterschutz und nichts anderes.
“Wie lässt sich gegensteuern?”
DAS ZWANGSLERN-SYSTEM ABSCHAFFEN!
Denn der Mensch ist zur Freiheit geboren, zur “Freiheit verurteilt” (Jean-Paul Sartre).
Wie Schule anders geht, beweist das System der Alemannenschule Wutöschingen mit dem ´Freiland-Abitur` mit besserem Notendurchschnitt als der Landesdurchschnitt.
Vonnöten ist ein Perspektivwechsel von der 300jährigen Untertanen-Schule zur Schule der Freiheit liberaler Demokratie.
Und ein Perspektivwechsel von der Schüler-Rolle zum Schüler-Menschen, siehe YouTube-Video https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://www.youtube.com/watch%3Fv%3DOsLWFrz0yVk&ved=2ahUKEwjZua7zx6OQAxXtc_EDHX32NqsQFnoECBwQAQ&usg=AOvVaw0sP8anEsIH_6P8nSoCIJWj
Nun ja, 2025 haben dort gerade mal 21 SuS ihr Abitur abgelegt.Der Schnitt dieser 21 lag bei 2,16, der Landesschnitt über weitaus mehr SuS bei 2,23. Sooo deutlich ist der Unterschied von 8 Hundertsteln jetzt nicht – der Effekt kann allein durch die geringe Zahl von 21 Abiturienten zustande kommen.
Die Schulen durchweg als „Untertanen-Schulen“ zu bezeichnen sagt viel über Ihre Unkenntnis des heutigen Lehrens und Lernens in der Schule aus. Aber nichts hält sich so hartnäckig wie ein gepflegtes Vorurteil, nicht wahr?
Mit freundlichen Grüßen,
Mika BB
Im Übrigen liegt der Abi-Schnitt an unserer Untertanen-Schule noch deutlicher unter (besser) dem Landesschnitt in NRW. Eindeutig eine Folge des militärischen Drills, der konsequenten Unterdrückung und der Schwarzen Pädagogik an unserer Schule …
Hallo Mika BB – Sie haben mich leider mißverstanden. Meine Argumentationsbasis ist die System-Ebene.
Mit guten Wünschen
Horst Költze
“der Effekt kann allein durch die geringe Zahl von 21 Abiturienten zustande kommen.”
Die beiden SuS mit 1,0 beeinflussen bei 21 SuS Grundgesanmtheit den Schnitt natürlich nicht unerheblich.
Weitere Einflussfaktoren wären die Fächerkombinationen und die max 600 Pkt aus den Noten der Kurse / Lesitungskurse. Die Ergebnisse der schriftlichen Abituraufgaben machen in BW nach meinen Informationen max 180 Pkt von max 900 Pkt aus.
Leider interpretieren das mittlerweile zu viele als Freiheit, Sch… zu bauen, nur das zu machen, worauf ICH Bock habe und mich über andere und über die Regeln zu stellen!
bitte das buch von stefan ruppaner lesen.
Die Ergebnisse in Wutöschingen sind nicht valide:
Herr Ruppaner behält die Einreichnoten und die Wahl der Neigungskurse (sowohl deren jeweilige Gruppengröße) seines ersten Abijahrgangs für sich, zudem auch die sozioökonomische Zusammensetzung der Schülerschaft.
Zudem wird nicht klar, mit welchen Schulen er seinen ersten kleinen Abijahrgang vergleicht (G8, G9 oder beide zusammen?).
Interessant wäre der Vergleich mit einem Gymnasium im ländlichen Raum mit einer Mini-Oberstufe in einem kleinen Ort mit fließender Gewerbesteuer.
Achin, wenns dir um zahlen geht, mag das so sein, wie du schreibst. IN DER ALEMANNENSCHULE GEHTS UM FREIHEIT ALS BILDUNGSINDIKATOR!
Und Achin sagte, dass man sich diese Freiheit halt leisten muss (und Sie werden wohl kaum bestreiten, dass es regelmäßig finanzielle Unterstützung aus der dortigen Wirtschaft gibt) und sorry, bei einem Landkreis, der aus 7 Dörfern besteht und nicht einmal 7000 Einwohner hat… Sie leben absolut nicht in einer Welt mit Ludwigshafen, Frankfurt, Duisburg, Berlin…
Schauen Sie sich die Fotos von der Schule und den Schülern an! Sie leben in Ihrer eigenen (Traum-)Welt, die nichts mit den Wirklichkeiten in weiten Teilen Deutschlands zu tun hat.