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Schüler zu Subjekten ihres Lernprozesses machen (das verändert auch die Lehrerrolle)!

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BONN. Kompetenzen oder Wissen – was zählt wirklich? In der Bildungsdebatte wird diese Frage seit Jahren kontrovers diskutiert. Myrle Dziak-Mahler hält das Entweder-oder für überholt. Wissen bleibe unverzichtbar, sagt sie – aber Unterricht müsse sich daran orientieren, dass Wissen heute dynamisch ist und sich ständig verändert. Im zweiten Teil des Interviews erklärt die Bildungsexpertin und frühere Lehrerin, warum Lehrkräfte ihre Rolle neu definieren sollten, wie selbstgesteuertes Lernen konkret aussehen kann, welche Chancen Digitalisierung bietet – und warum es ohne einen kulturellen Wandel in Schule nicht gehen wird.

Hier geht es zurück zum ersten Teil des Interviews. 

In Bewegung (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

News4teachers: Kritiker sagen: Kompetenzen ohne Wissen sind nichts.

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Dziak-Mahler: Was hinter diesem Einwand häufig steckt, ist ja die verständliche Sorge, dass Kompetenzen ohne ein solides Wissensfundament leer bleiben. Und natürlich braucht Kompetenz Wissen. Die Frage ist nur: Welches Wissen? Und in welcher Rolle sehen wir uns als Lehrkräfte?

Lange Zeit war die klassische Rolle der Lehrkraft die der Wissensvermittlerin. Es gab bestimmte Wissensbestände, die als kanonisiert galten, und diese wurden weitergegeben. Ist das heute noch realistisch? Selbst in meinen eigenen Fachgebieten wäre ich nicht in der Lage, alles zu überblicken, was sich verändert, welche neuen Zugänge es gibt, welche neuen Erkenntnisse entstehen. Wenn ich also glaube, ich könne einen festen, konservierten Wissensbestand weitergeben, der dann dauerhaft trägt, dann überhöhe ich meine eigene Rolle.

Das heißt nicht, dass Wissen unwichtig wäre. Im Gegenteil. Aber wir brauchen zusätzlich die Fähigkeit, zu entscheiden, was sinnvolles Wissen ist, was belastbar ist, was in einem bestimmten Kontext relevant ist. Und genau da sind wir wieder bei Kompetenzen.

Früher haben wir geglaubt, es gebe klar definierte Wissensbestände, die man weitergibt. Heute sehen wir, dass Wissen dynamisch ist, dass es sich verändert. Darauf muss Unterricht reagieren. Es geht also nicht um ein Gegeneinander von Wissen und Kompetenz, sondern um ein Zusammenspiel – unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen.

“Im Abgleich zwischen der eigenen Wahrnehmung und der Rückmeldung der Lehrkraft findet die Ausbildung von Metakognition statt”

News4teachers: Wie müsste Lernen gestaltet sein?

Dziak-Mahler: Ich möchte zunächst sagen: Ich vertrete nicht das eine, das „richtige“ Lernen. Ich habe eine begründete Vorstellung davon, wie Lernen sich verändern kann, damit wir besser erreichen, was wir eigentlich erreichen wollen. Der Kern dieser Vorstellung ist, dass Schülerinnen und Schüler im Driver Seat ihres eigenen Lernens sitzen. Schauen wir auf Unterricht, dann sehen wir, dass Schülerinnen und Schüler Objekte eine Lehrprozesses sind. Wir Erwachsenen entscheiden, welche Themen zu welchem Zeitpunkt bearbeitet werden, in welchem Tempo, mit welchem Zieltermin. Wir sind die Handelnden, die Entscheiderinnen und Entscheider, die Schülerinnen und Schüler reagieren.

Für mich geht es an der Stelle um einen entscheidenden Switch: Wenn Schülerinnen und Schüler werden zu Subjekten ihres Lernprozesses werden, dann verändert sich auch die Rolle der Lehrkraft – hin zu einer Lernbegleiterin, Mentorin, Prozessbegleiterin, Feedbackgeberin.

