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Hamburg erneuert seinen Schul-Sozialindex – Niedersachsens Lehrkräfte wollen ihn auch

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HAMBURG/HANNOVER. Hamburg berechnet den Sozialindex seiner Schulen neu und verschiebt damit Personalressourcen. In Niedersachsen wächst unterdessen der Druck auf die rot-grüne Landesregierung, ein vergleichbares Instrument nicht nur anzukündigen, sondern verbindlich in die Ressourcenzuweisung einzubauen.

Sozialindex. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Hamburg hat den Sozialindex für alle 329 allgemeinen staatlichen Schulen neu berechnen lassen. Wie die Schulbehörde mitteilte, verschlechtern sich die sozialen Rahmenbedingungen bei 22 der 198 staatlichen Grundschulen, bei 19 verbessern sie sich. Die Neubewertung hat unmittelbare Folgen für die Ausstattung. Schulen, deren Index sich verschlechtert hat, bekommen zum 1. August zusätzliches Personal. Schulen mit verbessertem Sozialindex müssen Personal abgeben. Dies geschieht nach Angaben der Behörde schrittweise, sodass keine Schule in einem Jahr mehr als 2,5 Prozent ihres Personals verliert.

Während die Hansestadt den Sozialindex seit Jahren als zentrales Steuerungsinstrument nutzt, ist er im benachbarten Niedersachsen bislang nicht verbindlich in der Ressourcenzuweisung verankert. Mehrere Verbände erhöhen deshalb den Druck auf die Landesregierung. In einer gemeinsamen öffentlichen Stellungnahme fordern der Schulleitungsverband Niedersachsen, der Verband Bildung und Erziehung (Landesverband Niedersachsen), der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte, der Verband der Leitungen niedersächsischer Grundschulen sowie der Landesschülerrat, den Sozialindex „jetzt verbindlich in die Ressourcenzuweisung“ einzubauen.

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„Wer die tatsächlichen Probleme lösen will, darf kein Heftpflaster auf offene Brüche kleben“

Die Verbände beschreiben erhebliche Unterschiede zwischen Schulen im selben Bundesland. „In Niedersachsen hängen die Lern- und Arbeitsbedingungen an Schulen noch immer zu wenig von den tatsächlichen sozialen Ausgangslagen der Schülerinnen und Schüler ab“, heißt es in der Erklärung. Weiter schreiben sie: „Schulen mit hoher sozialer Belastung müssen pädagogische, organisatorische und soziale Aufgaben in besonderer Dichte parallel bewältigen – von individueller Förderung über Konfliktprävention bis hin zu Fragen der Teilhabe –, ohne dass sich diese Mehrbelastung bislang systematisch in der Zuweisung von Stunden, Personal und finanziellen Mitteln widerspiegelt“.

Die Verbände kritisieren, dass die bislang geplante Einbindung des Sozialindex in die Neufassung des Klassenbildungserlasses „doppelt kläglich“ sei. Wörtlich heißt es: „‚Ressourcenneutral‘ wird ein Vorhaben dieser Größenordnung nicht zu haben sein. Das Bildungssystem braucht Haushaltsmittel in Größenordnungen, die in anderen Zusammenhängen ‚Sondervermögen‘ heißen“. Zeitlich befristete Programme wie „SchulePlus“ oder „Startchancen“ bewerten die Unterzeichnenden als unzureichend. „Wer die tatsächlichen Probleme lösen will, darf kein Heftpflaster auf offene Brüche kleben“, heißt es in der Stellungnahme.

„Schulscharfes Steuerungsinstrument und Schaltzentrale der Ressourcenzuweisung“

Mit Verweis auf Hamburg argumentieren die Verbände, dort werde der Sozialindex als „schulscharfes Steuerungsinstrument und Schaltzentrale der Ressourcenzuweisung“ genutzt. Sie fordern eine sozialindexbasierte Grundzuweisung von Unterrichtsstunden, Zusatzkontingenten und Budgets, mehr multiprofessionelle Teams an belasteten Standorten sowie eine gesetzliche Verankerung mit mehrjähriger Planungssicherheit.

Abschließend richten sie einen direkten Appell an die Politik: „Wir fordern daher die niedersächsische Kultusministerin Julia Willie Hamburg auf, im Anschluss an die Koalitionsvereinbarung durch parteiübergreifende Konsensbildung für die verlässliche Etablierung eines Sozialindex über die aktuelle Legislaturperiode hinaus zu sorgen“.

Der Hamburger Sozialindex folgt der Logik von Schulnoten, allerdings mit umgekehrter Skala: Die sechs steht für günstige soziale Rahmenbedingungen, die eins für besonders herausfordernde Lagen. Schulen mit einer sozial benachteiligten Schülerschaft erhalten nach Angaben der Behörde bis zu 50 Prozent mehr Lehrkräfte. Sie können kleinere Klassen bilden und zusätzliche Sprachförderung sowie sonderpädagogische Unterstützung organisieren.

Der Sozialindex sage nichts über die Qualität der pädagogischen Arbeit aus, betont die Behörde. Er beschreibe die sozialen Rahmenbedingungen, unter denen Bildung stattfinde. Dazu zählten etwa Klassengrößen, Ausstattung oder Fördermaßnahmen.

Erstmals erhoben wurde der Sozialindex 2005, zuletzt war er 2021 aktualisiert worden. Nun hat das Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IfBQ) die Daten überprüft und angepasst. Hintergrund seien Veränderungen in den Stadtteilen einer wachsenden Metropole, die sich auch in der Zusammensetzung der Schülerschaft niederschlügen. News4teachers / mit Material der dpa

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