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Nach CDU-Wahlsieg fordern Philologen Taten: „In Sachen Bildung brennt die Hütte“

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MAINZ. Nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz verschieben sich nicht nur politische Mehrheiten. Auch die Bildungspolitik wird neu ausgerichtet. Der Philologenverband fordert von der künftigen Landesregierung schnelle und konkrete Reformen – und verweist auf Zusagen aus dem Wahlkampf, die nun eingelöst werden müssten. Richtungsweisend dürfte sein, was aus dem Modellversuch „Schulen der Zukunft“ wird.

Wahlsieger (und wohl auch künftiger Ministerpräsident): CDU-Landeschef Gordon Schnieder. Foto: CDU Rheinland-Pfalz

Noch ist die neue Regierung nicht gebildet, doch der Ton in der bildungspolitischen Debatte ist bereits gesetzt. Der Philologenverband Rheinland-Pfalz richtet sich einen Tag nach der Landtagswahl mit deutlichen Worten an die künftige Landesregierung. „In Sachen Bildung brennt die Hütte – jetzt müssen auf die Ankündigungen im Wahlkampf Taten folgen“, erklärt die Landesvorsitzende Cornelia Schwartz.

Der Appell fällt in eine Phase politischer Neuordnung. Nach fast 35 Jahren hat die CDU die SPD bei einer Landtagswahl in Rheinland-Pfalz auf Platz zwei verwiesen. Nach dem vorläufigen Ergebnis kommt die CDU auf 31,0 Prozent, die SPD stürzt auf 25,9 Prozent ab – ein historischer Tiefstand. Die AfD erreicht mit 19,5 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis im Westen. Die Grünen verlieren leicht und kommen auf 7,9 Prozent, während FDP, Freie Wähler und Linke an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,5 Prozent.

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Vieles deutet darauf hin, dass CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder künftig die Regierung anführen wird, voraussichtlich in einer Koalition mit der SPD. Schnieder kündigte bereits an: „Wir werden in der demokratischen Mitte eine Koalition bilden.“ Damit rückt eine große Koalition mit komfortabler Mehrheit im Landtag in den Bereich des Wahrscheinlichen.

„Wer Bildungsgerechtigkeit ernst meint, muss die Grundlagen stärken – durch bessere Deutschförderung, kleinere Lerngruppen, klare Strukturen“

Vor diesem Hintergrund gewinnt die bildungspolitische Positionierung der Verbände an Gewicht. Der Philologenverband verweist ausdrücklich auf die Rolle von CDU und SPD in den vergangenen Jahren und erinnert an bestehende Gesprächsformate. Zugleich formuliert er Erwartungen an die künftige Regierungskonstellation. „Wer Bildungsgerechtigkeit ernst meint, muss die Grundlagen stärken – durch bessere Deutschförderung, kleinere Lerngruppen, klare Strukturen. Nur so erreichen wir echte Chancengerechtigkeit. Wegschauen und Herumdoktern an Symptomen gilt jetzt nicht mehr“, so Schwartz.

Die Forderungen des Verbandes zielen auf strukturelle Veränderungen im Schulsystem. Im Zentrum steht die frühe Sprachförderung, die bereits vor der Einschulung einsetzen soll. Dahinter steht die Einschätzung, dass Defizite beim Schuleintritt im weiteren Bildungsweg nur schwer auszugleichen sind. Ebenso wird die Reduzierung von Klassengrößen als Voraussetzung für individuelle Förderung genannt. Auch die Struktur der Fremdsprachenfolge wird infrage gestellt. Künftig soll die erste Fremdsprache erst ab Klasse 5 beginnen, die zweite ab Klasse 7 – mit Ausnahmen für bestimmte Schulformen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Regulierung digitaler Geräte im Schulalltag. Der Verband fordert „klare Regeln für die Verwendung von Smartphones und Co. in der Schule“. Damit greift er eine Debatte auf, die bundesweit an Dynamik gewonnen hat und in mehreren Ländern bereits zu konkreten Einschränkungen geführt hat. Richtungsweisend dürfte sein, was aus dem bundesweit einmaligen Schulversuch „Schule der Zukunft“ wird, der freieres Lernen erproben soll und an dem sich landesweist mittlerweile rund 150 Schulen beteiligen. Der Philologenverband hatte den Schulversuch stets scharf kritisiert (News4teachers berichtete).

Vor diesem Hintergrund klingt es doppeldeutig, wenn die Philologen-Chefin formuliert: „Wir haben viele weitere Ideen für eine gute Schule, die Kinder wirklich auf das Leben vorbereitet. Es gibt viel zu tun. Zu konstruktiven Gesprächen stehen wir als Philologenverband wie in der Vergangenheit auch künftig jederzeit bereit.“ News4teachers / mit Material der dpa

CDU weist Spekulationen zurück und will „Schule der Zukunft“ weiterentwickeln

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Abdulla
1 Stunde zuvor

Die CDU hat nur deshalb gewonnen, weil die SPD so stark verloren hat. Ich kann diese Selbstbeweihräucherung nicht mehr hören. “Der Wähler will…” Nicht mal ein Drittel der Wähler will die CDU. Zwei Drittel wollen sie offensichtlich nicht.

Nun will Herr Schnieder die Bildung vom Kopf auf die Füße stellen. Na, das sind ja tolle Aussichten. Immer diese Politiker-Phrasen. Das hätte jeder andere Politiker genauso sagen können. Geht es ein bisschen konkreter vielleicht?

Und wieso glaubt die CDU, die SPD macht als Koalitionspartner nun alles rückgängig, was sie in den letzten 35 Jahren SPD-Regierung im Bereich Bildung gemacht hat? Sie werden der Koalitionspartner sein. Da werden wieder minimale Kompromisse herauskommen und im Großen und Ganzen ändert sich fast nichts.

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