Ganz konkret könnte diese Veränderung in einem Fach bedeuten: Die Kompetenzen liegen in Form von Kompetenzrastern vor. Sie sind operationalisiert– es ist klar definiert, was erreicht werden soll. Dazu gibt es einen Aufgabenpool. Aus diesem Pool können Schülerinnen und Schüler wählen. Es gibt Aufgaben, die obligatorisch sind, andere sind wählbar, wieder andere sind stärker differenziert – für Schnellere, für diejenigen, die mehr Zeit brauchen.

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich selbst Ziele: Was nehme ich mir für heute oder für diese Woche vor? Sie arbeiten an diesen Zielen und reflektieren anschließend: Habe ich das erreicht? Was fiel mir leicht? Was war schwierig? Wo brauche ich Unterstützung? Die Lehrkraft schaut auf das, was erarbeitet wurde, und gibt Feedback. Und hier kommt für mich ein entscheidender Punkt: Im Abgleich zwischen der eigenen Wahrnehmung und der Rückmeldung der Lehrkraft findet die Ausbildung von Metakognition statt. Schülerinnen und Schüler lernen, ihr eigenes Lernen wahrzunehmen und einzuschätzen.

Bildungsexpertin Myrle Dziak-Mahler. Illustration: Shutterstock

Interessant ist dabei der Unterschied zwischen der Selbstwahrnehmung der Schülerin oder des Schülers und der Fremdwahrnehmung durch die Lehrkraft. Dieses Delta – also die Differenz zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung – ist das eigentliche Entwicklungsfeld. Aus diesem Delta kann Entwicklung entstehen.

Das kann man sich auch persönlich und im Privaten klarmachen: Wenn ich mich selbst in einer bestimmten Weise wahrnehme und bekomme eine Rückmeldung, die davon leicht oder deutlich abweicht, dann entsteht genau dort ein Moment der Verstörung, der ein Lernmoment werden kann. Und genau diesen Prozess halte ich beim Lernen für zentral. Es geht also nicht darum, Inhalte aufzugeben oder Ziele zu verwässern. Es geht darum, den Weg zum Ziel so zu gestalten, dass Schülerinnen und Schüler Verantwortung für ihr eigenes Lernen übernehmen, sich selbst steuern, reflektieren und aus Rückmeldungen Entwicklungsschritte ableiten können.

lernlog, die digitale Lernbegleitung

Wie können Lehrkräfte selbstgesteuertes Lernen praktisch organisieren? Hier setzt die Web-App lernlog an. Entwickelt von der gemeinnützigen lernlog gGmbH in Bonn, einer Initiative der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, unterstützt das digitale Tool Schulen und Lehrkräfte dabei, individuelle Lernprozesse zu strukturieren und zu begleiten.

lernlog fungiert als digitales Logbuch: Schülerinnen und Schüler planen ihre Lernziele, dokumentieren Fortschritte und reflektieren ihre Arbeit. Lehrkräfte erhalten Werkzeuge für Feedback und Lernberatung. Für die Primarstufe gibt es „lernlog kids“. Schulen werden bei der Einführung begleitet und können sich in einer Community vernetzen. E KI-gestützter Service wird gerade integriert, der individuelles Feedback weiter datengestützt verbessert.

Selbstständiges Lernen optimal begleiten, im Team zusammenarbeiten, Ressourcen besser verteilen und nutzen! lernlog macht selbstgesteuertes Lernen einfach, wirkungsvoll und zukunftsfähig.

Informieren Sie sich gerne: www.lernlog.digital/

News4teachers: Überfordert das nicht viele?

Dziak-Mahler: Die Frage ist nachvollziehbar. Wenn man mit dem selbstgesteuerten Lernen neu beginnt in einer Lerngruppe, dann braucht man sich keine Illusionen zu machen, dass plötzlich alle begeistert aufspringen und hochmotiviert selbstorganisiert lernen. Wenn man aber so arbeitet und diese Form des Lernens von der Grundschule an einführt, dann ist das nichts Besonderes mehr. Dann wachsen Schülerinnen und Schüler damit auf, Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen, sich Ziele zu setzen, zu reflektieren. Dann ist das kein Bruch.

