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Ramadan: Verband Muslimischer Lehrkräfte wendet sich gegen sozialen Druck zu fasten

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BERLIN. Der Fastenmonat Rmadan hat begonnen, vielerorts verändert sich damit auch der Schulalltag. Vor dem Hintergrund einer aktuellen Debatte über wachsenden sozialen Druck unter Jugendlichen bringt der Verband Muslimischer Lehrkräfte seine Handreichung für Kolleginnen und Kollegen in Erinnerung. Darin geht es um Religionsfreiheit, pädagogische Verantwortung – und klare Grenzen gegenüber Zwang und Ausgrenzung.

“Kein Vorwand, schulische Pflichten zu umgehen“: Zentralmoschee Köln. Foto: Shutterstock / Michael von Aichberger

 

Mit Beginn des Ramadan weist der Verband Muslimischer Lehrkräfte (VML) auf seine bereits 2022 veröffentlichte Handreichung für Schulen hin. Der „Infobrief zum Thema Ramadan“ richtet sich ausdrücklich an „KollegInnen in der Schule“ und soll über religiöse Hintergründe, Praxisfragen und pädagogische Handlungsmöglichkeiten informieren.

In dem Schreiben heißt es einleitend: „der islamische Fastenmonat Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam. Weltweit freuen sich Milliarden Menschen das ganze Jahr über auf den Beginn dieses besonderen Monats, darunter viele unserer SchülerInnen und unserer LehrerkollegInnen. Der Ramadan ist ein Monat der Einkehr, Besinnung, Spiritualität und Vergebung.“

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„Wer fastet und gleichzeitig flucht, schlägt, spuckt und andere nicht respektiert, verstößt gegen den Sinn des Fastens“

Der Verband betont, dass das Fasten mehr sei als der Verzicht auf Essen und Trinken zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang. Vielmehr diene der Ramadan der „Schulung des Charakters und der Stärkung des Gottesbewusstseins“. Zugleich verweist die Handreichung auf religiöse Ausnahmen: „Ausgenommen von der Pflicht zum Fasten sind alte Menschen, chronisch Kranke, Kinder, Reisende, Menstruierende, Schwangere und Stillende.“

Vor allem für den Schulalltag formuliert der Verband konkrete Hinweise. So heißt es unter der Überschrift „Empfehlungen zum Umgang in der Praxis“: „Fasten ist wie Beten eine Sache zwischen Mensch und Gott – es geht andere nichts an, ob jemand fastet oder nicht fastet. Es darf niemand herabgewürdigt werden, wenn er oder sie nicht fastet und genauso darf niemand diskriminiert werden, wenn er oder sie fastet.“

Zugleich stellt der VML klar: „Es gibt keinen Zwang in der Religion. Eine gesundheitliche Gefährdung des Kindes oder Jugendlichen ist nicht im Sinne des Islam.“ Das „Wohl des Kindes“ stehe „immer zu jeder Zeit im Vordergrund“. Fasten sei kein Vorwand, „schulische Pflichten zu umgehen“. Wer faste und gleichzeitig „flucht, schlägt, spuckt und andere nicht respektiert“, verstoße „gegen den Sinn des Fastens“.

Lehrkräfte werden ausdrücklich in die Verantwortung genommen. Wenn im Sportunterricht deutlich werde, dass eine Schülerin oder ein Schüler gesundheitlich geschwächt sei, „sollte die Lehrkraft das Wohl des Kindes im Auge behalten und die Empfehlung aussprechen, das Fasten abzubrechen“.

Aktuelle Brisanz erhält die Erinnerung an die Handreichung durch eine Debatte über wachsenden sozialen Druck unter Jugendlichen während des Ramadan. Der Münsteraner Theologe Prof. Mouhanad Khorchide hatte in den vergangenen Tagen vor einer Entwicklung gewarnt, bei der einzelne Schülerinnen und Schüler Mitschüler unter Druck setzten, wenn diese nicht fasteten. Er sprach von Jugendlichen, die sich als „eine Art Religionspolizei“ aufspielten und andere mit Sätzen wie „Was für ein Muslim bist du?“ abwerteten.

Khorchide forderte gegenüber Medien klare Ansprechstellen in Schulen und betonte, Lehrkräfte dürften nicht wegschauen oder das Problem als rein innerreligiöse Angelegenheit behandeln. Der VML greift diese Perspektive auf, indem er die individuelle Religionsfreiheit hervorhebt. In seiner Handreichung heißt es ausdrücklich: „Fasten ist die Entscheidung jedes Einzelnen.“ News4teachers 

Hier lässt sich die Handreichung des VML herunterladen. 

Ramadan: Theologe Khorchide warnt vor wachsendem Fastendruck an Schulen

 

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Rainer Zufall
2 Stunden zuvor

“Es darf niemand herabgewürdigt werden”
Wie beruhigend, wahrscheinlich dachten schon viele, der Verband würde sich FÜR Herabwürdigung aussprechen. Garantiert wird diese Stellungnahme positiv aufgenommen und nicht völlig außer Acht gelassen, um weiter gegen Religion abzustänkern 😛

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