Wenn man allerdings mit 14- oder 15-Jährigen neu einsteigt, die anders unterrichtlich sozialisiert sind, dann ist das anspruchsvoll. Das würde ich nicht bestreiten. Allerdings erlebe ich häufig, dass das Argument „Das geht mit meinen Schülerinnen und Schülern nicht“ als Totschlagargument verwendet wird. Wir arbeiten bei lernlog mit vielen Schulen zusammen, die nach diesem Konzept arbeiten, und wir sehen, dass es funktioniert. Entscheidend ist, wie man beginnt. Ich würde immer raten: langsam anfangen, ausprobieren, nicht das ganze System von heute auf morgen umstellen. Man sollte sich fragen: In welcher Jahrgangsstufe, in welcher Klasse, mit welcher Lerngruppe könnten wir erste Erfahrungen sammeln? Und dann nachsteuern: Was funktioniert bei uns gut, was weniger gut? Was wollen, was müssen wir anpassen?

So Lernen zu gestalten ist eine vollständig andere Denke. Und das führt man nicht per Knopfdruck ein. Es braucht Zeit, Reflexion, Adaption. Und ich würde auch nicht behaupten, dass es in jeder Lerngruppe sofort oder vollständig gelingt. Es kann Situationen geben, in denen man zweifelt: In dieser Konstellation kommen wir mit diesem Ansatz im Moment nicht weiter. Wir müssen andere Wege oder Umwege gehen.

Wovor ich warnen möchte, ist die Vorstellung, man könne alles auf einmal umstellen und dann sei automatisch alles besser. Es geht vielmehr darum, sich auf einen iterativen Prozess einzulassen: etwas ausprobieren, Erfahrungen sammeln, anpassen.

Und wenn Sie mir erlauben, an dieser Stelle noch einmal auf den Beginn unseres Gespräches zurückzukommen, denn was für das gesamte System Schule gilt, gilt auch für jede einzelne Schule: Wenn etwas nachweislich nicht funktioniert, dann ist es sinnvoll, etwas anderes zu probieren. Wenn ich immer wieder dasselbe tue, dann darf ich nicht erwarten, dass plötzlich ganz andere Ergebnisse entstehen. Aber wenn ich etwas Neues ausprobiere, besteht zumindest die Möglichkeit, dass es besser funktioniert.

“Aktuell unterrichten wir so, dass wir viele Informationen über Lernprozesse, die uns helfen könnten, nicht systematisch nutzen”

News4teachers: Welche Rolle spielt Digitalisierung?

Dziak-Mahler: Digitalisierung ist kein Allheilmittel. Aber sie ermöglicht uns deutlich mehr, als ohne Digitalisierung möglich wäre. Das Thema Daten nimmt eine besonders wichtige Rolle dabei ein. Aktuell unterrichten wir so, dass wir viele Informationen über Lernprozesse, die uns helfen könnten, nicht systematisch nutzen. In einer analogen Welt ist das auch kaum möglich. In einer digitalen Welt können wir das anders machen.

Wenn ich digitale Tools einsetze, habe ich die Möglichkeit, Daten über Lernprozesse zu sammeln und auszuwerten. Ich erfahre z.B. etwas darüber, was eine Schülerin oder ein Schüler kann, wo Schwierigkeiten liegen, wie gearbeitet wird, wann gearbeitet wird. Diese Daten kann ich nutzen, um individueller zu unterstützen. Und ich kann sie gleichzeitig nutzen, um effizienter zu arbeiten.

Wenn ich diesen Ansatz konsequent verfolge, stellt sich auch die Frage der Leistungsbewertung neu. Vielleicht verzichte ich künftig auf klassische Klausuren, die ich danach tagelang korrigieren muss, und erhalte stattdessen fortlaufend Einblicke in den Lernprozess.

Wir arbeiten bei lernlog beispielsweise mit einem KI-Service, der auf Basis vorhandener Daten eine strukturierte Übersicht generiert – zu Stärken, Schwächen, Motivationslage. Wichtig ist uns dabei: Diese Auswertung ist absolut datenschutzkonform und sie enthält Belegstellen. Wenn eine Einschätzung formuliert wird, kann ich als Lehrkraft nachvollziehen, worauf sie sich stützt. Darauf aufbauend wird auf Knopfdruck ein Feedbackvorschlag erstellt– auf unterschiedlichen Sprachniveaus, angepasst an die jeweilige Schülerin oder den jeweiligen Schüler. Und für uns gilt: „Human in the Loop“. Es wird nichts automatisch an Schülerinnen und Schüler weitergegeben. Die Lehrkraft prüft, verändert, gibt frei.

Für mich liegt der Mehrwert der Digitalisierung also nicht in einem Selbstzweck, sondern in der Möglichkeit, Lernprozesse besser zu verstehen, individueller zu begleiten und gleichzeitig die eigene Arbeit effizienter zu gestalten. Ohne digitale Unterstützung und die Nutzung von KI wäre das in dieser Form kaum realisierbar.

News4teachers: Kann eine einzelne Lehrkraft so etwas umsetzen?

Dziak-Mahler: Sagen wir mal so: Wenn ich Schulleiterin bin, habe ich andere Möglichkeiten als als Fachlehrkraft. Dann kann ich im Kollegium schauen: Wer ist interessiert? Womit fangen wir an? Welche Jahrgangsstufe würde sich eignen? Wie sind die Rahmenbedingungen? Habe ich 1:1-Ausstattung an mobilen Endgeräten? Einer einzelnen Lehrkraft würde ich raten: Bildet Banden! Sucht euch Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Verabredet euch vielleicht in einem Fach oder für eine Lerngruppe, gebt jeweils einen kleinen Teil eurer Stunden in das Projekt hinein, in dem nicht klassisch in der Kohorte unterrichtet, sondern individueller gearbeitet wird – auf Basis vorbereiteter Materialien und klarer Zielsetzungen.

Das kann funktionieren, und es funktioniert an vielen Stellen auch. Aber ich will auch nicht verschweigen: Wenn man in einem sehr unbeweglichen System die Einzige oder einer der ganz wenigen ist, die etwas verändern möchten, dann wird es schwer. Man läuft gegen Mauern. Systemisch betrachtet braucht es immer auch eine Veränderung der Organisation. Andererseits: Keiner muss nicht warten, bis die Landespolitik alles neu regelt. Innerhalb der bestehenden Rahmenbedingungen ist mehr möglich, als man oft denkt – rechtskonform und machbar.

Wobei: Veränderung bedeutet auch, Grauzonen zu betreten. Das sagen im Übrigen fast alle Schulen, die heute als besonders innovativ gelten. Hätten sie sich strikt an jede Regel gehalten, wären sie nicht da, wo sie heute stehen. Veränderung heißt, nicht zu wissen, wie es genau ausgeht – aber zu wissen: Wenn ich mich nicht bewege, wird es eher schlechter als besser.

News4teachers: Gibt es noch einen Aspekt, der Ihnen wichtig ist?

Dziak-Mahler: Ja, ein weiterer wichtiger Aspekt geht über die reine Lernorganisation hinaus. Meiner Ansicht nach steht der Ansatz, Schülerinnen und Schüler stärker in den Mittelpunkt zu rücken – oder, wie ich es formuliert habe, sie in den „Driver Seat“ zu setzen – in engem Zusammenhang mit demokratischen Prinzipien. Derzeit sind Schülerinnen und Schüler im Schulsystem oftmals nicht als aktive Subjekte, sondern vielmehr als Objekte eingebunden. Dies betrifft nicht nur den Unterricht, sondern das gesamte System. Im Schulalltag erleben sie selten, dass ihre Meinungen, Wünsche und Anregungen tatsächlich Berücksichtigung finden und einen Unterschied machen.

Das System trainiert eher Anpassung als Selbstwirksamkeit. Erfolgreich ist, wer sich einfügt. Weniger erfolgreich ist, wer als Individuum sicht- und hörbar wird.

Ich glaube, das hat Folgen. Das Gefühl von Ohnmacht, das viele Menschen derzeit empfinden, beginnt nicht erst im Erwachsenenalter. Schule ist ein prägender Ort. Wenn ich dort lerne, dass meine Perspektive, meine Fragen, meine Bedürfnisse kaum eine Rolle spielen, dann wirkt das – auch lange nach.

Deshalb geht es beim veränderten Lernen für mich um mehr als um bessere Testergebnisse oder darum, Kompetenzen in die Köpfe von Schülerinnen und Schülern zu bringen. Es geht darum, sie zu stärken – in dem Sinne, dass sie erleben: Meine Stimme zählt. Mein Beitrag ist relevant. Ich kann etwas gestalten. Und das ist für mich unmittelbar mit der Frage verbunden, wie wir unsere Demokratie langfristig stabil halten. News4teachers / Andrej Priboschek führte das Interview.

Hier geht es zurück zum ersten Teil des Interviews. 

Transparenzhinweis: News4teachers und die gemeinnützigen Montag Stiftungen arbeiten in verschiedenen Projekten zusammen (etwa beim Bürgerrats-Podcast).

Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats “Schule der Zukunft”. 

Inklusive Universitätsschule Köln: Wo Wissenschaft und Praxis gemeinsam an der Schule der Zukunft arbeiten (und künftige Lehrkräfte ausbilden)

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Katze
12 Minuten zuvor

Ach nee, ich werd sie wohl nicht verstehen – die Schule der Zukunft.
Schüler zu Subjekten ihres Lernprozesses machen (das verändert auch die Lehrerrolle)!

Ich will raus aus dieser Lehrerrolle, bevor die sich komplett verändert. Alto oder doppelter Rücktrittberger – das überlege ich noch.

Was wird hier wieder als große Zukunftsvision verkauft? Es heißt, früher habe man geglaubt, es gebe klar definierte Wissensbestände, heute aber sei Wissen „dynamisch“ und verändere sich ständig. Als hätte früher irgendjemand ernsthaft angenommen, die Welt bleibe stehen und Schulbücher würden nur aus sentimentalen Gründen neu gedruckt. Und natürlich folgt das unvermeidliche Zusammenspiel von Wissen und Kompetenz „unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen“ – der Satzbaustein, den man immer dann einsetzt, wenn man eigentlich nichts Konkretes sagen möchte. Dabei wurde auch früher kein Zehntklässler mit dem Gesamtwissen eines Fachs erschlagen, und trotzdem hatte er am Ende mehr eigenes Wissen als heute nach drei Kompetenzrastern mit Lernbegleitung und Teamcoaching.
Weiter geht’s in der Abteilung Hülsenfrucht: Im „Abgleich zwischen der eigenen Wahrnehmung und der Rückmeldung der Lehrkraft“ finde die Ausbildung von Metakognition statt. Übersetzt heißt das: Der Lehrer sagt, ob’s richtig ist. Aber in 17 Silben klingt es natürlich nach Forschung.
“Wenn Schülerinnen und Schüler werden zu Subjekten ihres Lernprozesses werden, dann verändere sich auch die Rolle der Lehrkraft – hin zur Lernbegleiterin, Mentorin, Prozessbegleiterin, Feedbackgeberin.” Zweimal werden in einem Satz, das ist schon fast ein Stilmittel. Und natürlich werden alle Lernenden innigst werden wollen, Subjekte ihres Lernprozesses geworden zu sein – am besten easy peasy, ohne Anstrengung, ohne Widerstand und selbstverständlich mit maximaler Metakognition.
Man kennt das ja: Die 9b strotzt morgens um 7:45 nur so vor intrinsischer Motivation, endlich Subjekt zu sein.
Und dann kommt noch der Satz der Expertin, der alles abrundet: Wenn man in einem „sehr unbeweglichen System die Einzige oder einer der ganz wenigen ist, die etwas verändern möchten, dann wird es schwer. Man läuft gegen Mauern.“
Genau. Und solche vermauerten Exemplare wie ich neigen dazu, innerlich gegen dieselben Mauern zu prallen – weil ich das Gefühl habe, dass der Bildungszug längst in die falsche Richtung rollt, dorthin, wo es am Ende des Tunnels noch düsterer wird.

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